Sable Island (englisch) oder Île de Sable (französisch) ist eine Insel im Atlantik, die zur kanadischen Provinz Nova Scotia gehört. Die Insel liegt so nahe an den transatlantischen Schifffahrtsrouten, dass sie eines der gefährlichsten Hindernisse darstellt, seit Segelschiffe den Atlantik überqueren. Die Insel ist daher einer der bekanntesten Schiffsfriedhöfe. Seitdem Radar auf Schiffen gebräuchlich ist, ist die Anzahl der Schiffsunglücke an der Küste dieser Insel zurückgegangen. Die Insel Sable Island wird gelegentlich mit der Insel Cape Sable Island verwechselt.
Die Insel, die sich etwa 160 Kilometer südöstlich von Canso am gleichnamigen Kap der Nova-Scotia-Halbinsel und rund 290 Kilometer ostsüdöstlich von Halifax befindet, ist einer der abgelegensten Orte Kanadas. Sie ist ungefähr 42 Kilometer lang, maximal 1,3 Kilometer breit und halbmondförmig geschwungen. Sie ändert ihre Größe und Form durch die von Wind und Wellen verursachte Sedimentverdriftung, wobei sie langsam nach Osten wandert. Ihre Fläche beträgt etwa 31 Quadratkilometer. Die höchste Düne ist 40 Meter hoch. Ursprünglich wurde die Insel auf Französisch île de Sable ‚Sandinsel‘ benannt. Dieser Name wurde ins Englische übernommen.
Die Insel wird als Teil der Stadt Halifax verwaltet und ist Teil des District 13: Northwest Arm – South End and Sable Island.
Westlich der Insel liegt das Meeresschutzgebiet The Gully.
Eine Theorie zur geologischen Entstehung der Insel geht von einem niedrigeren Meeresspiegel während der letzten Eiszeit vor 11.000 Jahren aus, eine andere hält es für möglich, dass der Sand durch Gletscher so weit vor die Küste geschoben wurde. Meeresströmungen und Stürme lassen die Dünen wandern; in den letzten mehreren hundert Jahren wurden Wanderungen von bis zu 44 Kilometern beobachtet.
Die Insel ist als „Friedhof des Atlantiks“ berüchtigt, weil seit 1583 über 350 Schiffbrüche an ihrer Küste über 10.000 Seeleute das Leben kosteten. Ursache hierfür ist, dass die Insel sehr weit vor der Küste und in der Nähe von Schifffahrtsrouten liegt und zu einem Drittel des Jahres Nebel in diesem Gebiet die Sicht nimmt. Der stark abfallende Meeresboden kann außerdem zusammen mit starken Winden die See besonders stark aufwühlen. Viele dieser Schiffswracks liegen noch heute an der Küste der Insel. Spätestens seit dem 16. Jahrhundert kennen europäische Seefahrer diese Insel als Santa Cruz und I. da Crus. Als erster Europäer sichtete sie wohl der Portugiese João Alvares Fagundes spätestens 1521. 1546 verzeichnete der portugiesische Kartograf Joannes Freire die Insel als I. do Sable auf einer Karte, 1565 der Italiener Giacomo Gastaldi als Isolla del Arena.
Im März 1598 stellte Troilus du Mesgouez, Gouverneur von Neufrankreich, dem französischen Parlament einen Plan zur Besiedelung der Insel vor, um aus Fischerei und Pelzhandel Profite zu schlagen. Das Parlament genehmigte den Besiedlungsversuch, doch fanden sich keine Freiwilligen. Du Mesgouez bekam schließlich 50 oder 60 Strafgefangene zugeteilt, die er 1598 oder 1599 zusammen mit etwa zehn Soldaten und Vorräten für einen Winter auf die Insel verfrachtete. Die kleine Kolonie wurde auf Kosten du Mesgouez’ jährlich mit Vorräten versorgt. 1602 stellte er die Versorgung ein, ließ 1603 aber wieder ein Schiff die Insel anfahren. Zu diesem Zeitpunkt lebten nur noch 11 der Siedler, die übrigen hatten sich gegenseitig umgebracht oder waren an Krankheiten gestorben.
1738: Der Bischof von Boston, Andrew Le Mercier, sandte Leute und Vieh, darunter Pferde, aus, um zu versuchen, die Insel zu besiedeln, was aber scheiterte – das Vieh wurde von Fischern gestohlen, die Pferde verwilderten und pflanzten sich halbwild fort.
1801: Die erste Rettungsstation für Schiffbrüchige wurde auf der Insel gebaut und bis 1958 betrieben.
1863 strandete der britische Passagierdampfer Georgia der National Line (Vorbesitzer: Guion Line) vor Sable Island, alle Personen an Bord überlebten.
1873: Zwei Leuchttürme wurden an den Inselenden im Osten und Westen gebaut und von zwei Leuchtturmwärtern betreut. Wegen Landerosion wurde der Westturm 1883, 1888, 1917 und 1951 versetzt.
1875: Die Rettungsstation wurde durch eine Telegraphenleitung mit dem Festland verbunden.
1879 strandete der Passagierdampfer State of Virginia der britischen State Line am 15. Juni vor Sable Island, 9 Menschen ertranken.
1898: Südlich der Insel sank am 4. Juli 1898 der französische Passagierdampfer La Bourgogne nach der Kollision mit dem britischen Frachtensegeler Cromartyshire. 565 Menschen starben.
1958: Der Betrieb der Rettungsstation wurde nach elf Jahren ohne Schiffsunglück eingestellt, die Leuchttürme wurden automatisiert.
1991: Der Notfunksender (EPIRB) des verschwundenen Fischtrawlers Andrea Gail wurde am Ufer von Sable Island gefunden.
1999: Nördlich von Sable Island wurden die ersten von 28 Offshore-Bohrplattformen für die Gasförderung aus naheliegenden Gasfeldern errichtet.
1999: Der bisher letzte Schiffbruch: Drei Männer wollten mit der Merrimac von Newport über den Atlantik auf die Azoren segeln und benutzten eine Karte, auf der Sable Island nicht eingezeichnet war. Als der Tiefenmesser Alarm auslöste, gingen sie von einer Fehlfunktion aus und glaubten ihrer Karte, worauf sie am 27. Juli auf der Insel strandeten.