Samuel de Champlain ([samɥɛl də ʃɑ̃plɛ̃]) (* 1574 in Brouage oder La Rochelle als Samuel Champlain; † 25. Dezember 1635 in Québec, Neufrankreich) war ein französischer Seefahrer, Forschungsreisender, Soldat und Kolonisator, Geograph, Schriftsteller, Architekt, Kartograph und bis an sein Lebensende Statthalter bzw. Kommandant von Neufrankreich. Er und der von König Heinrich IV. von Frankreich beauftragte Pierre Dugua de Mons sind die Gründer von Neufrankreich und Champlain war der erste Statthalter der Hauptstadt dieser Kolonie.
Aus einer Familie von Seefahrern stammend, begann Champlain 1603 mit der Erforschung der Ostküste Nordamerikas. Von 1604 bis 1607 war er an den ersten französischen Kolonialisierungsbemühungen in Nova Scotia beteiligt. 1608 gründete er am Sankt-Lorenz-Strom eine Siedlung, aus der sich die Stadt Québec entwickelte. Champlain war der erste Europäer, der den nach ihm benannten Lake Champlain erreichte. Er veröffentlichte Karten und Berichte, wobei er auch auf Erzählungen der Ureinwohner und von Franzosen, die mit diesen lebten, zurückgriff. Darüber hinaus ging er Allianzen mit den Montagnais, Algonkin und Wyandot ein und verpflichtete sich, sie in ihren Kriegen gegen die Irokesen zu unterstützen. Auf seinen Reisen gelangte er bis zum Huronsee. 1620 beendete Champlain auf Anordnung von König Louis XIII. seine Erkundungen und widmete sich fortan der Verwaltung und der gezielten Kolonialisierung Neufrankreichs. Er gründete Handelsgesellschaften, die Waren (überwiegend Pelze) nach Frankreich transportierten und trug bis zu seinem Tod zum Wachstum der Kolonie bei.
Champlains Geburtsjahr und -ort sind umstritten. Gesichert ist, dass er der Sohn von Antoine Champlain (in einigen Aufzeichnungen auch Chappelain oder Chapeleau geschrieben) und von Marguerite Le Roy war. Als mögliche Geburtsorte gelten Brouage in der Provinz Aunis (der Heimatort der Mutter) und La Rochelle. Das Geburtsjahr wird zwischen 1567 und 1580 angesetzt. Gemäß einer Taufurkunde, die der Genealoge Jean-Marie Germe im Jahr 2012 fand, wurde Champlain am 13. August 1574 in La Rochelle in der protestantischen Kirche Saint-Yon getauft. Er dürfte also erst einige Jahre später Katholik geworden sein.
Die Champlains waren eine Familie von Seefahrern. Samuel lernte zu navigieren, Seekarten zu zeichnen und Berichte zu schreiben. Da sich jede französische Flotte auf See verteidigen musste, lernte er auch, mit Feuerwaffen umzugehen. Diese Kenntnis erwarb er, als er von 1594 bis 1598 in der königlichen Armee diente, während der Endphase der Hugenottenkriege in der Bretagne. Er war damals als Quartiermeister für die Versorgung der Pferde zuständig. Möglicherweise war er Ende 1594 bei Brest an der Belagerung des von den Spaniern gehaltenen Fort Crozon beteiligt. 1597 diente er bei Quimper als capitaine d’une compagnie („Kapitän einer Kompanie“).
Sein aus Marseille stammender Schwiegeronkel Guillaume Allène, dessen Schiff 1598 angeheuert worden war, um gemäß dem Frieden von Vervins spanische Truppen nach Cádiz zurückzutransportieren, gab Champlain die Gelegenheit, ihn zu begleiten. Nach einem längeren Aufenthalt in Cádiz begleitete das Schiff eine spanische Flotte in die Karibik und an die Küste Mittelamerikas. Champlain sammelte dabei weitere Erfahrungen. Als er den Isthmus von Panama durchquerte und den Pazifischen Ozean sah, gelangte er zur Überzeugung, dass ein Kanal an dieser Stelle ein durchaus lohnenswertes Projekt sein könnte. Während der zweijährigen Reise machte er detaillierte Notizen und verfasste einen illustrierten Bericht, den er nach seiner Rückkehr König Henri IV. überreichte. Champlain erhielt als Belohnung eine jährliche Pension zugesprochen. Der Bericht wurde erstmals 1870 veröffentlicht. Dessen Echtheit ist aufgrund von Ungenauigkeiten und Abweichungen von zeitgenössischen Quellen verschiedentlich angezweifelt worden; mittlerweile geht man aber davon aus, dass Champlain tatsächlich der Autor war.
