An diesem Tag

Rudolf Thaut

Deutscher baptistischer Geistlicher, Präsident der Europäisch-Baptistischen Föderation und Vizepräsident des Baptistischen Weltbundes

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Rudolf Thaut (* 7. März 1915 in Kiel; † 15. Januar 1982 in Alfter) war ein baptistischer Theologe, der sowohl im deutschen Baptistenbund (Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden) als auch innerhalb der Europäisch-Baptistischen Föderation (EBF) und im Baptistischen Weltbund (Baptist World Alliance/BWA) hohe kirchliche Ämter bekleidete.

Rudolf Thaut entstammte einer evangelisch-freikirchlichen Pastorenfamilie. Sein Vater war der ehemalige Bergmann und spätere Baptistenpastor Ernst Alfred Thaut (1887–1953), seine Mutter dessen Ehefrau Minna Louise Gardeike (1893–1959).

Nach dem Erwerb des Abiturs entschied Thaut sich für eine kaufmännische Ausbildung und schlug anschließend die Offizierslaufbahn ein. Schwer verwundet kehrte er aus dem Zweiten Weltkrieg zurück. Der politische und persönliche Zerbruch weckten in dem jungen Thaut erneut die Grundfrage nach dem Lebenssinn. Antwort suchte er in der Philosophie und in der Theologie. Er immatrikulierte sich an der Kirchlichen Hochschule Hamburg und promovierte 1949 mit der Dissertation Zeit. Geschichte. Ewigkeit. Bei Bonaventura. zum Dr. phil. Nach einer Kandidatenzeit am Theologischen Seminar Hamburg-Horn berief ihn die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Mannheim zu ihrem Pastor. 1955 folgte er einem Ruf als Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde München. Für die Gemeinde überraschend wurde er 1959 zum Direktor des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden nach Bad Homburg berufen. Seit 1978 lebte er im Ruhestand in Alfter bei Bonn. Auf dem Aumühler Friedhof bei Hamburg wurde er beigesetzt.

Rudolf Thauts besondere Arbeitsschwerpunkte waren einerseits die Öffnung seiner Freikirche für die ökumenische Arbeit und zum anderen das Einbringen der freikirchlichen Charakteristika (Ekklesiologie, Taufe, Trennung von Kirche und Staat) in die interkonfessionelle Diskussion. Seine zahlreichen Wirkungsfelder lassen sich hier nur tabellarisch wiedergeben; er wirkte unter anderem:

innerhalb des deutschen Baptistenbundes

1949–1960 als Leiter der Studentenarbeit des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden – neben seinem Dienst als Gemeindepastor in Mannheim (1949–1955) und München (1955–1959)

1959–1967 als Geschäftsführender Direktor des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden mit Sitz in Bad Homburg vor der Höhe

1967–1978 als Rektor des Theologischen Seminars Hamburg-Horn und gleichzeitig Dozent für Praktische Theologie

in den internationalen baptistischen Leitungsgremien

1960–1975 als Mitglied des Exekutivkomitees des Baptistischen Weltbundes; von 1970 bis 1975 war er auch dessen Vizepräsident

1964–1970 als Mitglied des Exekutivkomitees der Europäisch-Baptistischen Föderation; von 1968 an war er ihr Präsident

in den zwischenkirchlichen und überkonfessionellen Zusammenschlüssen (Auswahl):

Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF)

Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACKiD)

Evangelisches Missionswerk; von 1968 bis 1981 gehörte er zum Vorstand, zuletzt als Stellvertretender Vorsitzender

Er wirkte mit an den Theologischen Gesprächen zwischen dem Reformierten und dem Baptistischen Weltbund 1973–1977.

Rudolf Thaut war seit 1943 verheiratet mit der aus Erfurt gebürtigen Lehrerin Irmgard Schostak (1920–2002). Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor: Irmingard († 25. März 2024), Dorothea († 25. November 2018) und Michael. Michael Thaut ist amerikanischer Musik- und Neurowissenschaftler sowie Mitbegründer der Folk-Gruppe Fiedel Michel. Rudolf und Irmgard Thaut ruhen in der Familiengrabstätte Felbick-Ludewig-Thaut-Schostak auf dem Waldfriedhof in Aumühle bei Hamburg.

Zeit. Geschichte. Ewigkeit. Bei Bonaventura. Hamburg 1949.

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