Sam Peckinpah (* 21. Februar 1925 in Fresno, Kalifornien; † 28. Dezember 1984 in Inglewood, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Regisseur und Drehbuchautor.
Bekannt wurde Peckinpah als einer der führenden Vertreter des sogenannten Spätwesterns. Einen seiner größten Erfolge feierte er 1969 mit dem Westernepos The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen ebenfalls Wer Gewalt sät (1971), Getaway (1972), Pat Garrett jagt Billy the Kid (1973), Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia (1974) und Steiner – Das Eiserne Kreuz (1977).
Wegen der für die Zeit starken Gewaltdarstellung in seinen Filmen (welche ihm den Spitznamen „Bloody Sam“ einbrachten) und seiner persönlichen Suchtprobleme, welche er häufig mit ans Set brachte, galt er zeit seines Lebens als kontroverse Figur in der Filmwelt.
David Samuel Peckinpah wurde 1925 als Sohn des Rechtsanwalts David Edward Peckinpah in Südkalifornien geboren. Die Peckinpahs (zuvor noch Peckinpaugh, ursprünglich Beckenbach) entstammen deutschen Einwanderern, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts in die USA immigrierten. Er studierte Dramaturgie und machte an der University of Southern California (USC) seinen Master of Dramatic Arts. Danach nahm er in verschiedenen Filmateliers Jobs an und arbeitete am Theater. Später lernte er Don Siegel kennen, für den er einige Dialoge für das Drehbuch zum Science-Fiction-Film Die Dämonischen (1956) umschrieb.
In den 1950er-Jahren arbeitete Peckinpah zunächst für das Fernsehen, unter anderem als Drehbuchautor für die Westernserie Rauchende Colts. Außerdem entwickelte er Konzepte für die Serien The Rifleman (Westlich von Santa Fé, 1958) und The Westerner (1960), für die er auch mehrere Drehbücher schrieb. 1958 führte er bei einer Rifleman-Folge erstmals auch Regie.
1961 und 1962 entstanden seine ersten Kinofilme Gefährten des Todes und Sacramento. Letzterer markierte mit John Fords Der Mann, der Liberty Valance erschoß den Übergang vom klassischen Western zum Spätwestern. Peckinpah behandelte bereits in diesem Frühwerk eines seiner späteren Lieblingsthemen: alternde Westernhelden in sich verändernden Zeiten.
1965 drehte Peckinpah mit Sierra Charriba (Major Dundee) seinen ersten Western mit großem Budget. Produzent Jerry Bresler ließ den Film entgegen den Intentionen des Regisseurs umschneiden, wogegen Peckinpah sich wehrte und in der Folge auf eine inoffizielle „Schwarze Liste“ geriet, weshalb er keine weiteren Aufträge mehr erhielt. Seine Drehbücher zu Die glorreichen Reiter und Pancho Villa reitet wurden abgeändert und anderen Regisseuren übergeben. Während der Dreharbeiten zu Sierra Charriba erschien Peckinpah zudem häufig stark angetrunken am Set oder verließ es alkoholisiert, so dass Charlton Heston bei der Regiearbeit einspringen musste. Dieser Film wurde auch finanziell ein Misserfolg.
Nach dem Drehbuch von Ring Lardner (einem McCarthy-Opfer) begann Peckinpah mit den Arbeiten zu dem Schwarzweißfilm Cincinnati Kid, doch nach wenigen Tagen ließ man Peckinpahs Drehbuchänderungen umschreiben und übergab Norman Jewison das Projekt, der einen Farbfilm mit Steve McQueen in der Hauptrolle drehte, der nichts mehr mit Peckinpahs ursprünglichem Konzept zu tun hatte. Grund für die Entlassung des Regisseurs soll laut Angaben der Produzenten Peckinpahs Absicht gewesen sein, eine Nacktszene mit Sharon Tate zu drehen und die Story zu vulgarisieren.
Der Fernsehproduzent David Melnick verschaffte Peckinpah 1966 einen neuen Auftrag für das Fernsehen. Für die Adaption von Katherine Anne Porters Novelle Noon Wine schrieb Peckinpah das Drehbuch und führte Regie. Darsteller waren Jason Robards und Olivia de Havilland sowie L. Q. Jones in einer Nebenrolle. Das Werk wurde positiv aufgenommen, auch von der Autorin des Stücks, und Peckinpah erhielt für die Arbeit mehrere Preise.
