Russell Ira Crowe (* 7. April 1964 in Wellington) ist ein neuseeländischer Filmschauspieler, Regisseur, Musiker und Produzent mit Wohnsitz in Australien. Die Darstellung des römischen Feldherren Maximus Decimus Meridius im Kinofilm Gladiator, für die er 2001 einen Oscar erhielt, machte ihn weltweit bekannt.
Jugend und Anfänge der Karriere
Russell Ira Crowe wurde als der jüngere von zwei Brüdern in Wellington auf der nördlichen der beiden neuseeländischen Inseln geboren. Sein Vater, John Alexander (1936–2021), stammt aus Christchurch, seine Mutter, Jocelyn, geb. Wemyss, aus Wellington. Als Crowe vier Jahre alt war, wanderte die Familie, die sowohl walisische, Māori- als auch norwegische, schottische und italienische Vorfahren hat, nach Australien aus. Dort betrieb die Familie unter anderem einen Catering-Service, der Filmgesellschaften belieferte. So entstand bereits früh ein Kontakt zur Filmindustrie. Im Alter von acht Jahren erhielt Crowe eine erste kleine Rolle in der Fernsehshow Spyforce, in der sein Patenonkel Regie führte. Als Russell 14 Jahre alt war, kehrte die Familie nach Neuseeland zurück. Er besuchte dort die Auckland Grammar School, die er jedoch nicht beendete.
Nach der High School versuchte sich der damals 16-Jährige als Sänger der von ihm gegründeten Band Roman Antix. Bis zu den frühen 1990er Jahren standen für ihn laut eigener Aussage musikalische und schauspielerische Auftritte noch gleichwertig nebeneinander, seine Karriere als Sänger setzte er mit seiner Band 30 Odd Foot of Grunts fort. 2005 änderte Crowe den Band-Namen von 30 Odd Foot of Grunts (TOFOG) zu The Ordinary Fear of God (TOFOG).
In den 1980er Jahren jobbte Crowe u. a. als Kellner, Bingo-Caller und Straßenmusikant. Erste Bühnenerfahrung sammelte er, als er nach seinem Umzug von Neuseeland in das australische Sydney im Alter von 21 Jahren in den Musicals Grease und The Rocky Horror Show (Rollen: Dr. Scott, Eddie, Frank’N’Furter) durch Australien und Neuseeland tourte.
1989, mit 25 Jahren, wirkte er erstmals in einem Kinofilm mit: in der Nebenrolle als Lt. Corbett in dem australischen Antikriegsdrama Blutiger Schwur (Prisoners Of The Sun / Blood Oath), einer brisanten Thematisierung japanischer Kriegsverbrechen. Anfang der 1990er Jahre übernahm er Rollen in Episoden australischer Fernsehserien wie Police Rescue – Gefährlicher Einsatz, Nachbarn und Living with the Law. Für seine Rolle in Proof – Der Beweis (1991) erhielt er den AFI Award des Australian Film Institute als bester Nebendarsteller.
Erste internationale Aufmerksamkeit erhielt Crowe für die Rolle des Skinheads Hando in Romper Stomper (1992). Der Film erlangte in Australien große Reichweite, Crowe erhielt für diese Rolle den AFI Award des Australischen Filminstituts in der Kategorie Bester Hauptdarsteller. Seine Leistung empfahl ihn für die Rolle des Detective Officer Bud White in L.A. Confidential.
Im Jahr 1994 gelang Crowe der Durchbruch in Australien mit dem Film The Sum of Us (dt. Die Summe der Gefühle), einem leisen Film über familiäre Verbundenheit und ein Coming Out. Jeff, der offen schwul lebende Sohn von Harry, steht im Zielkonflikt zwischen Sohnesliebe – der Vater wird nach einem Schlaganfall zum Pflegefall – und der Liebe zu seinem Freund, der um sein schwieriges Coming Out in einer konservativ kleinbürgerlichen Atmosphäre kämpft.
Türöffner in Hollywood war für Crowe der Western Schneller als der Tod (The Quick And The Dead, 1995), in dem er einen Gefangenen spielte, der zur Belustigung der Herrschenden in eine Serie von Revolverduellen auf Leben und Tod gezwungen wird. Die Hauptdarstellerin Sharon Stone setzte sich persönlich dafür ein, dass Crowe verpflichtet wurde. Mit der Rolle des kindlich unschuldigen, aber auf Vernichtung programmierten Avatars SID 6.7 im Science Fiction Thriller Virtuosity (1995) verbreiterte er sein bisher erreichtes Rollenportfolio in Drama, Komödie und Actionfilm um einen weiteren prägnant auffälligen Charakter.
