An diesem Tag

Rudolf Lavant

Deutscher Schriftsteller

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Rudolf Lavant, eigentlich Richard Carl Cramer (* 30. November 1844 in Leipzig; † 6. Dezember 1915 in Reudnitz bei Leipzig) war ein deutscher Schriftsteller und Dichter.

Rudolf Lavant war das älteste von fünf Kindern. Sein Vater Carl Eduard Cramer stand dem Volkstribunen Robert Blum nahe. Johann Georg August Wirth, der Organisator des Hambacher Festes, war der Großonkel von Rudolf Lavant.

Nach dem Abschluss der Mittleren Reife an der Städtischen Realschule zu Leipzig, wurde Lavant zunächst Handelsgehilfe in seiner Geburtsstadt. Am Krieg von 1866 nahm er als Kaiserjäger freiwillig auf österreichischer Seite teil. Danach wurde er Buchhalter, schließlich Prokurist, bei der Firma Dürbig & Co. einer Garnhandlung in Leipzig. Er lernte die Gabelsberger Stenografie und war Autor der Zeitschrift Neue Illustrirte Zeitung für Gabelsberger’sche Stenographen, Herausgeber dieser Fachzeitschrift war sein Freund Emil Trachbrodt. Lavant widmete sich aber auch dem Studium von Fremdsprachen (Englisch, Französisch, Italienisch), die er bei dienstlichen und privaten Auslandsreisen oft benötigte. Heinrich Wuttke, der Freund seines Vaters, stellte ihm die reichen Schätze seiner Bücherei zur Verfügung, so kam Lavant an die Gedichtbände seiner Lieblingsdichter Byron, Tennyson, Béranger, Victor Hugo, Herwegh und Freiligrath, die letzteren zwei waren seine Vorbilder im Schaffen.

Teilnahme am Deutschen Krieg von 1866

Am 14. Juni 1866 verlässt Richard Cramer mit 22 Jahren Leipzig, um freiwillig für Österreich, für dieses Land hegte er große Sympathien, gegen Preußen in den Deutschen Krieg zu ziehen. Er hatte nichts außer einer Brieftasche mit einigen hundert Talern, seinen Geburtsschein, das Abgangszeugnis der Realschule, eine Passkarte und das was er auf dem Leibe trug dabei. Er fuhr zunächst nach Schwarzenberg und von dort über Karlsbad und Eger nach Prag. In Prag angekommen, führte sein Weg zur Ferdinand-Kaserne im Stadtteil Karolinenthal und zur Brigade des Feldmarschallleutnant Alexander Benedek, um sich als Kadett dem „Ersten Jägerbataillon“ der Kaiserjäger anzuschließen. Nach der Untersuchung auf seine körperliche Tauglichkeit wurde er militärisch eingekleidet.

Die Uniform von Richard Cramer bestand aus dem Waffenrock aus hechtgrauem Tuch mit Achselspangen, Achselwülste, Kragen und Ärmelaufschläge von grasgrüner Farbe. Die Knöpfe waren gelb und mit der Bataillonsnummer versehen. Seine Bluse und die Hose hatten die gleiche Farbe wie der Waffenrock, letztere mit grasgrünen Lampassen. Als Paradekopfbedeckung diente der Hut aus mattschwarzem, wasserdichtem Filz. Ausgestattet war er mit einer grünen Rundschnur, dem Jägeremblem und einem Federbusch aus schwarzen Hahnenfedern.

Von Prag aus führte sein erster Einsatz am 3. Juli 1866 in die Schlacht bei Königgrätz nach Sadowa, dort sollte er unter seiner Führung, mit einer Handvoll Leuten, feindliche Späher der Preußen auskundschaften. Im weiteren Verlauf des Kampfes sollte die Brigade Benedek, die dem III. Korps unter Erzherzog Ernst unterstellt war, die Höhen von Lipa und Chlum besetzt halten. Gegen Mittag kam es zu schweren Kämpfen im Swiepwald gegen die preußische 7. Division unter Generalmajor Fransecky. Nun sollte auch das III. Armeekorps in den Kampf um den Swiepwald eingreifen. Beim Sturm auf den Wald wurde Cramer durch einen Schuss ins Bein schwer verletzt und musste auf dem Verbandplatz versorgt werden.

Er verlor viel Blut, bekam Wundfieber und wachte erst in einem Packwagen auf. Er befand sich in einem langsam rollenden Zug in Richtung Znaim. Erst in Znaim erfuhr er aus einem Extrablatt, von Österreichs Niederlage. Wieder dem Wundfieber und Bewusstlosigkeit verfallen, kam er erst in Wien zu sich. Ein älteres Ehepaar nahm sich des verwundeten Cramer an und pflegte ihn gesund. Am 20. Juli machte er sich auf den Heimweg. Über etliche Kreuz- und Querfahrten durch Österreich und Bayern gelangte er nach Hof und von dort nach Leipzig.

