Said Murad Khan Zand, auch Sayed Morad Chan-e Zand Hazara († 10. Mai 1789), war der siebte vorletzte Herrscher des Perserreiches aus der Dynastie der Zand-Prinzen. Er folgte auf Dschafar Khan Zand (1785–1789), regierte aber nur vom 23. Januar 1789 bis zum 10. Mai 1789, da er von seinem Nachfolger, Lotf Ali Khan Zand (1789–1794), gestürzt und getötet wurde.
Said Murad Khan Zand stammte aus der Dynastie der Zand-Prinzen, die nach dem Tod von Nadir Schah Afshar von 1750 bis 1794 den Großteil des Perserreiches beherrschte, jedoch auf die formelle Bezeichnung als Schah bzw. „König der Könige“ verzichtete. Die Familie leitet sich von den Häuptlingen des Stammes der Zand ab, die im Nordwesten des Irans leben und als Teil des südkurdischen Stammes der Lak angesehen werden, der im Iran in den Provinzen Luristan, Ilam und Hamadan siedelt.
Sein Vater war Khuda Murad Khan-e Zand Hazara, Gouverneur der Provinz Kerman in den Jahren 1760 bis 1761. Dieser war ein Bruder von Ali Murad Khan-e Zand, der als fünfter Herrscher seines Hauses das Perserreich von 1782 bis 1785 regierte.
Sein Großvater war Allah Murad Qaytus Khan-e Zand Hazara, der mit Mahdi-’Alia Zand, einer Tochter von Budak Khan-e Zand aus seiner Ehe mit Begum Agha Zand verheiratet war. Letztere war eine Tochter des Muhammad Khan-e Zand „Bikala“ und der Ne, einer Schwester von Karim Khan Zand (1750–1779) – dem Gründer der Dynastie – und Tochter von Mohammad Inaq Khan-e Zand.
Said Murad Khan-e Zand wuchs vorwiegend in Schiras der Hauptstadt Persiens zur Zeit der Zand-Prinzen auf, lebte aber – bedingt durch die wechselnden Funktionen seines Vaters – auch in anderen Städten Persiens, wie etwa in der Stadt Kerman, wo sein Vater als Gouverneur der gleichnamigen Provinz residierte.
Sein Leben war durch schwierige Umstände und durch eine doppelte Rivalität geprägt: Im Inneren der Familie herrsche nach dem Tod des Gründers der Dynastie, Karim Khan-e Zand († 1779) mangels Nachfolgeordnung ein beständiger Kampf um die Thronfolge und die Macht, wodurch in 44 Jahren der Herrschaft der Zand-Prinzen nicht weniger als 8 Herrscher der Dynastie aufeinander folgten. Nach außen hin stand die Dynastie in einem ständigen Kampf gegen den Stamm der turkmenischen Kadscharen unter der Führung von Aga Mohammed Khan Qajar, dem Häuptling des Teilstammes der Qoyunlu – der von seinem Kernland um Astarabad (heute Gorgan und die Provinz Golestan am Kaspischen Meer) ausgehend, den Norden (Aserbaidschan) und den Osten des Reiches (Mazandaran) – kontrollierte. Bereits dessen Vater, Mohammad Hasan Khan, hatte versucht, die Macht im Persischen Reich an sich zu bringen, wurde jedoch besiegt und auf Befehl von Karim Khan Zand 1759 getötet.
Said Murad Khan erhielt eine private Erziehung im Haushalt seines Vaters und wurde von diesem frühzeitig an den Hof seiner regierenden Verwandten, nach Schiras – der Hauptstadt der zentralen Südprovinz Fars von Persien – entsandt, die der Zand-Dynastie als Hauptstadt diente. Dort erhielt er eine standesgemäße Ausbildung und begann eine Laufbahn im Heer und in der Verwaltung. Besonders gefördert wurde er dabei von seinem Onkel, Ali Murad Khan, der vom 15. März 1781 bis zum 11. Februar 1785 das Perserreich regierte.
Unterstützung seines Onkels Ali Murad Khan
Said Murad Khan unterstützte seinen Onkel Ali Murad Khan jedoch bereits zum Zeitpunkt, als es diesem noch darum ging, die Krone des Persischen Reiches durch Sturz und Vertreibung des seit 1779 regierenden Vetters, „Schah“ Sadiq Khan (Zand) (22. August 1779 – 14. März 1781) zu erlangen.
Nicht zuletzt mit Unterstützung von Said Murad Khan gelang es Ali Murad Khan, die wichtige Großstadt Isfahan unter seine Kontrolle zu bringen, die unter der Herrschaft der Safawiden zur weltberühmten Hauptstadt des Perserreiches ausgebaut worden war. Deren bewundernde Beschreibung als „Nesfe Jahan“ („die halbe Welt“) hat sich bis heute gehalten.
