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Rothenburgstraße (Berlin)

Straße im Berliner Ortsteil Steglitz

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Die Rothenburgstraße ist eine Straße im Berliner Ortsteil Steglitz des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Sie beginnt an der Zimmermannstraße, verläuft dann in südwestlicher Richtung parallel zur Schloßstraße und endet an der Straße Am Fichtenberg, unweit des Botanischen Gartens.

Mit dem Straßennamen wurde Friedrich Ernst von Rothenburg geehrt. Rothenburg unterstützte die Arbeit mit blinden Menschen und war mit Johann August Zeune, dem Direktor der Preußisch-Königlichen Blindenanstalt, befreundet. Per Testament verfügte Rothenburg, dass sein Vermögen von rund 80.000 Talern zugunsten der Blindenanstalt an Zeune ging. Ihren Namen erhielt die Straße am 8. Mai 1877, als die Blindenanstalt hier die Einweihung des Hauptgebäudes, zweier Nebengebäude, des Pförtner- und des Seilerhauses feierte.

Ursprünglich gehörte das Land um die Rothenburgstraße etwa ab 1800 der Steglitzer Gemeinde. Mit der Parzellierung des Geländes, die im Jahr 1878 abgeschlossen war, entstanden Grundstücke entlang der Rothenburgstraße, die man zum Teil als Parkanlagen bezeichnen kann. Die Straße hat sich, obwohl in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schloßstraße gelegen, dennoch zu einer ruhigen Villengegend entwickelt.

Beginnend im Nordosten an der Zimmermannstraße befinden sich beiderseits der Rothenburgstraße bis zur Grunewaldstraße vorwiegend Häuser aus der Gründerzeit. Diese zeichnen sich durch reiche Schmuckelemente an der Hausfassade oder über dem Eingangsportal aus.

Einen ungewöhnlichen Eindruck hinterlassen die Stützpfeiler der Balkons an den Häusern der Rothenburgstraße 6/7, da diese aus Ziegeln gemauerten Pfeiler oben stärker sind als unten.

Wenn man der Rothenburgstraße, von Steglitz kommend, folgt, ändert sich nach Querung der Grunewaldstraße ihr Bebauungscharakter: Beidseitig der Straße sind niedrige Bebauungen mit Hausgärten anzutreffen und Flächen, die der Allgemeinheit dienen. Insbesondere wird das südwestliche Eckgrundstück Rothenburgstraße / Ecke Grunewaldstraße als öffentliche Grünanlage und Kinderspielplatz vor der Schwartzschen Villa genutzt.

Am südwestlichen Ende der Straße, wo die Rothenburgstraße in die Straße Am Fichtenberg mündet, befinden sich auf der südlichen Seite vorwiegend Gründerzeitbauten.

Entlang der Rothenburgstraße befinden sich mehrere denkmalgeschützte Bauwerke.

An der Rothenburgstraße 12 befindet sich eine von Paul Baumgarten im Jahr 1909 errichtete Villa. Ursprünglich gehörte das Land um die Rothenburgstraße der Steglitzer Gemeinde. Nach der Parzellierung im Jahr 1878 ging die Rothenburgstraße 12 an den Bankier Henoch, dessen Frau den Villenbau beauftragte. Die weiträumige Freifläche wurde vom Lenné-Schüler Gustav Meyer gestaltet. 1922 ging das Grundstück an die Deutsche Erdöl-AG und ab 1925 an deren Generaldirektor Middendorf. Nach dessen Enteignung durch die Nationalsozialisten im Jahre 1934 wurde das Gelände durch die SS genutzt. Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs befand sich das Grundstück in amerikanischer Nutzung. Im Jahr 1950 wurde das Grundstück an das Land Berlin übergeben, welches es nunmehr der TU Berlin zur Nutzung überließ.

Die Villa wird seitdem als Bestandteil des hier gelegenen Forschungs- und Lehrgartens des Instituts für Ökologie der TU Berlin genutzt. Der Lehrgarten dient als Freiland-Labor und unterstützt pflanzenkundliche Lehrveranstaltungen. Dies betrifft die Fachgebiete Ökosystemkunde/Pflanzenökologie, Bioklimatologie und Biodiversitätsdynamik. Im Lehrgarten, der als Gartendenkmal ausgewiesen ist, sind die wichtigsten Bäume, Stauden und Sträucher mit Schrifttafeln versehen.

Gebäude der Preußisch-Königlichen Blindenanstalt

In den Gebäuden auf dem Grundstück Rothenburgstraße 14/15 befindet sich die Johann August Zeune-Schule für Blinde und Berufsfachschule Dr. Silex, alltagssprachlich JAZ genannt.

Ihre Vorgängerin, die am 13. Oktober 1806 aufgrund einer Order von Friedrich Wilhelm III. gegründete Preußisch-Königliche Blindenanstalt, hatte ihren Sitz zunächst in der Gipsgasse in Berlin-Mitte, ab 1838 in der ehemaligen Plamannsche Erziehungsanstalt. Sie war die erste deutsche Blindenschule, und nach Paris (1784) und Wien (1804) die dritte in Europa gewesen. Ihr Gründer und Direktor war Johann August Zeune. 1874 erwarb die Blindenanstalt das 1,75 Hektar große Grundstück in der Rothenburgstraße und ließ durch Architekt Stüve, in Zusammenarbeit mit Jacobsthal und Giersberg, darauf ein Schul- und Verwaltungsgebäude errichten.

In einem Nebengebäude befindet sich das bereits 1891 gegründete und in Deutschland einmalige Blindenmuseum. Nach mehreren Unterbrechungen ist es seit 1983 wieder hier angesiedelt und bietet blinden und sehenden Menschen Exponate „zum Anfassen“.

An der Außenwand des Blindenmuseums erinnert eine Berliner Gedenktafel an Betty Hirsch (1873–1957). Als ehemalige Schülerin der Blindenschule gründete sie im Jahr 1914 hier gemeinsam mit dem Augenarzt Paul Silex die Kriegsblindenschule Dr. Silex. In der Zeit des Nationalsozialismus musste Betty Hirsch wegen ihrer jüdischen Herkunft die Schulleitung abgeben und Deutschland verlassen. Die damals begonnene Arbeit wird in der jetzigen Johann-August-Zeune-Schule für Blinde und Berufsfachschule Dr. Silex-Förderzentrum Sehen fortgesetzt.

Weiterhin arbeitete und lebte auf dem Schulgelände der als Erfinder der Punktschrift-Steno-Maschine bekannt gewordene Oskar Picht (1871–1945), der in den Jahren von 1920 bis 1933 als Direktor der Blindenbildungsanstalt amtierte.

Die Blindenschule feierte im Jahr 2006 ihr 200-jähriges Bestehen. Als Förderzentrum Sehen sollte sie, so der damalige Schulleiter, „zentrale Anlaufstelle für alle Blinden und Sehbehinderten in Berlin“ darstellen.

In der Rothenburgstraße 15 angesiedelt ist das Blindenhilfswerk Berlin e. V., das 1886 als Verein zur Beförderung der wirtschaftlichen Selbständigkeit der Blinden gegründet wurde. Die Blindenwerkstatt ermöglichte blinden und sehbehinderten Menschen eine produktive Tätigkeit, vorwiegend auf den Gebieten der Möbel- und Korbflechterei sowie des Besen- und Bürstenbindens. 2018 wurde die Blindenwerkstatt aufgrund der finanziellen Situation geschlossen. Das Wohnhaus mit Clubraum und Saal ist gemäß den besonderen Bedürfnissen Blinder eingerichtet.

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