An diesem Tag

Rote Armee Fraktion

Ehemalige linksextremistische terroristische Vereinigung in der Bundesrepublik Deutschland

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Die Rote Armee Fraktion (RAF) war eine linksextremistische terroristische Vereinigung in der Bundesrepublik Deutschland. Sie war verantwortlich für 33 Morde an Führungskräften aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung, deren Fahrern, an Polizisten, Zollbeamten und amerikanischen Soldaten sowie für die Schleyer-Entführung, die Geiselnahme von Stockholm und mehrere Sprengstoffattentate mit über 200 Verletzten.

Die RAF, in ihrem Selbstverständnis eine kommunistische, antiimperialistische Stadtguerilla nach südamerikanischem Vorbild ähnlich den Tupamaros in Uruguay, wurde 1970 von Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler, Ulrike Meinhof und weiteren Personen gegründet. 1998 erklärte sie ihre Selbstauflösung.

Eine als „Offensive 77“ bezeichnete Serie von Anschlägen im September und Oktober 1977, die dazu dienen sollte, inhaftierte RAF-Mitglieder der ersten Generation freizupressen, führte in eine als Deutscher Herbst bezeichnete Krise der Bundesrepublik Deutschland. Sie endete mit den Suiziden der inhaftierten Anführer der ersten Generation der RAF in der JVA Stuttgart in der sogenannten Todesnacht von Stammheim.

Diverse Anschläge der späten RAF, darunter neun Morde, sind bis heute nicht aufgeklärt. 1991 verübte die RAF ihren letzten Mord, 1993 den letzten Anschlag. Im Juni 2011 wurde das letzte RAF-Mitglied aus der Haft entlassen. 2024 wurde Daniela Klette nach jahrzehntelanger Fahndung gefasst und sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Nach zwei ehemaligen Angehörigen wird bis heute gefahndet.

Die Auseinandersetzung mit der RAF hatte erhebliche gesellschaftspolitische Folgen. Sie führte zur Entwicklung der negativen Rasterfahndung und der Verabschiedung einer Reihe von Anti-Terror-Gesetzen durch den Deutschen Bundestag. Die Ereignisse sind Grundlage einer Vielzahl von Sachbüchern, Fernsehdokumentationen, Spielfilmen, Theaterstücken und Romanen, erschienen im In- und Ausland.

Die RAF wurde anfangs als Baader-Meinhof-Bande oder als Baader-Meinhof-Gruppe bezeichnet. Gebräuchlich ist seit etwa Mitte der 1970er Jahre ihr selbst gewählter, auf die sowjetische Rote Armee bezogener Name „Rote Armee Fraktion“. Neben der Aussprache der Abkürzung als [ɛʁ aː ɛf] hört man auch die gebundene Sprechweise [ʁaːf].

Es lassen sich drei Generationen unterscheiden, zwischen denen keine oder nur geringe personelle Kontinuität vorhanden war. Diese unterscheiden sich zudem durch Organisationsstrukturen und Veränderungen in Theorie und Praxis. Gleichwohl stellt das Generationenmodell eine Vereinfachung dar.

Die Anzahl der im Untergrund aktiven Mitglieder des sogenannten harten Kerns aller drei Generationen betrug in den 1970er bis in die 1990er Jahre zusammengefasst etwa 60 bis 80 Personen. Wegen Unterstützung der RAF wurden im gesamten Zeitraum 914 Personen verurteilt, wegen Mitgliedschaft 517.

Bei ihren terroristischen Anschlägen oder Geiselnahmen ermordeten RAF-Mitglieder 33 Menschen, mehr als 200 erlitten Verletzungen. Ein Schusswechsel, der 1979 in Zürich zwischen Polizisten und Angehörigen der RAF stattfand, endete für die Passantin Edith Kletzhändler tödlich. Im Nachhinein war nicht zu klären, ob das tödliche Projektil von der Polizei oder der RAF stammte. Aus diesem Grund wird Kletzhändler häufig als 34. Opfer der RAF gezählt. Außerdem starben in der Zeit ihres Bestehens 27 Mitglieder und Sympathisanten der RAF. Davon wurden zwölf erschossen, fünf starben bei Explosionen, sieben durch Suizid, eins starb an den Folgen eines Tumors und zwei kamen bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Vier unbeteiligte Personen erschoss die Polizei irrtümlich bei Festnahmeversuchen.

Der Spiegel schätzte 2007 den Wert der durch Anschläge der RAF verursachten Sachschäden auf umgerechnet 250 Millionen Euro. Die 1974 bis 1977 in Reaktion auf die RAF-Verbrechen verabschiedeten Gesetze griffen in die Persönlichkeitsrechte aller Bundesbürger ein und sind bis heute in Kraft.

