Schattendorf (ungarisch Somfalva, kroatisch Šundrof) ist eine Marktgemeinde mit 2334 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2026) im Bezirk Mattersburg im Burgenland in Österreich. Das Gemeindegebiet ist Teil des Naturparks Rosalia-Kogelberg.
Die Gemeinde Schattendorf liegt an der Grenze zu Ungarn westlich der ungarischen Stadt Ödenburg/Sopron. (Ödenburg) Es besteht auch ein Grenzübergang zur ungarischen Gemeinde Agendorf/Ágfalva (Agendorf). Schattendorf ist der einzige Ort in der Gemeinde.
Der Naturpark Rosalia-Kogelberg ist Teil des Gemeindegebiets.
Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg. Später im Römischen Reich war das Gebiet Teil der Provinz Pannonia. Es wurden Reste einer Villa rustica in der Nähe der Bahnstation Baumgarten-Schattendorf gefunden.
Erste urkundliche Erwähnung fand die Gemeinde, damals noch unter dem Namen Suesla in einem Testament eines Gesandten namens Adalbert, in dem er seine Besitztümer seiner Frau, seinem Bruder und dem St. Martins Stift Pannonhalma vermacht. Zwar ist die Urkunde selbst mit keinem Datum versehen, kann jedoch aufgrund seiner Tätigkeit in einer Gesandtschaft zum König Rogers II von Sizilien und weiterer europageschichtlichen Fixpunkten auf das Jahr 1153 datiert werden.
Eine mögliche Erklärung des Ortsnamens geht auf die slawische Wurzel „sus“ für Ziesel zurück. Gemäß dieser Erklärung bedeutet der ursprüngliche Ortsname Ziesel(bach)dorf. Alternative Erklärungsansätze für die Wurzel des heutigen deutschen Ortsnamens beziehen sich auf den mittelhochdeutschen Personennamen Skato - Scatendorf. Jedenfalls findet sich die Verwendung des Namens Suesla in weiteren Urkunden des 12. und 13. Jahrhunderts, ehe sich der Name über Sadundorf bis ins 15. Jahrhundert hinein auf Schadendorf bzw. Schondorf abändert. Letzterer wird auch noch heute im örtlichen Dialekt verwendet.
Im 13. Jahrhundert wurden die Grafen Simon und Bertrand durch den ungarischen König Bela IV. mit Schattendorf („terram Sadundorf“) belehnt. Dies war der Beginn des Anschlusses an die Grafschaft Forchtenstein. Der 1445 erbenlos verstorbene Wilhelm von Forchtenstein hatte diese dem späteren österreichischen Herzog Albrecht VI. verpfändet. Dies begründete eine nahezu zweihundertjährige Phase der Unterstellung unter österreichische Verwaltung und Steuerhoheit.
1621 (noch als Teil der Herrschaft Forchtenstein) kam Schattendorf an die Familie Esterhazy. Im 17. Jahrhundert wurde Schadendorf, wie der Ort mittlerweile genannt wurde, durch die Kuruzzeneinfälle schwer getroffen.
Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 staatsrechtlich zu Ungarn (Komitat Ödenburg). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Somfalva Schattendorf verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).
Am 30. Jänner 1927 schossen in Schattendorf drei Mitglieder der rechtsstehenden Frontkämpfervereinigung Deutsch-Österreichs auf die zahlenmäßig deutlich überlegenen, jedoch unbewaffneten Teilnehmer einer gegen sie gerichteten Demonstration des Republikanischen Schutzbundes und töteten dabei den sechsjährigen Josef Grössing und den Klingenbacher Schutzbündler Matthias Csmarits. Die Täter wurden von einem Geschworenengericht wegen Notwehr freigesprochen.
Am 15. Juli 1927, einen Tag nach dem Schattendorfer Urteil, versammelten sich aufgebrachte Arbeiter vor dem Justizpalast in Wien, erstürmten diesen und legten anschließend Feuer; die Regierung unter Bundeskanzler Ignaz Seipel ordnete die Niederschlagung der Demonstration an. Die so genannte Julirevolte forderte 89 Tote, auch auf Seiten der Polizei; der abgebrannte Justizpalast und das verschärfte politische Klima waren zusätzliche Schritte in den Bürgerkrieg.
Die Weltwirtschaftskrise 1929 erreichte das Burgenland sehr stark. Die Arbeitslosenquote war so hoch wie nie zuvor, vor allem weil besonders viele Schattendorfer in der Bauwirtschaft als Maurer oder Hilfsarbeiter beschäftigt waren. Gerade für die ländliche Bevölkerung wurde daher der Besitz von Grund und Boden immer bedeutender. Durch anhaltende Wirtschaftskrise wuchs auch die Mitgliederzahl paramilitärischer Verbände.
Nachdem die Erklärung der „immerwährenden Neutralität“ in Österreich funktioniert hatte, wollte auch das Nachbarland Ungarn eine solche Erklärung einführen. Dort scheiterte sie jedoch, was zu einem buchstäblichen Bürgerkrieg und einer enormen Flüchtlingsbewegung führte.
Am 4. November 1956 begann der Flüchtlingsstrom. In Schattendorf trafen allein an diesem Tag 500 Menschen ein, die Verpflegung und Unterkünfte benötigten. Sie wurden in Gasthäusern und leerstehenden Klassen der Schule einquartiert. Angesichts der großen Zahl von Flüchtlingen waren Hilfsorganisationen überfordert. Zahlreiche Schattendorferinnen kümmerten sich daher um die Flüchtlinge. Bis März 1957 flohen rund 200.000 Menschen ins Burgenland. Viele von ihnen reisten weiter. Jedoch blieben einige nahe dem Grenzgebiet in der Hoffnung auf eine baldige Rückkehr in die Heimat.
Österreich erhielt für seine Hilfsbereitschaft große internationale Anerkennung. Die große Flucht endete schließlich im Dezember 1956. Der im September demontierte „Eiserne Vorhang“ wurde wieder aufgebaut. Doch dieses Ende bedeutete noch lange nicht das Ende der Fluchtbewegung. Besonders in Schattendorf tauchten immer wieder meist junge Ungarn auf, die die Grenze auf spektakuläre Weise übertreten hatten.
Pfarrkirche Schattendorf zum Hl. Erzengel Michael: Um 1703 erbaut, Anbau des Turms 1747.
Naturpark Rosalia-Kogelberg: 2006 eröffnet, der Naturpark ist ca. 7.000 Hektar groß
Schuhmühle – Museums-, Kultur- & Kommunikationshaus: Dauerausstellung „Schüsse von Schattendorf“, Geschichte de Mühle