An diesem Tag

Ruth Laredo

US-amerikanische Pianistin

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Ruth Laredo geborene Meckler, (* 20. November 1937 in Detroit; † 26. Mai 2005 in New York City (New York)) war eine US-amerikanische klassische Pianistin.

Sie wurde in den 1970er Jahren vor allem für ihre Erst-Einspielungen von Skrjabins zehn Sonaten und Rachmaninows sämtlichen Solo-Klavierwerken und für ihre Ravel-Aufnahmen bekannt sowie in den letzten 16½ Jahren vor ihrem Tod für ihre Serie im New Yorker Metropolitan Museum of Art „Concerts with Commentary“. Sie wurde oft „Amerikas First Lady des Klaviers“ genannt.

Ruth Laredo wurde am 20. November 1937 als Ruth Meckler als ältere von zwei Töchtern von Miriam Meckler-Horowitz, einer Klavierlehrerin, und Ben Meckler, einem Englischlehrer, in Detroit, Michigan, geboren. Schon im Alter von zwei Jahren konnte sie, ohne unterrichtet worden zu sein, God Bless America auf dem Klavier ihrer Mutter spielen.

Als sie acht Jahre alt war, nahm sie ihre Mutter zu einem Konzert von Vladimir Horowitz ins Masonic Auditorium in Detroit mit. Das Konzert weckte in ihr den Wunsch, selbst Konzertpianistin zu werden. Horowitz spielte Skrjabin, und Laredo war von dieser Musik so gefesselt, dass sie zeit ihres Lebens eine Vorliebe für Skrjabin und andere russische Komponisten, später auch für seinen Zeitgenossen Rachmaninow hatte.

1960 heiratete sie den aus Bolivien stammenden, dreieinhalb Jahre jüngeren Violinisten Jaime Laredo, den sie im Curtis Institute of Music in Philadelphia kennengelernt hatte, zog nach New York City um und führte gemeinsam mit ihm bis zur Scheidung 1974 (in manchen Publikationen irrtümlicherweise mit 1976 angegeben) Konzerte auf. Der Ehe entstammt eine 1969 geborene Tochter, Jennifer, die mit Paul Watkins, Chefdirigent und Musikdirektor des English Chamber Orchestra, verheiratet ist und in London lebt.

Während der Schwangerschaft und nach der Geburt ihrer Tochter musste sie auf die Tourneen mit ihrem Ehemann verzichten. Stattdessen wollte sie nun die Zeit für Aufnahmen mit Musik ihres bevorzugten Komponisten Skrjabin nutzen. Sie schlug mehreren Plattenfirmen vor, Skrjabins sämtliche 10 Sonaten aufzunehmen, vorerst ohne Erfolg, ehe Alan Silver von Connoisseur Society bereit war, das Wagnis einzugehen, vorerst aber nur für eine LP (Sonaten Nr. 5, Nr. 7 „White Mass“, Nr. 9 „Black Mass“, dazu die acht Etüden Op. 42). Nach dem großen Erfolg dieser ersten Einspielung gab Connoisseur ihr die Gelegenheit, die restlichen sieben Sonaten einzuspielen, womit zum ersten Mal alle Skrjabin-Sonaten als Aufnahmen verfügbar wurden. Laredo wurde so nun einem breiteren amerikanischen Publikum als Solistin bekannt.

Rückblickend erklärt Laredo dies in ihrem Buch The Ruth Laredo Becoming a Musician Book als die alternative Möglichkeit, eine Solokarriere zu beginnen: eine Nische zu finden, etwas, das niemand zuvor getan hatte. Der übliche Weg führe über den Gewinn bei Wettbewerben. Auch dies hatte sie versucht, allerdings – abgesehen von den Young Concert Artists International Auditions – ohne jeglichen Erfolg bei größeren Wettbewerben.

Als ihre Tochter größer war, wollte Laredo die Tourneen mit ihrem Ehemann wieder aufnehmen, wurde jetzt aber mit seinem Wunsch nach der Scheidung konfrontiert. Diese wurde 1974 ausgesprochen und stürzte Laredo in eine schwere persönliche Lebenskrise. Sie nahm eine Unterrichtsstelle an der Yale University an und akzeptierte die Einladung von Thomas Z. Shepard von CBS Masterworks, der von ihren Skrjabin-Aufnahmen beeindruckt war, alle Klaviersolowerke von Rachmaninow aufzunehmen. Das habe ihr das Leben gerettet, sagte Laredo. Die Aufnahmen, die von 1974 bis 1979 stattfanden und deren letzte 1981 veröffentlicht wurde, trugen wesentlich dazu bei, dass sie nun ihr Ziel einer glanzvollen Solokarriere erreichte.

