Die Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2019 (japanisch ラグビーワールドカップ2019) fand vom 20. September bis 2. November 2019 in Japan statt. Es war die neunte Weltmeisterschaft im vierjährlichen Turnierzyklus, der vom Weltverband World Rugby organisiert wird, und die fünfte in der nördlichen Hemisphäre. Erstmals wurde eine Weltmeisterschaft in Asien und damit außerhalb der „traditionellen Rugbyländer“ ausgetragen. Alle vorhergehenden Weltmeisterschaften wurden abwechselnd in Ländern der Tri Nations (jetzt The Rugby Championship, Südhemisphäre) bzw. der Five Nations (jetzt Six Nations, Nordhemisphäre) ausgetragen. Im Juli 2009 war Japan vom Weltverband World Rugby zum Ausrichter des Turnieres bestimmt worden. Weitere Bewerber waren England, Italien und Südafrika, wobei England den Zuschlag für 2015 erhielt.
Das Turnierformat von 2003, 2007, 2011 und 2015 blieb unverändert und 20 Rugby-Union-Nationalmannschaften nahmen an der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2019 teil: die zwölf direkt qualifizierten Mannschaften der Weltmeisterschaft 2015 (Argentinien, Australien, England, Frankreich, Georgien, Irland, Italien, Japan, Neuseeland, Schottland, Südafrika und Wales), zusammen mit den acht besten Mannschaften der Qualifikation (Fidschi, Kanada, Namibia, Russland, Samoa, Tonga, Uruguay und die Vereinigten Staaten). Wie bei der Weltmeisterschaft 2015 gab es keinen Debütanten.
Während der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2019 wurden 48 Spiele absolviert, darunter 40 in der Vorrunde und acht in der Finalrunde, einschließlich des Finales. Die Mannschaften wurden in vier Gruppen zu je fünf Teams eingeteilt, wobei jedes einmal gegen die anderen der Gruppe antrat. Die beiden besten Mannschaften jeder Gruppe erreichten hiernach das Viertelfinale, während sich die besten drei Mannschaften jeder Gruppe – insgesamt zwölf Mannschaften – direkt für die darauf folgende Weltmeisterschaft 2023 in Frankreich qualifizierten.
Vor Beginn der Weltmeisterschaft galten Neuseeland, Südafrika und England als Favoriten auf den Titelgewinn. Im Finale, das im International Stadium in Yokohama ausgetragen wurde, setzte sich Südafrika mit 32:12 gegen England durch und sicherte sich zum dritten Mal nach 1995 und 2007 den Weltmeistertitel. Damit egalisierte Südafrika Neuseelands Rekord von drei Titeln und wurde gleichzeitig die erfolgreichste Mannschaft in der Turniergeschichte, da Südafrika nicht an den ersten beiden Turnieren teilnahm. Der Titelverteidiger Neuseeland wurde Dritter und Wales Vierter.
Der Sieg des Gastgebers Japan gegen Irland – einer der Favoriten vor dem Turnier – gilt als eine der größten Überraschungen der Rugbygeschichte, wie schon der Sieg Japans gegen Südafrika bei der WM 2015. Wenige Tage zuvor sorgte Uruguay für den ersten Überraschungssieg gegen Fidschi mit 30:27. Eine weitere Überraschung war das enttäuschende Ausscheiden Argentiniens in der Vorrunde. Der Gastgeber Japan dagegen übertraf seinen Erfolg von 2015 und gewann alle vier Vorrundenspiele gegen Russland, Irland, Samoa und Schottland. Demzufolge erreichte Japan als erstes asiatisches Team die Finalrunde, unterlag jedoch im Viertelfinale dem späteren Weltmeister Südafrika. Erstmals in der Turniergeschichte mussten Spiele – Neuseeland gegen Italien, England gegen Frankreich sowie Kanada gegen Namibia – aufgrund der Verwüstungen des Taifuns Hagibis abgesagt werden und wurden als Unentschieden gewertet.
Mit etwa 857,28 Millionen Fernsehzuschauern weltweit war die Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2019 damals eine der meistgesehenen Rugbyweltmeisterschaften. Nach der Fußball-Weltmeisterschaft und den Olympischen Sommerspielen lockte sie erneut die meisten Zuschauer in die Stadien und vor die Fernsehgeräte. Insgesamt wurden etwa 1,7 Millionen Eintrittskarten für die 45 Spiele verkauft, was einem Zuschauerschnitt von 35.427 pro Spiel entspricht.
