Die Sächsische Armee war die Armee des Kurfürstentums und späteren Königreichs Sachsen und existierte als Stehendes Heer seit 1682. Im Kurfürstentum Sachsen trug die Armee die Bezeichnung Kurfürstlich Sächsische Armee. Durch die Rangerhebung Sachsens zum Königreich durch Napoleon im Jahre 1807 änderte sich die Bezeichnung der Armee in Königlich Sächsische Armee.
Die Armee bildete das sächsische Kontingent in den Kontingentheeren des Deutschen Bundes und des Norddeutschen Bundes und blieb gemäß dem Artikel 63 Absatz 1 der Reichsverfassung vom 16. April 1871 auch im Deutschen Kaiserreich noch rechtlich eigenständig. Infolge der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg und dem Ende der Monarchie in Sachsen verlor das Land seine eingeschränkte Militärautonomie und die Sächsische Armee ging 1919 im Reichsheer der Weimarer Republik auf.
Vasallenheere und Söldnerheere
Die ersten Herzöge und Kurfürsten Sachsens hatten nur eine persönliche Leibwache. Im Falle eines Feldzugs wurde zusätzlich noch eine kleine Ritterschar zum Schutz des Herrschers aufgestellt. Ein wirkliches Kriegsheer wurde nur dann aufgestellt, wenn ein Einfall in das eigene Herrschaftsgebiet drohte, zur Unterstützung eines anderen Herrschers in einem Feldzug oder bei Fehden. Die Ritter zu Ross wurden vom Herzog mit Waffen, Ausrüstung und Unterhalt versorgt. Die Bürger und Bauern des Landes dienten ihren Lehnsherren als Fußvolk. Wenn wieder Frieden im Fürstentum einkehrte, wurde das Heer wieder aufgelöst.
Trotz der mangelhaften Ausbildung errangen diese Vasallenheere Siege für ihre Fürsten. Markgraf von Meißen Friedrich III. der Strenge kämpfte erfolgreich gegen den Grafen Heinrich VIII. von Henneberg-Schleusingen. Dessen Tochter Katharina von Henneberg heiratete der Markgraf nach Beendigung der Feindseligkeiten, um das Haus Henneberg näher an sich zu binden. Friedrich I. der Streitbare errang mit seinen Heeren Siege über die Schwaben und Rheinländer sowie über die Armee des Philipp von Nassau. Außerdem gelang ihm im Krieg gegen die Hussiten ein wichtiger Sieg in der Schlacht bei Brüx 1421. Im Jahre 1426 verlor das sächsische Heer in der Schlacht bei Aussig gegen die Hussiten. In dieser Schlacht fielen 500 ritterliche Gefolgsleute und zwölf Grafen. Über die Verluste des Fußvolkes gibt es keine Angaben. Sein Sohn Friedrich II. der Sanftmütige kämpfte gegen den Grafen von Orlamünde und von Schwarzburg sowie über die Herren von Treffart und weitere Gegner.
Als erster Herzog von Sachsen nutzte Albrecht der Beherzte die Söldnerheere. Albrecht dachte wirtschaftlich, denn seine Lehnsherren und deren Untergebenen nützten ihm mehr, wenn sie ihren angestammten Aufgaben im Heimatland nachgingen und das Herzogtum weiterhin auf gleichem Niveau bewirtschaftet wurde. Wie die Vasallenheere wurden die Söldnerheere nach Beendigung des Feldzuges aus dem Dienst verabschiedet, und nur die Leibwache und einige wenige Fußsoldaten, welche die Städte und Schlösser bewachten, blieben im Dienst des Herzogs. Bis zum Herzog und späteren Kurfürsten Moritz wurden die Söldnerheere regelmäßig angeworben. Der Herzog Moritz war der Erste, welcher den Wert eines ständigen Heeres zum Schutz des Landes erkannte. Während seiner Regentschaft wurden Teile des Söldnerheeres zu Besatzungstruppen der größeren Städte, wie Dresden, Leipzig und Pirna, welche Moritz befestigen ließ, verwandt. Außerdem wurden Söldner auch als ständige Besatzungstruppen von Festungen und herrschaftlichen Schlössern verwandt.
Ebenfalls begann der Herzog mit der Einführung einer Militärverordnung für alle unter seinem Banner kämpfenden Truppen. In dieser waren die ersten Reglements und Regeln für den Umgang mit den Waffen und der Ausrüstung festgelegt. Die Einführung der Feuerwaffen hatte auch zur Folge, dass die Heeresabteilungen von nun an in Regimenter und Kompanien unterteilt wurden. Als Vorlage dienten hier die Legionen und Zenturien der römischen Armee der Antike. Ebenfalls wurde das Fußvolk jetzt in Fähnlein und die Reiterei in Geschwader unterteilt. Diese Untergliederung ermöglichte eine bessere Kommandierung der Truppenteile auf dem Schlachtfeld. Durch diese Änderungen war es in der Mitte des 16. Jahrhunderts möglich, große Heere von bis zu 100.000 Mann effektiv zu kommandieren und in einem Krieg zu verwenden.
