An diesem Tag

Saul Friedländer

Israelischer Historiker

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Saul Friedländer (eigentl. Pavel Friedländer, hebräisch שאול פרידלנדר; * 11. Oktober 1932 in Prag) ist ein israelischer Historiker und Autor.

Saul Friedländer wurde 1932 als Pavel Friedländer als Kind einer deutschsprachigen jüdischen Familie in Prag geboren. Sein Vater Jan Friedländer (1897–1942) stammte aus Prag, hatte dort an der Karlsuniversität Jura studiert und war später Angestellter einer Versicherungsgesellschaft. Seine Mutter Elli, geb. Glaser (1905–1942) kam ursprünglich aus Ober-Rochlitz (Horní Rokytnice) im Riesengebirge. Ihr Vater, Gustav Glaser aus Politz (1863–1921, bestattet in Gablonz), war dort durch eine eigene Leinen- und Baumwollweberei zu Wohlstand gelangt. Friedländers Familie war jüdisch, aber nicht religiös.

Friedländer verbrachte seine ersten Lebensjahre in Prag und besuchte dort ab September 1938 eine englische Privatschule. Seine Eltern flohen kurz nach der Besetzung der Tschechoslowakei am 15. März 1939 mit ihm nach Frankreich.

Friedländer lebte mit seinen Eltern zunächst in Paris. Die erste Zeit war sehr schwierig für sie, da sie über wenig finanzielle Mittel verfügten. Trotzdem konnten sie ihn in Internaten unterbringen. Sechs Monate verbrachte er in einem Heim für jüdische Kinder in Montmorency in der Nähe von Paris, bevor er in ein anderes Internat wechselte. Nach der Besetzung Frankreichs 1940 verließ die Familie Paris und verbrachte die nächsten zwei Jahre in Néris-les-Bains, in der Nähe von Montluçon, das in der unbesetzten Zone lag und somit dem Vichy-Regime unterstand.

Als nach der Besetzung Rest-Frankreichs die Verhaftung ausländischer Juden 1942 in ganz Frankreich begann, entschlossen sich Friedländers Eltern, ihren Sohn zu verstecken, und wählten dazu ein jüdisches Kinderheim in der Nähe von La Souterraine. Doch blieb er nur sehr kurz, da die Gefahr für ihn dort zu groß war. Danach entschieden seine Eltern, Saul in ein katholisches Internat namens Saint-Béranger, ein Internat der Sodalität, in Montluçon zu bringen. Dort erhielt er den Namen Paul-Henri Ferland. Er versuchte einmal, aus Saint-Béranger zu fliehen, um zu seinen Eltern zu gelangen, was auch glückte, musste danach jedoch wieder zurück. Er wurde Anfang Oktober 1942 in der Kirche Notre-Dame in Montluçon katholisch getauft und kam zunächst in ein Heim in Montneuf. Dort erkrankte er zwischendurch an einer schweren Kehlkopfdiphtherie, an der er fast gestorben wäre. Im September 1943 kehrte er nach Montluçon und Saint-Béranger zurück. Als Schüler von Saint-Beránger setzte er sich mit dem katholischen Glauben auseinander und beschloss schließlich, Priester zu werden.

Friedländers Eltern versuchten ebenfalls ein Versteck zu finden, doch wurde dies immer schwieriger. Aufgrund einer Krankheit musste sein Vater einige Tage ins Krankenhaus. Schließlich versuchten sie im Herbst 1942 oberhalb des Ortes Novel über die Schweizer Grenze zu fliehen, wurden jedoch abgewiesen und an die französische Polizei ausgeliefert. Sie kamen zunächst in ein Lager in Rivesaltes, bevor sie deportiert wurden. Wahrscheinlich wurden sie 1942 im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. In Néris-les-Bains hat die französische Polizei, nachdem man die Eltern gefasst hatte, auch nach Friedländer gesucht, sie hatte dabei jedoch keinen Erfolg.

Nach dem Ende des Krieges wurde ein jüdischer Kaufmann als Vormund für Friedländer ernannt. Vorerst blieb er in Saint-Béranger auf der Schule und sollte am Ende des Schuljahres in die Obhut des Vormundes überstellt werden. Er machte eine Reise nach Saint-Etienne und einige Zeit, nachdem er wieder zurück war, verließ er Saint-Béranger endgültig und zog zu dem Vormund. Erst 25 Jahre danach besuchte er Néris-les-Bains erneut.

