Rudolf „Rudi“ Kargus (* 15. August 1952 in Worms) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler, der sich nach seiner aktiven Sportlerkarriere als Kunstmaler betätigt. Als Torhüter des Hamburger SV gewann er 1976 den DFB-Pokal, 1977 den Europapokal der Pokalsieger und 1979 die deutsche Fußballmeisterschaft. Kargus ist bis heute mit insgesamt 23 gehaltenen Strafstößen der „Elfmetertöter“ der Bundesliga-Geschichte.
Rudi Kargus erlernte von 1968 bis 1970 den Beruf des Verwaltungsangestellten. 1971 wurde er Fußballprofi. In den 1990er Jahren studierte er Malerei, unter anderem beim Neoexpressionisten Markus Lüpertz.
Kargus spielte noch als Zwölfjähriger in der Jugend von Wormatia Mittelstürmer, ehe er durch eine Verletzung des etatmäßigen Keepers in das Tor kam. Als Ballfänger fand er seine wahre Begabung und kam rasch in die Südwestauswahl. In der Saison 1970/71 kam der A-Jugendliche in der Hinrunde bei der Wormatia bereits in der Fußball-Regionalliga Südwest neunmal zum Einsatz. An der Seite der erfahrenen Mitspieler Dieter Franzreb, Volker Radtke und Heiner Schmieh zeichnete er sich in den Spielen gegen den SV Alsenborn, Borussia Neunkirchen, FC Homburg und SV Völklingen aus, sodass auch der DFB auf ihn aufmerksam wurde. Unter DFB-Jugendtrainer Herbert Widmayer debütierte der 1,83 m große und schmalgliedrig gewachsene Nachwuchskeeper am 25. November 1970 in Lübeck beim Länderspiel gegen Schweden in der deutschen Jugendnationalmannschaft, das 1:0 endete. Kargus hütete auch bei den zwei Qualifikationsspielen gegen Italien im März und April 1971 das Tor der sich durchsetzenden DFB-Jugend. Beim UEFA-Juniorenturnier im Mai 1971 in der Tschechoslowakei kam er in allen drei Gruppenspielen gegen den Gastgeber (0:0), Griechenland (2:4) und die Auswahl des DFV (1:3) zum Einsatz. Insgesamt war Kargus in acht Jugendländerspielen eingesetzt. Der vormalige „Macher“ des TuS Altrip (Finalist im Jahr 1970 um die deutsche A-Jugendmeisterschaft) und danach als Jugendmanager beim Hamburger SV angestellte Gerhard Heid vermittelte Rudi Kargus zur Runde 1971/72 zum Rothenbaum.
In den ersten beiden Runden in der Fußball-Bundesliga, 1971 bis 1973, konnte Kargus unter Trainer Klaus-Dieter Ochs noch nicht die Torhüterhierarchie beim HSV verändern, Stammkeeper blieb der erfahrene Arkoc Özcan, bei dem man erst Jahre nach seinem Karriereende herausfand, dass er eigentlich Özcan Arkoç heißt. Sein erstes Bundesligaspiel bestritt Kargus am 11. September 1971 bei einem 1:1-Remis gegen Eintracht Braunschweig. Insgesamt kam er in den ersten beiden Runden auf 24 Ligaeinsätze. Als Kuno Klötzer zur Runde 1973/74 die sportliche Leitung in Hamburg übernahm, wurde Kargus Stammspieler und absolvierte 33 Rundenspiele. Mit herausragenden Reflexen und Paraden war Kargus beim Pokalwiederholungsspiel am 22. Dezember 1973 gegen Borussia Mönchengladbach aufgefallen, als er vor 50.000 Zuschauern beim 3:1-Erfolg nach Elfmeterschießen drei Strafstöße von Köppel, Bonhof und Danner parieren konnte und damit den Grundstock zu seinem Ruf als „Elfmetertöter“ legte. Beim DFB reagierte man auf die Leistungen des HSV-Torhüters mit der ersten Nominierung für das B-Länderspiel am 3. September 1974 gegen Luxemburg.
Endgültig führte ihn seine sportliche Entwicklung in der Runde 1974/75 in den engen Kreis der Torhüter, die für die Nationalmannschaft in Frage kamen. Sepp Maier, Norbert Nigbur, Bernd Franke, Dieter Burdenski und der junge HSV-Keeper führten die Torhüterrangliste an. Mit drei gehaltenen Strafstößen in der Bundesliga sowie zwei im UEFA-Cupspiel bei Dynamo Dresden – am 11. Dezember 1974 wehrte er die Elfmeter von Dörner und Lichtenberger beim 2:2 in Dresden ab – hatte er sich endgültig einen Ruf als „Elfmetertöter“ erhechtet. Die Entwicklung setzte sich aber noch fort, Kargus gewann 1975/76 mit dem HSV den DFB-Pokal und erreichte in der Liga die Vizemeisterschaft. Er parierte in der Bundesliga sieben Elfmeter und feierte am 20. Dezember 1975 in Istanbul gegen die Türkei sein Länderspieldebüt. Jetzt war er hinter Sepp Maier die klare Nummer zwei und fuhr als Ersatzmann mit zur Fußball-Europameisterschaft nach Jugoslawien. Dort unterlag die deutsche Mannschaft im Endspiel den Tschechoslowaken im Elfmeterschießen. Zum sportlichen Höhepunkt wurde 1976/77 der 2:0-Sieg im Finale des Europacups der Pokalsieger am 11. Mai 1977 in Rotterdam gegen RSC Anderlecht.
