An diesem Tag

Rudi Carrell

Niederländischer Showmaster (1934–2006)

Anúncio

Rudi Carrell, bürgerlich Rudolf Wijbrand Kesselaar (* 19. Dezember 1934 in Alkmaar; † 7. Juli 2006 in Bremen), war ein niederländischer Showmaster, Sänger und Schauspieler, der im niederländischen und deutschen Fernsehen mit zahlreichen Fernsehshows Erfolge hatte und der ab 1965 mit Unterbrechungen in Deutschland lebte. Seine größten Erfolge im deutschen Fernsehen hatte er zwischen 1965 und 1992 in der ARD mit den Samstagabendshows Die Rudi Carrell Show (1965–1973), Am laufenden Band (1974–1979), Die verflixte 7 (1984–1987) und Die Rudi Carrell Show – Laß Dich überraschen (1988–1992).

Rudi Carrell war fünf Jahre alt, als die Niederlande im Mai 1940 von Nazi-Deutschland besetzt wurden. Als Zehnjähriger trug er 1944 in seiner Heimatstadt Alkmaar die Widerstandszeitung Het Parool aus, seine Eltern versteckten vorübergehend eine Jüdin auf dem Dachboden. Er hatte jedoch auch ein positives Erlebnis mit einem deutschen Lokführer, der ihm im Hongerwinter ein geheimes Koksversteck zeigte.

Den ersten Bühnenauftritt hatte Carrell am Tag vor seinem 14. Geburtstag. Bei einem Schulabend für Schüler, Eltern und interessierte Alkmaarer führte er als Conférencier durch das Programm. Es war ein so großer Erfolg, dass er alle weiteren Schulabende präsentieren durfte. Bei einer Aufführung von Het gulden Vlies (Das goldene Vlies) durch die Schultheatergruppe im Alkmaarer Theater 1949 wurde Carrells Spiel von der Lokalzeitung Alkmaarsche Courant mit „höchster Professionalität“ beschrieben. Darauf gestattete der Direktor des Theaters Carrell, alle Aufführungen kostenlos von einer hochgelegenen Balustrade aus zu verfolgen.

Mit 15 Jahren verließ Carrell die Schule, er arbeitete zunächst als Erntehelfer, um sich einen dreimonatigen Paris-Besuch leisten zu können, wo er vor allem die Passanten auf den Straßen beobachtete. Beeindruckt hatte ihn, wie im Lido eine einzige Dekoration variiert wurde, indem man eine Tanzfläche von oben hinzufügte oder einen Wasserfall ergänzte. Im Februar 1951 begann Carrell eine Lehre bei der Hoornschen Crédit- und Effektenbank in Alkmaar, die er nicht beendete.

Im November 1952 wechselte er zu seinem Vater André Carrell, einem Komiker und Conférencier, und war für dessen Ensemble als Sekretär und Assistent tätig. Gelegentlich absolvierte er dabei schon kleine Auftritte.

Als Berufskünstler trat Carrell erstmals am 17. Oktober 1953 im Arnheimer Konzertsaal Musis Sacrum auf. Ursprünglich wurde André Carrell für eine Betriebsveranstaltung angefragt, war aber für den Tag schon gebucht, deswegen schlug Rudi am Telefon vor, er könne alles von seinem Vater auswendig und das Engagement übernehmen. André stimmte zu mit den Worten: „Na, dann mach mal“, woraufhin Rudi erstmals unter dem Namen Rudi Carrell auftrat. Es wurde ein so großer Erfolg, dass der Theaterkritiker seinen Ausführungen die Überschrift gab: „Rudi Carrells Kabarett amüsiert das Personal der Gemeindebetriebe“.

Der Erfolg veranlasste Carrell, umgehend ein eigenes Ensemble zu gründen, das er Rudi Carrell’s Cabaretgezelschap (Rudi Carrells Kabarettgesellschaft) nannte und mit dem er 1953 noch sechs Mal auftrat. Die ersten Kritiken bemängelten noch, dass das Programm sehr an André Carrell erinnere, aber im Laufe des Jahres 1954 gelang es Rudi, einen eigenen Stil zu finden. Carrell präsentierte auch gerne Jazzveranstaltungen, da er selbst Jazzfan war. Im Jahr 1954 hatte Carrell bereits 37 Auftritte mit seiner Gruppe, 36 Auftritte mit seinem Vater, 27 Kindervorstellungen und drei Engagements im Radio.

Zum Radio kam Rudi Carrell durch die Vermittlung seines Vaters; der erste Auftritt fand im Sommer 1954 in Leeuwarden statt. Dort trat er beim Bonte Dinsdagavondtrein (Bunter Dienstagabendzug) auf, einer populären Unterhaltungssendung des Senders AVRO.

