An diesem Tag

Schlacht bei Charkow (1942)

Schlacht des Zweiten Weltkriegs

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Die Schlacht bei Charkow, auch Zweite Schlacht um Charkow, war eine größere Schlacht im Deutsch-Sowjetischen Krieg während des Zweiten Weltkrieges. Sie fand vom 12. bis 28. Mai 1942 in der Nähe von Charkow (heute ukrainisch Charkiw) statt und führte nach Anfangserfolgen der Roten Armee zur Einkesselung eines großen Teils der Angriffsverbände durch einen Gegenangriff der Wehrmacht.

Charkow war aufgrund seiner zentralen Lage bei Vormarsch und Rückzug der deutschen Wehrmacht mehrfach umkämpft. Es fanden während des Krieges in der Region insgesamt vier Schlachten statt. Die erste ereignete sich beim deutschen Vormarsch im Oktober 1941. Im Februar und März 1943 entbrannten erneut heftige Kämpfe um die Stadt, die als Dritte Schlacht um Charkow bekannt wurden; nach zwischenzeitlicher Rückeroberung durch die Rote Armee folgte eine erneute deutsche Einnahme. Im August 1943 wurde die Stadt im Rahmen der Belgorod-Charkower Operation von sowjetischen Truppen endgültig zurückerobert.

Im Dezember 1941 kam das Unternehmen Barbarossa auf der Linie Leningrad, Moskau und Rostow zum Erliegen. Das sowjetische Oberkommando (Stawka) brachte neue Reserven auf und lancierte ab Dezember verschiedene Gegenoffensiven entlang der ganzen Front, welche als Sowjetische 1. Winteroffensive bekannt wurden. Im Norden versuchten die Leningrader Front und die Nordwestfront in der Schlacht am Wolchow, den Belagerungsring um Leningrad zu öffnen. Die Nordwestfront und die Kalininer Front gingen mit einer Zangenbewegung Richtung Ostrow vor, was zur Kesselschlacht von Demjansk führte. Vor Moskau wurde mit Teilen der Kalininer Front und der Westfront die Schlacht um Moskau geschlagen. Im Schwarzmeergebiet startete die Kaukasusfront einen Versuch, die Krim zurückzuerobern. Im Süden hatte die 1. Panzerarmee unter Ewald von Kleist Rostow bereits Ende November wegen starker sowjetischer Gegenangriffe aufgeben müssen. Die Front in diesem südlichen Abschnitt stabilisierte sich am Mius.

Am 5. Januar 1942 war General Friedrich Paulus unter gleichzeitiger Beförderung zum General der Panzertruppe zum Oberbefehlshaber der deutschen 6. Armee ernannt worden. Nach dem Tod Generals von Reichenau hatte Generalfeldmarschall von Bock den Oberbefehl der übergeordneten Heeresgruppe Süd übernommen.

Ab 18. Januar 1942 unternahmen die sowjetische Süd- und Südwestfront in der Barwenkowo-Losowajaer Operation südlich von Charkow einen Angriff zwischen Balakleija und Slawjansk über den Donez, um in Richtung zum Asowschen Meer durchzubrechen und damit die 1. Panzerarmee abzuschneiden und zu vernichten. Die Front zwischen den inneren Flügeln der deutschen 6. und 17. Armee brach innerhalb weniger Tage zusammen. Der nördliche auf Krasnograd gerichtete Vorstoß durch die sowjetische 6. Armee (General Gorodnjanski) konnte durch Alarmverbände erst am Oriel-Abschnitt gestoppt werden. Der mittlere auf Dnepropetrowsk gerichtete Vorstoß durch die 57. Armee (General D. I. Rjabyschew) drängte die deutsche 68. und 298. Infanterie-Division bis auf Losowaja zurück. Der südliche vom 5. und 1. Kavalleriekorps vorgetragene Vorstoß auf Stalino warf den rechten Flügel des deutschen XXXXIV. Armeekorps nach Südosten zurück und bedrohte dann das Hinterland der Deutschen. Am 24. Januar fiel Barwenkowo und wenige Tage später kam Losowaja in sowjetische Hände. Die Bahnlinien von Charkow nach Süden und von Poltawa nach Slawjansk waren durch den sowjetischen Durchbruch abgeschnitten. Mit Mühe führte die deutsche 6. Armee unter Einbeziehung starker rumänischer Kräfte taktische Gegenschläge durch, welche weitere Erfolge der Sowjets erst Ende Februar eindämmen konnten, die Lage aber nicht völlig entspannten. Der sowjetische Angriffsplan führte nicht zum vollen Erfolg, aber der gewonnene Frontbogen von Isjum brachte die nötigen Voraussetzungen für eine baldige Wiederaufnahme der Offensive.

Sowjetische Strategie und Planung

Nach dem Ende der Winteroffensive wollten Stalin und die Stawka die Initiative nicht aus der Hand geben. Der Stawka war bewusst, dass die deutsche Wehrmacht für den Sommer eine erneute Offensive plante. Die Stoßrichtung war jedoch unbekannt. Nach den starken Bemühungen der deutschen Wehrmacht im Herbst 1941 vermutete die Stawka aber eine Fortführung der Angriffe in Stoßrichtung Moskau. Gemäß der im Jahre 1941/42 üblichen strategischen Denkweise der Roten Armee wollte Stalin die deutsche Vorbereitung mit mehreren Offensiven entlang der gesamten Ostfront stören, anstatt die Kräfte für eine große Offensive zu konzentrieren.

