An diesem Tag

Sarah Vaughan

US-amerikanische Jazz-Sängerin und Pianistin

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Sarah Lois Vaughan (* 27. März 1924 in Newark, New Jersey; † 3. April 1990 in Los Angeles, Kalifornien) war eine US-amerikanische Jazz-Sängerin und Pianistin. Sie gilt neben Billie Holiday und Ella Fitzgerald als eine der bedeutendsten Vokalistinnen des Jazz.

Sarah Vaughans Vater, Asbury „Jake“ Vaughan, war Zimmermann und ein Amateurgitarrist. Ihre Mutter Ada war Wäscherin und sang im Kirchenchor. Jake und Ada Vaughan waren während des Ersten Weltkriegs von Virginia nach Newark gezogen. Sarah war ihr einziges Kind. Die Vaughans lebten in der Brunswick Street, wo Sarah ihre frühe Kindheit verbrachte. Jake Vaughan war tief religiös und die Familie in der New Mount Zion Baptist Church aktiv, die sich in 186 Thomas Street befand. Sarah hatte schon mit sieben Jahren Klavierstunden, sang im Kirchenchor und spielte gelegentlich bei Proben Klavier und Orgel.

Vaughan entwickelte früh eine Vorliebe für die populäre Musik auf Schallplatten und im Radio. In den 1930er Jahren hatte Newark eine lebendige Livemusik-Szene und Vaughan sah regelmäßig lokale und tourende Bands, die in der Stadt auftraten. Obwohl das wegen ihres Alters illegal war, begann sie in Newarks Nachtclubs als Pianistin und gelegentlich auch als Sängerin aufzutreten, wie im Piccadilly Club und am Newarker Flughafen bei der USO.

Vaughan besuchte in Newark zunächst die East Side High School, später wechselte sie zur Newark Arts High School, die 1931 als die erste Kunst-High School der USA eröffnete. Ihre nächtlichen Auftritte führten jedoch schließlich zum Rauswurf aus der Highschool. In dieser Zeit besuchten Sarah Vaughan und ihre Freunde New York, um dort die Bigbands in Harlem zu hören, die im Savoy Ballroom und dem Apollo Theater spielten.

Die Biographin Leslie Gourse erzählt die komplexe Geschichte ihrer Entdeckung: Vaughan kam immer mit ihrer Freundin Doris Robinson nach New York City. Eines Tages im Herbst 1942, als Sarah gerade 18 Jahre alt war, riet sie ihrer Freundin bei einem nächtlichen Amateurwettbewerb im Apollo teilzunehmen; sie begleitete Doris am Klavier, die dabei den zweiten Platz erlangte. Später entschied sich Sarah selbst auf die Bühne zu treten, diesmal als Sängerin; Vaughan sang den Standard Body and Soul und gewann. Der Gewinn war, wie Vaughan später Marian McPartland erzählte, 10 $ und die Zusage für ein einwöchiges Engagement im Apollo. Im Frühjahr 1943 trat Sarah Vaughan schließlich erstmals im Apollo auf, wo sie für Ella Fitzgerald einsprang.

Während dieser Woche saß im Publikum auch der Sänger Billy Eckstine, der zu dieser Zeit bei Earl Hines war; er wurde auf ihr Talent aufmerksam und empfahl sie an Hines. Dieser rühmte sich später sie entdeckt zu haben und bot ihr den Job als Pianistin in seiner Band an. Am 4. April 1943 schließlich ersetzte er seine Bandsängerin durch Sarah Vaughan.

Mit Earl Hines und Billy Eckstine (1943–1944)

Sarah Vaughan tourte nach ihrem Apollo-Vertrag Ende 1943 und Anfang 1944 mit der Earl Hines Big Band. Vaughan war als Pianistin eingestellt, aber nachdem Cliff Smalls als Posaunist und Pianist in die Band kam, war Sarah die Sängerin der Hines-Band. Diese gilt heute als eine Art Gründerzentrum des Bebop, da in ihr damals namhafte Musiker des Bebops wie der Trompeter Dizzy Gillespie und der Saxophonist Charlie Parker sowie der Posaunist Bennie Green spielten. Gillespie arrangierte auch für die Band; ein allgemeiner Streik (Recording ban) verhinderte jedoch, dass Plattenaufnahmen dieser Formation entstanden.

Eckstine verließ Ende 1943 die Hines-Band und formierte seine eigene Bigband mit Gillespie, der Hines verließ, um musikalischer Leiter der neuen Band zu werden. Charlie Parker stieß ebenfalls hinzu, und die Eckstine-Band war in den nächsten Jahren ein Sammelbecken von jungen Jazz-Talenten: Miles Davis, Kenny Dorham, Art Blakey, Lucky Thompson, Gene Ammons und Dexter Gordon spielten hier.