Nach Kriegsende beschäftigte er sich immer mehr mit seinen jüdischen Wurzeln und befasste sich nicht nur mit zionistischen Ideen, sondern auch mit kommunistischen. So war er im August 1946 in einem zionistischen Jugendlager im Département Jura am Lac de Chalain, dort wurde er der Gruppe der Habonim zugeteilt. Nachdem er Saint-Béranger verlassen hatte, wurde er Gymnasiast und Internatsschüler in der Oberprima am Lyceé Henri-IV in Paris. Zu dieser Zeit ging er gelegentlich zu Versammlungen von kommunistischen Jugendverbänden im V. Arrondissement und den Versammlungen der Habonim. Er identifizierte sich mit zionistischen und kommunistischen Denkansätzen, jedoch entfernte er sich bald vom Kommunismus und ab Herbst 1947 war der Zionismus für ihn das Hauptanliegen. So war er im Alter von fünfzehn Jahren entschlossen, für Israel zu kämpfen. Doch lehnte Habonim dies ab und verweigerte ihm die Reise dorthin. Daraufhin fälschte er sein Geburtsdatum, folgte der Jugendorganisation Betar und begann am 4. Juni 1948 seine Reise Richtung Israel, unter anderem auf dem Schiff Altalena.

Bei seiner Ankunft in Israel änderte er schließlich seinen Namen „Paul“ in „Shaul“ und als Kompromiss zwischen der französischen Schreibweise „Saül“ und dem vorherigen „Paul“ wurde daraus „Saul“. Als Friedländer in Israel ankam, war er am Anfang für ein paar Monate in dem Dorf Nira nahe Netanja, bevor er interner Schüler einer landwirtschaftlichen Schule wurde. Dort lernte er Hebräisch und beschäftigte sich intensiv mit der jüdischen Kultur, welche ihm zu diesem Zeitpunkt noch relativ fremd war. Außerdem besuchte er für einige Monate die Schule im Kinder- und Jugenddorf Ben Shemen, bevor er nach Netanja kam, um dort die Oberstufe zu besuchen.

Danach absolvierte er von 1951 bis 1953 eine dreijährige Militärzeit bei den Israelischen Verteidigungsstreitkräften und wurde nach der Rekrutenausbildung aufgrund eines kleinen Herzfehlers einer nichtkämpfenden Einheit zugeteilt. Er arbeitete in einem Büro in Jaffa und hatte den Rang eines Stabsunteroffiziers.

Er studierte mit Unterbrechungen und absolvierte 1955 das Institut d’études politiques in Paris, bevor er mit einem Stipendium das Hochschulinstitut für internationale Studien in Genf besuchte und dort 1963 in Geschichte promovierte, nachdem er sich 1961 entschlossen hatte, eine Universitätslaufbahn einzuschlagen.

Zwischen seinen Studien besuchte er 1956 seinen Onkel in Schweden südlich von Stockholm und blieb dort für ein Jahr. Sein Onkel leitete ein Heim für geistig behinderte Kinder, in welchem er mithalf.

Im Herbst 1967 begann er in Jerusalem zu unterrichten und war Professor und Vorsitzender des Department of International Relations an der Hebräischen Universität in Jerusalem von 1969 bis 1975. Zudem ist er seit 1988 Professor für Geschichte an der University of California, Los Angeles und besitzt dort den Club Chair in Holocaust Studies und hat daneben auch an der Universität Tel Aviv eine Lehrtätigkeit ausgeübt, wo er seit 1975 den Maxwell Cummings Chair of European History innehat. Des Weiteren hielt er Gastvorlesungen an verschiedenen anderen Universitäten, so war er 2006/2007 der erste Gastprofessor am Jena Center für Geschichte des 20. Jahrhunderts an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Außerdem war er Associate Professor und Professor für Zeitgeschichte am Graduate Institute of International Studies in Genf von 1964 bis 1988. Darüber hinaus ist er Gründer und Chefredakteur der historischen Zeitschrift History & Memory.

Friedländer ist verheiratet und hat drei Kinder, Eli, David und Michal, sowie vier Enkelkinder. Hauptsächlich lebt er in Los Angeles, nachdem er seine Lehrtätigkeit in Tel Aviv aufgegeben hat.

Friedländer ist einer der bekanntesten und angesehensten Historiker in Israel und hat dort zudem viele Positionen innegehabt und sich für die Interessen des israelischen Staates engagiert, indem er verschiedene Aufgaben für diesen übernahm. Unter anderem war er Sekretär des Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation von 1958 bis 1960 und gehörte zum Vorstand des wissenschaftlichen Departments beim israelischen Verteidigungsministerium von 1960 bis 1961. Auch nahm er an weiteren Diskussionen über den israelisch-palästinensischen Konflikt teil. 1998 beteiligte er sich an der Diskussion über die Friedenspreisrede von Martin Walser.

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