An diesem Tag

Route 66

Historischer Highway in den Vereinigten Staaten

Anúncio

Die Route 66 war eine ursprünglich 2451 Meilen (3945 Kilometer) lange Fernstraße (US Highway) im Fernstraßensystem der USA von Chicago (Illinois) nach Santa Monica/Los Angeles (Kalifornien). Sie galt ab 1926, abgesehen vom Lincoln Highway, als eine der ersten durchgehend befestigten Straßenverbindungen zur Westküste. Heute existieren nur noch Teilstücke der früher auch Mother Road oder Main Street of America genannten Gesamtstrecke. Sie bilden Anziehungspunkte für Touristen und Nostalgiker. Die verbliebenen Teile werden nicht mehr einheitlich als Route 66 bezeichnet und sind nicht mehr durchgehend befahrbar.

Die Route 66 besitzt eine diagonal verlaufende Streckenführung von Nordost nach Südwest. Wegen ihrer Länge durchquert sie acht Bundesstaaten. Auch in ihrer Hochphase war sie jedoch nicht die längste Fernstraße der USA, sondern wurde übertroffen vom Lincoln Highway von New York City nach San Francisco (3389 Meilen, 5454 km) und dem U.S. Highway 20 zwischen Boston und Newport (Oregon) (3365 Meilen, 5414 km). „Route 66“ ist überwiegend keine offizielle Straßenbezeichnung mehr, so dass sie auf regulären Straßenkarten nur selten zu finden ist. Einige Bundesstraßen führen sie als „Historic Route 66“ in Form des „National Scenic Byway“.

Erste Fahrrouten nach Westen, die teilweise schon die Siedler mit ihren Planwagen befahren hatten, waren einfache Wege durch die Prärie und noch keine befestigten Straßen. Die National Old Trails Road (auch Ocean-to-Ocean Highway genannt), die von Baltimore im Osten (manche Karten wiesen auch New York als Beginn aus) nach Westen durch die USA verlief, bestand seit 1912. Die Streckenführung durch Arizona und Kalifornien verlief zu großen Teilen dort, wo später auch die Route 66 entlangführen sollte.

Im Jahre 1915 machte ein Motorradfahrer namens Erwin G. Baker Schlagzeilen, der die USA von Küste zu Küste in elf Tagen durchquerte und danach über „Wege wie frisch gepflügte Äcker“ berichtete. Im Zuge des aufkommenden Autoverkehrs nach dem Ersten Weltkrieg wurden viele Straßen gebaut – der Ruf wurde laut nach einer durchgehend befestigten Straßenverbindung von der Ost- an die Westküste, die noch immer durch die Gebirgskette der Rocky Mountains und durch Wüsten vom Rest des Landes weitgehend getrennt waren.

Cyrus Stevens Avery (* 1871, † 1963; aus dem an der Route 66 gelegenen Tulsa/Oklahoma) gilt als Vater der Route 66. Am 30. April 1926 sandte er ein Telegramm von Springfield (Missouri) nach Washington, D. C., worin er für die neue Fernstraße den Straßennamen „Route 66“ vorschlug. In einem Brief vom 23. Juli 1926 versicherte er dem Büro für Staatsstraßen, dass die US-Regierung stolz sein würde, eine durchgehende Straßenbezeichnung für eine Straße von Chicago nach Los Angeles zu besitzen. Die Straßennummer „66“ war eine der wenigen Nummern, die in den betroffenen Bundesstaaten noch nicht vergeben waren.

Die Route 66 wurde nicht überall neu gebaut, sondern es wurden teilweise bereits vorhandene Regionalstraßen (wie etwa die „National Old Trails Road“) umgewidmet. Deshalb konnte die Eröffnung bereits am 11. November 1926 stattfinden, die einheitliche Straßenbezeichnung als „Route 66“ galt ab 26. November 1926. Zu jenem Zeitpunkt waren erst 800 Meilen (1287 km) asphaltiert.

Zur Werbung für die Route 66 wurden im Auftrag der Route 66 Association in den Jahren 1928 und 1929 die sogenannten „Bunion Derbys“ abgehalten. Dabei handelte es sich um Laufveranstaltungen in Form von Etappenrennen, die über eine Länge von rund 5.500 km durch die ganze USA führten.

Im Jahre 1933 fuhr Erwin G. Baker, der mit über 100 Werbe- und Rekordfahrten als Cannonball bekannt geworden war, teilweise auf der neuen Strecke von New York nach Los Angeles in der Rekordzeit von 53 Stunden. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug fast 100 km/h, obwohl die Route 66 damals noch durch Ortschaften führte und teilweise nicht asphaltiert war.

