Die Schesaplana (betont auf -pla-) ist mit einer Höhe von 2965 m ü. A. (nach Schweizer Messung 2964 m ü. M.) der höchste Berg im Rätikon und gehört noch zu den Ostalpen. Ihr Name setzt sich aus „Saxa“ und „plana“ (Schrofen, der plan, gerade ist) zusammen. Weitere, früher benutzte Bezeichnungen waren „Sergiaplana“ und „Scaessa Planna“. Über ihren Gipfel verläuft die Staatsgrenze zwischen dem österreichischen Bundesland Vorarlberg und dem Schweizer Kanton Graubünden. Am Nordhang befindet sich der Brandner Gletscher, am Ostfuß liegt der Lünersee, mit (bei Vollstau) 1,6 Quadratkilometern Fläche einer der größten Bergseen Vorarlbergs. Mit einer Tiefe von ca. 139 m (bei Vollstau) ist dieser auch der tiefste Bergsee des Bundeslandes.
Das Schesaplana-Massiv bildet den westlichsten Ausläufer der nördlichen Kalkalpen. Prägend sind dicke Schichten mit dolomitischen Platten- und Massenkalken. Dazwischen findet sich die unruhige Raibl-Formation mit dünnen Schichten aus v. a. Gips, Tonmergeln und Schiefern, die sich auch farblich stark gegeneinander abheben. Im Gipfelbereich findet man schließlich die Kössener Schichten, wiederum mit dunklen Mergeln, einzelnen Kalkbänken und schwarzen bis bräunlichen Tonschiefern, die allesamt leicht und kleinstückig zerfallen.
Besteigungsgeschichte und touristische Erschließung
Von manchen Autoren wird die erste dokumentierte Besteigung der Schesaplana bereits auf 1610 datiert. So berichtet beispielsweise der Alpenvereinsführer von Walther Flaig von einer Besteigung am 24. August 1610. Diese soll durch den Bludenzer Vogteiverwalter David Pappus von Tratzberg mit zwei Führern im Zuge der Grenzbeschau der Herrschaften Bludenz und Sonnenberg stattgefunden haben. Aus geschichtswissenschaftlicher Sicht ist dies auf Grundlage der zeitgenössischen Aufzeichnungen jedoch unhaltbar.
Im Urbar der Herrschaften Bludenz und Sonnenberg von 1620 beschrieb Hauptmann David von Pappus mehrere seiner dienstlichen Bergfahrten zur Erkundung der Grenzen sowie von Möglichkeiten der Verteidigung bei einem Angriff aus dem heutigen Graubünden. Demnach seien er und seine Begleiter am 24. August 1610 von Vandans durch das Rellstal und über die Salonien-/Zaluandaalpen zum Schweizertor, von wo aus sie einen ersten Blick über die Grenze werfen konnten, aufgestiegen. Der Weiterweg führte über das Verajoch (2330 m) ins Gebiet zwischen Cavalljoch und Lünersee, wo auch dieses im Grenzverlauf befindliche Joch besichtigt wurde. Danach erkundeten sie zwei Wege von der Totalp ins Prättigau und besichtigten abschließend „den hohen Gletscher in Brann“. Damit war aber nicht der Brandner Gletscher und auch nicht der Schesaplanagipfel gemeint, sondern der Schesaplana-Bergstock insgesamt. Die Gruppe kehrte im Bereich der Totalp um, erreichte weder den Brandner Gletscher noch die Schesaplana. Ein Aufstieg auf diese wäre zur Erledigung von Pappus’ Auftrag auch nicht nötig gewesen. Der Abstieg erfolgte noch am gleichen Tag, unter Mithilfe eines Hirten, der den Erkundern eine Spur vom Lünersee über die Lünerkrinne (2155 m) zur Alpe Lün, von welcher der Weg ins Rellstal hinunterführt, in den Neuschnee getreten haben soll.
Unter dem Umstand, dass demnach schon in Höhen um oder etwas über 2000 m sommerlicher Neuschnee lag, erscheint eine Schesaplanabesteigung zum Anfang des 17. Jahrhunderts innerhalb eines Tages mit Ausgangspunkt Vandans (648 m), und zudem mit dem Umweg über das Verajoch, kaum möglich.