Im nördlichen Sektor befahl Stalin daher am 9. April der Leningrader Front und der Wolchow-Front einen Entsatzangriff zur Befreiung der eingeschlossenen sowjetischen 2. Stoßarmee. Am 22. April 1942 befahl er der Nordwestfront einen weiteren Angriff auf das seit Januar im Demjansker Kessel eingeschlossene deutsche II. Armeekorps. An der Westfront wurde bei Wjasma die eingeschlossene Gruppe Below verstärkt, damit diese sich freikämpfen konnte. Auf der Krim erhielt die Krimfront den Befehl, den Brückenkopf auf der Halbinsel Kertsch zu erweitern, um den Belagerungsring bei Sewastopol zu brechen. Anfang Mai wurde im Norden der Leningrader Front eine Offensive gegen die finnischen Truppen befohlen.

Die Offensive im Raume Charkow war dabei die größte. Sie wurde geplant und durchgeführt durch die Südwestfront mit Hilfe der Brjansker Front und der Südfront. Marschall Timoschenko, Oberbefehlshaber der Südwestfront, plante zwei Offensiven, welche sich in einer Zangenbewegung westlich von Charkow vereinigen sollten: Eine südliche Offensive aus dem Frontbogen von Isjum in Richtung Nordwesten, bis westlich von Charkow, und eine nördliche Offensive aus dem kleinen Brückenkopf bei Stary Saltow, westlich des nördlichen Don in Richtung Charkow. Die beiden Gruppenteile sollten sich westlich von Charkow verbinden, die Stadt einnehmen und die dann eingekesselten deutschen Truppen vernichten.

Marschall Timoschenkos weiterer Plan sah vor, mit den vereinigten Truppen in einer weiteren, gemeinsamen Offensive, den wichtigen Knotenpunkt Dnipropetrowsk einzunehmen. Bei einem Erfolg wären die Nachschublinien der Heeresgruppe Süd ernsthaft gefährdet gewesen. Dieser Teil des Plans wurde von der Stawka aber nicht genehmigt.

Deutsche Strategie und Planung

Nach den Kämpfen im Winter 1941/1942 wollte Hitler den Russlandfeldzug im Jahr 1942 zu Ende bringen. Im Gegensatz zum Unternehmen Barbarossa, bei welchem in drei strategischen Stoßrichtungen angegriffen wurde, konzentrierte sich das OKH aufgrund der bereits erlittenen hohen Verluste nun auf eine einzelne strategische Stoßrichtung: Die Offensive sollte im Süden weitergeführt werden, um die wirtschaftlich wichtigen Regionen im Donezbecken und im Kaukasusraum einzunehmen. Aufgrund der erwarteten wirtschaftlichen Schwächung der Sowjetunion durch diese Operationen sollte es, so die Hoffnung der deutschen Generäle, in der Folge möglich sein, mit einem Richtungswechsel der Heeresgruppe Süd nach Norden Moskau einzunehmen. Daraus entstand der Plan Fall Blau.

Im Vorfeld zum Fall Blau wurden zwei weitere Operationen zur Vorbereitung geplant. Die Operation Kreml war ein Ablenkungsmanöver, welches eine größere Offensive der Heeresgruppe Mitte auf Moskau vortäuschen sollte und in der Tat zur sowjetischen Fehleinschätzung der strategischen Lage beitrug. Die Operation Fridericus hatte hingegen zum Ziel, den Frontbogen von Isjum zu vernichten, denn die Heeresgruppe Süd hatte Bedenken, dass sich der sowjetische Brückenkopf negativ auf die geplante Sommeroffensive im Süden auswirken könnte. Geplant war ein Angriff der 6. Armee von Norden und von der 1. Panzerarmee von Süden Richtung Isjum. Für diesen Angriff wurden starke Verbände in Charkow und bei Slawjansk zusammengezogen. Diese Vorbereitungen, welche der Stawka unbekannt blieben, hatten starken Einfluss auf den Ausgang der sowjetischen Charkow-Offensive, da die deutschen Kräfte um Charkow aus diesem Grund deutlich stärker waren, als es die Rote Armee erwartet hatte.

Der Angriff sollte durch die Südwestfront und den nördlichen Flügel der Südfront geführt werden. Marschall Timoschenko und sein Stabschef Bagramjan setzten vier Armeen direkt zum Angriff an. Zu Beginn der Offensive konzentrierte die Stawka eine Panzergruppe mit 925 Panzern. Die Gruppe bestand aus drei Panzerkorps (21., 22. und 23.) und 9 separaten Panzerbrigaden. Das 22. Panzerkorps (Oberst Alexander Schamschin) wurde der 38. Armee unterstellt und auf die Schützendivisionen aufgeteilt. Das 21. (Generalmajor Grigori Kusmin) und 23. Panzerkorps (Generalmajor Jefim Puschkin) wurde dagegen zum Durchbruch konzentriert und bildeten zusammen mit dem 6. Kavalleriekorps (General A. A. Noskow) die mobile Armeegruppe Bobkin.

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Schlacht bei Charkow (1942) | World in Stories