Sansibar [ˈzanzibaːɐ̯] (englisch Zanzibar; arabisch زنجبار, DMG Zanǧi-bār; Bedeutung wahrscheinlich „Küste der Schwarzen“, vgl. Zandsch) ist ein halbautonomer, aus Inseln bestehender Teilstaat des Unionsstaates Tansania in Ostafrika. Seine gleichnamige Hauptstadt ist Sansibar.
Das Gebiet besteht aus den beiden Nachbarinseln Unguja (früher ebenfalls Sansibar genannt) und Pemba, jeweils mit Nebeninseln, sowie der abgelegenen kleinen Latham-Insel, alle im Sansibar-Archipel.
Die in geographischer Hinsicht ebenfalls zum Sansibar-Archipel gerechnete Insel Mafia ganz im Süden ist nicht Teil des Gebietes, gehörte aber bis 1885 zum Sultanat Sansibar.
Bei der Volkszählung im Jahr 2022 betrug die Gesamtbevölkerung 1.889.773.
Die Fauna von Unguja dokumentiert die Landbrücke der Insel zum afrikanischen Kontinent während der letzten Eiszeit. Der Sansibar-Leopard war eine der endemischen Subspezies, die sich als neue Art auf der Insel gebildet hatten. Um die Insel finden sich Korallenriffe und Seegraswiesen im küstennahen Bereich.
Der Tanzanian Wildlife Act bezieht die Flora und Fauna Sansibars mit ein.
Die ersten Spuren menschlicher Besiedlung stammen aus der LSA-Epoche. Im Zuge der Expansion der Bantu-Völker setzten sich bantusprachige Gruppen auf den Inseln fest.
Für die Handelsströme des Indischen Ozeans spielte Sansibar als Drehscheibe und Hafen für Waren wie Gold, Elfenbein und Textilprodukte eine wichtige Rolle. Im 10. Jahrhundert siedelten sich persische Händler an. Diese Vorfahren der Schirasi verbreiteten vermutlich auch den Islam auf den Inseln. In den folgenden Jahrhunderten stieg der arabische Einfluss, und von 1698 bis 1861 war Sansibar Teil des Sultanats Oman. Die Bevölkerung ist bis heute von diesen vielfältigen kulturellen Einflüssen geprägt.
1831 verlegte Said ibn Sultan, Sultan des Oman, seinen Regierungssitz in das spätere Stone Town. Die Stadt war zu dieser Zeit der wichtigste Knotenpunkt für den Sklavenhandel an der ostafrikanischen Küste. Der Anbau von Gewürznelken und Kokosnüssen waren weitere signifikante wirtschaftliche Aktivitäten. Am 6. April 1861 wurde Sansibar zum unabhängigen Sultanat und kontrollierte, zusätzlich zu den beiden Hauptinseln, umfangreiche Gebiete entlang der ostafrikanischen Küste. Unter der Herrschaft von Sultan Barghasch ibn Said wurde der Sklavenhandel 1873 auf Druck der Briten hin offiziell verboten, vom Sultan aber inoffiziell bis 1897 weiter betrieben.
Das Deutsche Kaiserreich und das Vereinigte Königreich verleibten die meisten Küstengebiete ihren Kolonialreichen ein, und nach der Unterzeichnung des sogenannten Sansibar-Helgoland-Vertrags erlangten die Briten 1890 mit der Proklamation eines Protektorats die Kontrolle über das verbliebene Staatsgebiet.
Nach dem Tod des pro-britischen Sultans Hamad ibn Thuwaini ibn Said 1896 kam es zum Britisch-Sansibarischen Krieg, als sein Cousin Chalid ibn Barghasch staatsstreichartig die Macht ergriff. Dieser Waffengang, der als kürzester Krieg aller Zeiten in die Geschichtsbücher einging, endete mit einem britischen Sieg und der Flucht des Sultans ins Ausland. Sein Nachfolger wurde von der britischen Protektoratsmacht bestimmt.
Am 10. Dezember 1963 erlangte das Sultanat und damalige britische Protektorat Sansibar die Unabhängigkeit. Am 12. Januar 1964 wurde die Volksrepublik Sansibar und Pemba ausgerufen, die knapp 110-jährige Herrschaft der Sultane fand damit ihr Ende. Nach einer blutigen Revolution der schwarzen Mehrheitsbevölkerung gegen die arabischstämmige Oberschicht erklärte sich Sansibar als unabhängig und tendierte bald zum afrikanischen sozialistischen Lager.
Unter starkem politischen Druck von außen schlossen sich Sansibar und das unabhängige Tanganjika am 26. April 1964 zunächst unter dem Namen Vereinigte Republik von Tanganjika und Sansibar zusammen. Diese wurde am 1. November 1964 in Vereinigte Republik Tansania umbenannt.
Sansibar verfügt als Teilstaat innerhalb Tansanias über eine eigene Regierung, ein Parlament und einen Präsidenten (seit November 2020 Hussein Mwinyi). Sein höchstes Gericht untersteht nicht dem höchsten Gericht der Union Tansania.
Das Gebiet umfasst fünf der insgesamt 31 Verwaltungsregionen Tansanias (mkoa), zwei auf der Insel Pemba und drei auf der Hauptinsel Unguja:
Jede dieser Regionen ist wiederum in zwei Distrikte (wilaya) gegliedert, insgesamt bestehen also zehn Distrikte.
Die Distrikte werden ferner in wards (shehia) gegliedert. Mehrere wards bilden jeweils einen Wahlkreis (constituency).
In ländlichen Gebieten gibt es auf der untersten Ebene Dörfer (villages). Ein ward kann ein oder mehrere Dörfer aufweisen. In städtischen Gebieten ist ein ward ein Stadtteil.