Der Rote Frontkämpferbund (RFB) – auch Rotfrontkämpferbund – war der paramilitärische Wehrverband der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) und wie alle Wehrverbände in der Weimarer Republik als Verein organisiert. Der RFB wurde 1924 gegründet und war die Nachfolgeorganisation der Proletarischen Hundertschaften und des vom Spartakusbund begründeten Roten Soldatenbunds aus Veteranen des Ersten Weltkriegs. Er verfügte mit der Roten Jungfront über eine eigene Jugend- sowie mit dem Roten Frauen- und Mädchenbund über eine eigene Frauenabteilung. Unter dem Eindruck der von der KPD als Blutmai bezeichneten Mai-Unruhen in Berlin vom 1. bis 3. Mai 1929, wurde der RFB auf der Grundlage des Republikschutzgesetzes und des Reichsvereinsgesetzes in Preußen als größtem Gliedstaat der Weimarer Republik verboten.
Die Frontkämpferkultur nach dem Ersten Weltkrieg
Die Spannungen im Alltagsleben in Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg ergaben sich neben der Niederlage, dem Verhalten der Siegermächte sowie der politischen Zerrissenheit und Radikalisierung auch aus der großen Zahl (um die 5 Millionen) von meist demobilisierten Soldaten. In ihren Reihen entwickelte sich eine spezifische Frontkämpferkultur, die unabhängig von der politischen Richtung der jeweiligen Gruppe oder Formation über gleiche Rituale und ein bedingt gleiches Selbstverständnis verfügte.
Ihre mehr oder weniger erzwungene Einordnung fand schließlich zu einem großen Teil im vertrauten Terrain statt, das sich häufig nur von einer unterschiedlichen politischen Vorstellung unterschied: In den nach 1924 sich entwickelnden überwiegend großen zentralen Frontkämpferverbänden. Allein rund drei Millionen Männer waren im republiktreuen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und ungefähr 400.000 im rechtsorientierten Traditionalistenbund Stahlhelm organisiert. Dazu kamen der Jungdeutsche Orden, viele kleine regionale Kampf- und Ordnergruppen, schwarze Reichswehrverbände, die vielfach zerschlagene und verbotene SA und 50.000 – 100.000 Rote Frontkämpfer.
Zusammen mit einer großen Anzahl nach Sinn, Geborgenheit und „Heimat“ suchenden Jugendlichen ergab sich eine explosive Mischung.
Von den „Schwarzen Katzen“ zum Roten Frontkämpferbund
Die Gründung des Roten Frontkämpferbundes wird gelegentlich mit den blutigen Auseinandersetzungen um einen „Deutschen Tag“ des Stahlhelm in Halle in Verbindung gebracht. Hierbei handelt es sich jedoch um einen politischen Mythos. Die paramilitärische Formation der KPD verfügte über eine Tradition, die sich aus dem kaiserlichen Heer und dessen Zusammenbruch 1918 erklärt. War sie doch gegründet worden, um einerseits die ehemaligen Soldaten (Frontkämpfer) zu sammeln und ihnen eine politische Heimat zu geben und andererseits als Sammelbecken zur Realisierung einer Volksfront-Theorie unter Führung der KPD.
Unabhängig von den überwiegend sozialdemokratisch gesinnten revolutionären Soldaten und deren Versuchen, Räte (Arbeiter- und Soldatenrat) zu etablieren, gab es bereits nach den Januarstreiks 1918 im Umfeld der Berliner Obleute eine Gruppe, die „Schwarze Katzen“ genannt wurde und versuchte, illegale Waffenlager anzulegen. Am 7. Oktober 1918 beschlossen der Spartakusbund und die Bremer Linksradikalen nach dem Vorbild der russischen Roten Armee und auf der theoretischen Grundlage von Lenins Militärprogramm („Das Militärprogramm der proletarischen Revolution“) illegale Kampfgruppen zu bilden und sich Waffen zu beschaffen. Als sich herausstellte, dass die Arbeiter- und Soldatenräte mehrheitlich sozialdemokratisch orientiert waren, gründete der Spartakusbund einen Roten Soldatenbund (RSB). Der RSB war in die meisten der folgenden Kämpfe, die vom Dezember 1918 bis Mai 1919 dauerten, verwickelt. Trotz einer sogenannten „Selbstauflösung“ im September 1919 blieben regionale Formationen bestehen. In Hamburg waren das z. B. ein Revolutionärer Matrosenbund und ein Verband inaktiver Marinemannschaften. Dazu kamen ebenfalls regional organisierte Ordnerverbände.
