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Sándor Márai

Ungarischer Schriftsteller

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Sándor Márai [ˈʃaːndor ˈmaːrɒi] (geboren 11. April 1900 als Sándor Károly Henrik Grosschmid de Mára in Kassa, Österreich-Ungarn; gestorben 22. Februar 1989 in San Diego, USA) war einer der bedeutendsten ungarischen Lyriker, Schriftsteller und Dramatiker des 20. Jahrhunderts. Mit der Neuausgabe seines Romans Die Glut erfuhr er 1998 eine vielbeachtete Renaissance im deutschsprachigen Raum. Márai hatte unter anderem deutsche Wurzeln und schrieb zunächst auf Deutsch, ab 1928 publizierte er nur noch in ungarischer Sprache. Márai führte nach seiner Emigration aus Ungarn ein Wanderleben, das in Einsamkeit und Depressionen endete. Sándor Márai ist der ältere Bruder des Filmregisseurs Géza von Radványi.

Sándor Márais Biograph Ernő Zeltner bezeichnete den Versuch, seine Lebensgeschichte nachzuzeichnen, „… als abenteuerliches Unternehmen“, „hat doch der Autor sein ganzes Schriftstellerleben lang einen wahren ‚Irrgarten‘ angelegt, in dem sich Fakten und Erinnerung, Biographie und Fiktion auf sonderbare Weise mischen“.

Herkunft und erste Versuche als Journalist

Sándor Grosschmid wurde in der heutigen Timonova-Straße 1 in Kaschau (ungarisch Kassa, slowakisch Košice), das damals zum Königreich Ungarn gehörte (seit 1918/1919 zur Tschechoslowakei, seit 1993 zur Slowakei), als Sohn des Advokaten und späteren Königlichen Vizenotars Géza Grosschmid geboren. Seine Mutter war Lehrerin an der Höheren Mädchenschule in Kaschau.

Er wuchs in einer liberalkonservativen Familie in Kaschau auf, das er als eine der wenigen „europäischen“ Städte Ungarns dieser Zeit bezeichnete und besuchte 1909–1917 das dortige Prämonstratenser-Gymnasium, später auch das Katholische Gymnasium zu Eperies. Über seinen Vater schrieb er Jahrzehnte später in seinen Tagebüchern: „Liberal war er, und konservativ. So wie die Besten aus seiner Generation, aber nie wußte man mit Sicherheit, ob sie eher liberal als konservativ oder eher konservativ als liberal waren. Die Zeit, die die ihrige war – vom Ausgleich bis zum Ersten Weltkrieg –, erscheint einem heute als Zeit des Friedens, des Rechts und der Prosperität.“

Mit dem Ersten Weltkrieg und dem Anschluss Oberungarns an die neugegründete Tschechoslowakei aus dem ruhigen Lauf der Dinge herausgerissen, emigrierte der junge Márai nach kurzer Studienzeit in Budapest nach der Niederschlagung der Räterepublik Béla Kuns im Oktober 1919 nach Deutschland. Er studierte zunächst am Institut für Zeitungskunde der Universität Leipzig Journalistik und schrieb unter dem Namen Alexander Grosschmid de Márai Artikel für das Satireblatt Der Drache des sächsischen Herausgebers Hans Reimann. Später setzte er seine Studien in Frankfurt am Main fort, wo er für das Feuilleton der Frankfurter Zeitung schrieb, die er für die einzige echte Weltzeitung Deutschlands hielt. Sein letzter Studienaufenthalt in Deutschland war in Berlin, wo er zwar keinen Studienabschluss erwarb, jedoch ausgiebige Erfahrungen in der lokalen gesellschaftlichen Szene sammelte.

Márai bezeichnete sich selbst mehrfach als „Deutscher aus der Zips“, war aber mit Leib und Seele Ungar und stolz darauf, auch wenn er sein halbes Leben fern der Heimat verbrachte. Seinem Großvater Christoph Grosschmid war für treue Dienste von Kaiser Leopold II. das Adelsprädikat de Mára nach der Landschaft Maramureș im heutigen Rumänien verliehen worden. Der Dichter zeichnete seit 1919 seine Zeitungsartikel mit Márai, konnte den Geburtsnamen Grosschmid aber erst mit der Bestätigung seines Antrages auf eine Namensänderung ab 1939 offiziell durch Márai ersetzen.

