Rudolph Valentino (* 6. Mai 1895 in Castellaneta, Italien; † 23. August 1926 in New York City, New York) war ein italienischer Schauspieler. Weltruhm erreichte er 1921 mit dem Film Der Scheich und avancierte zu einem der beliebtesten Schauspieler der Stummfilmzeit. Seinen Ruf festigte Valentino mit Filmen wie Der Adler und Der Sohn des Scheichs, in denen er südländische Liebhaber darstellte. Er starb mit nur 31 Jahren infolge eines perforierten Magengeschwürs. Zu diesem Zeitpunkt gehörte er zu den „höchstbezahlten amerikanischen Filmdarstellern“. Sein Tod und die Beerdigung lösten in den USA unter seinen zahlreichen weiblichen Fans regelrechte Massenhysterien aus.
Rudolph Valentino wurde am 6. Mai 1895 als Rodolfo Pietro Filiberto Raffaello di Valentina d’Antonguella in Castellaneta als Sohn des Militärtierarztes Giovanni Guglielmi (1853–1906) und dessen Frau Marie Berthe Gabrielle Bardin (* 7. Mai 1856 in Lure, Frankreich; † 18. Januar 1918) geboren. Sein Vater starb an Malaria, als Valentino elf Jahre alt war. Er hatte drei Geschwister, Alberto (1892–1981), Beatrice, die jedoch schon im Kindesalter starb, und Maria.
Valentino wurde in der Schulzeit wegen respektlosen Verhaltens und Schwänzens mehrfach verwiesen und schaffte nur mit Mühe ein Diplom in Landwirtschaft.
Valentino wollte zur Marine gehen, wurde jedoch abgelehnt. Er reiste 1912 nach Paris, verjubelte dort sein ganzes Geld und musste seine Mutter bitten, ihm finanzielle Unterstützung für die Rückreise zu schicken. Seine Onkel befanden, er solle in die Vereinigten Staaten reisen und dort lernen, selbständig zu leben.
Valentino kam 1913 in die Vereinigten Staaten und arbeitete zunächst als Gärtner, Kellner und Autowäscher. Er trat anschließend als Tänzer in New York auf und lernte die gehobene Gesellschaft kennen. Wegen kleinerer Delikte – Diebstahl und Erpressung – musste Valentino kurzzeitig ins Gefängnis. Um sich von seiner Vergangenheit zu lösen und weil die Amerikaner Probleme gehabt hätten, Guglielmi auszusprechen, änderte er seinen Namen in Rudolph Valentino.
Valentino gab danach ein kurzes Gastspiel bei einer Operettentruppe und zog nach San Francisco. Er drehte hier seine ersten Stummfilme, My Official Wife (1914) und Alimony (1917).
1919 wurde Valentino in dem Film The Eyes of Youth von der Drehbuchautorin June Mathis entdeckt, die den Regisseur Rex Ingram überzeugte, Valentino die männliche Hauptrolle in Die vier Reiter der Apokalypse spielen zu lassen. Der Film wurde ein großer Erfolg und Valentino über Nacht zum Silent Screen Super Star. Neben einer geschäftlichen Beziehung zwischen Valentino und Mathis erwuchs auch eine enge Freundschaft. Valentino sagte über die Produzentin:
Die guten Beziehungen, die Valentino zu Mathis unterhielt, wurden einige Zeit später allerdings auf eine Probe gestellt, nachdem der Filmstar ein von Mathis vorgelegtes Skript zu dem unverwirklichten Projekt The Hooded Falcon mit Bitte um Nachbesserung an sie zurückgeschickt hatte. Nachdem sich zudem herausgestellt hatte, dass das Projekt wegen der Schwierigkeiten Valentinos mit seiner Frau Natacha Rambova eingestellt werden sollte, brach Mathis vollends den Kontakt zu Valentino ab. Erst kurz vor dem Tode des Filmstars versöhnten sich die beiden wieder. Mathis stellte sogar ihr Grab für Valentino bereit.
1921 spielte er neben dem weiteren großen Erfolg Die vier Reiter der Apokalypse seine berühmteste Rolle des Ahmed Ben Hassan in Der Scheich (The Sheik), für die er 1926 in Der Sohn des Scheichs wiederkehrte. Kurz vor der Veröffentlichung von The Sheik wurde er als „Latin Lover“ bekannt, ein Titel, der ihn nie mehr losließ, obwohl weder er noch seine Rollenfigur Latino waren.
Streik und Tanztour für Mineralava
1922 begann Valentino mit einem Streik gegen Famous Players Lasky, wo er unter Vertrag stand. Er begründete den Streik mit angeblich zu schlechter Bezahlung und damit, dass er kaum künstlerische Kontrolle über seine Filme habe. Letzteres wurde ihm vor allem von seiner zukünftigen Ehefrau Natacha Rambova eingeredet, die Valentino gerade kennengelernt hatte. Famous Players Lasky ließ sich von Valentino nicht beirren, erhöhte allerdings seine Bezüge von 1.250 auf 7.000 US-Dollar pro Woche (entspricht heute ungefähr 23.000 bzw. 131.000 US-Dollar). Es wurden neue Vertragsbestimmungen ausgehandelt, die unter anderem zum Inhalt hatten, dass Valentino für kein anderes Filmstudio arbeiten dürfe. Valentino, der zu dieser Zeit etwa 80.000 US-Dollar Schulden hatte, nahm das Angebot an.
