Rudolf „Rudi“ Assauer (* 30. April 1944 in Sulzbach-Altenwald; † 6. Februar 2019 in Herten) war ein deutscher Fußballprofi und Manager. Während seiner aktiven Laufbahn absolvierte er insgesamt 307 Bundesligaspiele für Borussia Dortmund und Werder Bremen. Anschließend arbeitete Assauer als Manager für Werder Bremen, den VfB Oldenburg und den FC Schalke 04. Vor allem während seiner Tätigkeit „auf Schalke“ (1981–1986; 1993–2006) erlangte er große Bekanntheit und gewann mit dem Verein aus dem Ruhrgebiet den UEFA-Pokal (1997) sowie zweimal den DFB-Pokal (2001, 2002). Daneben zeigte er sich maßgeblich für den Bau der Veltins-Arena verantwortlich. Als Fußballfunktionär pflegte Assauer lange Zeit das Image des selbstbewussten Geschäftsmannes und Machos. 2012 machte er seine Alzheimer-Erkrankung öffentlich.
Rudi Assauer und seine Zwillingsschwester Karin wurden am 30. April 1944 im saarländischen Sulzbach-Altenwald geboren. Dorthin war seine Mutter während des Zweiten Weltkriegs vor den Luftangriffen auf das Ruhrgebiet zu Verwandten geflohen. Kurz nach der Geburt kehrte sie mit den Zwillingen sowie ihrem älteren Sohn nach Herten zurück, eine durch den Bergbau geprägte Kleinstadt im Ruhrgebiet (Kreis Recklinghausen). Assauer wuchs als Arbeiterkind in einfachen Verhältnissen auf. Schon früh begeisterte er sich für den Fußball und wie viele Jungen seiner Generation war er ein typischer Straßenfußballer, der stundenlang auf Bolzplätzen und zwischen den Häuserreihen spielte. Ab 1952 spielte er für die Jugendmannschaften der SpVgg Herten an der Kampfbahn Katzenbusch.
Mit 14 Jahren verließ Assauer die Schule und absolvierte eine Lehre zum Stahlbauschlosser. Anschließend arbeitete er ein halbes Jahr auf der Zeche Ewald.
1963/64 spielte „Assi“ für die SpVgg Herten in der damals zweitklassigen Regionalliga West. Nach der Saison wechselten mehrere Regionalliga-Spieler in die noch junge Bundesliga und auch Assauer erhielt einen Profivertrag bei Borussia Dortmund. Als harter, kompromissloser Vorstopper bestritt er zwischen 1964 und 1970 insgesamt 119 Bundesliga-Spiele für den BVB. Seinen größten Erfolg feierte er am 5. Mai 1966 mit dem Gewinn des Europapokals der Pokalsieger – dem ersten internationalen Titel einer deutschen Vereinsmannschaft. Im Endspiel, das später als „Wunder von Glasgow“ in die Vereinsgeschichte einging, bezwangen die Borussen um Hans Tilkowski, Lothar Emmerich und Sigfried Held den favorisierten FC Liverpool mit 2:1 nach Verlängerung. Assauer bildete dabei gemeinsam mit Kapitän Wolfgang Paul ein hervorragend abgestimmtes, zweikampfstarkes Verteidigerduo. In der Bundesliga verpasste Dortmund in derselben Saison (1965/66) knapp die deutsche Meisterschaft und wurde Vizemeister – für Assauer die beste Platzierung seiner aktiven Karriere.
1966 und 1967 wurde er zweimal in der deutschen U-23-Nationalmannschaft eingesetzt.
1970 wechselte Assauer zu Werder Bremen und absolvierte dort bis 1976 weitere 188 Bundesligaeinsätze. Dabei war er auch an jenem denkwürdigen Spiel beteiligt, das als „Pfostenbruch vom Bökelberg“ in die Fußballgeschichte einging. Der kantige Verteidiger wurde 1971 zum Mannschaftskapitän ernannt, konnte jedoch keine Titelgewinne feiern. Aus sportlicher Sicht fristete Werder während der 1970er Jahre ein Dasein als „graue Maus“ und bewegte sich meist im Tabellenmittelfeld. In der Saison 1974/75 entging man dem Abstieg nur um einen einzigen Punkt. Sein letztes Profispiel bestritt Assauer am 15. Mai 1976 beim 3:2-Heimsieg gegen den 1. FC Kaiserslautern, dem 31. Spieltag der Saison 1975/76. Unmittelbar danach beendete er im Alter von 32 Jahren und nach 307 Bundesligaspielen (12 Tore) seine aktive Karriere.
Europapokal der Pokalsieger: 1966
Werder-Präsident Franz Böhmert verfolgte das Ziel, den Klub strukturell zu modernisieren, und berief Assauer – der während seiner Dortmunder Zeit eine zweite Ausbildung zum Bankkaufmann abgeschlossen hatte – unmittelbar nach dessen Karriereende 1976 zum hauptamtlichen Manager. Assauer war damit der erste Bundesliga-Profi, der direkt in eine Managementposition wechselte. Innerhalb des Vereins setzte er sich gegen den einflussreichen Hansi Wolff durch, der über mehr als drei Jahrzehnte hinweg prägend auf die Vereinsentwicklung eingewirkt hatte. Schon zu diesem Zeitpunkt galt Assauer als durchsetzungsstarker Organisator mit klarer und direkter Kommunikation – Eigenschaften, die später wesentlich zu seinem Profil im deutschen Fußball beitrugen.