Die erste dokumentierte Besteigung der Schesaplana vollführte der Prättigauer Pfarrer Nicolin Sererhard mit zwei Begleitern in den 1730er-Jahren. Er schilderte seine „Schaschaplana-Bergreis“ in seinem Landeskundewerk Einfalte Delineation aller Gemeinden gemeiner dreyen Bünden 1742 ausführlich. Die drei überschritten die Schesaplana dabei von Seewis im Prättigau nach Brand. Der Aufstieg führte über das Schafloch und den Brandner Gletscher, der Abstieg über die Totalp und den Lünersee. Der weitere Abstieg führte über die Lünerseealpe und das Cavelljoch.
Die nächste überlieferte Besteigung war 1790 die des Bludenzer Barons Franz Ludwig von Sternbach und des Brandner Jägers Josef Sugg, welche als erste Besteigung von Brand aus gilt.
1793 erstiegen der Bündner Politiker Jakob Ulrich Sprecher von Bernegg, der Dichter Johann Gaudenz von Salis-Seewis, die Pfarrherren Luzius Pol von Fläsch und Jakob Valentin von Jenins, sowie zwei weitere Personen die Schesaplana auf einer ähnlichen Route wie Sererhard.
Luzius Pol von Fläsch bestieg die Schesaplana 1809 nochmals allein.
Ein weiterer Besteigungsbericht von Carl Ulysses von Salis-Marschlins ist auf 1811 datiert.
In den 1850er-Jahren gab es dann schon eine Art Klassenfahrt, als Jesuitenpatres der 1856 gegründeten Feldkircher Schule Stella Matutina mit etlichen ihrer Schüler auf den Gipfel, wo sie aber der völligen Erschöpfung nahe gewesen sein sollen, stiegen.
Anfang 1885 gelang die erste Winterbesteigung ohne Ski durch den Schwaben Theodor von Wundt mit einem Begleiter aus Brand.
Am Neujahrstag 1900 gelangten Victor Sohm, Josef Ostler und Hermann Hartmann per Ski auf die Schesaplana. Diese war eine der ersten Skitouren auf einen Hochgipfel der Ostalpen.
Das einst von Walsern besiedelte Brandner Tal war über Jahrhunderte ziemlich entlegen. Die wenigen im Schesaplanagebiet tätigen Bergsteiger waren auf (damals) primitive Hirtenhütten, bspw. die Lünersee-, Schattenlagant- oder Oberzalimalpe angewiesen, oder übernachteten vor Eröffnung der Lünerseehütte beim bergsteigerfreundlichen Brandner Pfarrer Georg Tiefenthaler in seinem Dienstgebäude.
Die Piz-Buin-Erstbesteigung durch Johann Jakob Weilenmann und Gefährten 1865 machte das Bergsteigen in Vorarlberg populär. So erfolgten dann z. B. durch Initiative von G. Tiefenthaler noch in den 1860er-Jahren Arbeiten zur Erleichterung der Begehbarkeit des gefürchteten und früher meist gemiedenen „Bösen Tritt“, der die – nun auch von der Seilbahn überquerte – Felsstufe zwischen dem obersten Brandner Tal und dem Lünersee überwindet.
Die Inbetriebnahme der Eisenbahnlinie vom Rheintal nach Bludenz 1872 (Höhenlage des Bahnhofs Bludenz 558 m) sowie des Arlberg-Eisenbahntunnels (1884) erleichterten die Anreise zum Brandner Tal erheblich. Zuvor war beispielsweise Weilenmann 1852 an einem Tag 60 km von St. Gallen nach Brand gelaufen, am folgenden Tag auf die Schesaplana gestiegen und am dritten Tag wieder zu Fuß nach St. Gallen zurückgekehrt.
Das Verkehrswesen innerhalb des Brandner Tales blieb relativ rückständig. Erst 1930 konnte eine Straße, die auch die Eröffnung einer Omnibuslinie nach Brand (1037 m) erlaubte, eingeweiht werden.