Nach der Eroberung von Isfahan galt es, die aktuelle Hauptstadt des Reiches, Schiras, zu erobern, wo dessen Cousin „Schah“ Sadiq Khan (Zand) (1779–1781) residierte. Ali Murad Khan dachte, dies wäre auf Grund seiner Popularität keine besonders schwierige Aufgabe, sandte daher nur einen Teil seiner Armee unter dem Befehl seiner Neffen, Said Murad Khan und Muhammad Zahir Khan in die Provinz Fars. Sobald Schah Sadiq Khan vom Herannahen dieser Armee erfuhr, befahl er seinem Sohn, Hasan Khan Zand, sich mit den vorhandenen Truppen diesem Angriff entgegenzustellen und die feindliche Armee zu vernichten. Auf der Weide von Qasr-i Zard in der Gegend von Chahar Danga kam es zur Schlacht, in der die zahlenmäßig erheblich kleinere Armee des Ali Murad Khan eine Niederlage erlitt. Said Murad Khan und Muhammad Zahir Khan gelang es jedoch, sich mit dem Rest ihrer Truppen nach Isfahan zurückzuziehen.
Ali Murad Khan beschloss nach diesem Rückschlag mit seiner gesamten Armee selbst von Isfahan in die Provinz Fars zu marschieren, um die Truppen seines Cousins Schah Sadiq Zand zu besiegen und diesen vom Thron zu stürzen. Zur Sicherung seiner nunmehrigen Machtbasis in Isfahan ernannte er seinen Neffen Said Murad Khan 1781 zum Gouverneur von Isfahan.
Ali Murad Khan traf am 26. Juli 1781 vor Schiras ein und begann die Stadt zu belagern. Erst nach einer fast acht Monate dauernden Belagerung öffneten unzufriedene Stammeskrieger am 3. März 1782 das Stadttor, wodurch die Stadt von den Truppen des Ali Murad Khan besetzt werden konnte. Der Schah, Sadiq Zand, der sich in der Zitadelle von Schiras verschanzt hatte, musste sich nach drei Tagen ergeben. Auf Befehl von Ali Murad Khan wurde Schah Sadiq Zand und seine erwachsenen Söhne, mit Ausnahme von Dschafar Khan Zand – der sich mit Ali Murad Khan verbündet hatte – am 14. März 1782 getötet.
Etliche von den jüngeren Söhnen wurden, ebenso wie Abul-Fath-Khan und Muhammad Ali Khan, zwei Söhne des Karim Khan Zand – des Gründers der Dynastie– geblendet.
Ali Murad Khan Zand ließ sich daraufhin am 15. März 1782 zum Herrscher des Perserreiches ausrufen. Nachdem er seine Kontrolle über die Hauptstadt Schiras und die umliegende Provinz Fars konsolidiert hatte, ließ er seinen Neffen, Said Murad Khan, den er zuvor mit der Statthalterschaft von Isfahan betraut hatte, nach Schiras kommen und übertrug ihm nunmehr die Statthalterschaft über die zentrale Provinz Fars, die Provinz Lorestan, Kuh Giluya, sowie über die Häfen und Küstengebiete am Persischen Golf.
Schah Ali Murad, der Isfahan wegen seiner großzügigen Anlage und Schönheit Schiras gegenüber als Residenz vorzog, brach am 3. August 1782 von Schiras nach Isfahan auf, hielt dort am 16. August 1782 seinen feierlichen Einzug und nahm Wohnung in dem von Schah Abbas I. aus dem Haus der Safaviden errichteten Königspalast „Ali Qapu“ („Hohe Pforte“). In den drei folgenden, ruhigen Jahren seiner Regierungszeit gelang es ihm, die Stadt Rascht, die Hauptstadt der persischen Provinz Gilan am Kaspischen Meer sowie auch einige Bezirke in Aserbaidschan für das Reich zu erwerben.
Said Murad Khan übernahm als Gouverneur die Kontrolle über die traditionelle Hauptstadt der Zand-Prinzen, über die zentrale Provinz Fars und über die wirtschaftlich bedeutenden Hafenstädte am Persischen Golf. Er verfügte damit über eine beachtliche Machtbasis, die ihm eine gute Ausgangsposition für künftige Machtkämpfe gab.
Es ist ungewiss, ob Said Murad Khan während seiner dreijährigen Statthalterschaft viel Zeit fand, sich mit den Werken der großen Söhne der Stadt zu beschäftigen, deren prunkvolle Mausoleen in Schiras die Grabmäler der regierenden Herrscher weit in den Schatten stellen. Nämlich mit dem großen Dichter und Mystiker Moscharraf od-Din Abdullah, besser bekannt als „Saadi“ (1184–1282), dessen Werke „Bustan“ (Obstgarten) und „Golestan“ (Rosengarten) bis heute im Iran zu den populärsten Dichtungen und zu den wichtigen Grundlagen des Sufismus zählen. An Bedeutung wurde Saadi jedoch von seinem Schüler, Muḥammad Šams ad-Dīn genannt „Hafis“ (* 1320, † 1398), dem Dichter des „Diwan“ noch übertroffen, der bis heute als der tiefgründigste und beliebtesten Dichter des Iran gilt.