An diesem Tag

Rudolf Schmundt

Nationalsozialistischer, deutscher Militär, zuletzt General der Infanterie; Chefadjutant der Wehrmacht bei Adolf Hitler; Chef des Heerespersonalamts

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Rudolf Schmundt (* 13. August 1896 in Metz; † 1. Oktober 1944 in Carlshof bei Rastenburg) war ein deutscher General der Infanterie der Wehrmacht. Mehr als sechs Jahre lang war er in der Zeit des Nationalsozialismus von 1938 bis 1944 Chefadjutant der Wehrmacht bei Adolf Hitler und damit einer der engsten Mitarbeiter und Vertrauten des Diktators. Ab 1942 leitete er zudem das Heerespersonalamt und war in dieser Stellung maßgeblich für die Personalpolitik des Heeres verantwortlich, die er auch unter nationalsozialistischen Gesichtspunkten gestaltete, wobei er die Auffassung vertrat, dass eine entschieden antisemitische Einstellung der Wehrmachtsoffiziere ein kriegsentscheidendes Kriterium sei. Schmundt starb an Verletzungen, die er beim Attentat vom 20. Juli 1944 erlitten hatte.

Bekannt ist er vor allem durch die Anfertigung des Schmundt-Protokolls, das im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher 1945/46 eines der Schlüsseldokumente der Anklage wurde.

Rudolf Schmundt wurde als Sohn des Berufsoffiziers Richard Schmundt und dessen Ehefrau Hedwig, geborene Seyffardt im Reichsland Elsaß-Lothringen geboren. Als der Vater im Juni 1913 als Kommandeur des Füsilier-Regiments „Prinz Heinrich von Preußen“ (Brandenburgisches) Nr. 35 nach Brandenburg an der Havel versetzt wurde, folgte ihm die gesamte Familie, zu der auch der jüngere Bruder, der spätere Sozialwissenschaftler und Anthroposoph Wilhelm Schmundt zählte. Schmundt besuchte das Von-Saldern-Realgymnasium in Brandenburg bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Um sich selbst als Freiwilliger melden zu können, legte er das Notabitur ab und trat am 4. August 1914 als Fahnenjunker in das Regiment seines Vaters ein.

Bereits nach einer kurzen Ausbildung kam Schmundt mit seinem Regiment am 30. September 1914 an die Westfront. Einige Monate später erhielt er am 22. März 1915 die Beförderung zum Leutnant. Während der anhaltenden Kämpfe wurde er am 20. Mai 1915 verwundet und erhielt für seine Leistungen an diesem Tag das Eiserne Kreuz II. Klasse. Nachdem er sich als Truppenoffizier verdient gemacht hatte, wurde er am 15. März 1916 Bataillonsadjutant. Im November desselben Jahres wurde ihm auch das Eiserne Kreuz I. Klasse verliehen. Am 11. Juli 1917 wurde er Regimentsadjutant und verblieb in dieser Stellung bis Kriegsende. In diesen Jahren nahm Schmundt an vielen Schlachten und Gefechten teil, deren größte die Herbstschlacht in der Champagne, die Schlacht an der Somme und die an der Marne waren.

Ordonnanz- und Truppenoffizier

Nach dem Waffenstillstand wurde Schmundts Regiment zurück nach Brandenburg an der Havel verlegt. Im Januar 1919 trat Schmundt in das „Detachement Graf Stillfried“ ein, ein vorwiegend aus ehemaligen Heeressoldaten gebildetes Freikorps, das sich an den Straßenkämpfen in Berlin, etwa gegen den Spartakusaufstand, beteiligte. Im Juni 1919 wurde aus dem Detachement und dem Füsilier-Regiment Nr. 35 das Reichswehr-Infanterie-Regiment 5 gebildet. In dieser neuen Formation tat Schmundt ab dem 25. August 1919 Dienst als Ordonnanzoffizier.

Als die Reichswehr am 1. Januar 1921 ihre endgültige Organisation erhielt, wurde Schmundt in das unter anderem aus Teilen des Infanterie-Regiments 5 neu aufgestellte 9. (Preußische) Infanterie-Regiment in Potsdam übernommen. Am 28. Dezember 1921 wurde er stellvertretender Regimentsadjutant. 1923/24 diente Schmundt als Truppenoffizier im Regiment, bevor er von April bis August 1925 an einem Lehrgang der Heereswaffenschule teilnahm. In dieser Zeit holte er die Offiziersausbildung nach, die während des Krieges nicht hatte durchgeführt werden können. Nach erfolgreichem Abschluss erhielt er aufgrund seiner Kriegsverdienste einige Monate später die Beförderung zum Oberleutnant und kehrte in den Tätigkeitsbereich zurück, der ihm am meisten lag – die Adjutantur. Am 1. Juni 1926 wurde er Adjutant des I. Bataillon und am 1. August 1927 des Regiments selbst.

