Ruslana Stepaniwna Lyschytschko (ukrainisch Русла́на Степа́нівна Лижи́чко), nach der englischen Transkription meist als Ruslana Lyzhychko oder Ruslana Lyzhichko geschrieben (* 24. Mai 1973 in Lwiw, Ukrainische SSR), ist eine ukrainische Sängerin, Tänzerin, Produzentin, Komponistin und Aktivistin. Sie wurde durch den Gewinn des Eurovision Song Contest 2004 in Istanbul europaweit bekannt und holte damit dessen 50. Jubiläums-Ausgabe 2005 in die ukrainische Hauptstadt Kiew. Als Künstlerin huzulischer Abstammung bedient sie sich entsprechender Kulturelemente.
Ruslana Lyshytschko wurde am 24. Mai 1973 in Lwiw (Lemberg) in der damaligen Sowjetunion geboren. Ihre Eltern sind Nina und Stepan Lyshytschko. Ihre Mutter förderte ihr Talent bereits im Alter von vier Jahren. Als Kind sang Ruslana in der Gruppe Orion, später im Kinderensemble Posmischka (= Lächeln). Sie studierte Orchesterleitung, Klavier und Schlagzeug am Lemberger Konservatorium. Ruslana ist ein Multitalent. Sie schreibt, komponiert und produziert ihre Lieder selbst, ebenso ihre Musikvideos.
Seit dem 27. Dezember 1995 ist Ruslana mit dem Produzenten Olexandr Ksenofontov verheiratet. Zusammen betreiben sie seit 1993 das Studio Luxen, in dem Filmtrailer für Musicals und Radio-Werbespots hergestellt werden.
Ruslanas musikalische Karriere begann 1996 mit dem Sieg beim Slawiansky Basar, einem internationalen Gesangswettbewerb im belarussischen Wizebsk. In den Folgejahren hatte sie in der Ukraine beträchtliche Erfolge mit ihrem ersten Album Augenblicke des Frühlings (Myt’ vesny, Мить весни, Ukr) und dem Song Morgenröte (Svitanok, Світанок, Ukr). Zu diesem produzierte sie ein aufwendiges Video, die erste Big-Budget-Videoclip-Produktion der Ukraine. Im Jahr 1999 wirkte sie bei der Verfilmung des Weihnachts-Musicals Das letzte Weihnachten der 1990er Jahre (Ostanne rizdvo 90-x) mit, das mit der ukrainischen Auszeichnung Film des Jahres bedacht wurde. Das ukrainische Fernsehen kürte sie zur Persönlichkeit des Jahres 2000.
2003–2005: Wild Dances Project
Das sehr erfolgreiche Album Wild Dances (ukrainisch дикі танці/Dyki Tanzi), das 2003 erschien, erhielt als erstes Album überhaupt in der Ukraine Platin für 100.000 verkaufte Exemplare; in einem Land mit ausgeprägtem Musikalienschwarzmarkt eine beachtliche Leistung. Später erhöhte sich die Zahl der verkauften Exemplare gar auf 500.000, das heißt, das Album wurde mit fünfmal Platin ausgezeichnet.
Ruslana gewann den Eurovision Song Contest 2004 in Istanbul mit dem von ihr selbst geschriebenen Titel Wild Dances mit 280 Punkten. Sie erhielt Punkte aus 35 der 36 Teilnehmerländer. Er wurde nicht durch einen öffentlichen Vorentscheid, sondern durch eine interne Jury des ukrainischen Fernsehsenders NTU für die Teilnahme am Eurovision Song Contest ausgewählt. Der Song verwendet Holztrompeten (Trembitas) und Motive aus der Folklore der Huzulen-Volksgruppe aus den Karpaten. Auf ihren Expeditionen für ihr Wild-Dances-Projekt in die Karpaten sammelte Ruslana Rhythmen, Tänze und Kostüme der Bergvölker und integrierte sie in ihre Show. Das Resultat war eine ungewöhnliche Synthese aus ethnischen Klängen und modernen Rock-, Pop- und Dance-Elementen. Die Single Wild Dances erreichte Goldstatus in Belgien, Griechenland, Russland, Schweden, der Slowakei, der Tschechischen Republik und der Ukraine.
Nach ihrem Eurovision-Sieg drehte der NDR mit ihr die Dokumentation Zwischen Krim und Karpaten – Mit Ruslana durch die Ukraine, die im Rahmen der Reihe Expeditionen ins Tierreich ausgestrahlt wurde.
Im Vorfeld des Eurovision Song Contest 2005 in Kiew war Ruslana mit einem Open-Air-Wohltätigkeitskonzert zur Eröffnung der Veranstaltung vertreten. Der Erlös ging an ein Kinderkrankenhaus in Dnipropetrowsk. Im Rahmenprogramm des Finales sang sie Heart on Fire und The Same Star.
Wild Dances war in dem Computerspiel Grand Theft Auto IV bis 2018 zu hören, in dem Ruslana auch als Moderatorin des Radiosenders Vladivostok FM agiert.
2006–2008: Wild Energy Project
Ruslanas Folgeprojekt Wild Energy war ein Gesamtkunstwerk, das Musik, Videos und Literatur miteinander verband. Im Frühsommer 2006 erschienen die ersten beiden Elemente des Projektes: das Science-Fiction-Buch Wild Energy. Lana des ukrainischen Autorenpaars Maryna und Serhiy Diatschenko und die Single Dyka Enerhiya (Wild Energy).
Im Juni 2006 tourte Ruslana durch Deutschland. Im Rahmen der FIFA-Fanfeste trat sie in Hamburg, Köln, Berlin, Leipzig und Nürnberg auf. Eine weitere Deutschland-Tour durch 14 Städte folgte im April/Mai 2007 im Rahmen des Peter-Maffay-Projektes Begegnungen – Eine Allianz für Kinder (siehe Wohltätigkeitsprojekte), bei der sie Wild Energy und Svitanok, letzteres im Duett mit Peter Maffay, sang.
Am 10. März 2007 intonierte sie beim Weltmeisterschaftskampf Wladimir Klitschko gegen Ray Austin in Mannheim die ukrainische Nationalhymne Schtsche ne wmerla Ukrajina..
Im März 2008 wurde das ukrainischsprachige Album Amazonka in der Ukraine und der Tschechischen Republik veröffentlicht. Das englischsprachige Album Wild Energy erschien im Oktober 2008 in Deutschland, zahlreichen anderen europäischen Ländern sowie in Kanada bei Warner Music. Bei dem im Hit Factory Studio in Miami aufgenommenen Album sind amerikanische Einflüsse, vor allem R’n’B, unverkennbar. So finden sich je eine Gemeinschaftsproduktion mit den US-amerikanischen Superstars T-Pain und Missy Elliott auf dem Werk.
2011–2013: EY-fori-YA / My Boo
Das im April 2012 in der Ukraine erschienene ukrainischsprachige Album ЕЙ-форі-Я (EY-fori-YA), an dem Ruslana vier Jahre lang gearbeitet hatte, wurde in der Ukraine, Schweden und den USA produziert.
Bereits im Mai 2011 gab es die erste Single-Auskopplung: WOW – I’m so Amazing!. Der Song und das Video sind als Parodie auf Menschen zu verstehen, die sich selbst für besonders cool halten. Ruslana tritt dabei in dem Video in zwei verschiedenen Outfits gegen sich selbst an.