26 RAF-Mitglieder wurden zu lebenslanger Haft verurteilt. Anlässlich von Begnadigungsgesuchen kam es in der deutschen Öffentlichkeit regelmäßig zu teils hitzigen Debatten über den Umgang mit den ehemaligen Terroristen. Im Juni 2011 wurde mit Birgit Hogefeld das letzte ehemalige Mitglied aus der Haft entlassen.

Nach zwei ehemaligen Mitgliedern wird bis heute gefahndet: Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub. Bei drei weiteren ist der Verbleib ungeklärt: Ingeborg Barz und Angela Luther gelten seit 1972, Friederike Krabbe seit 2003 als vermisst. Die Haftbefehle wurden aufgehoben. Daniela Klette wurde im Februar 2024 in Berlin-Kreuzberg gefasst.

In den 1960er Jahren wuchs in der Bundesrepublik eine Generation heran, die das Verhalten ihrer Eltern während des Nationalsozialismus kritisch betrachtete. Viele stellten darüber hinaus den Kapitalismus, die parlamentarische Demokratie und bürgerliche Lebensformen grundlegend in Frage. Verstärkt durch die US-amerikanische Bürgerrechtsbewegung und den Vietnamkrieg entstand in Teilen der Gesellschaft eine ablehnende Haltung gegenüber der Politik der Vereinigten Staaten. In den großen Universitätsstädten Westeuropas kam es zu Demonstrationen der Studenten gegen die US-amerikanische Politik, bei denen oft auch andere Themen zur Sprache kamen.

Die Westdeutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre hatte prägenden Einfluss auf die RAF. Mit ihr entstand die außerparlamentarische Opposition (APO). Ein wesentlicher Teil der Kritik der APO richtete sich gegen die Notstandsgesetze, die am 30. Mai 1968 von der ersten Großen Koalition im Deutschen Bundestag verabschiedet wurden und dem Grundgesetz eine Notstandsverfassung hinzufügten. Teils massive Proteste waren von beiden großen Parteien zurückgewiesen worden und konnten die Verabschiedung nicht verhindern. Zusätzlich polarisierte die Vergangenheit des Bundeskanzlers Kurt Georg Kiesinger, der zur Zeit des Nationalsozialismus NSDAP-Mitglied und Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes gewesen war. Es kam zur Aktion von Beate Klarsfeld, die Kiesinger am 7. November 1968 auf dem CDU-Parteitag in Berlin vor laufenden Fernsehkameras ohrfeigte und einen „Nazi“ nannte.

Als bei der Demonstration am 2. Juni 1967 in West-Berlin gegen den Schah von Persien, Mohammad Reza Pahlavi, der Student Benno Ohnesorg vom Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen wurde, stellte dies einen Wendepunkt dar. Vertuschungsversuche der Behörden nach dem Vorfall trugen zur weiteren Eskalation der bereits angespannten Situation bei. Am 11. April 1968 folgte das Attentat auf einen der Wortführer der Bewegung, Rudi Dutschke, das dieser schwerverletzt nur knapp überlebte. Ab 1969 begann die APO jedoch in viele, teils heftig zerstrittene Gruppen zu zerfallen. Die stärker politisierten Jugendlichen nahmen das Ende der Bewegung als Niederlage wahr und versuchten ihre politischen Ideale auf anderen Wegen zu verwirklichen. Viele wurden Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) oder versuchten auf anderen Wegen den Marsch durch die Institutionen.

Aus der Protestbewegung heraus entwickelte sich in den Folgejahren aber auch ein militanter Teil, aus dem sich die erste Generation der RAF und später die Bewegung 2. Juni (1972), die Revolutionären Zellen (1973) und die Rote Zora (spätestens 1977) entwickelten. Die RAF verstand sich als Teil des internationalen Antiimperialismus und war der Ansicht, dass der „bewaffnete Kampf“ gegen den sogenannten „US-Imperialismus“ auch in Westeuropa geführt werden müsse. Ihre Operationen orientierten sich taktisch in den ersten Jahren an denen der Guerilla in Südamerika. In Teilen der ehemaligen Studentenbewegung, den K-Gruppen und aus anderen Kreisen der Bevölkerung gab es zunächst Sympathien für die Gruppe. Dies äußerte sich etwa in Unterstützungsaktionen und einer weitverzweigten, halblegalen Unterstützer-Logistik, vor allem durch die Rote Hilfe. Auch die Liste prominenter Verteidiger der ersten Generation ist ein Indiz dafür. Die zweite Generation hatte aufgrund ihrer Radikalität diese Basis größtenteils verloren und operierte noch entfernter von der gesellschaftspolitischen Entwicklung in der Bundesrepublik.

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