Dadurch erhielt er 1969 die Möglichkeit, The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz zu drehen, welcher sich ebenfalls in die Reihe der Spätwestern einreihen lässt und heute als Klassiker dieser sowie des Western-Genres allgemein gilt. Dieser Film wird häufig zu den größten Western der Filmgeschichte gezählt und gilt gemeinhin als Peckinpahs bester Film. Peckinpah selbst sagte zu seiner Arbeit: „Wenn ich darüber nachdenke, was mit mir in Hollywood so passiert ist, wünsche ich mir, ich wäre ein bisschen wie meine Helden“. Das Drehbuch, das der Drehbuch-Neuling Walon Green nach einer Idee von Roy N. Sickner geschrieben hatte, wurde von Peckinpah überarbeitet. Green, Sickner und Peckinpah erhielten jeweils eine Oscar-Nominierung, so auch die Musik von Jerry Fielding.
The Wild Bunch veränderte, wie 1967 Bonnie und Clyde, die Gewaltdarstellung im amerikanischen Mainstreamkino. Der Film ist umstritten, einige Kritiker wie Roger Ebert lobten ihn wiederum als Meisterwerk. Peckinpah erhielt den uncharmanten Spitznamen „Bloody Sam“. Sein nächster Film Abgerechnet wird zum Schluss (1970) war als Gegenstück zum Vorgängerfilm angelegt, der Elemente einer Westernkomödie wie auch eines Liebesfilms enthält. Der melancholische Spätwestern wurde jedoch kein Publikumserfolg.
Ursprünglich als Regisseur für den Film Beim Sterben ist jeder der Erste vorgesehen, drehte Peckinpah 1971 zunächst mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle in England Wer Gewalt sät, verlor dann den Auftrag für die Adaption von James Dickeys Roman allerdings an John Boorman. Für Wer Gewalt sät verließ Peckinpah erstmals in seiner Spielfilmkarriere sein gewohntes Westernsetting für die Kulisse des ländlichen England. Der Film war seiner Zeit extrem kontrovers, nicht nur wegen seiner Gewaltdarstellungen, sondern vor allem wegen der Vergewaltigungsszene von Susan George. Peckinpah wurde deswegen als Misogynist verschrien und Pauline Kael nannte den Film gar ein „faschistisches Kunstwerk“. Wenngleich die Kontroversen bis heute nicht ganz abgeflacht sind, so sehen viele in Wer Gewalt sät einen von Peckinpahs besten und markantesten Filmen.
Seinen nächsten Film Junior Bonner (1972) mit Steve McQueen siedelte Peckinpah im Rodeomilieu an. Die melancholische Charakterstudie kam aber weder beim Publikum noch bei der Kritik sonderlich an.
Den kommerziell erfolgreichsten Film seiner Karriere drehte Peckinpah 1972 erneut mit McQueen sowie mit Ali MacGraw: Getaway, welcher von der Flucht eines Bankräubers und seiner Frau handelt, war die Verfilmung eines Romans von Jim Thompson nach einem Drehbuch von Walter Hill. Der Autor der Buchvorlage zeigte sich von der Adaption jedoch enttäuscht. Peckinpah kam als Ersatz für Peter Bogdanovich, welcher eigentlich Regie hätte führen sollen.
Der nachfolgende Film Pat Garrett jagt Billy the Kid von 1973 war ein bedeutsamer Einschnitt in Peckinpahs Karriere. Dabei handelt es sich um seinen letzten Beitrag zum Western-Genre. Von den Produzenten wurde der Film stark gekürzt und umgeschnitten, sehr zur Enttäuschung des Regisseurs. Vom ursprünglichen Editor, Roger Spottiswoode, wurde in den 1990er Jahren eine neue Schnittfassung des Films erstellt, die Peckinpahs ursprünglichen Intentionen näher kommen soll. Bob Dylan schrieb den Soundtrack, darunter das bekannte Knockin’ on Heaven’s Door.
Enttäuscht vom Hollywood-System zog Peckinpah sich nach Mexiko zurück und drehte 1974 mit Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia seinen persönlichsten Film. Laut Peckinpahs eigener Aussage ist dies sein einziger Film, mit dessen fertiger Version er uneingeschränkt zufrieden sei. Hauptdarsteller Warren Oates gab den „Peckinpah vor der Kamera“, den Barpianisten Bennie, der durch eine Kopfgeldjagd in einen Strudel von Gewalt gerät. Der Publikumserfolg blieb jedoch aus, und bis auf Roger Ebert war die Kritikerrezeption durchgehend negativ. Michael Medved nahm den Film in sein Buch über die schlechtesten Filme aller Zeiten auf, wenngleich das Werk heutzutage als einer von Peckinpahs besten Filmen gilt und sich mittlerweile den Status eines Kultfilms erarbeitet hat. Takeshi Kitano nannte Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia seinen Lieblingsfilm.
Sein nächster Film Die Killer-Elite (1975) markierte seine Rückkehr nach Hollywood und war Peckinpahs Versuch, sich mit einem kommerziellen, zugänglicheren Film für neue Aufträge zu empfehlen. Der Film war mit James Caan und Robert Duvall zwar gut besetzt, doch fehlte ihm die Intensität von Peckinpahs früheren Werken.