Der Weltverband World Rugby (bis 2014 unter dem Namen International Rugby Board auftretend) wünschte, dass alle interessierten Verbände bis zum 15. August 2008 ihre Absicht für die Ausrichtung der Weltmeisterschaften 2015 und 2019 bekanntgeben. Erforderlich war zu diesem Zeitpunkt lediglich eine Absichtserklärung ohne detaillierte Planungen. Zehn Verbände, so viele wie nie zuvor, bekundeten formell ihr Interesse: Australien, England, Irland, Italien, Jamaika, Japan, Russland, Schottland, Südafrika und Wales. Von diesen zehn Verbänden zogen sechs in der ersten Hälfte des Jahres 2009 ihre Kandidatur zurück. Übrig blieben England, Italien, Japan und Südafrika, wobei England und Japan als Favoriten galten.
Am 28. Juli 2009 erteilte der Weltverband der englischen Kandidatur den Zuschlag für 2015, während Japan die WM 2019 zugesprochen erhielt. Japan hatte sich zuvor für die Weltmeisterschaft 2011 beworben, dieses Turnier wurde jedoch nach Neuseeland vergeben. Der Weltverband war damals der Ansicht, dass Japan keine vollen Stadien garantieren könne.
Sowohl Hongkong als auch Singapur boten an, während des Turnieres Spiele auszutragen und beide Stadtstaaten waren Teil der erfolgreichen japanischen Bewerbung, gehörten jedoch nicht mehr zu der von den Organisatoren ausgearbeiteten Liste der 14 Austragungsorte, die am 5. November 2014 offiziell vorgestellt wurde. Damit war es nach der Weltmeisterschaft 1991 in Südafrika, der Weltmeisterschaft 2003 in Australien und der Weltmeisterschaft 2011 in Neuseeland das vierte Turnier, das von einem Gastgeber ausgetragen wurde.
Neben Gastgeber Japan, das sich auch sportlich durch den dritten Platz in der Vorrundengruppe der Weltmeisterschaft 2015 qualifizierte, waren vorab die acht Viertelfinalisten der letzten WM-Endrunde sowie die weiteren drei Drittplatzierten der Vorrundengruppen für das Turnier qualifiziert. So waren noch acht Plätze für das insgesamt zwanzig Nationen umfassende Turnier in der Qualifikation zu vergeben. Die Qualifikation bestand aus fünf kontinentalen Gruppen: Afrika, Nordamerika zusammen mit Südamerika, Asien, Europa und Ozeanien. Jeweils zwei Plätze waren für die Kontinentalverbände Amerikas und Ozeaniens und jeweils einer für Afrika und Europa reserviert. Die letzten zwei Startplätze wurden in einer interkontinentalen Qualifikationsrunde (Play-off Europa-Ozeanien) sowie einer Repechage ausgespielt. Zusammen mit den automatischen Qualifikanten nahmen 93 Nationalmannschaften an der Qualifikation zur Endrunde in Japan teil.
Die automatisch qualifizierten Mannschaften waren Japan als Gastgeber und Gruppendritter 2015, Neuseeland als Titelverteidiger, Australien als Zweit- und Südafrika als Drittplatzierter 2015, Argentinien als Halbfinalist, die Viertelfinalisten Irland, Frankreich, Schottland und Wales, sowie die Gruppendritten Italien, Georgien und England. Im Juli 2017 qualifizierten sich die Vereinigten Staaten mit zwei Siegen gegen Uruguay mit einem Gesamtergebnis von 80:44. Zwei Wochen später qualifizierten sich Fidschi und Tonga als Vertreter Ozeaniens. Im darauf folgenden Februar qualifizierte sich Uruguay nach zwei Erfolgen gegen Kanada. Im Juli 2018 qualifizierte sich Samoa durch einen Sieg im interkontinentalen Play-off gegen Deutschland für das Turnier. Einen Monat später gewann Namibia die Afrikameisterschaft und qualifizierte sich für sein sechstes aufeinanderfolgendes Turnier. Kanada gewann die Repechage und qualifizierte sich als letzte Mannschaft für das Turnier.
Zunächst schien es so, als hätte sich Rumänien für das Turnier qualifiziert, nachdem jedoch die Nationalmannschaften Belgiens, Rumäniens und Spanien in der Qualifikation unberechtigte Spieler eingesetzt hatten, wurden diesen Teams für die entsprechenden Spiele Punkte abgezogen. Dementsprechend qualifizierte sich Russland für die Endrunde, während Deutschland, trotz teilweise deutlicher Niederlagen, die nächste Runde erreichte. Deutschland, das die Repechage auf dem zweiten Platz abschloss, verpasste das Turnier nach einer Niederlage im letzten Spiel gegen Kanada nur knapp. Die teilnehmenden Nationen waren fast die gleichen wie bei der WM vor vier Jahren. Anstelle von Rumänien hatte sich diesmal Russland qualifiziert. Außerdem war es das erste Turnier, das die Rumänen verpassten.