Das Royal Flying Corps (RFC, deutsch: „Königliches Fliegerkorps“) war die Fliegertruppe des britischen Heeres von 1912 bis 1918. Zusammen mit dem Royal Naval Air Service der britischen Marine entstand aus ihm die Royal Air Force.
Im Mai 1890 wurde die Ballon-Einheit der Royal Engineers gegründet. In Eastchurch in der Grafschaft Kent eröffnete die britische Marine im Dezember 1911 eine Flugschule.
Auf Grund einer königlichen Anordnung gründete das britische Militär am 13. April 1912 das Royal Flying Corps, kurz RFC. Zum RFC gehörte eine Armee-, eine Marine- und eine Reserveeinheit, eine zentrale Flugschule in Upavon, Wiltshire, und die königlichen Flugzeugwerke in Farnborough. Am 13. Mai 1912 wurde die Ballon-Einheit der Royal Engineers dem RFC unterstellt.
Das Motto des RFC lautete Per Ardua ad Astra (Lateinisch: „Durch Schwierigkeiten zu den Sternen“). Es wurde später von der Royal Air Force und anderen Commonwealth-Luftstreitkräften, wie der RAAF, RNZAF und der früheren RCAF übernommen.
Am 5. Juli 1912 ereignete sich der erste tödliche Unfall des RFC, als in der Nähe von Stonehenge eine Doppelsitzermaschine abstürzte und beide Insassen dabei ums Leben kamen. Der später danach ausgegebene Befehl „Flying will continue this evening as usual“ wurde anschließend zur Tradition.
Im August wurde in Larkhill, Wiltshire, die „Military Aeroplane Competition“ durchgeführt. Bei diesem, nach festen Regeln organisierten Wettbewerb sollte das beste Flugzeug für die Belange des RFC ermittelt werden. Der Doppeldecker Bristol Tractor ging dabei als Gewinner hervor.
Das erste Manöver unter Einbeziehung von 24 Armeeflugzeugen fand im September in East Anglia statt.
Ende 1912 unterstanden dem Royal Flying Corps bereits 12 bemannte Ballons und 36 Doppeldecker-Kampfflugzeuge.
Die Marineeinheit des RFC wurde am 1. Juli 1914 unter dem Namen Royal Naval Air Service, kurz RNAS, abgespalten. Dies geschah, weil die Flugzeuge nicht unter der Kontrolle einer Abteilung des Heeres stehen sollten. Im September des Jahres wurden die ersten Geschwader aufgestellt. Um die Konflikte zwischen dem RFC und dem RNAS über die knappen Flugzeuge und Materialien zu entscheiden, wurde das Air Board am 17. Mai 1916 gegründet.
Im RFC dienten auch Soldaten aus anderen Commonwealth-Nationen wie Kanada, Australien, Neuseeland und Südafrika. Auch einige Amerikaner dienten noch vor Kriegseintritt der USA im RFC.
Verteilung der Luftstreitkräfte zu Beginn des Ersten Weltkriegs
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs war das RFC hauptsächlich für den Einsatz bemannter Aufklärungsballons für die Artillerie an der Westfront verantwortlich. Die meisten Kampfeinsätze flog zu dieser Zeit die französische Luftwaffe, die zahlenmäßig den Briten an Flugzeugen weit überlegen war. Doch unter der starken Führung von Generalmajor Hugh Trenchard, der das Kommando in Frankreich am 19. August 1915 übernahm, steigerte das RFC seine Aktivitäten und errang unter schweren Verlusten zunehmend Kampferfolge. 1916 starben über 700 Mann, es war die höchste Rate während des Krieges.
Noch vor der Ankunft des RFC in Frankreich gab es die ersten Kriegsopfer: eine überladene Maschine, die sich bei Dover der Hauptflotte anschließen wollte, stürzte ab. Beide Flieger starben. Einer von ihnen war Lieutenant Robert R. Skene, der erste Brite, der einen Looping mit einem Flugzeug geflogen hatte. Kurz darauf überquerte das RFC mit 60 Flugzeugen der Staffeln 2, 3, 4 und 5 den Ärmelkanal.
Der erste britische Verwundete bei einem militärischen Flugeinsatz war Sergeant Major Jillings, der bei einem Aufklärungsflug über den deutschen Linien am 22. August 1914 von einem Gewehrschuss ins Bein getroffen wurde.
Am 25. August 1914 gelang der erste Erfolg im Luftkampf, bei dem eine deutsche Maschine vom Typ Etrich Taube zur Landung gezwungen wurde. Der Pilot konnte bis in einen nahen Wald verfolgt werden.
Schon früh experimentierten die Briten mit Funkgeräten in den Flugzeugen, da die Nachrichtenübermittlung vom Flugzeug zum Boden bisher nur mittels abgeworfener und eingesammelter Zettel funktionierte. So gaben die Piloten beispielsweise Korrekturen für den Artilleriebeschuss oder die Lage feindlicher Truppen bekannt. Die eingesetzten Geräte wogen allerdings zu viel und belegten im Flugzeug den Platz des zweiten Mannes. Zudem konnten die Geräte im Flugzeug nur senden, aber nicht empfangen. Rücksprache der Bodenstellen mit dem Piloten war also nicht möglich.
Der große Durchbruch war jedoch die Aufklärung der Lücke zwischen den deutschen Armeen. Dies ermöglichte es, den deutschen Vormarsch in der Marneschlacht zu stoppen.
Auch die Bedeutung von Luftaufnahmen wurde schnell erkannt und schon im September 1914 fotografierte die Besatzung eines britischen RFC-Aufklärers an der Aisne die feindlichen Stellungen. Die Aufnahmen wurden am Boden in einer fahrbaren Dunkelkammer entwickelt. Die Technik ermöglichte auch eine hohe Trefferquote bei der Bombardierung feindlicher Eisenbahnstrecken und von Kommandostellen während der britischen Offensive bei Neuve-Chapelle am 10. März 1915. Die Karten für die Piloten basierten auf vorher getätigten Luftaufnahmen.