Ruth Slenczynska (* 15. Januar 1925 in Sacramento, Kalifornien; † 22. April 2026 in Cupertino, Kalifornien) war eine US-amerikanische Pianistin. Über mehr als neun Jahrzehnte umfasste ihre lange Laufbahn Konzerttätigkeit, Aufnahmen und Unterricht.
Slenczynska wurde als Tochter polnischer Eltern geboren; ihr Vater Joseph Slenczynski, ein Geiger, begann früh mit ihrer pianistischen Ausbildung und richtete ihr Leben auf eine Karriere am Klavier aus. Ihren ersten öffentlichen Auftritt hatte sie im Alter von vier Jahren, und noch als Kind übersiedelte sie mit ihrer Familie nach Europa, damit sie bei führenden Pianisten studieren konnte. Zu ihren Lehrern zählten Artur Schnabel, Alfred Cortot, Egon Petri, Józef Hofmann und Sergei Rachmaninow. Die vom Vater erzwungene Disziplin mit täglichen Übungszeiten von bis zu neun Stunden führte dazu, dass sie sich mit 15 Jahren von ihm und der Konzertkarriere löste, an der University of California Psychologie studierte und den Kommilitonen George Born heiratete; die Ehe wurde 1953 geschieden. 1967 heiratete sie den Politikwissenschaftler James Kerr, mit dem sie bis zu dessen Tod im Jahre 2001 zusammenlebte. Am 22. April 2026 starb sie im Alter von 101 Jahren in Cupertino.
Bereits als Kind wurde Slenczynska als außergewöhnliche pianistische Begabung gefeiert; im Jahr 1934 sprang sie für den verhinderten Sergei Rachmaninow ein und wurde danach von ihm unterrichtet. Nach ihrer Rückkehr auf die Bühne Anfang der 1950er-Jahre konzertierte sie mehrere Jahre mit Arthur Fiedler und dem Boston Pops Orchestra. Sie spielte für fünf US-Präsidenten und musizierte im Weißen Haus gemeinsam mit Harry S. Truman ein vierhändiges Mozart-Duett. Mit ihren Memoiren Forbidden Childhood machte sie 1957 die Ausbeutung musikalischer Wunderkinder sichtbar; später veröffentlichte sie überdies das Klaviertechnikbuch Music at Your Fingertips. Von 1964 bis zu ihrer Emeritierung im Jahr 1988 lehrte sie an der Southern Illinois University Edwardsville, zunächst als Artist in Residence und danach als Fakultätsmitglied. Auch im hohen Alter blieb sie künstlerisch präsent, stellte während der ersten Covid-19-Lockdowns Beethoven-Sonaten ins Netz und kehrte 2022 mit dem Decca-Album My Life in Music noch einmal prominent ins Aufnahmestudio zurück.
Nicolas Slonimsky, Laura Kuhn, Dennis McIntire: Slenczynska, Ruth. In: Baker’s Biographical Dictionary of Musicians. 2001; abgerufen am 24. April 2026 (englisch).
Allan B. Ho: Slenczynska, Ruth. In: Grove Music Online (englisch; Abonnement erforderlich)., 2013