Rudolf Alexander Schröder (* 26. Januar 1878 in Bremen; † 22. August 1962 in Bad Wiessee) war ein deutscher Schriftsteller, Übersetzer, Dichter, evangelischer Kirchenlieddichter sowie Architekt und Maler.
Schröder wurde in Bremen als Sohn einer Kaufmannsfamilie geboren. Sein Vater Johannes Schröder (1837–1916) wirkte von 1888 bis 1916 als Präses der Norddeutschen Missions-Gesellschaft in Bremen und war 1891 Mitbegründer des Bremer Mäßigkeitsvereins.
Schröder legte 1897 am Bremer Alten Gymnasium das Abitur ab. Schon in der Schulzeit entwickelte er literarische Neigungen. Nach dem Abitur zog er nach München um und begann ein Studium der Architektur, Musik und Kunstgeschichte. Erste Gedichtbände veröffentlichte er 1899 und 1900. Zusammen mit seinem Vetter Alfred Walter Heymel und in Verbindung mit dem Redakteur Otto Julius Bierbaum gründete er 1899 die Zeitschrift Die Insel, aus der 1902 der Insel-Verlag erwachsen sollte. Nicht zuletzt über die Zeitschrift machte Schröder die Bekanntschaft von Harry Graf Kessler, Julius Meier-Graefe und Hugo von Hofmannsthal.
Im Jahr 1901 schied Schröder aus der Insel-Redaktion aus, lebte für ein Jahr in Paris und leistete 1902/03 seinen Militärdienst in Kiel-Friedrichsort. Anschließend ließ er sich als Architekt in Bremen nieder. Von Ende 1905 bis 1908 lebte er in Berlin im Haus Meier-Graefes und lernte unter anderem Rainer Maria Rilke, Gerhart Hauptmann und Max Reinhardt kennen. Zurück in Bremen etablierte er sich als Innenarchitekt. 1909 gestaltete er die Ausstattung des Salondampfers George Washington und legte 1912 Entwürfe für den Ratssaal im Bremer Neuen Rathaus vor. Er hatte in München schon z. B. die Redaktionsräume der Insel gestaltet und in Bremen Häuser entworfen. Bei der Weltausstellung 1910 in Brüssel erhielt Schröder eine goldene Medaille, bei der Weltausstellung 1913 in Gent den Grand Prix. 1922 gestaltete er die Inneneinrichtung des Bremer Landhauses, das der Architekt Heinz Stoffregen als Messepavillon der Hansestadt für die Deutsche Gewerbeschau München entworfen hatte. Zu seinen bekanntesten späteren Arbeiten gehörte ein Teil der Innenausstattung des 1929 in Dienst gestellten Ozeandampfers Bremen.
Nach dem Vorbild der englischen „Doves Press“ begründete Schröder mit Hofmannsthal, Rudolf Borchardt, Ludwig Wolde und Willy Wiegand 1911 die bibliophile Privatpresse „Bremer Presse“. 1927 stand er als Gründungspräsident der Bremer Bibliophilen-Gesellschaft vor. 1947 wurde er Präsident der Gesellschaft der Bibliophilen nach deren Neugründung in Hamburg.
Während des Ersten Weltkrieges arbeitete Schröder als Zensor im Generalgouvernement Belgien, der deutschen Verwaltung des besetzten Landes, in Brüssel; dabei lernte er die flämische Lyrik kennen, die er später auch übersetzte.
Nach dem Krieg besorgte Schröder Übertragungen antiker Literatur und eine Ausgabe der Werke Jean Pauls. Auch veröffentlichte er weiterhin Lyrikbände. 1931 gab er die Arbeit als Architekt auf, um sich ganz auf die Schriftstellerei (Schwerpunkte: Lyrik, Übersetzung und Essay) zu konzentrieren und daraus seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Im selben Jahr veröffentlichte er sein einziges größeres Prosawerk Der Wanderer und die Heimat.
Schröder blieb unverheiratet und war homosexuell, was u. a. aus der Familie seines Freundes Rudolf Borchardt mehrfach bestätigt wurde. Borchardt, der mit einer Nichte Schröders verheiratet war, äußerte sich darüber diskriminierend, obwohl Schröder ihn und seine Familie über Jahre finanziell unterstützte.
Schröder war in der Zeit des Nationalsozialismus als homosexueller Mann gefährdet. Er verließ Ende 1935 Bremen und zog in das abgeschiedene Bergen in Oberbayern. Seine ebenfalls unverheiratete Schwester Dora Schröder führte ihm den Haushalt, und sie war für ihn auch als Sekretärin tätig.
Auch wenn Schröder den Umzug zu Beginn des Dritten Reichs nach Bayern als Schritt in die Innere Emigration verstanden wissen wollte, so arrangierte er sich mit den Nationalsozialisten. Er fungierte in Bremen als Ortsgruppenleiter des Reichsverbandes Deutscher Schriftsteller, was ihm entscheidenden Einfluss auf die Literaturentwicklung in der Hansestadt sicherte. 1938 wurde er anlässlich seines 60. Geburtstages mit der höchsten Bremer Kulturauszeichnung, der Plakette für Kunst und Wissenschaft, geehrt. Erster Gratulant im Bremer Rathaus war Bürgermeister und SA-Gruppenführer Heinrich Böhmcker. Lese- und Vortragsreisen führten ihn in viele Regionen Deutschlands, hauptsächlich zu Veranstaltungen in kirchlichen Räumen. Belegt sind auch Treffen mit Hans Grimm und weiteren nationalkonservativen Autoren auf den Lippoldsberger Dichtertreffen.
