Sathya Sai Baba (* 23. November 1926 in Puttaparthi, Andhra Pradesh; † 24. April 2011 ebenda; bürgerlicher Name: Sathya Narayana Raju Ratnakaram) war ein indischer Guru. Anhänger seiner Lehre gibt es vor allem in Nordamerika, Europa und Indien.
Ratnakaran Sathyanarayan Raju wurde laut dem Register seiner ehemaligen Schule 1929 im südindischen Dorf Puttaparthi als Bauernsohn geboren; abweichend davon gibt der von ihm autorisierte Biograph Narayana Kasturi den 23. November 1926 als Geburtsdatum an.
Laut Kasturi habe Sathyanarayan am 23. Mai 1935 vor seiner Familie und Freunden Süßigkeiten und Blumen materialisiert und verkündet, er sei eine Reinkarnation des indischen Heiligen Shirdi Sai Baba, der 1918 verstorben war. Am 8. März 1940 sei er von einem schwarzen Skorpion gestochen worden und sei deshalb ins Koma gefallen. Einige Tage später wieder erwacht, sei er in Trance gefallen und habe alte Schriften zitiert, von denen man nicht wusste, dass er sie kenne.
1950 gründete er in Puttaparthi seinen Haupt-Ashram Prashanti Nilayam (Ort des höchsten Friedens), der sich zu einer Pilgerstätte für mehrere Tausend Menschen entwickelte. Der Brindavan Ashram in Whitefield östlich von Bangalore wurde 1960 eröffnet.
Sathya Sai Baba lebte hauptsächlich in seinen Ashrams. Indien verließ er nur einmal am 29. Juni 1968 für eine Reise nach Kenia und Uganda.
1993 wurden sechs Menschen im Tempelgebäude getötet, in dem Sathya Sai Baba bis zu diesem Zeitpunkt lebte. Vier mit Messern bewaffnete Eindringlinge töteten Babas Fahrer und einen Studenten, die beide versuchten, diese abzuwehren. Die Angreifer selbst wurden dann von Polizisten erschossen. Polizeiberichte und Medienberichte kamen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Manche Zeitungen hielten es für einen versuchten Anschlag auf Sai Baba, andere für eine terroristische Verschwörung. Die wahrscheinlichste Erklärung für den Vorfall ist jedoch, dass es sich um „einfache Verbrecher“ handelte, die laut Zeugenaussagen eine sehr große Geldsumme im Tempel vermuteten. Seit diesem Vorfall wurden auf Wunsch der Regierung die Sicherheitsmaßnahmen im Ashram drastisch verschärft, und Sai Baba erhielt Personenschutz. Von dem Tag an wohnte Baba in den Nebenräumen der Poorna-Chandra-Halle und hat lange Zeit den Tempel, in dem das Verbrechen geschah, nicht mehr betreten.
Im März 2011 wurde Sai Baba in das Krankenhaus seiner Heimatstadt Puttaparthi eingeliefert und starb 84-jährig am Morgen des 24. April an Herzversagen. Vor den Toren des Krankenhauses versammelten sich mehrere tausend Gläubige. Das indische Fernsehen NDTV berichtete den ganzen Tag nonstop. Sai Baba hatte am 9. September 1960 die Behauptung aufgestellt, dass er weitere 59 Jahre leben werde. Einige Anhänger Sai Babas sahen darin keinen Widerspruch. In spirituellen Bereichen werde in Indien häufig ein Mondkalender zugrunde gelegt, und in Mondjahren gerechnet sei seine Vorhersage korrekt, sagten sie.
Die Regierung des indischen Bundesstaates Andhra Pradesh ordnete eine viertägige Staatstrauer vom 24. bis 27. April 2011 an und beschloss ein Staatsbegräbnis für Sai Baba.
Sathya Sai Baba hat indienweit zahlreiche Hilfs- und Bildungswerke ins Leben gerufen. Zu den bekanntesten gehören das Sri Sathya Sai Super Speciality Hospital und das Godavari-Wasserprojekt, das die Regionen West- und Ost-Godavari des Bundesstaates Andhra Pradesh mit Trinkwasser aus dem Godavari-Fluss versorgt.
Die Sathya Sai Organization wurde 1965 von Sathya Sai Baba persönlich gegründet. Die Organisation bezeichnet sich selbst auf der offiziellen deutschen Seite als eine „nicht-religiöse spirituelle Vereinigung“. Ziel der Sathya Sai Organization ist es, ihre Mitglieder zu unterstützen, dass diese sich ihrer innewohnenden Göttlichkeit bewusst werden und ihr Leben nach den fünf menschlichen Werten Wahrheit, rechtes Handeln, Friede, Liebe und Gewaltlosigkeit ausrichten. Weiter gehört zu den Zielen, dass eine Kultur gefördert wird, die bestrebt ist, die vollkommene Einheit aller Weltreligionen herzustellen, ohne trennende Unterschiede zwischen Kaste, Sprache oder Religion. Als letztes Ziel nennt die Organisation die Unterstützung ihrer Mitglieder in ihrer spirituellen und charakterlichen Entwicklung.
Die Verhaltensregeln (Code of Conduct) sehen folgendermaßen aus:
Einmal in der Woche mit Familienmitgliedern singen oder beten.
Teilnahme an den Erziehungs-Programmen, wie sie von der Organisation für Kinder durchgeführt werden.
Mindestens einmal im Monat Teilnahme an den von der Organisation veranstalteten devotionalen Programmen.
Teilnahme am Dienst für die Gemeinschaft und anderen Programmen der Organisation.
Regelmäßiges Studium der Sai-Literatur.
Die Prinzipien zur „Einschränkung von Wünschen“ leben und die dadurch erzielten Ersparnisse für den Dienst am Menschen verwenden.
Sanft und liebevoll mit allen sprechen.