Von Famous Players Lasky kamen allerdings keine neuen Filmangebote. Valentino trat über das Jahr 1923 gemeinsam mit Natacha Rambova als Tänzer für die Schönheitsproduktefirma Mineralava in 88 Städten in den Vereinigten Staaten und in Kanada auf und veröffentlichte einen Gedichtband mit dem Namen DayDreams.
Nachdem der Vertrag mit Famous Players Lasky abgelaufen war, wechselte Valentino zu United Artists. Zuvor hatte er erfolglos versucht, mit Natacha Rambova einen Film unabhängig zu produzieren. Das Projekt The Hooded Falcon wurde allerdings infolge der zunehmenden Entfremdung zwischen Rambova und Valentino nie verwirklicht.
Je erfolgreicher er auf der Kinoleinwand wurde, desto schlechter lief es privat für Valentino. Seine Ehe mit der lesbischen Schauspielerin Jean Acker 1919 war eine reine PR-Angelegenheit, und noch in der Hochzeitsnacht sperrte Acker ihn aus dem Hotelzimmer aus. Die Ehe wurde 1923 geschieden. Kurz darauf heiratete Valentino Natacha Rambova, die er bei Dreharbeiten zu einem seiner Filme kennengelernt hatte. Da er jedoch nicht das volle Jahr zwischen seiner Scheidung und einer neuen Hochzeit abgewartet hatte – wie es das kalifornische Gesetz vorschrieb –, wurde er für drei Tage wegen Bigamie inhaftiert und musste 10.000 US-Dollar Strafe zahlen.
Valentinos zweite Ehe war nicht minder unglücklich als seine erste. Natacha Rambova weigerte sich, in sein Haus – Falcon Lair in den Bergen über Los Angeles – zu ziehen. Sie erklärte sogar, Valentino gehe ihr „auf die Nerven“ und sie brauche eine gewisse Zeit ohne ihn (marital vacation). 1924 versuchte Valentino daher, sich mit einem Revolver das Leben zu nehmen. Der spanische Künstler Federico Armando Beltran Masses, der mit Valentino gut befreundet war, konnte den Filmstar jedoch von seinem Vorhaben abbringen. Zudem offenbarte Rambova mehr und mehr ihren herrschsüchtigen Charakter, als sie begann, Valentinos Vertragsbestimmungen auszuhandeln und ihn bei Dreharbeiten zu kontrollieren. 1926 wurde auch Valentinos zweite Ehe geschieden. Kurz darauf begann er eine Affäre mit Pola Negri.
Valentino beherrschte mehrere Sprachen fließend: Englisch, Französisch (Muttersprache seiner Mutter), Italienisch (Muttersprache) und Spanisch. Der deutschen Sprache fühlte er sich zwar in gewisser Weise verbunden, wie die zahlreichen deutschen Bücher seiner später versteigerten Bibliothek in Falcon Lair erklären; sie fließend zu sprechen vermochte er allerdings nicht. Um sich besser in seine Rolle in dem Film Der Adler (1925) hineinversetzen zu können, sprach Valentino während der Filmaufnahmen ausschließlich Italienisch. Er war nicht bereit, sich am Drehort in irgendeiner anderen Sprache zu verständigen, wenngleich dort niemand außer ihm Italienisch verstand.
Valentino, auf der Leinwand das optische Gegenstück zu Douglas Fairbanks senior, war wie dieser eines der ersten männlichen Sexsymbole des Films. Vor allem als Great Lover, Latin Lover oder Sheik (Scheich) war er bekannt. Valentino war jedoch immer wieder hauptsächlich männlichen Anfeindungen ausgesetzt, die darin gipfelten, dass er von einem Journalisten des Chicago Tribune als „pinkfarbene Puderquaste“ (orig. pink powder puff) verunglimpft wurde. Valentino forderte den Urheber des Artikels zu einem Boxmatch heraus, das jedoch nie stattfand. Der Vorwurf, den amerikanischen Mann zu verweichlichen und zu verweiblichen (effeminization of the All-American man), wie er vor allem vom Chicago Tribune immer wieder veröffentlicht wurde, nagte an Valentinos Selbstvertrauen. Im Laufe seiner Karriere hatte er deswegen versucht, von den Rollen des attraktiven Liebhabers loszukommen und „seriösere“ Filme zu drehen. Damit war er allerdings nicht sehr erfolgreich, da die United Artists eines ihrer kommerziell erfolgreichsten „Sexsymbole“ nicht aufgeben wollten. Trotz seiner Abneigung gegenüber dem Image des Scheichs erklärte sich Valentino bereit, ab Februar 1926 die Fortsetzung des Films zu drehen – nicht zuletzt auch, um seine horrenden Schulden abzubezahlen (Valentino verdiente mit dem Film 200.000 $ (3.546.000 Euro) und 25 % der Profite). Die Kostüme hatte er während einer Reise nach Frankreich gekauft. Der Film, Valentinos letzter, hatte am 8. Juli 1926 Premiere.