Vaughan trat 1944 in Eckstines neugegründete Band ein; dies gab ihr Gelegenheit, ihren Stil weiterzuentwickeln. Mit Eckstines Band entstanden dann erste Schallplatten-Aufnahmen; bei einer Session am 5. Dezember 1944 entstand der Song I’ll Wait and Pray für das Deluxe-Label. Durch diese Schallplatte wurde auch der Kritiker und Produzent Leonard Feather auf sie aufmerksam und fragte, ob sie vier Schallplattenseiten unter eigenen Namen mit ihm aufnehmen wolle, die dann auf dem Label Continental erschienen; begleitet wurde sie dabei von einem Septett mit u. a. Dizzy Gillespie und Georgie Auld. Angeblich hat ihr der damalige Bandpianist John Malachi den Spitznamen „Sassy“ gegeben. Ende 1944 verließ Vaughan offiziell die Eckstine-Band, um eine Solokarriere zu beginnen, blieb ihm aber nach wie vor verbunden und nahm mit ihm später Platten auf.

Frühe Solokarriere (1945–1948)

Sarah Vaughan begann ihre Solokarriere als freischaffende Sängerin 1945 in den New Yorker Jazzclubs der 52nd Street wie dem Three Deuces, dem Famous Door, dem Downbeat und dem Onyx Club. Vaughan trat auch im Braddock Grill auf, unweit des Apollo Theater in Harlem gelegen. Am 11. Mai 1945, nahm Vaughan Lover Man für das kleine Guild Label auf, begleitet von einem Quintett mit Gillespie und Parker, außerdem wirkten der Pianist Al Haig, Bassist Curly Russell und Sid Catlett am Schlagzeug mit. Kurz danach ging sie erneut mit Gillespie/Parker ins Studio und nahm weitere drei Titel auf.

Nach einem kurzen Gastspiel in der Band von John Kirby und einer Aufnahme mit dem Geiger Stuff Smith, bei dem der Song Time and Again im Oktober entstand, wurde ihr ein Plattenvertrag des Musicraft-Label angeboten. Bis dieser Vertrag 1946 wirksam wurde, nahm sie Platten für die Label Crown und Gotham auf und trat regelmäßig im Club Café Society Downtown auf, einem Club am Sheridan Square, in dem es keine Rassenschranken gab.

Während ihres Engagements im Cafe Society lernte Vaughan den Trompeter George Treadwell kennen. Dieser wurde schließlich Vaughans Manager, ihr musikalischer Leiter bei zahlreichen Aufnahmesessions und kümmerte sich um ihr Auftreten, einschließlich ihrer Garderobe, ihrer Frisur und auch um die Regulierung ihres Gebisses.

Viele ihrer 1946 für Musicraft aufgenommenen Titel wurden von Publikum und Kritik gleichermaßen positiv aufgenommen; dies waren If You Could See Me Now (den Tadd Dameron geschrieben und arrangiert hatte), Don’t Blame Me, I’ve Got a Crush on You, Everything I Have is Yours und erneut Body and Soul. Vaughan und Treadwell heirateten schließlich am 16. September 1946.

Vaughans kommerzieller Erfolg bei Musicraft setzte sich 1947 and 1948 fort; ihre Interpretation von Tenderly wurde Ende 1947 ein unerwarteter Hit (#27). Noch erfolgreicher war der am 27. Dezember 1947 aufgenommene Jule-Styne-Song It’s Magic aus dem Doris-Day-Film Romance on the High Seas; er hatte Anfang 1948 in den Pop-Charts großen Erfolg und stand elf Wochen in den Charts. Ein weiterer Hit dieser Zeit war Nature Boy (entstanden 8. April 1948). Der Song Nature Boy, erstmals von Nat King Cole aufgenommen, galt als der erste „Crossover“-Titel, der von einem schwarzen Künstler aufgenommen und bei einem weißen Publikum erfolgreich wurde. Kurz nachdem auch Ella Fitzgerald mit dem Song reüssiert hatte, nahmen ihn Frank Sinatra für Capitol, Sarah Vaughan sowie Dick Haymes für Decca auf.

Nach dem Bankrott der Firma Musicraft erhielt sie die Gelegenheit, bei dem großen Label Columbia Records einen Vertrag abzuschließen; im Sommer 1949 hatte sie dort mit Black Coffee einen Charterfolg. Während ihrer Jahre bei Columbia bis 1953 nahm Vaughan zahlreiche kommerzielle Pop-Balladen auf, wie That Lucky Old Sun, Make Believe (You Are Glad When You’re Sorry), I’m Crazy to Love You, Our Very Own, I Love the Guy, Thinking of You (mit dem Pianisten Bud Powell), I Cried for You, These Things I Offer You, Vanity, I Ran All the Way Home, Saint or Sinner, My Tormented Heart, Time und viele andere.

Bei den Jazz-Kritikern erlangte sie dennoch große Anerkennung; so gewann sie 1947 den Esquire Magazine’s New Star Award, außerdem den als beste Vokalistin des Down Beat Magazins regelmäßig von 1947 bis 1952; ebenso vom Metronome Magazin von 1948 bis 1953. Einige Kritiker mochten jedoch ihren Gesangsstil nicht und nannten ihn „over-stylized“. Dennoch war der Tenor der Jazzkritik insgesamt weitgehend positiv. Ihr Erfolg bei der Kritik und dem Publikum war Anlass zahlreicher boshafter Bemerkungen ihrer „Rivalin“ Billie Holiday, die in dieser Zeit um ihr Ansehen als „beste Jazzsängerin“ fürchten musste.

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