Rubens Gonçalves Barrichello [Aussprache: ˈhubẽjs bahiˈkɛlu] (* 23. Mai 1972 in São Paulo) ist ein brasilianischer Automobilrennfahrer.
Barrichello startete zwischen 1993 und 2011 bei insgesamt 323 Formel-1-Rennen. In den Jahren 2002 und 2004 wurde er jeweils mit Ferrari Vizeweltmeister.
2012 startete er für KV Racing Technology in der IndyCar Series. Ab den letzten drei Rennen der Saison 2012 fuhr er in der Stock Car Brasil, die er 2014 gewann. 2017 nahm er am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil, das er zusammen mit seinen Teamkollegen Jan Lammers und Frits van Eerd auf dem 13. Platz beendete.
Barrichellos Motorsportkarriere begann 1981 im Kartsport, in dem er bis 1988 aktiv war. Unter anderem gewann er zweimal die brasilianische Juniorenkartmeisterschaft (1983, 1984), dreimal die brasilianische Kartmeisterschaft (1986, 1987, 1988) und wurde 1987 südamerikanischer Kartmeister. Im weiteren Verlauf seiner Karriere trat Barrichello immer wieder zu einzelnen Kartrennen an und gewann sechsmal die 500 Milhas de Granja Viana (1998, 2000, 2001, 2002, 2004, 2005).
1989 wechselte er in den Formelsport und wurde Vierter in der brasilianischen Formel Ford 1600. 1990 bestritt Barrichello drei Rennen in der südamerikanischen Formel-3-Meisterschaft und entschied ein Rennen davon für sich. Sein Hauptaugenmerk lag allerdings auf der Formula Opel Euroseries. Für Draco Racing startend erzielte er sechs Siege in elf Rennen und gewann auf Anhieb den Meistertitel. Darüber hinaus nahm er an vier Rennen der Formel Vauxhall teil und beendete zwei davon mit einer Platzierung unter den ersten drei.
1991 wechselte Barrichello zu West Surrey Racing in die britische Formel-3-Meisterschaft. Sein Team hatte insgesamt schon viermal den Fahrertitel der britischen Formel 3 gewonnen und in der vorherigen Saison mit dem späteren Formel-1-Weltmeister Mika Häkkinen ebenfalls den Meister gestellt. Barrichello gewann vier Rennen und entschied die Meisterschaft mit 74 zu 66 Punkten gegenüber seinem Kontrahenten David Coulthard, der einen Sieg mehr vorzuweisen hatte, für sich. 1992 trat Barrichello in der internationalen Formel-3000-Meisterschaft für den Rennstall Il Barone Rampante an. Er gewann kein Rennen, zwei zweite Plätze waren seine besten Resultate. Am Saisonende belegte er hinter den Italienern Luca Badoer und Andrea Montermini, der in der ersten Saisonhälfte sein Teamkollege gewesen war, den dritten Platz in der Fahrerwertung.
Barrichello wechselte 1993 in die Formel 1 und erhielt einen Vertrag bei Jordan. In seiner Debütsaison hatte er Probleme mit der Zuverlässigkeit seines Autos und kam bei 9 von 16 Rennen nicht ins Ziel. Zudem war der Jordan 193 im Vergleich zu den Topfahrzeugen kaum konkurrenzfähig. Dennoch gelang es Barrichello bei seinem dritten Rennen, dem Großen Preis von Europa im Donington Park, sich bei regnerischen Bedingungen bereits in der ersten Runde vom zwölften auf den vierten Platz zu verbessern. Bevor er mit technischen Problemen ausfiel, belegte er den dritten Platz und lag damit vor Gegnern in deutlich konkurrenzfähigeren Fahrzeugen. Beim Großen Preis von Frankreich hätte er beinahe seinen ersten Punkt erzielt, musste sich allerdings in der letzten Runde McLaren-Fahrer Michael Andretti geschlagen geben und fiel auf den siebten Platz zurück. Barrichello hatte in der Saison 1993 mehrere Teamkollegen, unter anderem die erfahrenen Piloten Ivan Capelli und Thierry Boutsen, die er jeweils klar distanzierte. Beim zweitletzten Saisonrennen, dem Großen Preis von Japan in Suzuka, kam er als Fünfter und damit einen Platz vor seinem neuen Teamkollegen Eddie Irvine ins Ziel und errang somit seine ersten Weltmeisterschaftspunkte. Er beendete seine erste Saison auf dem 18. Platz in der Fahrerwertung.
1994 startete Barrichello zunächst gut in die Saison. Beim Saisonauftakt, seinem Heimrennen in Brasilien, kam er auf dem vierten Platz ins Ziel. Ein Rennen später, beim Großen Preis des Pazifik erzielte er als Dritter seinen ersten Podestrang in der Formel 1 und belegte hinter Michael Schumacher den zweiten Platz in der Fahrerweltmeisterschaft. Beim Europaauftakt in San Marino verunglückte Barrichello im ersten Qualifikationstraining am Freitag schwer, so dass er am Rennen nicht teilnehmen konnte. Ausgangs der Variante Bassa hob sein Auto ab und schlug in die Streckenbegrenzung ein. Sein Rennwagen überschlug sich und blieb kopfüber liegen. Barrichello verlor das Bewusstsein und erlitt einen Nasenbeinbruch. Im zweiten Qualifikationstraining am Samstag verstarb Roland Ratzenberger nach einem Unfall in der Villeneuve-Kurve. Im Rennen verunglückte Ayrton Senna tödlich. Im späteren Verlauf der Saison gelang es ihm als bis dahin jüngsten Fahrer der Formel-1-Geschichte beim Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps, seine erste Pole-Position einzufahren. Am Ende der Saison belegte er nach weiteren vier vierten Plätzen mit deutlichem Abstand auf seinen Teamkollegen Eddie Irvine den sechsten Platz in der Fahrerwertung.