Neben seinem Beruf führte Lavant ein zweites Leben als Schriftsteller und Publizist für das Proletariat. Sein zu Ende der 60er Jahre begonnenes lyrisches Schaffen gewann seit 1871, dem Jahr der Reichsgründung und der Pariser Kommune, eine entschieden antipreußische, sozialistische Tendenz. Das erste aufgefundene Gedicht mit dem Titel „Friede!“ stammt von 1871, erschien im Volksstaat und stand auf der Titelseite der Nummer 7 vom 21. Januar, es ist signiert mit Richard C. In der „Geschichte der deutschen Sozial-Demokratie“ nannte ihn Franz Mehring zusammen mit den besten und damals bekanntesten Vertretern der frühen sozialistischen Literatur, mit Leopold Jacoby und Max Kegel. Und Mehring bezeichnete ihn als den formvollendet Sten dieser Gruppe, ein Urteil, das Lavant durchaus gerecht wurde.

Richard Cramer erlangte 1873 als Handelsprokurist der Fa. Dürbig & Co. das Bürgerrecht der Stadt Leipzig. Seine Gedichte in der sozialdemokratischen Presse („Die Neue Welt“, „Deutscher Jugendschatz“ und „Der wahre Jacob“) erschienen durchweg unter dem Pseudonym Lavant (das grüne Tal der Lavant hat mir meinen Nom de Plume gegeben), weil der Autor seine private Existenz nicht gefährden wollte. Im „Wahren Jacob“ wurden 180 Gedichte von Lavant gefunden, viele unsignierte Gedichte konnten zugeordnet werden, weil sie in der Gedichtsammlung „In Reih und Glied“ erschienen sind, es muss aber eine weitere Anzahl unsignierter Gedichte existieren. Von August Bebel wurde ihm 1876 die Revision der Vorwärts Druckerei übertragen. In der Zeit des Sozialistengesetzes 1878–1890, als Lavant im illegalen „Sozialdemokrat“ häufig politische „Leitgedichte“ veröffentlichte und gleichzeitig unerkannt in seinem kaufmännischen Beruf weiterarbeitete, spitzte sich sein Doppelleben noch zu. Der Sozialdemokrat wurde im Ausland und zwar zuerst in Zürich und später in London produziert und über die „Rote Feldpost“ nach Deutschland eingeschmuggelt.

Von 1884 bis 1886 erschien die Anthologie „Vorwärts“, eine Sammlung von Gedichten für das arbeitende Volk, in Zürich. Rudolf Lavant schrieb das Vorwort und war Herausgeber, sie enthielt Arbeiterdichtungen von verschiedenen Autoren. Das Buch erschien anfangs in sechs Heften, Heft 1–2/1884, Heft 3–6/1885, alle wurden sozialistengesetzlich verboten. Erst 1886 erschien die Anthologie als Buchausgabe im Verlag der Volksbuchhandlung in Hottingen. Auch dieser Gedichtband gelangte nur auf Schleichwegen mit der „Roten Feldpost“ nach Deutschland.

Lavant verdeutlichte sein Schaffen in einem Zitat, das in der Vorrede zu dem Gedichtband „In Reih und Glied“ steht: „Ich habe nie mehr sein wollen, als ein einfacher Soldat der großen Befreiungsarmee; ich habe in Reih und Glied gekämpft und meine Schuldigkeit getan, und die Namen der einfachen Soldaten werden bekanntlich nur in den Verlustlisten genannt“.

Seine Arbeiten wurden auch in der „Leipziger Volkszeitung“, „Das Lämplein“, „Die Fackel“ und den Arbeiterkalendern „Omnibus“ und dem „Illustrierten Neuen Welt-Kalender“ gedruckt. Gleichfalls schrieb er Gedichte für den „Königlich Sächsischen Ameisen-Kalender“. Lavant schrieb politische Leitgedichte für verschiedene Mai- und Gedenk-Festzeitungen der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Zur Unterstützung der Textilarbeiterinnen und Arbeiter Crimmitschaus, die vom 7. August 1903 bis zum 17. Januar 1904 im Streik für den Zehnstundentag und höhere Löhne standen, verfasste Lavant Gedichte. Mit 27 Jahren begann Lavant seine Produktivität als sozialistischer Schriftsteller, sie erstreckte sich bis an sein Lebensende. Mitglied der SPD wurde er bis zu seinem Tode nicht.

Lavant schrieb weltanschauliche-agitatorische Verse, Gedankenlyrik, balladeske Gedichte, aber auch humoristisch-satirische Verse in sächsischer Mundart als „Fritzchen Mrweessesnich“. Als Mundartdichter brachte er sein Talent über die Jahre 1901 bis 1914 in der Leipziger Volkszeitung ein. Viele dieser Gedichte (ca. 400) sind von auswärtigen Blättern nachgedruckt worden und haben so eine weitere Verbreitung gefunden, welche Freude es ihm war, den kleinlichen sächsischen Polizeigeist, satirisch zu geißeln. Zu Anfang des Ersten Weltkrieges wurden viele seiner Antikriegsgedichte, die gegen die alles überflutende, fürchterliche, kulturwidrige Völkerverhetzung anzukämpfen versuchten, aus Zensurgründen nicht veröffentlicht. Daneben trat er als Reiseberichter, Übersetzer (Alphonse Daudet, Adrien Dézamy), Herausgeber und Journalist hervor.

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