An diesem Tag

Roses Revolution

Bewegung gegen Gewalt unter der Geburt

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Roses Revolution (selten auch Rosenrevolution) ist eine im Jahr 2011 in Spanien als La Revolución de las Rosas ins Leben gerufene internationale Bewegung, die gegen Respektlosigkeit und Gewalt in der Geburtshilfe protestiert. Die Bewegung nutzt im deutschsprachigen Raum und in weiteren Ländern (etwa Tschechien) den englischen Namen, in anderen die Übersetzung in die jeweilige Landessprache (etwa Rózsák forradalma in Ungarn). Die Bewegung wird von UN Women Deutschland unterstützt.

Roses Revolution begeht jährlich den Roses Revolution Day am 25. November, seit 2000 der offizielle Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen der UNO. Betroffene Frauen legen vor den Krankenhäusern und Kreißsälen, in denen sie während der Geburt ihrer Kinder Gewalt erfahren haben, Rosen und Botschaften an die betreffenden Ärzte und Hebammen ab. Diese Geste hilft zum einen bei der Aufarbeitung der mitunter traumatischen Erlebnisse; zum anderen sollen die Geburtshelfer der Problematik von Gewalt unter der Geburt bewusst werden und ihre Routinen überdenken. Roses Revolution berichtet darüber in den sozialen Medien. Diese Bewusstseinsbildung soll zu einer Verbesserung des geburtshilflichen Gesundheitssystems führen.

Roses Revolution setzt ein Zeichen gegen Gewalt und Missbrauch rund um die Geburt. Der Aktionstag gibt Betroffenen – Frauen, Müttern, Familien und in der Geburtshilfe tätigen Personen – eine Stimme, indem sie eine Rose niederlegen. Jede Rose steht dabei symbolisch „für das Leid der Betroffenen, für ihre Geschichte und ihre Verletzlichkeit“. Zum Recht auf höchstmögliche körperliche und geistige Gesundheit (UN-Sozialpakt Artikel 12) zählt für Frauen auch das Recht auf eine würdige und respektvolle medizinische Versorgung und angemessene Unterstützung während der Geburt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat jedoch im Jahr 2014 konstatiert:

Übergriffe in der Geburtshilfe

Zu den Übergriffen in der Geburtshilfe gegen die gebärenden Frauen, die sich in einer besonders schutzlosen und sensiblen Situation befinden, gehören:

Beschimpfungen und entwürdigende Äußerungen (etwa „Mit solchen Muschiwehen können wir nichts anfangen. Ich zeige dir jetzt, wie sich eine richtige Geburt anfühlt.“, „Wenn Sie jetzt schon so schreien, wird das hier nichts“, „Na toll, noch so eine Memme!“)

Medizinische Eingriffe (wie etwa Kristeller-Handgriffe oder Dammschnitte) ohne Zustimmung oder gegen den ausdrücklichen Willen der Frau und/oder medizinische Indikation; teils direkt schädliche Eingriffe wie der „Husband Stitch“, das zu enge Zunähen nach der Geburt.

Verabreichung von Medikamenten, insbesondere Schmerzmitteln, ohne Zustimmung oder gegen den Willen der Frau,

oder umgekehrt Verweigerung von Schmerzmitteln, Verweigerung von Hilfe und allgemein Vernachlässigung.

Vor allem Übergriffe mit unangekündigtem Eindringen in den Körper und gewaltsames Aufreißen des Muttermundes werden von betroffenen Frauen und auch manchen Hebammen, die die Szene miterleben, teils wie Vergewaltigungen empfunden. In englischsprachigen Ländern ist dafür auch der Begriff birth rape gebräuchlich.

Genaue Angaben über die Zahl der betroffenen Frauen sind schwierig, da es keine offiziellen Statistiken gibt, betroffene Frauen aus Scham oft schweigen und verschiedene Abgrenzungen vorgenommen werden, was als Gewalt gilt. Gemäß einer wissenschaftlichen Arbeit aus Deutschland erlebte die Hälfte der befragten Frauen mindestens einen negativen Vorfall während der Geburt; der Anteil an traumatisierten Frauen (durch Gewalterfahrungen und aus anderen Gründen) liegt je nach Studie bei 10–30 %. Bei einer deutschen Studie zur Entwicklung eines validen Bewertungsinstruments für betroffene Frauen gaben im Rahmen einer Online-Befragung 77 % der Frauen an, mindestens einer Art von Misshandlung ausgesetzt gewesen zu sein; am häufigsten Eingriffe ohne Einwilligung, gefolgt von körperlicher Gewalt, Verletzung der Privatsphäre und verbaler Gewalt.

Roses Revolution wurde 2011 in Spanien durch die Geburtsaktivistin Mara „Jesusa“ Ricoy ins Leben gerufen, ursprünglich als eine spontane Aktion in Antwort auf als anstößig empfundene Cartoons in einem spanischen medizinischen Journal für Gynäkologen und Geburtshelfer.

Bei der dritten Human Rights in Childbirth-Konferenz im belgischen Blankenberge am 4. November 2013 wurde die Bewegung den internationalen Teilnehmern bekannt gemacht und führte binnen nur drei Wochen zu Demonstrationen unter anderem in Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien, der Slowakei, Tschechien, Mexiko, Brasilien und Kolumbien; schließlich breitete sich die Bewegung in 30 Länder aus.

In Deutschland wurde der Aktionstag ebenfalls 2013 durch den Verein Gerechte Geburt und die Lehrerin Katharina Hartmann von der Organisation Human Rights in Childbirth eingeführt und bis 2018 von ihnen gemeinsam betreut. Unterstützt wird Roses Revolution auch von anderen Vereinen und Initiativen mit ähnlicher Zielsetzung wie Sambucus und Reine Geburt. Teilweise gibt es auch organisierte Versammlungen zum Ablegen der Rosen.

Für viele Frauen dient die Teilnahme an der Aktion auch als Hilfe zur Aufarbeitung des Erlebten. Katharina Hartmann sagte hierzu im Jahr 2014:

Hartmann zufolge wurden im Jahr 2016 knapp ein Viertel der Geburtsstationen in Deutschland postalisch oder vor Ort mit einer Rose bedacht. Sie sieht durch die Initiative erste Ansatzpunkte, um das Phänomen Gewalt unter der Geburt quantifizierbar zu machen. Im Jahr 2019 wurde der Verein Traum(a)Geburt e. V. gegründet, der seither die Schirmherrschaft über den Gedenktag übernommen hat. Er betreut die Seiten auf Facebook und Instagram und erstellte 2021 eine eigene Homepage.

In Österreich ist Roses Revolution vor allem als 2014 durch die Soziologin Lisa Mittischek erstellte Facebook-Seite aktiv, die dort und auf Instagram anonymisiert Berichte über Demütigung, Übergriffe und Machtmissbrauch bei der Geburt veröffentlicht. Mittischek und andere Unterstützerinnen der Bewegung arbeiten auch in Interviews mit Medien an der Bewusstseinsbildung für das Problem.

Der Verein Roses Revolution Schweiz wurde im Jahr 2018 in Winterthur gegründet. Da der Verein auch zahlreiche Aktivitäten zur Vorbeugung von Gewalt in der Geburtshilfe setzt, beschloss er 2023 die Umbenennung in Verein Gewaltfreie Geburtshilfe, unterstützt den Gedenktag jedoch auch weiterhin.

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