Am 14. Oktober 1926 heiratete Schmundt in der Potsdamer Garnisonkirche Anneliese von Kummer (* 1898). Die Verlobung hatte Anfang 1926 in Potsdam stattgefunden. Anneliese von Kummer stammte aus Torgau und war die einzige Tochter des Oberstleutnants Wilhelm von Kummer (⚔ Oktober 1914 als Führer des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 24) und seiner Frau Helene, geborene Reineke (1917 Wiederverheiratung mit Generalmajor Rudolf von Cramer).

Aus der Ehe zwischen Rudolf und Anneliese Schmundt gingen die Kinder Barbara Wilhelma (* 1927), Henning (* 1931), Gisela (* 1933) und Jürgen (* 1940) hervor. Anneliese Schmundt bezeichnete später die Jahre 1926 bis 1929 als „die schönsten Jahre des militärischen Lebens meines Mannes und unseres privaten Lebens.“

Stabsverwendung und Wehrmachtführung

Am 8. März 1929 bestand Schmundt die Wehrkreisprüfung, die die Grundvoraussetzung für die Ausbildung zum Generalstabsoffizier und für jeden Reichswehroffizier obligatorisch war. Am 1. Oktober wurde er in den Stab der 1. Division beziehungsweise des Wehrkreises I nach Königsberg in Ostpreußen versetzt, wo er in den nächsten Jahren die Führergehilfenausbildung absolvierte. Kommandeur dieses Verbandes war zu dieser Zeit der Generalleutnant und spätere Reichskriegsminister Werner von Blomberg; Chef des Stabes wurde im Frühjahr 1931 Oberstleutnant Walter von Reichenau. Während dieser Zeit wurde Schmundt am 1. Februar 1931 zum Hauptmann befördert.

Am 1. Oktober 1932 wurde Schmundt in die Heeres-Organisations-Abteilung (T2) des Truppenamtes im Reichswehrministerium versetzt. Leiter dieser Abteilung war zu diesem Zeitpunkt Oberst Wilhelm Keitel, der spätere Chef des Oberkommandos der Wehrmacht. Eine andere Amtsgruppe wurde von Major Alfred Jodl, dem nachmaligen Chef des Wehrmachtführungsstabes, geleitet. Schmundt war nun unmittelbar an der organisatorischen Vorbereitung der Heeresaufrüstung beteiligt und kam mit Personen in engen Kontakt, die später zum engsten Zirkel Hitlers gehörten. Da es üblich war, Generalstabsoffiziere immer wieder für einige Zeit in die Truppe abzukommandieren, wurde Schmundt am 1. Juni 1935 als Kompaniechef in das Infanterie-Regiment 2 in Allenstein versetzt. Dort wurde er zum Major befördert, bevor er am 6. Oktober 1936 in den Generalstab der 18. Infanterie-Division versetzt wurde, die unter Generalmajor Hermann Hoth in Liegnitz formiert wurde.Im Januar 1938 wurde er zum „Chefadjutanten der Wehrmacht beim Führer und Reichskanzler“ ernannt. Die plötzliche Berufung Schmundts erfolgte auf Grund der Blomberg-Fritsch-Krise, in der Hitler seinen Heeresadjutanten, Oberst Friedrich Hoßbach, als ihm gegenüber nicht loyal genug befunden hatte. Hitler hatte zu Keitel, der nunmehr Chef des Wehrmachtamtes im Reichskriegsministerium war, gesagt: „Ich will einen neuen Adjutanten, der mein Vertrauter und der Ihrige ist und nicht der anderer Stellen.“ Keitel empfahl daraufhin Schmundt, den er aus dessen Zeit als Regimentsadjutant in Potsdam und aus dem Truppenamt kannte. Am 29. Januar 1938 trat Schmundt seine neue Dienststellung an, wobei er offiziell zum Oberkommando der Wehrmacht versetzt wurde. Während er in den nächsten Jahren einer der engsten Mitarbeiter und Vertrauten Hitlers wurde, stieg er rasch im Rang auf. Im Oktober 1938 wurde er Oberstleutnant, im August 1939 Oberst, am 1. Januar 1942 Generalmajor und schließlich im April 1943 Generalleutnant. In seiner Funktion stellte er einen Mittler zwischen dem höheren Offizierskorps einerseits und Hitler andererseits dar, wobei er oft versuchte, korrigierend in beide Richtungen zu wirken. Schon bald wurde er auch von Hermann Göring als „einziger offener und vertrauenswürdiger Charakter im F[ührer]H[aupt]Qu[artier]“ wahrgenommen. Als General der Infanterie Bodewin Keitel als Chef des Heerespersonalamtes abgelöst wurde, weil er die Intentionen des „Führers“ nicht mehr genügend berücksichtigt hatte, setzte Hitler am 1. Oktober 1942 seinen Vertrauten Schmundt als neuen Amtschef ein – zusätzlich zu dessen Aufgaben als Chefadjutant. Fast zwei Jahre lang beeinflusste Schmundt in dieser Dienststellung die Personalpolitik des Heeres in bestimmendem Maße (Einzelheiten zu diesen Aktivitäten siehe Schmundt und das Heerespersonalamt).

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