Huub Matron (1923–2005) war Teil eines bekannten Komikerduos, das sich aufgelöst hatte. So suchte er im August 1956 einen Partner, um die noch bestehenden Verträge erfüllen zu können, darunter ein Radio- und ein Fernsehauftritt. Carrell sagte sofort zu, da er die Chance sah, schnell bekannt zu werden. Die Zusammenarbeit funktionierte nicht, aber Radio und Fernsehen nahmen beide als Solokünstler. So stand Carrell am 29. September 1956 erstmals vor einer Fernsehkamera mit einer Solonummer als Fernsehdebütant. Die große Bekanntheit führte dazu, dass er mittlerweile die dreifache Gage verlangen konnte.

Zur Radiosaison 1956/57 erhielt Carrell von der AVRO einen Festvertrag für den Bonte Dinsdagavondtrein, mit seinen 21 Jahren als jüngster Künstler. Dort spielte er vier Jahre lang und über 200-mal den Krantenjongen (Zeitungsjunge), wobei er zu aktuellen Themen mit selbstgeschriebenen Texten und Liedern Gags machte. Dabei wurde er so bekannt, dass die Presse schon einmal vom Rudi „Krantenjongen“ Carrell sprach. Sein Versuch, mit einer eigenen Show ins Fernsehen der AVRO zu gelangen, scheiterte aber, seine eingereichten Konzepte fanden keine Beachtung. So blieb es bei gelegentlichen Auftritten und im Juni 1959 endete die Zusammenarbeit.

Im Oktober 1959 startete Carrell mit einer eigenen Radioshow beim Sender VARA, die sich Week uit, week in (Woche aus, Woche ein – in Umkehrung der gebräuchlichen Redewendung) nannte. Dafür schrieb Carrell auch Musik, wobei er keine Noten lesen konnte und deswegen mit seinen Einfällen stets einen befreundeten Komponisten besuchen musste. Die Show war ein großer Erfolg, ein Fernsehengagement ließ dennoch auf sich warten.

Grand Prix Eurovision de la Chanson

Die Komponisten Willy van Hemert und Dick Schallies boten Carrell an, ihn mit ihrem Titel Wat een geluk (Was für ein Glück) für den Eurovision Song Contest 1960 vorzuschlagen. Die beiden hatten den letzten Siegertitel geschrieben. Die Vorauswahl übertrug die AVRO am 9. Februar 1960 live im Fernsehen. Jedes Lied wurde von zwei Interpreten gesungen, Carrells Titel auch von Annie Palmen, und Carrell durfte nach London zum Festival reisen. Die Teilnahme brachte ihm eine große Bekanntheit. Und nachdem er Zweitletzter geworden war, machte er sich im Radio darüber lustig, was sehr gut ankam. Beides zusammen führte zu Fernsehangeboten von KRO und VARA.

Carrell schlug Angebote des Senders KRO aus und blieb bei der VARA. Er bestritt eine einzelne Sendung mit seinem Vater André Carrell und bekam daraufhin eine eigene Sendereihe, die er ganz nach seinen Wünschen gestalten durfte. De Rudi Carrell Show geriet zu einem großen Erfolg und wurde von 1961 bis 1965 sowie von 1967 bis 1968 auf VARA ausgestrahlt.

Für das deutsche Fernsehen adaptierte Carrell die Show und sie lief unter dem Titel Die Rudi Carrell Show von 1965 bis 1967 und von 1968 bis 1973 mit ähnlich großem Erfolg im deutschen Fernsehen.

In der Saison 1963/64 ließ Carrell seine Rudi Carrell Show pausieren, um beim Wettbewerb Rose d’Or teilzunehmen. Es handelte sich um die 40-minütige Sendung De Robinson Crusoë Show, welche mit der Silbernen Rose tatsächlich einen der drei Hauptpreise gewann. In Montreux lernte Carrell Mike Leckebusch von Radio Bremen kennen. Es kam zu einem Vertrag mit Radio Bremen über 9 Ausgaben einer deutschen Rudi Carrell Show, die von 1965 bis 1967 ausgestrahlt wurden. Nach einem einjährigen Intermezzo bei der VARA folgten weitere 18 Ausgaben.

Der goldene Schuß (nicht verwirklicht)

Nachdem sich das ZDF von Lou van Burg getrennt hatte, suchte man für die Show Der goldene Schuß einen neuen Moderator. Dabei ging es besonders um die prestigeträchtige nächste Ausgabe, die erste ZDF-Unterhaltungssendung in Farbe. Der Produzent Werner Schmid überredete Carrell bei einem abendlichen Trinkgelage zur Übernahme und informierte umgehend die Presse. Carrell hielt es schon am nächsten Morgen für einen großen Fehler und vermied beim anschließenden Senderbesuch, einen Vertrag zu unterschreiben. Er bat den Leiter seines niederländischen Senders, Jan de Troye, er solle etwas von einem – erfundenen – Exklusivvertrag berichten, und so lautete eine Zeitungsschlagzeile: „Holländisches Fernsehen verbietet Carrell die Übernahme vom Goldenen Schuß“. Rückblickend glaubte Carrell, dass diese Show seine Karriere in Deutschland „zu Grabe getragen hätte“.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Rudi Carrell | World in Stories