Seine Amtszeit fiel in eine Phase des Umbruchs, die sowohl sportliche Rückschläge als auch strukturelle Konsolidierungsbemühungen prägten. Trotz einzelner Fortschritte gelang es Werder Bremen nicht, sich dauerhaft in der oberen Tabellenregion zu etablieren. Assauers erste Trainerverpflichtung war sein ehemaliger Mitspieler Hans Tilkowski. Nach dessen Entlassung im Dezember 1977 übernahm Assauer bis zum Saisonende zusätzlich das Training. Da er jedoch nicht über die erforderliche Trainerlizenz verfügte, bestand der DFB auf der Benennung eines formellen Cheftrainers. Diese Rolle übernahm der 74-jährige Fred Schulz, der sportlich nicht eingriff und damit zum nominell ältesten Trainer der Bundesligageschichte wurde. Nach einem starken Schlussspurt erreichte die Mannschaft Rang 15 und sicherte den Verbleib in der Bundesliga. Auch in der Saison 1979/80 kämpfte Werder durchgehend gegen den Abstieg. Im Januar 1980 reagierte Assauer auf die anhaltende sportliche Krise und entließ Trainer Wolfgang Weber. Wie bereits zwei Jahre zuvor übernahm er selbst das Training und als lizenzierter Strohmann fungierte diesmal Fritz Langner. Der Negativtrend konnte jedoch nicht mehr gestoppt werden und am 33. Spieltag besiegelte eine deutliche 0:5-Heimniederlage gegen den 1. FC Köln den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte. Werder kassierte in dieser Spielzeit rekordverdächtige 93 Gegentore und schloss die Saison als Tabellenvorletzter ab.
Nach diesem „Betriebsunfall“ ging Assauer mit in die 2. Bundesliga und stellte trotz schwieriger finanzieller Rahmenbedingungen um die Routiniers Erwin Kostedde, Klaus Fichtel und Dieter Burdenski eine schlagkräftige Mannschaft zusammen. Als Trainer Kuno Klötzer infolge eines schweren Autounfalls ausfiel, reagierte Assauer erneut kurzfristig und verpflichtete Otto Rehhagel zum 1. April 1981. Rehhagel, der zuvor überwiegend kurze Engagements übernommen hatte, führte die Mannschaft 1980/81 zum sofortigen Wiederaufstieg in die Bundesliga und blieb dem Verein anschließend 14 Jahre lang als Cheftrainer erhalten.
Unmittelbar nach dem gelungenen Aufstieg verkündete Assauer seinen Abschied von Werder Bremen und wurde am 15. Mai 1981 als neuer Manager des FC Schalke 04 vorgestellt.
Allerdings ließ sich Schalkes sportlicher Abwärtstrend nicht mehr aufhalten und am 13. Juni 1981 stieg die Mannschaft nach 55 Jahren ununterbrochener Erstklassigkeit aus der Bundesliga ab. In den letzten beiden Saisonspielen hatte Assauer bereits als Interimstrainer fungiert. Der Abstieg des Bundesliga-Gründungsmitglieds traf den hoch verschuldeten Verein völlig unvorbereitet und versetzte sowohl den Klub als auch sein Umfeld in eine Art Trauerstarre. Zum Sinnbild dieser Krise wurden die sogenannten „Schalker Verhältnisse“: Auf den Jahreshauptversammlungen machte sich der Verein teilweise lächerlich, da die Mitglieder die Vereinsführung nach Belieben austauschten und so ein regelrechtes Führungschaos entstand.
Assauer bemühte sich, in dem stark von Emotionen geprägten Klub mehr Professionalität und Vernunft in die Entscheidungsprozesse zu bringen. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Weggefährten Siggi Held, den er als Trainer verpflichtete, gelang bereits in der Saison 1981/82 der direkte Wiederaufstieg. Dennoch folgten für den FC Schalke 04 und seinen Manager unruhige und wechselhafte Jahre. Assauer zerstritt sich mit dem langjährigen Torhüter Norbert Nigbur und ersetzte ihn kurzerhand durch Walter Junghans vom FC Bayern München. Auch sein aus Bremer Zeiten bekanntes Konzept, verstärkt auf erfahrene Spieler wie Bernard Dietz oder Werner Lorant zu setzen, ließ sich auf Schalke nicht erfolgreich umsetzen. 1983 folgte der erneute Bundesliga-Abstieg, nachdem Schalke in der Relegation Bayer 05 Uerdingen unterlegen war (3:1; 1:1). Assauer geriet zunehmend in die Kritik. Er verjüngte den Spielerkader und verpflichtete Diethelm Ferner als neuen Trainer. Dennoch gelang auch in der Saison 1983/84 der direkte Wiederaufstieg, sodass Schalke nach nur einem Jahr in die Bundesliga zurückkehrte. Zu den bemerkenswertesten Ereignissen dieser Phase zählt das legendäre 6:6 im DFB-Pokal-Halbfinale 1984 gegen den FC Bayern. Der von Assauer geförderte Nachwuchsspieler Olaf Thon erzielte dabei einen Hattrick und entwickelte sich zu einem der größten Hoffnungsträger des deutschen Fußballs. Nach dem Aufstieg stabilisierten sich die Königsblauen vorübergehend und belegten 1984/85 einen respektablen achten Tabellenplatz, im Folgejahr (1985/86) wurden sie Zehnter.