Sabahattin Ali (geb. 25. Februar 1907 in Eğridere im Osmanischen Reich, heute Ardino, Bulgarien; † 2. April 1948 in Kırklareli, Türkei) war ein sozialistischer türkischer Schriftsteller und Lehrer.
Die Familie stammte aus der Schwarzmeerregion. Sein Großvater, genannt Salih Efendi, stammte aus Of und war Zahlmeister in der osmanischen Marine (Bahriye Alayemini). Einige Quellen schreiben fälschlicherweise, dass der Großvater der Hauptmann Mehmet Ali Bey gewesen sei. In einer Reportage mit Aliye Ali und Ramazan Korkmaz gab Sabahattin Ali jedoch an, seine Ehefrau stamme aus der Schwarzmeerregion und sein Großvater sei von dort erst später nach Istanbul gezogen.
Sabahattin Alis Vater Ali Selahattin Bey (1876–1926) war Hauptmann der Infanterie (Piyade yüzbaşı) und heiratete die sechzehn Jahre jüngere Hüsniye Hanım, eine Tochter des aus Bandırma stammenden Leutnants Mehmet Ali. Nach Sabahattin wurde 1911 sein Bruder Fikret geboren. Während des Ersten Weltkrieges wurde sein Vater nach Çanakkale als außerordentlicher Vorsitzender des Kriegsgerichts versetzt, wo die Familie die nächsten vier Jahre lebte. Sabahattin Ali schrieb hin und wieder in seinen Briefen und Schriften von den Jahren, die er in Çanakkale verbracht hatte. Später zog die Familie nach Izmir, wo der Vater in der Unterhaltungsbranche tätig werden wollte. Die zunächst laufenden Geschäfte wurden durch die Besetzung von Izmir unterbrochen. Die Familie zog nach Edremit, wo Sabahattins Schwester Süheyla, genannt Süha, geboren wurde (Saniye Süheyla Conkman, 1920 oder 1922–2017).
Sabahattin Ali wurde am 25. Februar 1907 im ostrhodopischen Bezirk Eğridere des Sandschak Gümülcine im Vilâyet Edirne geboren. Sein Vater Ali Selahattin Bey benannte seine Kinder Sabahattin und Fikret nach den osmanischen Intellektuellen jener Zeit, Tevfik Fikret und Prinz Sabahaddin, mit denen er befreundet war.
Mit sieben Jahren besuchte Sabahattin Ali die Füyûzâtı Osmâniye-Schule in Doğancılar, Istanbul. Nach der Versetzung des Vaters zog die Familie nach Çanakkale und später dann nach Edremit. Die Ehe der Eltern war nicht zuletzt auch deswegen belastet, weil der Vater fortschrittlichen und liberalen Gedanken anhing, die Mutter aber aus einer konservativen und streng religiösen Familie stammte und wegen psychischer Probleme mehrmals einen Suizid versuchte. Laut Ali Demirel, einem alten Freund von Sabahattin Ali, war sie Cholerikerin und kümmerte sich mehr um den Bruder Fikret. Sabahattin Ali sei in dieser Zeit ein Einzelgänger gewesen und habe nicht mit anderen Kindern gespielt. Lieber habe er zuhause gezeichnet oder Bücher gelesen. Er war jedoch einer der erfolgreichsten Schüler seiner Klasse. Der Freund seines Vaters Mehmet Sah Bey schenkte dem Kind viel Aufmerksamkeit und motivierte es, viel zu lesen.
Nach dem Schulabschluss im Jahr 1921 lebte Sabahattin für ein Jahr bei seinem Onkel nach Istanbul und schrieb sich nach seiner Rückkehr nach Balıkesir für ein Lehramtsstudium am Institut „Balikesir Muallim Mektebi“ ein. Während dieser Zeit begann er Gedichte und Geschichten zu schreiben und sandte einige dieser Texte an Zeitungen und Zeitschriften. Zudem brachte er mit seinen Freunden eine Schulzeitung heraus. Er führte ein Tagebuch und interessierte sich für Theater und Kino. Es fiel ihm schwer, sich in die Schuldisziplin einzuordnen, so besuchte er während der Schulzeit immer wieder Theater- oder Kinovorstellungen. Als der Schulleiter ihm deswegen drohte, ihn zu seiner Familie zurückzuschicken, unternahm er einen Suizidversuch, den er selbst als Bluff bezeichnete. Der Versuch wurde von einem Freund und seinen Lehrern verhindert. 1926 wechselte er für das letzte Ausbildungsjahr an die Lehrerschule in Istanbul und veröffentlichte erste Gedichte. Mit Förderung seines Literaturlehrers Ali Canip Yöntem sandte er einige davon an Zeitschriften wie Caglayan und Akbaba. Sein Lehrerdiplom erhielt er im August 1927. Während dieser Zeit verschlechterte sich der Gesundheitszustand seiner Mutter.