Die Personalrochade des „Generalmanagers“ Peter Krohn zur Runde 1977/78, mit der Ablösung des erfahrenen und sachlichen Trainerroutiniers Kuno Klötzer durch den zwar eloquenten, aber nicht gerade für „hanseatische Tugenden“ stehenden Rudi Gutendorf, führte aber beim HSV insgesamt zu einem dramatischen sportlichen Absturz. Der Irrtum auf der Trainerbank brachte den Hanseaten den enttäuschenden zehnten Bundesligarang ein und auch die Stabilität der Torhüterleistung von Kargus blieb davon nicht unberührt. Mehrere Patzer kratzten am Nimbus des vormaligen Nationalmannschaft-„Kronprinzen“. Dennoch reiste er neben Maier und Burdenski mit zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Argentinien.
Mit dem neuen Trainer Branko Zebec gewann Kargus 1979 die deutsche Meisterschaft, wurde 1980 Vizemeister und stand im Europacup der Landesmeister am 28. Mai 1980 in Madrid im Finale gegen Nottingham Forest. Im Gedächtnis bleibt aber insbesondere der 5:1-Heimerfolg am 23. April 1980 im Halbfinale gegen Real Madrid. Obwohl der ehemalige Wormser sein 200. Bundesligaspiel und weitere B-Länderspiele absolvierte, stand der einstige Rückhalt im HSV-Tor aufgrund einiger schwächerer Leistungen mittlerweile in der Kritik. Er strahlte keine Ruhe und Souveränität mehr aus und nach Irrflügen im Europapokalviertelfinale gegen Hajduk Split verlangte Zebec von HSV-Manager Günter Netzer eine Neuverpflichtung für das Tor.
Es kamen Heinz-Josef Koitka und Uli Stein von den Zweitligisten Rot-Weiß Lüdenscheid und Arminia Bielefeld. Es dauerte drei Monate, bis Kargus mit dem 1. FC Nürnberg einen neuen Arbeitgeber fand.
Andererseits wird berichtet, dass Rudi Kargus sein jährliches Salär von DM 300.000 auf DM 400.000 aufgestockt haben wollte und eine Vertragsverlängerung daran scheiterte. Somit vertragslos reduzierte sich sein Einkommen einstweilen für drei Monate auf DM 457,20 wöchentliche Arbeitslosenunterstützung, bis schließlich die vom HSV von 1,5 Millionen auf DM 700.000 hinreichend verringerte Ablösesumme dem 1. FC Nürnberg ein Angebot entlockte. Kargus hatte sich im Privattraining mit dem seinerzeit vereinslosen Trainer Özcan Arkoç fit gehalten. Später musste der HSV nach einem Prozess DM 6.025 ans Arbeitsamt zahlen, weil er Kargus durch eine zu hohe Ablöseforderung an der zügigen Aufnahme einer neuen Arbeitsstelle gehindert hatte.
Sein letztes Bundesligaspiel für den Hamburger SV absolvierte Kargus am 31. Mai 1980 beim 4:0-Heimerfolg gegen Schalke 04 nach insgesamt 254 Bundesligapartien seit 1971. Viele Spieler, die für den HSV in dieser Partie im alten Volksparkstadion vor über 50.000 Zusehern aufliefen, zählen zu den ganz Großen jener Ära, wie der „Bananenflanker“ Manfred Kaltz, der ehemalige europäische Fußballer des Jahres Kevin Keegan, Felix Magath und das „Strafraumungeheuer“ Horst Hrubesch. Da der FC Bayern an diesem Tag auch gewann, war der HSV diesmal erneut Vizemeister, mit zwei Punkten hinter den Münchnern, die die gleiche Tordifferenz hatten.
Kargus ersetzte in Nürnberg den als zu unbeständig angesehenen Bernhard Hartmann und debütierte am neunten Spieltag der Runde 1980/81, den 15. Oktober 1980, beim Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt. Nach acht Spieltagen stand der „Club“ mit Trainer Horst Heese mit 5:11 Punkten auf dem 15. Tabellenrang und Kargus und Kollegen wurden mit 1:4 Toren durch Frankfurt noch mehr in den Abstiegskampf gedrängt. Am Ende belegte Nürnberg den 14. Rang, und Kargus hatte in 22 Einsätzen seinen Beitrag zum Klassenerhalt geleistet.
In der Saison 1981/82 wurde er bei einer von dem neuen Trainer Udo Klug angesetzten Wahl von seinen Mannschaftskameraden zum Nachfolger Reinhold Hintermaiers als Spielführer bestimmt und avancierte zur überragenden Spielerpersönlichkeit in Nürnberg. Am 24. Spieltag der Saison 1981/82 parierte er in Mönchengladbach seinen 18. Elfmeter und löste damit Norbert Nigbur als Rekordhalter ab.