Schröder gehörte zu den Stammautoren der Kulturzeitschrift Eckart, die von Kurt Ihlenfeld im gleichnamigen Eckart-Verlag Berlin herausgegeben wurde und ihre Aufgabe in Begegnungen von Theologie und Literatur, Glaube und Dichtung sah. Eine Buchreihe des Verlags mit vorwiegend protestantischen und literarischen Themen nannte sich auch Der Eckart-Kreis. Schröder stand dem gemäßigten Zentrum der Bekennenden Kirche nahe, hielt sich aber öffentlich zurück. Er suchte den Kontakt zu Theologen und stand etwa mit Hans Asmussen in Kontakt. Er arbeitete an Zeitschriften und Sammelwerken mit, die sich gegenüber dem Nationalsozialismus distanziert verhielten (Neue Rundschau, Frankfurter Zeitung u. a.), war aber auch Autor des Inneren Reichs, einer bürgerlichen, aber strikt der „Führung des deutschen Volkes durch Adolf Hitler“ verpflichteten Zeitschrift.
In seinem Werk wandte sich Schröder ab 1935 dem evangelischen Kirchenlied zu. 1941 wurde er mit einem Vortragsverbot belegt. 1942 wurde er in Rosenheim zum Lektor (d. h. Laienprediger) berufen.
Im November 1941 setzte sich Schröder gegenüber dem Münchner Dekan Friedrich Langenfaß für die von der Deportation nach Kaunas bedrohte Karoline Borchardt ein. Diese war zwar evangelisch getauft, galt aber nach den Nürnberger Gesetzen als „Volljüdin“ und war nach ihrer Scheidung von dem Schriftsteller Rudolf Borchardt nicht mehr durch eine „Mischehe“ vor der Deportation geschützt.
Die Historikerin Susanna Scharfstetter weist darauf hin, dass Schröder zwar das Schicksal der Deportierten schon vor Augen gestanden habe („die Abschiebung in die Hunger- und Frosthöllen des Ostens“), er sich aber trotzdem ausdrücklich nur auf getaufte Juden bezog. Karoline Borchardt wurde nach Intervention ihrer Pensionswirtin von der Deportation zunächst zurückgestellt, im Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort 1944 ermordet.
Gegenüber den nicht zuletzt jüdischen Exilierten der NS-Zeit und ihrer möglichen Rückkehr nach Deutschland hegte Schröder Ressentiments. Kurz vor Kriegsende schrieb er an Bernt von Heiseler:
Der Bremer Journalist Henning Bleyl fasst in seinem Beitrag für die taz vom 21. Januar 2010 unter dem Titel Das Problem mit dem Patron zusammen: „Die Dichtungen von Rudolf Alexander Schröder sind im Evangelischen Gesangbuch ebenso vertreten wie in den Liedersammlungen von SS und SA. Sein Beispiel demonstriert die Dehnbarkeit des Begriffs ‚Innere Emigration‘ […] Schröders Werk gilt gemeinhin als die Synthese von humanistischer Tradition und protestantischer Gläubigkeit schlechthin – und fand in einigen Facetten nichtsdestoweniger seinen festen Platz in den täglichen Morgenfeiern der HJ. Transparenz über dieses Sowohl-als-auch herzustellen gäbe mehr Aufschluss über die Vitalität und Funktionsfähigkeit des ‚Dritten Reiches‘, als es durch einseitige Entlastungen oder ‚Brandmarkungen‘ möglich wäre.“ Nach Einschätzung Bleyls war Schröder kein Rassist. Die „Arier“-Ideologie charakterisierte er als „Wonne aller Hohlköpfe“.
In seiner Pfingstpredigt von 1945 formulierte Schröder: „Was ist von unserer, der Christen Seite geschehen, um dem Blutwahn der mit den höchsten Ämtern und Titeln des Reiches Bekleideten zu entgehen? Gegenüber unserer eigenen, längst weltkundigen Schande haben wir die Augen zugekniffen.“
Schröders zahlreiche Veröffentlichungen der Nachkriegsjahre ordnet Bernd Lutz dem „Klima einer ‚geistigen Rückbesinnung‘“ zu, „die bei der Neuorientierung Deutschlands gedanklich eher an dem traditionellen, bürgerlich-christlichen Wertekanon – eine Form von innerer Revolte aus dem Geist des Abendlands – anknüpfte als an der Umgestaltung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, um einen erneuten Rückfall in die Barbarei zu verhindern“. Schröder habe damit weit entfernt von der die Zeit bestimmenden literarischen Entwicklung gestanden, aber bis zu seinem Tod als hochdekoriertes Aushängeschild der Adenauerschen Restauration fungiert.