Nach seinem Abschluss besuchte Ali seinen Onkel, einen Arzt in Ertüzün, der dann beruflich nach Yozgat wechselte und Ali in Yozgat eine Stelle als Grundschullehrer vermittelte. Später zog die ganze Familie nach Yozgat. Trotz vieler Kontakte klagte Ali in seinem Brief vom 24. November 1927 an Nahit, eine enge Freundin in Istanbul, über Einsamkeit, vor allem, da viele Menschen Schwierigkeiten hatten, seine Texte zu verstehen. Die Beziehung zu Nahit begann für ihn mit einer Freundschaft, seine sich entwickelnde Liebe zu ihr blieb unerwidert. Diese Liebe wurde zum Hauptthema der Geschichte, die er in Yozgat schrieb. Das Gedicht Bir Macera (dt. „Ein Abenteuer“), das in der Servet-i Fünûn veröffentlicht wurde, war Nahit gewidmet. Der Autor schrieb über seine einseitige Liebe in seinen Gedichten Was haben wir gewonnen (1927), Ihre Liebe in meinem Herzen (1927), Für immer (1928), Liege und schlafe (1928), An alle Menschen (1928), Ausbruch (1928) und Branden (1928).
Nach einem Jahr in Yozgat beabsichtigte Ali, nach Istanbul zurückzukehren. Mitarbeiter des Bildungsministeriums ermutigten ihn, nach Europa zu gehen. Im November 1928 sandte ihn die Türkische Republik zur Fortbildung nach Deutschland. Nach fünfzehn Tagen in Berlin ließ er sich in Potsdam nieder, wo er bei einer alten Dame als Untermieter lebte und Deutschkurse besuchte. Ali vermisste Istanbul und seine unerwiderte Liebe Nahit. Am 1. Januar 1929 sandte er Nahit seine Gedichte als Weihnachtsgeschenk, erhielt jedoch keine Antwort. Nach dem Sprachkurs in Potsdam wechselte er in ein Berliner Internat.
Rückkehr in die Türkei und Ermittlungen
Obwohl der Aufenthalt in Deutschland ursprünglich auf vier Jahre angelegt war, kehrte Ali schon nach zwei Jahren (1930) in die Türkei zurück und lebte bei Freunden in einem Internat in Istanbul. Später arbeitete er als Grundschullehrer in Orhaneli, Bursa. Im September 1930 legte er eine Deutschprüfung ab und unterrichtete Deutsch an der Mittelschule. Nach einer Anzeige wegen „kommunistischer Propaganda“ wurde er im Mai 1931 verhaftet, zwei Tage später ordnete das Gericht seine Freilassung an. Die Ermittlungen wurden danach fortgesetzt, und Ali kam bis zum 9. September 1931 in Untersuchungshaft ins Aydın-Gefängnis. Drei Wochen später wurde er Deutschlehrer an der Mittelschule in Konya. Eine weitere Verhaftung erfolgte am 22. Dezember 1932 wegen eines Gedichts, das er bei einem Treffen vorgelesen hatte und das Angriffe gegen Mustafa Kemal Atatürk und Ismet Inönü enthielt. Das Strafgericht in Konya verurteilte ihn wegen Beleidigung Atatürks zu einem Jahr Haft. Später wurde die Haftstrafe auf vierzehn Monate angehoben. Am 29. April 1933 wurde sein Diplom annulliert. Freunde berichteten, er habe im Sinop-Gefängnis nachts ständig gelesen und tagsüber auf eine Truhe geschrieben.
Nach seiner Freilassung besuchte Ali seine Verwandten in Istanbul und ging für eine Wiedereinstellung nach Ankara. Der Generaldirektor der Sekundarstufe und der stellvertretende Unterstaatssekretär wollten jedoch wegen seiner Kritik an Atatürk keine Verantwortung für seine Wiedereinstellung übernehmen. Ali arbeitete während dieser Zeit im Haus eines Onkels und machte kleine Übersetzungen. 1934 wurde er gebeten, ein Gedicht über Atatürk zu schreiben. Dieses Opus vom 13. Januar 1934 mit dem Titel Benim Aşkım („Meine Liebe“), das in der Zeitschrift Varlık veröffentlicht wurde, trug schließlich dazu bei, dass Ali mit der Genehmigung Atatürks zuerst kurzfristig in die Direktion der Abteilungen der Mittelschulen (Mai 1934) und dann langfristig in das Nationale Bildungs- und Ausbildungszentrum berufen wurde.
Nachdem Alis ehemalige Angebetete Nahit geheiratet und seine Freundin Ayşe seinen Heiratsantrag abgelehnt hatte, begegnete er 1932 in Istanbul Aliye Başotaç, der Tochter des Apothekers Salih Başotaç, die er heiraten wollte. Zunächst hatte Aliyes Familie wegen Alis Gefängnisaufenthalten Bedenken gegen die Verbindung. Die standesamtliche Hochzeit fand am 16. Mai 1935 in Kadıköy statt. Anschließend zog Ali mit seiner Frau nach Ankara, wo er Deutschunterricht an einer weiterführenden Schule erteilte. In dieser Zeit ging es der Familie finanziell gut und Ali veröffentlichte einige Werke.