Mit der vollständigen Asphaltierung wurde 1935 auch eine teilweise Neuführung der Strecke mit Begradigungen verbunden, wodurch sich ihre Gesamtlänge von ursprünglich 2451 mi (3945 km; 1926) auf 2238 mi (3601 km; 1937) verkürzte. Die Eröffnung der neuen Strecke erfolgte im Jahre 1937.

Die Flucht verarmter Farmer und Landarbeiter aus Oklahoma und Texas, die nach den jahrelangen Staubstürmen und der Dürre des Mittleren Westens (auch Dust Bowl genannt) gemäß dem Motto „Go West!“ über die Route 66 zu den Obstplantagen Kaliforniens strebten, wurde im Roman Früchte des Zorns von John Steinbeck verewigt. Steinbeck qualifizierte die Straße in seinem Roman vom April 1939 als „Mutter aller Straßen“ (englisch mother road), den die Route 66 als Beinamen noch trägt. Er schildert eine Familie, die wie Hunderttausende anderer so genannter Okies von der Dust Bowl über die Route 66 nach Kalifornien zogen, um sich dort als Wanderarbeiter zu verdingen. Die darauf basierende Verfilmung von Western-Regisseur John Ford mit Henry Fonda in der Hauptrolle gilt als einer der ersten Roadmovies. Der 1941 zweifach Oscar-prämierte Film (angeblich mit dem Arbeitstitel Highway 66 gedreht) machte die Route 66 auch bei jenen bekannt, die nie darauf reisen konnten oder mussten.

Im Jahre 1946 fuhr Bobby Troup nach Los Angeles, in der Hoffnung auf eine Karriere als Musiker. Seine Aufbruchstimmung fasste er unterwegs in Worte und schrieb den Song Get Your Kicks on Route Sixty Six, dessen Copyright er am 27. April 1946 für das Lied registrieren ließ. Im Liedtext werden einige Orte der Straße zitiert, erstmals gesungen von Nat King Cole und im Juni 1946 veröffentlicht. Mit über 100 Coverversionen, darunter Chuck Berry, Rolling Stones oder Depeche Mode, ist er der wohl berühmteste Roadsong.

Die Route war zwischen den 1930er und den 1960er Jahren die wichtigste Ost-West-Verbindung der Vereinigten Staaten. Einerseits förderte die Route 66 den Umzug in entferntere Gegenden, andererseits verbesserte sie die örtliche Infrastruktur und Wirtschaft. Der Highway zog Gewerbe an (Motels, Restaurants, Saloons, Tankstellen), ganze Orte entstanden neu oder blühten auf. Die Route 66 war Namensgeber der Tankstellenkette „Phillips 66“, die 1927 von Frank Phillips in Oklahoma gegründet wurde. Zwischen 1927 und 1929 entstand – wie so viele Brücken – die für die Route 66 eigens errichtete Chain of Rocks Bridge über den Mississippi River nach St. Louis. Sie ist mit 1632 m die längste aller Brücken der Route 66.

Viele Menschen zogen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges an die Westküste, wo zu jener Zeit, unter anderem durch die aufblühende Rüstungs- und Flugzeugindustrie, mehr als 200.000 Arbeitsplätze geschaffen wurden. An einem frühen Teilstück der Route 66 eröffnete 1905 die erste Tankstelle, doch wurde Benzin bis in die 1920er Jahre noch überwiegend in Gemischtwarenläden (englisch grocery Stores) verkauft. Im Jahr 1921 entstand das erste Drive-in-Restaurant, im Februar 1934 wurde in Normal (Illinois) mit dem ersten Steak’n Shake-Schnellrestaurant mit standardisierten Menüs und knappen Portionierungen der Vorläufer des Fastfood-Konzeptes eröffnet. Nachdem das erste Motel am 12. Dezember 1925 im kalifornischen San Luis Obispo unter dem Namen Motel Inn entstand, verbreitete sich diese vereinfachte Übernachtungsform für Autofahrer schnell an der Route 66. Das erste McDonald’s-Restaurant öffnete am 15. Mai 1940 in San Bernardino (Kalifornien) an der Route 66.

Die Route 66 als einfache, kurvenreiche und oft einspurige Landstraße konnte als wichtige Transkontinentalverbindung dem wachsenden Verkehr immer weniger gerecht werden. Der Verlauf wurde ständig geändert, es wurden Ortsumgehungen gebaut, Umwege abgekürzt oder der komplette Verlauf verändert. Gemäß dem Vorbild der Autobahnen, die der Ex-General und spätere US-Präsident Eisenhower (Präsidentschaft 1953–1961) 1945 in Deutschland kennengelernt hatte, wurde auch die Route 66 allmählich durch moderne mehrspurige, kurvenarme Fernstraßen ersetzt. Am 29. Juni 1956 unterzeichnete Eisenhower den „Federal Aid Highway Act“, der das Interstate Highway System einführte.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Route 66 | World in Stories