Rosellina Burri-Bischof, geborene Rosa Helene Mandel (* 5. Juni 1925 in Zürich; † 30. Januar 1986 ebenda) war eine Pionierin der Vermittlung und Förderung von Fotografie in der Schweiz, Direktorin der Bildagentur «Magnum Schweiz», Mitbegründerin und langjährige Leiterin der «Stiftung für die Photographie», Herausgeberin monografischer Publikationen sowie Kuratorin.
Rosellina Burri-Bischof war die Tochter der ungarischen Emigranten Moses Mandel und Anna geb. Prazak, die in Zürich im Exil lebten. Sie absolvierte die Höhere Töchterschule der Stadt Zürich (heutige Kantonsschule Hohe Promenade KSHP) und bildete sich als Kindergärtnerin aus. Ihren zukünftigen Mann, den Fotografen Werner Bischof lernte sie 1946 in Rimini kennen, wo sie unter der Leitung von Margherita Zoebeli als Erzieherin und Fürsorgehelferin im Schweizerischen Kinderdorf «Centro Educativo Italo-Svizzero – CEIS» arbeitete. Werner Bischof besuchte das Dorf für eine Reportage.
Nach der Heirat im Jahr 1949 begleitete Rosellina Bischof ihren Mann auf mehreren Reisen. 1951 bis 1952 lebte das Paar in Japan, 1954 in den USA. Als Werner Bischof am 16. Mai 1954 in den Anden von Peru tödlich verunglückte, war seine Frau mit ihrem zweiten Kind hochschwanger. Als Witwe und alleinerziehende Mutter zweier Kinder, Marco und Daniel (* 1950 und 1954) kümmerte sie sich in der Folge um den fotografischen Nachlass ihres verstorbenen Mannes, organisierte Ausstellungen und zeichnete als Herausgeberin seiner Fotobücher. 1956 bis 1968 war sie Leiterin der Fotoagentur «Magnum Schweiz», organisierte und kuratierte Ausstellungen mit Bildern berühmter «Magnum»-Fotografen.
1963 heiratete sie den Schweizer «Magnum»-Fotografen René Burri, mit dem sie ebenfalls zwei Kinder, Yasmine und Olivier (* 1964 und 1967), hatte. An Filmen und Publikationen von Burri war Rosellina Burri-Bischof massgeblich beteiligt. Sie gehörte zusammen mit Hans Finsler, Manuel Gasser (erster Präsident 1971 bis 1979), Victor N. Cohen und anderen zu den Gründungsmitgliedern der am 4. Mai 1971 ins Leben gerufenen «Stiftung für die Photographie». Von 1976 bis 1981 betreute sie die Fotoausstellungen der Stiftung im Kunsthaus Zürich und verantwortete bis zum zehnjährigen Jubiläum der Stiftung für die Photographie insgesamt 36 Ausstellungen.
Herausgeberin / Mitherausgeberin / Redaktorin
Werner Bischof, Japan. Manesse, Zürich 1954.
Version française: Werner Bischof, Japon. Préface: Robert Guillain, éd. Delpire, Paris 1955, ausgezeichnet mit dem Prix Nadar 1955.
Werner Bischof 1916—1954. Basler Druck- und Verlagsanstalt, Basel 1954.
Werner Bischof, Robert Frank, Pierre Verger: Indios. Manesse, Zürich 1956.
Version française: Werner Bischof, Robert Frank, Pierre Verger: Indiens pas morts, Text: Georges Arnaud, Zürich, Manesse 1956.
Französisch-englische Version: From Incas to Indios. Introduction by Manuel Tunon de Lara. Werner Bischof, Robert Frank, Pierre Verger. Robert Delpire Universe Books, Paris, New York 1956.
Werner Bischof, Unterwegs. Text: Manuel Gasser, Manesse, Zürich 1957.
Werner Bischof, Carnet de Route, Text: Manuel Gasser, éd. Delpire, Paris 1957.
Werner Bischof. Das fotografische Werk. Herausgeber: Gewerbemuseum Basel, Basel 1958.
Die Welt des Werner Bischof. Odyssee eines Fotografen. Text von Manuel Gasser, 1959.
Werner Bischof 1916–1954, Prag 1960.
Werner Bischof, Querschnitt. 48 Photographien. Geleitwort von Manuel Gasser, Text: Henri Cartier-Bresson, Arche, Zürich 1961.
Werner Bischof. Text von Rosellina Bischof-Burri, Übersetzung: Oswald Ruppen. 1971, Separatdruck aus: Photorundschau. Nr. 17/1971.