Als Champlain im August 1600 nach Cádiz zurückkehrte, bot ihm der erkrankte Schwiegeronkel an, die Geschäfte zu übernehmen. Als dieser im Juni 1601 starb, erbte er ein beachtliches Vermögen. Es umfasste einen Gutshof bei La Rochelle, Warenlager in Spanien und ein 150 Tonnen fassendes Handelsschiff. Die Erbschaft und die königliche Pension ermöglichten dem jungen Forscher ein großes Maß an Unabhängigkeit, da er nicht auf die finanzielle Unterstützung durch Händler und Investoren angewiesen war. Von 1601 bis 1603 diente Champlain am königlichen Hof als Geograph. Zu seinen Aufgaben gehörten Reisen zu den französischen Häfen, um von Fischern möglichst viel über Nordamerika zu erfahren. Die Fischer befischten saisonal die Küste zwischen Nantucket und Neufundland. Er verfasste auch eine Studie über frühere gescheiterte Kolonialisierungsversuche der Franzosen, unter anderem von Pierre de Chauvin bei Tadoussac. Chauvin verlor 1602 sein Pelzhandelsmonopol in Nordamerika an Admiral Aymar de Chaste. Champlain bat diesen daraufhin um einen Posten auf der ersten Überfahrt, den er mit königlicher Zustimmung auch erhielt.
Während seiner ersten Reise nach Nordamerika war Champlain Beobachter auf einer von François Gravé du Pont angeführten Pelzhandelsexpedition. Du Pont hatte viel Erfahrung in nordamerikanischen Gewässern, da er seit mehreren Jahren regelmäßig dorthin segelte, um Handel zu treiben. Drei Schiffe stachen Mitte März 1603 in Honfleur in See und erreichten Tadoussac am 24. Mai. Drei Tage später trafen sich Du Pont und Champlain an der Pointe aux Alouettes, an der Mündung des Rivière Saguenay, mit Vertretern der Montagnais, der Maliseet und der Algonkin. Sie vereinbarten eine Allianz, welche die Beziehungen zwischen Franzosen und Ureinwohnern in den nächsten Jahrzehnten nachhaltig prägen sollte. Ab Mitte Juni folgten sie der Route von Jacques Cartier sechs Jahrzehnte zuvor: Sie erkundeten den Unterlauf des Rivière Richelieu und gelangten auf dem Sankt-Lorenz-Strom bis zu den Lachine-Stromschnellen. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich im September veröffentlichte Champlain den Reisebericht Des sauvages, ou voyage de Samuel Champlain, de Brouages, faite en la France nouvelle l’an 1603 („Über die Wilden, oder Reise von Samuel Champlain aus Brouages in Neufrankreich im Jahr 1603“).
Im folgenden Jahr schloss sich Champlain einer weiteren von Du Pont geleiteten Expedition an, organisiert von Pierre Dugua de Mons, der das Monopol auf den Pelzhandel erhalten hatte. Nachdem sie im März 1604 Le Havre verlassen hatten, erreichten sie knapp zwei Monate später die Küste von Nova Scotia. De Mons erteilte Champlain den Auftrag, nach einem geeigneten Ort für ein Winterquartier zu suchen. Nach der Erkundung der Bay of Fundy fiel seine Wahl auf Saint Croix Island, eine kleine Insel an der Mündung des St. Croix River. Die Besatzung war schlecht auf den strengen Winter vorbereitet; bis zum Frühjahr 1605 starb fast die Hälfte an Skorbut. Die Siedlung wurde daraufhin nach Port Royal verlegt. Die nächsten zwei Jahre nutzte Champlain diesen Ort als Basis für weitere Erkundungen, die ihn südwärts bis zur Insel Martha’s Vineyard führten. Scharmützel mit den Nauset hielten ihn davon ab, am Cape Cod (in der Nähe des heutigen Chatham) eine permanente Siedlung aufzubauen. Im Mai 1607 erfuhr De Monts, dass der König sein Monopol widerrufen hatte, sodass er die Kolonialisierungsbemühungen abbrechen musste.
Gründung Québecs und Kämpfe gegen die Irokesen
Auf die Zusage hin, einen Handelsposten am Sankt-Lorenz-Strom zu errichten und Land für französische Kolonien zu erschließen, erhielt De Monts eine Erneuerung seines Monopols zugesprochen. Auf eigene Kosten rüstete er drei Schiffe aus, die am 13. April 1608 Honfleur verließen. Champlain, der auf den Reisen zuvor noch ohne offizielle Funktion gewesen war, kommandierte das Hauptschiff, die Don de Dieu (deutsch: „Gottes Geschenk“). Am 3. Juni ankerten die Schiffe bei dem bereits bestehenden Handelsposten am Sankt-Lorenz-Strom in Tadoussac. Die Besatzung fuhr in Booten weiter den Strom hinauf und landete am 3. Juli am Cap Diamant nahe der Mündung des Rivière Saint-Charles. An der heutigen Place Royale bauten die Männer einen Gebäudekomplex, den Champlain entworfen hatte und der von einer Palisade und einem Graben umgeben war. Diese Habitation de Québec war Festung, Wohnstätte und Handelsposten in einem und bildete den Grundstein der späteren Stadt Québec.