Ronald Antonio „Ronnie“ O’Sullivan OBE (* 5. Dezember 1975 in Wordsley, West Midlands) ist ein englischer Snookerspieler. Zusammen mit Stephen Hendry ist er Rekordweltmeister der sogenannten Crucible-Ära (seit 1977).
Mit sieben Titeln bei der Snookerweltmeisterschaft sowie jeweils acht Titeln beim Masters und der UK Championship ist O’Sullivan der erfolgreichste Spieler seit Gründung des professionellen Weltverbandes WPBSA 1969. Daneben hält O’Sullivan noch mehrere weitere Rekorde im professionellen Snooker: Er ist Rekordsieger der UK Championship sowie des Masters und er gewann mehr Triple-Crown-Turniere (23) und Ranglistenturniere (41) als jeder andere Spieler. In seiner Karriere konnte er bisher insgesamt 83 Turniere gewinnen. Auf der Profitour hat er mehr Maximum Breaks (17) und mehr Century Breaks erzielt als jeder andere Spieler; 2019 erreichte er als erster Profi die Marke von 1000 Karriere-Century-Breaks. Mit einem 153er-Break durch eine 16-Red-Clearance bei den World Open 2026 hält er den Rekord für das höchste Break im professionellen Snooker.
Seinen Spitznamen The Rocket erhielt O’Sullivan wegen seines schnellen Spiels. Neben anderen Geschwindigkeitsrekorden gelang ihm 1997 laut Guinness-Buch der Rekorde mit 5 Minuten und 8 Sekunden das schnellste Maximum Break aller Zeiten. O’Sullivan war außerdem einer der ersten Spieler, die das Queue sowohl mit der rechten als auch mit der linken Hand führen, um den Einsatz eines Hilfsqueues zu vermeiden.
O’Sullivan war bereits im Junioren- und Amateurbereich erfolgreich und erzielte sein erstes Maximum Break im Alter von 15 Jahren bei der English Amateur Championship. 1992 wurde er professioneller Snookerspieler. Er gewann seine ersten 38 Qualifikationspartien (ein bis heute gültiger Rekord) und qualifizierte sich bereits 1993 als drittjüngster Spieler aller Zeiten für die Weltmeisterschaft. Dort unterlag er in Runde eins zwar Alan McManus, doch bereits einige Monate später, eine Woche vor seinem 18. Geburtstag, gewann er mit der UK Championship 1993 das zweitwichtigste Turnier im professionellen Snooker. Bis heute hält er damit den Rekord als jüngster Sieger eines Ranglistenturniers. In derselben Saison gewann er noch die British Open 1994 und zog außerdem ins Finale der European Open 1993/94 ein, womit er am Saisonende bereits zu den Top 16 der Weltrangliste zählte und als zukünftiger Weltmeister gehandelt wurde.
In den beiden folgenden Spielzeiten 1994/95 und 1995/96 gewann er kein Ranglistenturnier – 1995 allerdings das prestigeträchtige Masters – und fiel in der Weltrangliste vom dritten auf den achten Platz zurück. Zwischen den Turnieren konsumierte er zunehmend Alkohol und Cannabis und hatte Phasen, in denen er exzessiv aß. Phasenweise wog er bis zu 25 Kilogramm mehr, die er sich mit ebenso exzessiven Fitnessübungen wieder abtrainierte.
1996 folgten zwei weitere Turniersiege, beim Asian Classic und den German Open. Allerdings machte er auch negative Schlagzeilen, als er bei der Weltmeisterschaft gegenüber Mike Ganley, dem Sohn von Len Ganley, handgreiflich wurde und eine Strafe von 20.000 £ erhielt (zuzüglich einer 10.000-£-Spende an eine wohltätige Organisation). Zu einer weiteren Kontroverse kam es, als O’Sullivan während der Weltmeisterschaft erstmals in der Öffentlichkeit das Ende eines Frames mit links spielte und sein Gegner, der Kanadier Alain Robidoux, dies als Beleidigung auffasste und ihm nach dem Match den üblichen Handschlag verweigerte.
1997 stellte er bei der Weltmeisterschaft im Crucible Theatre einen weiteren, bis heute gültigen Rekord auf. Ihm gelang in 5:08 oder 5:20 Minuten das schnellste Maximum Break, das je bei einem offiziellen Turnier gespielt wurde. Dennoch schied er im Achtelfinale aus. Wenige Monate später gewann er durch einen 10:6-Finalerfolg über Stephen Hendry zum zweiten Mal die UK Championship. 1998 gewann er auch das Finale beim Irish Masters mit 9:3 gegen Ken Doherty, er wurde jedoch nach einer positiven Dopingprobe (Cannabis) disqualifiziert. In den Jahren 1999 und 2000 gelangen O’Sullivan drei weitere Maximum Breaks.
Nachdem er schon mit verschiedenen Sportpsychologen an seinem Drogenproblem gearbeitet hatte, begab er sich im Jahr 2000 zu einer einmonatigen Entwöhnungsbehandlung in das Londoner Priory Hospital.