Ein großer Nachteil der Söldnerheere war die Entwöhnung des Adels von der Landesverteidigung. Dieser sah es nicht mehr als notwendig an, einen Besitz mit der eigenen Person zu verteidigen. Er vertraute auf seinen Landesfürsten. Außerdem waren die Söldnerheere teilweise schwer zu kontrollieren. Die Kommandeure waren für den Unterhalt der Söldner selbst zuständig. Dies hatte mehrfach zur Folge, dass, wenn ein Landesherr keinen Sold auszahlte, die Söldner in dem Land, welches sie eigentlich zu beschützen hatten, plünderten. Nachdem die Söldnerheere im 16. Jahrhundert eine gängige Praxis wurden, wurde der Unterhalt dieser Truppen immer teurer. Es entstand ein regelrechter Söldnerhandel. Die Heere kämpften für die Seite, welche besser bezahlte. Einem Landesherrn, der in einer ernsthaften finanziellen Notlage war, konnte es passieren, dass Teile seiner Söldnerheere aus dem Heeresverband ausschieden und zum Gegner übergingen, weil dieser die Söldner besser bezahlte. Dies war einer der Gründe, warum zu Beginn des 17. Jahrhunderts in mehreren Staaten Mitteldeutschlands die Wehrpflicht des Volkes wieder eingeführt wurde.
Defensionswerk, Glaubens- und Kabinettskriege (1612–1682)
Während der unsicheren Regierungszeit des Kurfürsten Johann Georg I. (1611–1656) wurden tiefgreifende Reformen im sächsischen Militärwesen durchgeführt. Im Jahre 1612 bewilligte der Landtag den Vorschlag eines Defensionsheeres. Dies waren die ersten Versuche zum Unterhalt stehender Truppen, die ohne Zustimmung des Kaisers gebildet wurden. Die Reichsexekutionsordnung von 1555 bildete hierfür die rechtliche Grundlage. In den folgenden Jahren wurden zwei Regimenter Fußknechte, jedes mit acht Kompanien (zu je 520 Mann), und zwei Regimenter mit Ritterpferden von 930 und 690 Mann angeworben. Dazu kam Reiterei mit 1593 Ritterpferden in zwei Regimentern und mit 16 höheren Offizieren. Schließlich gab es noch 1500 Schanzarbeiter und 504 Knechte für die Heerfahrtswagen und Geschütze. So kam das kursächsische Defensionswerk, das sich aus angesessenen Männern nach Kreisen und Ämtern rekrutierte, auf eine Gesamtstärke von knapp 14.000 Mann. Das war zu jener Zeit die Größe einer mittleren Armee. Diese hatte die Aufgabe, die Landesgrenzen vor Angriffen von außen zu schützen und feste Plätze zu verteidigen, darum die Bezeichnung Defensioner (lat. Verteidiger). So wurden die Defensioner nach 1619 immer wieder zur Besetzung der Grenzpässe auf dem Erzgebirgskamm nach Böhmen eingesetzt. Drei Kompanien Fußknechte, das Alt-Dresdner Fähnlein, das Pirnaische und das Freiberger Fähnlein, mit 304 Mann wurden zum besonderen Schutz der Landeshauptstadt um Dresden herum einquartiert. Allerdings war die militärische Macht des Defensionswerkes nicht in der Lage, die Grenzen des Landes ausreichend zu schützen, und der militärische Wert dieser Truppe war stark eingeschränkt. So konnten nach 1631 von Schweden oder kaiserlichen Truppen belagerte sächsische Städte mühelos eingenommen werden. Lediglich Freiberg bildete zweimal eine Ausnahme.
Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges rüstete Kursachsen im Namen des Kaisers eine 12.000 Mann starke Angriffsarmee unter dem Oberbefehl des Grafen Wolfgang von Mansfeld auf und kämpfte in der böhmisch-pfälzischen Periode gegen die Truppen der böhmischen Stände, beginnend mit dem Feldzug in die Ober- und Niederlausitz 1620. Das wichtigste Ereignis war die Belagerung von Bautzen. Nach der Inbesitznahme der beiden Lausitzen marschierte die sich nach und nach verstärkende sächsische Armee in Schlesien ein, welches ebenfalls zur böhmischen Krone gehörte, und kämpfte hier, bis die sächsischen Truppen 1622 von kaiserlichen Truppen abgelöst wurden. Danach wurden zwar 1623 noch Truppen geworben, aber die allgemeine Kriegslage ließ es zu, dass fast alle sächsischen Truppen bis 1624 abgedankt werden konnten. In der zweiten, der dänischen Periode des Krieges beteiligten die Sachsen sich nicht an Kampfhandlungen. Das Land wurde nur von den Beteiligten gestreift oder kurz durchzogen. Nach der brutalen Eroberung der Stadt Magdeburg (Magdeburgisierung) wechselte der sächsische Landesfürst die Seiten und kämpfte fortan im protestantischen Lager gegen die Katholische Liga. Für den Kampf an der Seite Schwedens stellte der Kurfürst vom Frühjahr 1631 ein neues, über 52.000 Mann großes Heer mit völlig neuen Regimentern zu Pferd, zu Fuß und Dragonern auf. Die Aufstellung und Kampfweise der neuen kursächsischen Einheiten waren wie in den meisten protestantischen Ländern die sogenannte niederländische Ordonnanz. Diese wurde weitestgehend beibehalten, und die anderen, vor allem katholischen Armeen passten sich an. Die Hauptsoldatentypen waren bei der Infanterie der Musketier und der Pikenier, bei der Kavallerie der Kürassier und der Arkebusier.