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Rugjer Josip Bošković

Universalgelehrter und Jesuit kroatischer Herkunft (1711–1787)

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Rugjer Josip Bošković (* 18. Mai 1711 in Ragusa, Republik Ragusa; † 12. Februar 1787 in Mailand, Herzogtum Mailand) war ein jesuitischer Priester und Mathematiker, der in der Astronomie, Naturphilosophie und Dichtkunst sowie als Techniker und Geodät tätig war.

Bošković zählt zu den letzten Universalgelehrten. Den Großteil seines Lebens verbrachte er in Italien. Als Wissenschaftler und Berater war er auch im Kirchenstaat, in Österreich und Frankreich tätig, sowie im Diplomatischen Dienst und als Lyriker.

Sein Name ist mit wichtigen Fortschritten in der Geodäsie, der Ausgleichungsrechnung und der Naturphilosophie verknüpft, sowie mit den Anfängen der Atomphysik. Auch als Gutachter bei gefährdeten Monumentalbauten hat er sich verdient gemacht.

Seine Eltern waren Nikola Bošković, ein Kaufmann aus dem Ort Orahov Do in der Herzegowina, und Paola Bettera, eine Dubrovnikerin italienischer Abstammung.

Er absolvierte seine ersten Studien am Jesuitenkolleg Collegium Ragusinum seiner Heimatstadt, wo er bald durch seine hohe Begabung in Wissenschaften und Sprachen auffiel. Während seiner Zeit dort amtierten von 1719 bis 1721 Cristoforo Storani (1682–1733) und ab 1722 Simone Capitozzi (1670–1753) als Rektoren.

Mit 14 Jahren wurde er zum Weiterstudium nach Rom gesandt, wo er später in den Jesuitenorden eintrat. Am Collegium Romanum erhielt er eine fundierte Ausbildung in Naturwissenschaften, Philosophie und Theologie.

Die nächsten drei Jahrzehnte lebte er hauptsächlich in Rom, wo er 1744 zum Priester geweiht wurde. Im selben Jahr berief man ihn als Hochschulprofessor für Mathematik an das Collegium Romanum.

Zwischen 1750 und 1753 leitete er im Auftrag des Papsts Benedikt XIV. die Gradmessung von Rom nach Rimini, wo ein etwa 200 Kilometer langer Meridianbogen zur Bestimmung des regionalen Erdradius angelegt und astrogeodätisch vermessen wurde. Bošković’ Kontakte zur Landesvermessung der damaligen Großmächte Österreich und Frankreich veranlassten ihn zur Suche nach Methoden der Ausgleichsrechnung, um aus mehreren – leicht widersprüchlichen – Gradmessungen die Parameter der Erdfigur abzuleiten.

1756 führte ihn seine erste diplomatische Reise ins Lucca und nach Wien. Drei Jahre später verließ er Rom und reiste nach Paris, ein Jahr später nach London, Flandern und Deutschland. Andere Reisen führten ihn nach Polen und Warschau sowie in die osmanische Hauptstadt Konstantinopel.

1763 trat er eine Professur an der Universität Pavia an, wechselte aber bald nach Paris und lehrte später in Mailand. Am Palazzo di Brera war er für die Einrichtung des Osservatorio Astronomico di Brera verantwortlich. Zu seinen speziellen Forschungsthemen gehörte die Optik, ferner die Sonnenphysik und die Bestimmung der Sonnenrotation mittels Beobachtung von Sonnenflecken.

In den folgenden Jahren war Bošković’ diplomatisches Geschick erneut gefragt, als sich die Aufhebung des Jesuitenordens abzeichnete. Nach diesen Wirren wurde er 1773 in Frankreichs Marine zum „Direktor der Optik“. Der König stattete ihn mit einem Salär von 8.000 Livres aus. Bald wurde er jedoch – im Zuge der Jesuitenverfolgung – von d’Alembert und anderen französischen Gelehrten angefeindet, so dass er sein Amt niederlegte und sich nach Bassano wandte, wo er die Ausgabe seiner Werke besorgte.

Schließlich kehrte er im 72. Lebensjahr nach Mailand zurück, wo er fünf Jahre später in geistiger Verwirrung starb.

Forschungen in Physik und Astronomie

Seine dynamische Atomistik ist ein präzise formuliertes System, welches auf der Newtonschen Mechanik aufbaut. Auch in anderem Zusammenhang faszinierte Bošković die gedankliche Vorstellung von Massenpunkten – er führte sie als Bestandteil mathematischer Modelle systematisch in die Physik ein.

Beiträge zu Astronomie, Geodäsie und Technik

Bošković leistete wichtige Beiträge zur Astronomie. Darunter war ein Verfahren zur Berechnung der Umlaufbahn eines Planeten aus drei gemessenen Positionen am Sternenhimmel, und das erste geometrische Verfahren zur Berechnung des Äquators eines rotierenden Himmelskörpers aus drei Beobachtungen seiner Oberflächenform. Auch bestimmte er die „Rotationselemente“ der Sonne aus Beobachtungen von Sonnenflecken.

Für eine ähnliche Aufgabenstellung bei der oben erwähnten Gradmessung von 1750 bis 1753 entwickelte er eine Rechenmethode zur Ausgleichung der auftretenden kleinen Widersprüche, indem er die Absolutsumme der Residuen (verbleibende Restfehler) minimierte. Bei Carl Friedrich Gauß finden sich Notizen über Bošković’ Arbeiten zur „Bahnbestimmung der Himmelskörper“ und zur Lotabweichung, die später für Asteroiden wie Ceres und für die Hannover’sche Landesvermessung nützlich waren.

Die zwei bekanntesten Fälle sind der Petersdom (1742) und die Wiener Hofbibliothek (1763). Zu letzterer hatte Kaiserin Maria Theresia den als Gesandten von Lucca am Wiener Hof weilenden Gelehrten ersucht, den Architekten Nikolaus Pacassi bei der Rettung der vom Einsturz bedrohten Kuppel des Prunksaales zu unterstützen.

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