Rudolf „Rudi“ Völler (* 13. April 1960 in Hanau) ist ein deutscher Fußball-Funktionär und früherer Spieler sowie Trainer. In seiner Spielerkarriere von 1977 bis 1996 war er in Deutschland, Frankreich und Italien aktiv und galt als einer der besten Mittelstürmer seiner Generation. Von 1982 bis 1994 spielte er 90 Mal für die deutsche Nationalmannschaft und wurde 1990 mit ihr Weltmeister. Im Jahr 1992 war er kurzzeitig ihr Mannschaftskapitän. Mit Olympique Marseille gewann er 1993 die Champions League.
Von 2000 bis 2004 war er Teamchef der deutschen Nationalmannschaft, die unter seiner Leitung 2002 Vize-Weltmeister wurde.
Bei Bayer 04 Leverkusen war er 2000 und 2005 Interimstrainer. 2004 trainierte er kurzzeitig die AS Rom.
Von 1996 bis 2000 sowie von Anfang 2005 bis 2018 war er bei Bayer 04 Sportdirektor, von 2018 bis 2022 Geschäftsführer Sport. 2022 bis 2023 saß er im Gesellschafterausschuss der Fußball GmbH.
Als Mitglied einer „Task-Force“ stand er dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) bei der Vorbereitung auf die Heim-EM 2024 beratend zur Seite. Seit Februar 2023 ist er der Sportdirektor unter anderem für die A-Nationalmannschaft. Im September 2023 betreute er die Nationalelf nochmals für ein Spiel als Teamchef.
Rudi Völler wurde 1960 in Hanau (Hessen) als einer von zwei Söhnen von Kurt (1925–2016) und Ilse Völler (1928–2022) geboren. Der Vater war gelernter Dreher, arbeitete später als Lagermeister und war Jugendbetreuer beim örtlichen Fußballverein TSV 1860 Hanau, bei dem er auch als Spieler aktiv gewesen war. Die Mutter arbeitete nebenher als Näherin und Putzfrau. Völlers Bruder Dieter starb 2014 im Alter von 67 Jahren an den Folgen von Lungenkrebs.
Mit acht Jahren nahm sein Vater ihn zum ersten Mal mit zum Training. Völler wollte von Anfang an nur im Sturm spielen und entpuppte sich schnell als Talent. Ab der C-Jugend spielte er im Sturm des TSV und erzielte von da an 40 bis 50 Tore pro Saison. Mit 15 Jahren wurde er von dem Offenbacher Talentspäher Hermann Nuber entdeckt.
Er besuchte die Realschule sowie eine Hanauer kirchliche sogenannte Sonntagsschule. Nach seinem Realschulabschluss wollten ihn die Kickers Offenbach verpflichten, doch Völler absolvierte zunächst eine Berufsausbildung zum Bürokaufmann. Als Auszubildender arbeitete er auf der Kickers-Geschäftsstelle und später beim Unternehmen Löhr & Bromkamp, das Gelenkwellen für Kraftfahrzeuge herstellte. Danach leistete er seinen Wehrdienst ab.
Mit 16 Jahren trainierte Völler erstmals mit der Profimannschaft des damaligen Zweitligisten Kickers Offenbach. Als 17-Jähriger gab er im November 1977 sein Debüt in der ersten Mannschaft. In dieser Saison absolvierte er noch fünf weitere Ligaspiele und erzielte im Januar 1978 sein erstes Profitor für die Kickers.
Vor der Saison 1978/79 unterschrieb er bei den Kickers seinen ersten Profivertrag. Er spielte noch bis zum Ende der Saison 1979/80 in Offenbach am Main und brachte es am Ende auf insgesamt 74 Spiele mit 18 Toren.
