Sanam Luang (Thai: สนามหลวง, Aussprache: [sànăːm lŭaŋ]) ist eine offene Esplanade, welche sich im Bezirk Phra Nakhon, dem historischen Stadtzentrum von Bangkok, der Hauptstadt von Thailand, befindet. Er liegt gegenüber dem alten Königspalast mit dem Wat Phra Kaeo.
Im älteren Sprachgebrauch wird er oft als Thung Phra Men (Thai: ทุ่งพระเมรุ), oder englisch als Pramane Ground, bezeichnet. Diese Bezeichnung stammt aus der Vergangenheit, als hier noch die Einäscherungs-Zeremonien beim Tod von Mitgliedern der königlichen Familie stattfanden. König Mongkut (Rama IV.) änderte 1855 den Namen in Thong Sanam Luang (Thai: ท้องสนามหลวง), im täglichen Sprachgebrauch wurde er jedoch auf Sanam Luang gekürzt.
Der Sanam Luang existiert seit der Gründung Bangkoks durch König Phutthayotfa Chulalok (Rama I.). Zunächst wurden hier zu den Einäscherungszeremonien der Könige und Königinnen sowie der Uparat („Zweiter König“) großartige Gebäude gebaut, die an den Berg Meru, das Zentrum des buddhistischen Weltbildes, erinnern sollten. Die letzten Kremationen, die hier stattfanden, waren die der Königin von König Prajadhipok Rambhai Barni im Jahr 1986 und im Jahr 1997 die von Phra Srinagarindra Boromarajachondeni, der Mutter von König Bhumibol Adulyadej, die vom Volk liebevoll „Mae Fah Luang“ genannt wurde. Im November 2008 wurde an der gleichen Stelle Prinzessin Galyani Vadhana, die Schwester von König Bhumibol beigesetzt.
In der Regierungs-Zeit von König Phra Nangklao (Rama III.) wurde zur Demonstration gegenüber gegnerischen Nachbarländern auf dem Sanam Luang Reis angebaut.
Seit der Regierungszeit von König Mongkut (Rama IV.) wird hier eine brahmanische Fruchtbarkeitszeremonie, die Zeremonie des Ersten Pflügens (Thai พระราชพิธี พืชมงคล จรดพระนังคัล แรกนาขวัญ) durchgeführt, zu der der König anwesend sein muss. Die Hof-Brahmanen versuchen durch das Verhalten von besonders ausgesuchten Bullen den Ertrag der Reisernte vorauszusagen.
König Chulalongkorn (Rama V.) vergrößerte den Sanam Luang, indem er Gebäude, Mauern und Befestigungen abreißen ließ, die ehemals zum Wang Na (Vorderer Palast) gehörten, dem Palast des Uparat („Zweiter König“). Auch stellte er den Reisanbau ein und umgab den Platz mit zwei Reihen von Tamarinden-Bäumen. Grund waren die Vorbereitungen der Feiern zum 100. Jahrestages der Gründung von Bangkok im Jahre 1897, die auf dem Sanam Luang abgehalten werden sollten. Die Feiern fanden dann nach der Rückkehr des Königs von seiner Reise durch Europa statt. Gleichzeitig wurde der 50. Geburtstag des Königs gefeiert.
1934 wurde an dieser Stelle das erste Spiele des Chula-Thammasat-Fußballspiels ausgetragen. Es ist ein jährlich stattfindendes traditionsreiches Spiel zwischen der Chulalongkorn-Universität und der Thammasat-Universität.
Bis Ende der 1970er Jahre wurde jedes Wochenende hier der Wochenend-Markt abgehalten. Heute hat dieser Markt ein eigenes Gelände im Nordosten der Stadt, er wird jetzt Chatuchak-Markt genannt.
Am 6. Oktober 1976 verübten Polizei und rechtsextreme Bürgerwehren auf dem Sanam Luang und an der Thammasat-Universität ein Massaker an protestierenden Studenten und Demokratieaktivisten. Nach offiziellen Angaben starben dabei 46 Menschen. Im Mai 1992 war der Sanam Luang erneut Schauplatz von regierungskritischen Massenprotesten, die in den sogenannten Schwarzen Mai mündeten.
Wichtige Gebäude am Sanam Luang
Am Sanam Luang befinden sich heute zahlreiche historische Gebäude. So z. B. von Süden im Uhrzeigersinn:
Großer Palast mit dem Wat Phra Kaeo
Silpakorn-Universität, gegründet 1933 von dem italienischen Bildhauer Corrado Ferroci (Silpa Bhirasri); auf dem Gebiet der heutigen Universität befanden sich ursprünglich drei Prinzen-Paläste, darunter der Wang Tha Phra.
Thawon-Watthu-Gebäude – entworfen im Auftrag von König Chulalongkorn (Rama V.) von Prinz Naris zunächst für die Kremation von Kronprinz Chaofah Maha Wachirunnahit, später „Vajiravudh-Bibliothek“, seit 1977 „Nationales Antikes Gebäude“. Beherbergt seit 2010 die König-Chulalongkorn-Gedenkausstellung
Wat Mahathat – einer der ältesten Tempel von Bangkok, er wird bereits vor der Gründung 1782 erwähnt
Mahachulalongkornrajavidyalaya-Universität, buddhistische Universität im Wat Mahathat
Thammasat-Universität, Teil des ehemaligen „Vorderpalastes“ (Wang Na) des Uparat (Zweiter König)
Das Nationalmuseum Bangkok, ein weiterer Teil des Palastes des Uparat