Nachdem im Juli/August 1920 der 2. Weltkongress der Kommunistischen Internationale (KI) die Bildung illegaler Organisationen zur Durchführung systematischer Untergrundtätigkeit beschlossen hatte, begann die KPD gezielt mit dem Aufbau eines „Apparates“, u. a. des antimilitärischen Apparates (AM-Apparat). In der so genannten „Einheitsfrontpolitik“ unter Führung der KPD, die das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale (EKKI) nach den gescheiterten Aufstandsversuchen in Mitteldeutschland (Märzkämpfe) und Hamburg (Hamburger Aufstand) im folgenden Jahr beschlossen hatte, stellten die so genannten Proletarischen Hundertschaften ein zentrales Element zur Machtergreifung dar. Als diese jedoch im Zuge des erneuten Aufstandsversuchs 1923 mitsamt der Partei vom 23. November 1923 bis 1. März 1924 verboten worden waren, war die Führung der KPD und der KPdSU um – zumindest vorläufige – Legalität bemüht. Offiziell wurde auf eine Weiterführung bzw. Erneuerung der Wehrverbände verzichtet, die Diskussion darum ging aber schon bald weiter. So wurde in den Lehren der deutschen Ereignisse des Präsidiums des EKKI vom Januar 1924 die Arbeit in den „Organen der Einheitsfront von unten“, zu denen besonders die bewaffneten Hundertschaften zählten, als vordringlich hervorgehoben. Trotzki und Radek brachten einen Entwurf ein, der im Wesentlichen eine Fortsetzung und Erweiterung der Ordnertruppen vorsah. Danach sollten die Hundertschaften auch auf der Straße „zur Verteidigung der Demonstrationen der streikenden Arbeiter gegen die Gewalttaten der faschistischen Diktatur“ eingesetzt werden. Angenommen jedoch wurde die eher verschwommene Konzeption Sinowjews, hinter der sich die Vorstellung einer nicht näher definierten Roten Armee verbarg. In seinem Thesenentwurf heißt es ausdrücklich:
Rund zwei Monate nach Aufhebung des KPD-Verbots waren sich auf dem IX. Parteitag der KPD (7.–10. April 1924) alle Fraktionen innerhalb der Partei über das Motto der Einheitsfront von unten und der Schaffung entsprechender Organe grundsätzlich einig. Unterschiedlich wurde lediglich die Gewichtung der Aufgaben betont: Legten die zu dem Zeitpunkt in der Opposition stehenden Linken den Schwerpunkt auf Agitation und Propaganda, so wollten die anderen die Bewaffnung in den Vordergrund stellen. Beschlossen wurde die
Der Aufbau einer neuen „Schutztruppe“ gehörte zu den vorrangigen Aufgaben. Diese Truppe sollte in Konkurrenz zum republiktreuen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold zum Sammelbecken aller Linken unter der Führung der KPD werden. Zusätzlich sollte Zersetzungsarbeit im Reichsbanner betrieben werden.
Um die Spontaneität und die Unabhängigkeit des RFB von der Partei zu demonstrieren, wurde eigens ein Briefwechsel zwischen dem Bundesvorstand des RFB und der Zentrale der KPD produziert. Obwohl sich die Bundesleitung (BL) bereits am 22. August 1924 wegen organisatorischer Fragen mit je einem Schreiben an die Bezirksleitungen der KPD und an die bis dato kaum vorhandenen Bezirksleitungen des RFB gewandt hatte, schrieben die anfänglich eingesetzten Vorstandsmitglieder Seemann und Kakies am 17. September 1924 einen Brief an „die Zentrale der KPD“ mit der Bitte um Zusammenarbeit. War der erste vom 22. August im Indikativ gehalten, hatte der jetzige, für die Propaganda nach außen, einen anderen Ton eingeschlagen:
Bereits auf den folgenden Tag ist die Antwort der Zentrale datiert, in der es u. a. heißt:
Der RFB wurde am 18. Juli 1924 in Halle gegründet. In seinem Gründungsaufruf wurde die Vereinigung gegen das „heuchlerische, kapitalistische, faschistische sogenannte ‚Frontsoldaten‘-Pack“ von Stahlhelm und SA betont. Danach begann der Aufbau der neuen Organisation planmäßig in Großthüringen und Halle-Merseburg innerhalb eines Zeitraums propagandistischer Schwerpunktarbeit, in der „Antikriegswoche“ vom 31. Juli bis 4. August 1924. Am 28. August folgte Berlin und drei Tage später Braunschweig.
In Bremen wurde am 30. September 1924 eine erste Ortsgruppe gegründet, von der es einen Monat später in der „Bremer Arbeiter Zeitung“ (AZ) hieß: „Auch im hiesigen Bezirk erfolgte spontan aus der Arbeiterschaft heraus die Gründung einer Ortsgruppe des RFB.“