Im Jahre 1980 wechselte Völler für eine Ablöse über 700.000 DM zum Erstligisten TSV 1860 München. In seiner ersten Erstligasaison gelangen ihm in 33 Spielen neun Tore, doch der TSV 1860 stieg in die 2. Bundesliga ab. Obwohl Völler in der Saison 1981/82 mit 37 Toren Torschützenkönig wurde, wurde der direkte Wiederaufstieg um einen Punkt verpasst. Wegen großer finanzieller Belastungen entzog der DFB dem TSV die Lizenz, ein Zwangsabstieg in die drittklassige Bayernliga war die Folge. Völler wechselte daraufhin zu dem ambitionierten Erstligisten Werder Bremen, der die vorangegangene Saison als Aufsteiger mit dem fünften Platz abgeschlossen hatte. Er sollte bei Bremen als Mittelstürmer der Nachfolger des ehemaligen Nationalspielers Erwin Kostedde werden.
In der Saison 1982/83 wurde Werder Bremen punktgleich mit dem Meister Hamburger SV Vizemeister und Völler in seiner ersten Bremer Spielzeit Bundesliga-Torschützenkönig. Im Frühjahr 1983 lag Völler ein unterschriftsreifes Angebot des italienischen Erstligisten AC Turin vor. Sein Berater Holger Klemme hatte mit Turin einen Zweijahresvertrag ausgehandelt, der Völler 1,5 Millionen D-Mark Gehalt eingebracht hätte. Völler lehnte das finanziell bessere Angebot Turins ab und verlängerte stattdessen seinen Vertrag mit Werder. In den Kalenderjahren 1983 und 1985 erzielte Völler mit zehn Treffern mehr Auswärtstore als jeder andere Spieler der Bundesliga und stellte damit zugleich eine Bestmarke auf, die von Marvin Ducksch erst im Jahr 2023 ebenfalls für Werder Bremen spielend eingestellt wurde.
In den Spielzeiten 1984/85 und 1985/86 folgten weitere Vizemeisterschaften mit Werder Bremen, 1986 abermals wegen der schlechteren Tordifferenz. Dabei wurde er im vorletzten Spiel der Hinserie im Spiel bei Bayern München von Klaus Augenthaler so schwer gefoult, dass er fast die komplette Rückrunde ausfiel und erst am vorletzten Spieltag der Saison gegen die Bayern wieder eingewechselt werden konnte.
In seiner letzten Saison an der Weser traf er in 30 Spielen 22-mal. Insgesamt stehen für ihn 97 Erstligatore in 137 Partien im Werder-Trikot zu Buche.
Im Jahre 1987 wechselte er vom SV Werder Bremen zur AS Rom in die Serie A für 9,3 Mio. DM, in der er mit seinem Verein in der Saison 1987/88 den dritten Platz erreichte. Mit der AS Rom gewann er 1991 den italienischen Pokal und erreichte im gleichen Jahr das Finale des UEFA-Cup, in dem seine Mannschaft allerdings Inter Mailand unterlag. 1992 kamen Völler und die AS Rom bis ins Viertelfinale des Europapokals der Pokalsieger, in welchem die Mannschaft jedoch gegen den späteren Finalisten AS Monaco ausschied, der dann im Finale gegen Völlers ehemaligen Verein Werder Bremen unterlag.
Zur Spielzeit 1992/93 wechselte er zu Olympique Marseille, wo er – als erster deutscher Fußballspieler überhaupt – 1993 die erste Ausgabe der Champions League, vormals Europapokal der Landesmeister, gewann. Völler wurde im Finale, das die Franzosen 1:0 gegen die AC Mailand gewannen, in der 78. Minute gegen Jean-Christophe Thomas ausgewechselt.
Im Jahre 1994 kehrte er nach Deutschland zurück. Für Bayer 04 Leverkusen absolvierte er 62 Bundesligaspiele und erzielte 26 Tore, bevor er schließlich 1996 seine aktive Karriere beendete, um danach bis 2000 als Sportdirektor für den Verein zu arbeiten.
Von 1979 bis 1982 bestritt er 19 Spiele für die U-21-Nationalmannschaft und schoss dabei 10 Tore. 1982 wurde er U-21-Vizeeuropameister und erzielte im ersten Endspiel in Sheffield gegen England das Tor für die deutsche Mannschaft bei der 1:3-Niederlage. Im mit 3:2 gewonnenen Rückspiel in Bremen kam er nicht zum Einsatz. Zudem bestritt er 1980 drei Spiele für die B-Nationalmannschaft.