In der Saison 1995 hatte sein Fahrzeug, das in jener Saison mit Werksmotoren von Peugeot ausgerüstet war, erneut Zuverlässigkeitsprobleme. Barrichellos Saisonhöhepunkt war der Große Preis von Kanada, bei dem er mit einem zweiten Platz seine bis dahin beste Platzierung in der Formel 1 erzielte. Am Ende der Saison belegte er den elften Platz in der Gesamtwertung – einen Rang vor seinem Teamkollegen Irvine. 1996 erhielt Barrichello, nachdem Irvine das Team in Richtung Ferrari verlassen hatte, mit dem erfahrenen Briten Martin Brundle einen neuen Teamkollegen. Er beendete einige Rennen in den Punkten, eine Podest-Platzierung gelang ihm allerdings nicht. In der Fahrerweltmeisterschaft belegte er am Ende der Saison den achten Gesamtrang. Damit ließ er nicht nur seinen aktuellen Teamkollegen hinter sich, sondern auch seinen ehemaligen Kollegen Irvine, der mit einem Ferrari über ein schnelleres Auto verfügte.
Zur Saison 1997 wechselte der 24-jährige Barrichello nach vier Jahren bei Jordan zu Stewart Grand Prix, dem neuformierten Rennstall des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters Jackie Stewart. Dort hatten er und sein neuer Teamkollege Jan Magnussen mit der mangelnden Standfestigkeit und Konkurrenzfähigkeit des Stewart SF01 zu kämpfen. Barrichello beendete nur drei Saisonrennen. Sein bestes Resultat war dabei der zweite Platz beim Großen Preis von Monaco, bei dem er auf regennasser Fahrbahn brillierte und viele Gegner in schnelleren Autos hinter sich ließ. Seine erste Saison für Stewart beendete er auf dem 13. Gesamtrang.
In der zweiten Saison hatte Stewart weiterhin mit Zuverlässigkeitsproblemen zu kämpfen. Zudem hielt der neue Stewart SF2 weiterhin nicht mit den Fahrzeugen der Konkurrenz mit. Barrichellos dennoch überzeugende Leistungen führten aber zur Trennung von Magnussen. An dessen Stelle wurde Jos Verstappen verpflichtet, der aber wie sein Vorgänger nicht an die Leistungen von Barrichello herankam und am Saisonende ebenfalls das Team verlassen musste. Am Ende der Saison belegte er mit zwei fünften Plätzen als beste Resultate den zwölften Platz in der Fahrerweltmeisterschaft.
1999 verfügte Barrichello mit dem Stewart SF3 über ein im Vergleich zu den beiden Vorjahren konkurrenzfähigeres Auto. Bereits beim zweiten Grand Prix, seinem Heimrennen in Brasilien, übernahm er von Platz drei startend für einige Runden die Führung, bevor er mit einem Motorschaden ausfiel. Im weiteren Verlauf der Saison startete Barrichello einmal von der Pole-Position und stand drei Mal als Dritter auf dem Podium. Den ersten Sieg des Teams feierte dennoch sein Teamkollege Johnny Herbert, der die chaotischen Wetterverhältnisse beim Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring am besten meisterte. Barrichello gelang kein Sieg, dennoch belegte er eine Position vor Herbert den siebten Platz in der Fahrerwertung. Seinem Team sicherten die beiden Piloten den vierten Platz in der Konstrukteursweltmeisterschaft.
Zur Saison 2000 wurde Barrichello von Ferrari verpflichtet und Teamkollege von Michael Schumacher. Mit Eddie Irvine, dem er bei Ferrari folgte, tauschte er quasi das Cockpit, denn Irvine startete in dieser Saison für Stewarts Nachfolgeteam Jaguar Racing. Es gelang Barrichello, alle Rennen, bei denen er ins Ziel kam, unter den ersten vier Piloten zu beenden. Beim Großen Preis von Deutschland auf dem Hockenheimring schaffte Barrichello im 124. Rennen den ersten Grand-Prix-Sieg seiner Karriere. Er löste damit Mika Häkkinen ab, der 96 Versuche hatte. Bei dem chaotischen Rennen ging er zunächst als 18. ins Rennen und arbeitete sich kontinuierlich nach vorne. Schlussendlich kam er zunächst dank einer Safety-Car-Phase an die Führenden heran und übernahm die Führung, als er sich, nachdem es leicht zu regnen angefangen hatte, gegen einen Wechsel auf Regenreifen entschied. Während Schumacher den ersten Ferrari-Fahrerweltmeistertitel seit 1979 einfuhr, beendete Barrichello seine bis dahin erfolgreichste Formel-1-Weltmeisterschaft mit dem vierten Platz in der Fahrerweltmeisterschaft und dem Konstrukteurstitel für sein Team. 2001 stand Barrichello bei insgesamt zehn Rennen auf dem Podium, dabei gelang ihm allerdings kein Sieg. Beim Großen Preis von Österreich überließ er Schumacher den zweiten Platz, nachdem er von seinem Teamchef Jean Todt mit dem mittlerweile berühmten Funkspruch „Let Michael pass for the championship“ dazu aufgefordert worden war. Dennoch verhalf er seinem Team zu einem weiteren Konstrukteurstitel und verbesserte sich in der Gesamtwertung auf den dritten Rang, während Schumacher erneut Weltmeister wurde.