Erster Weltmeistertitel (2001)
Nach dem Klinikaufenthalt nahm er zwar keine Rauschmittel mehr, hatte jedoch weiterhin mit Depressionen, Panikattacken und Angstzuständen zu kämpfen. Trotzdem spielte er in der Saison 2000/01 die bis dahin erfolgreichste seiner Karriere. Er erreichte bei einer Reihe von Turnieren das Finale, darunter beim Grand Prix, bei den China Open, beim Scottish Masters und beim Irish Masters. Zum Ende der Saison gelang ihm sogar erstmals der Einzug ins Finale der Snookerweltmeisterschaft. In einer umkämpften Partie besiegte er John Higgins mit 18:14.
Nach der Saison 2001/02 stand O’Sullivan zum ersten Mal auf Platz 1 der Weltrangliste. Zwar verpasste er die Titelverteidigung bei der Weltmeisterschaft (er unterlag Stephen Hendry im Halbfinale), gewann jedoch mit der UK Championship ein großes Ranglistenturnier. Nachdem er bei der Snookerweltmeisterschaft 2003 nach einem Maximum Break in der ersten Runde gegen Marco Fu ausgeschieden war, fiel er in der Weltrangliste auf Platz 3 zurück. Zuvor konnte er seiner Titelsammlung mit dem Irish Masters 2002 und den European Open 2003 zwei weitere Ranglistenturniersiege hinzufügen.
Zweiter Weltmeistertitel (2004)
O’Sullivan gelang nach Ende der Saison 2003/04 die Rückkehr auf Platz 1 der Weltrangliste. Erstmals gewann er die Welsh Open, bei den British Open unterlag er Stephen Hendry erst im Finale. Beim Masters sah er bereits wie der sichere Sieger aus, doch Paul Hunter gelang trotz Rückständen von 1:6 und 7:9 eine Aufholjagd zum 10:9-Finalsieg. Zum Ende der Saison gewann The Rocket dann in überzeugender Manier die Weltmeisterschaft 2004. Im Viertelfinale bezwang er Anthony Hamilton mit 13:3, im Halbfinale Stephen Hendry mit 17:4 und im Finale Graeme Dott mit 18:8.
2005 verpasste er bei der Weltmeisterschaft die Titelverteidigung, als er Peter Ebdon im Viertelfinale unterlag. Mit Siegen beim Grand Prix 2004, den Welsh Open 2005 und dem Irish Masters 2005 verteidigte O’Sullivan allerdings seine Führung in der Weltrangliste. Hinzu kamen sein zweiter Erfolg beim Masters und sein dritter in der Premier League Snooker.
Dritter Weltmeistertitel (2008)
Für Verwirrung sorgte O’Sullivan, als er bei der UK Championship 2006 die Viertelfinalpartie gegen Stephen Hendry beim Stand von 1:4 vorzeitig aufgab und die Spielstätte verließ. Der Verband reagierte mit einer Geldstrafe und dem Abzug von Ranglistenpunkten. Seinen einzigen Turniersieg auf der Main Tour in der Saison 2006/07 erzielte er beim Masters 2007. Er gewann das Finale überlegen mit 10:3 gegen den Mitfavoriten Ding Junhui, dem im Turnierverlauf ein Maximum Break gelungen war. Damit konnte sich O’Sullivan für die Finalniederlage bei der Northern Ireland Trophy 2006 zu Beginn der Saison revanchieren; in diesem Turnier stellte er im Achtelfinale gegen Ali Carter einen Rekord für ein Best-of-9-Match auf, als er beim 5:2-Sieg alle fünf Frames durch Century Breaks gewann und zudem ein Maximum Break erzielte. Im Jahr 2007 waren dies seine einzigen beiden Finalteilnahmen. Darüber hinaus gewann er mit dem Kilkenny Irish Masters 2007 ein Einladungsturnier, bei dem ihm erneut ein 147er-Break gelang. Zwei weitere spielte er im Rahmen der Snooker Legends Challenge Series 2007 gegen Stephen Hendry; damit gelangen ihm innerhalb einer Woche drei inoffizielle Maximum Breaks. Am Ende der Saison stand O’Sullivan auf Platz 5 der Weltrangliste.
Die Saison 2007/08 verlief für den Engländer sportlich äußerst erfolgreich, er stand viermal im Finale eines Ranglistenturniers der Main Tour. Beim Grand Prix 2007 in Schottland und bei den Welsh Open 2008 wurde er jeweils Zweiter, bei den beiden wichtigsten Turnieren, der UK Championship und der abschließenden Weltmeisterschaft, gewann er 2008 den Titel. Beim letzten Turnier gelang ihm zudem sein neuntes Maximum Break auf der Tour; damit hatte er mehr als jeder andere Spieler vorzuweisen. Allerdings musste er sich die Prämie in Höhe von 147.000 £ mit seinem Finalgegner Ali Carter teilen. Zum ersten Mal war bei einem Turnier zwei Spielern ein Break von 147 Punkten gelungen. Nach der Saison übernahm O’Sullivan wieder die Führung in der Weltrangliste. Auf einer Pressekonferenz 2008, während der China Open unmittelbar vor der Weltmeisterschaft, machte O’Sullivan dann gleich mehrere anzügliche Bemerkungen, wofür er abermals eine Strafe erhielt.