Gedichte, Essays, Reiseberichte und erste Buchveröffentlichungen

Márai heiratete 1923 standesamtlich Ilona Matzner (genannt Lola), die er bereits von zu Hause kannte. Lola, die aus einer wohlhabenden jüdischen Familie stammte, sollte ihn 62 Jahre lang bis zu ihrem Tod begleiten. Eine kirchliche Trauung wurde dreizehn Jahre später nachgeholt. Kurz nach der Hochzeit zog das Ehepaar nach Paris, wo Márai als Korrespondent der Frankfurter Zeitung und des Prager Tagblatts arbeitete. In Paris verkehrte Márai an literarischen „Stammtischen“, wie dem des Journalisten Egon Erwin Kisch. Er las die Werke von Flaubert, Stendhal, Balzac u. a. im Original und brachte Duhamel und Gide besondere Wertschätzung entgegen. Er las in dieser Zeit auch die Werke von Kafka, Trakl, Benn und Else Lasker-Schüler, die er ins Ungarische übersetzte und dadurch in seiner Heimat populär machte. Eine geplante Übersetzung von Thomas Manns Roman Buddenbrooks fand keinen Verleger.

Im Jahr 1925 nahm die angesehene literarische Kazinczy-Gesellschaft von Kaschau den Dichter, der trotz des Aufenthaltes im Ausland durch seine Gedichte und Zeitschriftenbeiträge in Ungarn populär geworden war, als Mitglied auf.

Am 30. März 1926 schiffte sich Márai in Marseille ein und bereiste Ägypten, Palästina, Syrien und die Türkei. Er kehrte über Griechenland und Italien nach Frankreich zurück. Seine Reiseeindrücke veröffentlichte er in der Frankfurter Zeitung und in zahlreichen Fortsetzungen in der Budapester Újság und im Prágai Magyar Hírlap (Prager Ungarischen Journal) und Pester Lloyd. Unter dem Titel Auf den Spuren der Götter erschienen seine Erlebnisse und Reflexionen 1927 als Buch (vom Autor „Reiseroman“ genannt). Es ist das erste Buch, das Márai in sein Werkverzeichnis aufnahm. Eine frühere Veröffentlichung war ihm anscheinend nicht gut genug.

Nach verschiedenen, auch länger dauernden Abstechern nach London, von wo er über alles für ihn Mitteilenswerte berichtete, kehrte Márai 1928, zunächst allein, nach Ungarn zurück. Lola folgte später; während sie Paris liebte, war Márai, auch wenn er es bewunderte, nie dort heimisch geworden.

Nun begann seine produktivste und erfolgreichste Schaffensperiode.

Erfolge in der Heimat und die Besetzung Ungarns

Im Ausland hatte Márai bis dahin Reportagen und Feuilletons, Artikel für Zeitungen und Magazine, Gedichte und Kurzgeschichten geschrieben und veröffentlicht. Nun widmete er sich auch größeren Werken, schrieb Lyrik, Prosa, Dramen und essayistische Werke. Zu nennen ist neben Die Schule der Armen (1933) sein Opus Land, Land. Finanziell erfolgreich wurde Márai durch den stark autobiographisch gefärbten Roman Bekenntnisse eines Bürgers (1934). 1942 erschien sein Roman Die Glut, der bei seiner Wiederveröffentlichung 1998 in Deutschland die Márai-Renaissance einläutete und innerhalb eines Jahres 200.000 mal verkauft wurde.

Am 28. Februar 1939 wurde Kristóf Géza Gábor, Lola und Sándor Márais einziges Kind geboren. Er starb im Alter von kaum sechs Wochen, da er an Hämophilie litt und nach dem damaligen Stand der Medizin keine Überlebenschance hatte. In Wandlungen einer Ehe, vor allem im 1. und 2. Teil, die 1941 erschienen, wird diese Erfahrung reflektiert.

Ab 1920 bis 1944 regierte in Ungarn der ehemalige k. u. k. Admiral Miklós Horthy als Reichsverweser. 1941 trat Ungarn an der Seite Deutschlands in den Zweiten Weltkrieg ein. Als sich das Kriegsglück wendete und Friedengesuche Horthys zum Westen bekannt wurden, ließ Hitler am 19. März 1944 Ungarn besetzen. Die neu gebildete Regierung unter Döme Sztójay ließ die ungarischen Juden Registrieren und sammeln und unterstützte ihre Deportation in die Konzentrations- und Vernichtungslager durch das Eichmann-Kommando. Lolas Vater und viele ihrer Verwandten kamen im Holocaust um.

Aus Protest legte Sándor Márai am „19. März 1944 seinen Stift aus der Hand …“ und „war nicht bereit, unter deutscher Besatzung seine Arbeit zu tun“, wie die Tageszeitung Magyar Nemzet schrieb. Seitdem erschien kein neues Buch und keine Reportage, weder für den Rundfunk noch für Zeitungen. Am 15. Oktober 1944 wurden die Regierungsgeschäfte von den ungarischen Faschisten, den Pfeilkreuzlern, unter Ferenc Szálasi übernommen.

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