Saša Stanišić (Aussprache [saʃa ˈstaniʃit͡ɕ]; * 7. März 1978 in Višegrad, Jugoslawien) ist ein deutsch-bosnischer Schriftsteller. Er ist unter anderem Träger des Preises der Leipziger Buchmesse (Vor dem Fest, 2014), des Deutschen Buchpreises (Herkunft, 2019) und des Deutschen Jugendliteraturpreises (Wolf, 2023).
Stanišić wurde am 7. März 1978 in Višegrad, einer Kleinstadt im östlichen Bosnien, als Sohn einer bosniakischen Politikprofessorin und eines ethnisch serbischen Betriebswirtes geboren. 1992 besetzten im Rahmen des Bosnienkrieges bosnisch-serbische Truppen Višegrad und etablierten dort die „Republika Srpska“. Stanišić' Eltern flüchteten im selben Jahr mit ihm zu einem Onkel nach Heidelberg, der dort als Gastarbeiter tätig war. Seine Mutter fand Arbeit in einer Wäscherei, während sein Vater auf dem Bau tätig war. 1998 wanderten die Eltern in die USA aus. Er wohnte im Heidelberger Stadtteil Emmertsgrund und besuchte die Internationale Gesamtschule Heidelberg, an der sein schriftstellerisches Talent von seinem Deutschlehrer gefördert wurde, und wechselte nach der Vorbereitungsklasse zum Gymnasialzweig. Nach dem Abitur 1997 studierte er an der Universität Heidelberg Deutsch als Fremdsprache und Slawistik. Während des Studiums entstanden immer mehr literarische Texte, und „der Kindheitstraum vom ‚nur Schreiben‘ wurde größer und größer“. Für seine Magisterarbeit über Wolf Haas wurde Stanišić 2004 der Jürgen-Fritzenschaft-Preis der Universität Heidelberg verliehen. Zum Wintersemester 2004/2005 nahm er ein Studium am Deutschen Literaturinstitut Leipzig auf. Für das Jahr 2020 erhielt er von der Hochschule RheinMain und der Landeshauptstadt Wiesbaden eine Poetikdozentur.
Stanišić ist Vater eines Sohnes. Er lebt mit seiner Familie in Hamburg-Altona. Seit 2013 ist Stanišić deutscher Staatsbürger.
2005 war er mit Was wir im Keller spielen… beim Ingeborg-Bachmann-Preis vertreten. Die autobiographisch gefärbte Erzählung, die den Krieg im ehemaligen Jugoslawien aus der Sicht eines Kindes Revue passieren lässt, erhielt den Kelag-Publikumspreis. 2005 war er außerdem Teilnehmer einer Schreibwerkstatt im Künstlerhaus Edenkoben; 2018 wirkte er dort gemeinsam mit Angelica Ammar als Dozent. 2006 legte Stanišić mit Wie der Soldat das Grammofon repariert seinen Debütroman vor. In der semiautobiographischen Geschichte, die erneut vor dem Hintergrund des Bosnienkrieges angesiedelt ist, porträtiert der Autor den jungen Bosnier Aleksandar aus Višegrad, der mit seinen Eltern nach Deutschland flieht und sich in der neuen Heimat in eine Welt aus Geschichten und Erinnerungen flüchtet. Für die Recherche stattete die Robert Bosch Stiftung den Autor mit dem Grenzgänger-Stipendium aus. Stanišić' Romanerstling war enorm erfolgreich bei Lesern und Kritikern und wurde in 30 Sprachen übersetzt. Der Roman war 2006 auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises vertreten und erhielt 2007 den Förderpreis zum Literaturpreis der Stadt Bremen. Außerdem wurde Wie der Soldat das Grammofon repariert im Jahr seiner Veröffentlichung als Hörspiel von der Redaktion Hörspiel und Medienkunst des Bayerischen Rundfunks adaptiert. 2008 wurde Stanišić mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis, dem Lydia-Eymann-Stipendium und dem Förderpreis zum Heimito von Doderer-Literaturpreis ausgezeichnet.
2006/2007 war Stanišić der Stadtschreiber von Graz. 2013 erhielt er das vierte „Feuergriffel“-Stadtschreiber-Stipendium für Kinder- und Jugendliteratur der Stadt Mannheim. Für das Romanmanuskript Anna erhielt er im selben Jahr den Alfred-Döblin-Preis und für Frau Kranz malt ein Bild von Hier den Hohenemser Literaturpreis.
2014 wurde Stanišić mit dem Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik für seinen zweiten Roman Vor dem Fest geehrt. Im selben Jahr wurde er für den Deutschen Buchpreis nominiert (Longlist).
2016 erhielt er den Rheingau Literatur Preis für den Erzählungsband Fallensteller und 2017 den Schubart-Literaturpreis. Ebenfalls 2019 wurde er für den autobiografisch gefärbten Roman Herkunft mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet. Die Jury lobte Stanišić als fantasievollen und witzigen Erzähler: „Unter jedem Satz dieses Romans wartet die unverfügbare Herkunft, die gleichzeitig der Antrieb des Erzählens ist […] Mit viel Witz setzt er den Narrativen der Geschichtsklitterer seine eigenen Geschichten entgegen.“ In der Dankesrede kritisierte Stanišić die Vergabe des Literaturnobelpreises an Peter Handke. Unter anderem sagte er: „Ich hatte das Glück, dem zu entkommen, was Peter Handke in seinen Texten nicht beschreibt.“ Der österreichische Autor hatte sich im Zusammenhang der Jugoslawienkriege wiederholt auf die Seite der Serben gestellt.
2021 veröffentlicht Stanišić das Kinderbuch Hey, hey, hey, Taxi!. Im selben Jahr erschien auch das Vorlesebuch Panda-Pand. 2023 erschien der Kinderroman Wolf, für den er im 2024 den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Kategorie Kinderbuch erhielt. Ebenfalls im Herbst 2024 erschien der Nachfolgeband zu seinem ersten Kinderbuch, Hey, hey, hey, Taxi! 2.
Seit 2015: Freien Akademie der Künste in Hamburg.
Von 2015 bis 2022 Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.
Auf Vorschlag der Grünen-Fraktion im Landtag Baden-Württemberg Mitglied der 17. Bundesversammlung.
Wie der Soldat das Grammofon repariert. Roman. Luchterhand Literaturverlag, München 2006, ISBN 3-630-87242-5.
Vor dem Fest. Roman. Luchterhand Literaturverlag, München 2014, ISBN 978-3-630-87243-8.
Fallensteller. Erzählungen. Luchterhand Literaturverlag, München 2016, ISBN 978-3-630-87471-5.
Herkunft. Roman. Luchterhand Literaturverlag, München 2019, ISBN 978-3-630-87473-9.
Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne. Erzählungen. Luchterhand Literaturverlag, München 2024, ISBN 978-3-630-87768-6.
Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck abgebildet wird. Eine Ermutigung. Luchterhand, München 2025, ISBN 978-3-630-87840-9.
Hey, hey, hey, Taxi! Kinderbuch. Illustriert von Katja Spitzer. mairisch Verlag, Hamburg 2021, ISBN 978-3-948722-05-0. (Hörbuchausgabe: ISBN 978-3-948722-06-7)