Sie bewogen den Musikverlag C. F. Peters, Ruth Laredo mit einer neuen Urtext-Herausgabe der 24 Präludien Rachmaninows zu beauftragen; sie erschienen 1981 (Op. 3, Nr. 2), 1985 (Op. 23) und 1991 (Op. 32). Anhand von Originalmanuskripten, die sie in der Library of Congress und im Rachmaninow-Archiv in Washington, D.C., sowie später auch bei ihrer Russland-Reise 1989 im Glinka-Museum fand, sah sie ihre Annahme bestätigt, dass die bisher benutzten Editionen viele Anmerkungen enthielten, die offensichtlich nicht von Rachmaninow stammten. Sie säuberte die Manuskripte davon.

Laredo schrieb außerdem Beiträge für die Magazine Piano Today und Keyboard Classics und war Gastgeberin in Programmen des National Public Radio (NPR, Performance Today und Morning Edition) und der New Yorker Klassik-Radiostation WQXR (First Hearing und Onstage with Young Concert Artists).

2000 erschien Laredo in einer Szene in Woody Allens Film Small Time Crooks (dt. Titel: Schmalspurganoven). Hugh Grant versucht darin, Tracey Ullman zu beeindrucken, indem er sie zu einem Klavierrezital einlädt, bei dem Ruth Laredo Rachmaninow spielt.

Ruth Laredo war bekannt dafür, in auffälligen Kleidern aufzutreten (meist von der Kostümbildnerin des Lincoln Centers Catherine Heiser geschneidert), und wurde deswegen öfters von Modemagazinen abgebildet. Man konnte sie auch auf dem Fahrrad oder beim Joggen zur Musik von Phil Collins oder der Rockgruppe Genesis in Manhattans Upper West Side antreffen, wo sie lebte.

Sie bekannte sich klar zur jüdischen Tradition und diskutierte in einer ihrer Lektionen in der Serie Concerts with Commentary die Bedeutung von Felix Mendelssohns jüdischem Hintergrund. Nach ihrer Meinung konvertierte Mendelssohns Vater Abraham Mendelssohn zum Protestantismus aus praktischen Gründen, um seinem Sohn den Zugang zum Musikerberuf in Deutschland zu ermöglichen.

Am 25. Mai 2005 starb Ruth Laredo in ihrer Wohnung in New York City im Schlaf an Eierstockkrebs. Die Diagnose war bereits vier Jahre vor ihrem Tod gestellt worden, hatte sie aber nicht von ihrer künstlerischen Tätigkeit abgehalten. Sie ist auf dem Kensico-Friedhof, Valhalla, Westchester County (New York) begraben, nur wenige Meter vom Grab des für ihr Leben so bedeutenden Sergei Rachmaninow entfernt. An der Abdankungsfeier vom 31. Mai 2005 spielten zwei der Kollegen, die ihr am nächsten gestanden hatten, Wei Gang Li vom Shanghai Quartet und Courtenay Budd, mit der sie am 6. Mai 2005 zusammen mit dem St. Petersburg String Quartet das letzte „Concert with Commentary“ bestritten hatte.

Am 18. Mai 2006 organisierte ihre Tochter Jennifer ein Gedenkkonzert im Grace Rainey Rogers Auditorium des Metropolitan Museum of Art in New York City, an dem das Guarneri String Quartet (mit Paul Watkins, Jennifers Ehemann), Courtenay Budd, Nicolas Kendall, Pei Yao Wang, Edmund Battersby, James Tocco sowie Susan Wadsworth, Direktorin der Young Concert Artists, und die Flötistin Paula Robison teilnahmen. Courtenay Budd sang dabei das Lieblingslied von Ruth Laredo, Franz Schuberts An die Musik, dessen Titel Jennifer Laredo Watkins auch für die Inschrift auf Ruth Laredos Grabstein ausgewählt hatte.

2007 wurde zu ihrem Gedenken als eine der Auszeichnungen beim Wettbewerb Young Concert Artists International Auditions, den sie 1962 gewann und dem sie später als Jurorin diente, der von Familienmitgliedern, Freunden und Verehrern der Pianistin finanzierte Ruth Laredo Memorial Prize eingeführt (bisherige Preisträger: Benjamin Moser, Deutschland, Pianist, Bella Hristova, Bulgarien, Violinistin, Charlie Albright, USA, Pianist, und George Li, USA, Pianist).

Ruth Laredos Mutter Miriam Meckler war Klavierlehrerin (vor allem für Kinder) und unterrichtete Ruth zuerst. Als sie ihrer Tochter kaum mehr etwas beibringen konnte, schickte sie sie zu Edward Bredshall in den Unterricht. Bredshall hatte in Paris bei Nadia Boulanger studiert und war bekannt für seine originellen Unterrichtsmethoden. Laredo studierte vier Jahre bei Bredshall und lernte dabei weitere russische Komponisten kennen und schätzen: Prokofjew, Strawinsky und Kabalewski.

Anschließend nahm sie aufgrund ihrer Vorliebe für russische Musik Klavierunterricht bei Mischa Kottler, einem russischen Emigranten, der auch Lehrer der Pianistin und Sängerin Muriel Elizabeth Charbonneau und später des Saxophonisten und Komponisten Rick Margitza und des Jazzpianisten Ray Cooke war.

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