Einem breiten internationalen Publikum wurde Crowe durch das neunfach Oscar-nominierte Gangster-Epos L.A. Confidential (1997) bekannt; darin verkörperte er den nach Gerechtigkeit strebenden Polizisten Wendell „Bud“ White. Seine Darstellung als schweigsamer Cop im Los Angeles der 1950er Jahre, der meistens mit seinen Fäusten und dem Revolver ermittelt, machte auch den Regisseur Ridley Scott auf ihn aufmerksam.
Crowe war in drei aufeinander folgenden Jahren (1999–2001) für einen Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert. Übertroffen wird er in dieser Hinsicht nur von Marlon Brando, der in den Jahren 1952 bis 1955 vier aufeinanderfolgende Oscar-Nominierungen in derselben Kategorie erhielt.
Die erste Oscar-Nominierung als bester Hauptdarsteller erhielt Crowe 1999 für Insider. Er spielte darin neben Al Pacino den Abteilungsleiter eines Tabak-Konzerns, der von seinem Arbeitgeber entlassen und daraufhin terrorisiert wird. Das US-amerikanische Filmmagazin Premiere listete 2006 seine Darstellung des Chemikers Dr. Jeffrey Wigand auf Platz 23 der 100 besten Schauspielerleistungen der Filmgeschichte.
Für die Verkörperung des römischen Feldherren Maximus Decimus Meridius in Ridley Scotts Historienfilm Gladiator erhielt er ein Jahr später einen Oscar als Bester Hauptdarsteller. Seine dritte Oscar-Nominierung erhielt er für A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn, wieder nur ein Jahr später. Unter der Regie von Ron Howard spielte er den schizophrenen Mathematiker und Nobelpreisträger John Forbes Nash Jr. 2002 erhielt er für diese Rolle einen Golden Globe und einen British Academy Film Award als bester Hauptdarsteller.
Durch den Erfolg von Gladiator erhielt Crowe viele Angebote für actionlastige Rollen. Eine davon – die als Unterhändler einer Versicherung bei Erpressungsfällen in Lebenszeichen – Proof of Life (2000) – nahm er an, darüber hinaus wollte er seinem schauspielerischen Anspruch auf Wandlungsfähigkeit folgen und sich nicht in ein bestimmtes Schema pressen lassen.
Unter der Regie von Peter Weir verkörperte Russell Crowe 2003 in dem zweifach Oscar-gekrönten Seefahrer-Abenteuer Master and Commander – Bis ans Ende der Welt, einer Adaption aus zwei Romanen von Patrick O’Brian, den britischen Marine-Helden Captain „Lucky Jack“ Aubrey. Für diese Rolle erhielt er seine vierte Golden-Globe- und eine Screen-Actors-Guild-Award-Nominierung.
Der Boxfilm Das Comeback (2005), in dem Crowe, erneut unter der Regie von Ron Howard, den Boxweltmeister Jim Braddock in den USA während der großen Wirtschaftskrise der 1930er Jahre spielt, war kommerziell kein Erfolg. Dennoch resultierten aus Crowes Leistung drei Nominierungen als bester Hauptdarsteller: für einen Golden Globe, einen Award der Broadcast Film Association und einen Screen Actors Guild Award.
Im Jahr 2006 arbeitete Crowe zum zweiten Mal mit Sir Ridley Scott für die Verfilmung von Peter Mayles Roman Ein gutes Jahr zusammen, einer leichten Work-Life-Balance-Sommerkomödie, die zunächst kein kommerzieller Erfolg an den Kinokassen war und gemischte Kritiken erhielt. Der Erfolg des Films erwies sich jedoch in der Zweitverwertung auf DVD als Longtime-Seller.
2007 kam das Ergebnis der dritten Zusammenarbeit mit Ridley Scott in die Kinos. Crowe verkörperte in dem kommerziell sehr erfolgreichen Kinofilm American Gangster die historische Figur des Detective Richie Roberts. Roberts verfolgte und überführte den legendären Heroinhändler Frank Lucas, im Film dargestellt von Denzel Washington.