An diesem Tag

Romantik

Kulturgeschichtliche Epoche vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in das 19. Jahrhundert

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Die Romantik ist eine kulturgeschichtliche Epoche, die vom Ende des 18. Jahrhunderts bis weit in das 19. Jahrhundert hinein dauerte und sich insbesondere auf den Gebieten der bildenden Kunst, der Literatur und der Musik äußerte. Dieser markante geistes- und stilgeschichtliche Zeitabschnitt wirkte auch auf die Geschichte, Theologie und Philosophie sowie in die Naturwissenschaften und Medizin hinein.

Für den Bereich der Literatur wird die Romantik (ca. 1795–1835) untergliedert in Frühromantik oder Jenaer Frühromantik (bis 1803), Heidelberger Romantik oder Jüngere Romantik (bis 1809) und Spätromantik (bis 1835). In der Malerei dauert die Spätromantik bis Mitte des 19. Jahrhunderts, in der Musik bis Anfang des 20. Jahrhunderts (Gustav Mahler, Richard Wagner). Als wesentliches Kennzeichen der Romantik gilt eine aus der idealistischen Tradition, vor allem aus der Philosophie von Johann Gottlieb Fichte stammende Betonung der Spontaneität des Subjekts.

Geschichte des Romantikbegriffs

Der Begriff kommt etymologisch von lingua romana („romanische Sprache“) und bezog sich auf Schriften, die in der Volkssprache der romanischen Länder verfasst waren. Diese bildeten einen Gegensatz zu den zuvor üblichen, in lingua latina (Latein) geschriebenen Texten. Aus lingua romana entwickelte sich über das Französische das Wort Roman. „Romantisch“ (ursprünglich, im 17. und 18. Jahrhundert noch „romanisch“) bedeutete daher zunächst romanhaft, und so wurde der Begriff auch ursprünglich von Friedrich Schlegel verwendet, der den modernen Romantikbegriff prägte. Allerdings wurde der Begriff zunächst oft von den Gegnern der Romantik benutzt, so von Goethe:

Selbstverständnis der Romantiker

Romantik bedeutete im Sinne von Friedrich Schlegel Abwendung von der Antike und von klassischen Vorbildern: Die mit dem Terminus Romantiker bezeichneten, in ihrem Selbstverständnis „modernen“ Autoren erschließen sich Themen aus ihrer eigenen Kultur und Geschichte und wenden sich von klassischen Formen ab. Das erklärt aus der nachträglichen und historischen Perspektive die Vorliebe für eine fragmentarische Schreibweise in der Romantik. Die Hinwendung zur eigenen Kultur bedeutete zugleich eine stärkere Hinwendung zu phantastischen und traumhaften Inhalten, insbesondere zur Sagen- und Mythenwelt des Mittelalters oder zur barocken Mystik. Die Romantiker betrachteten das antike Menschenbild als unvollständig, als unvollkommene Ausschöpfung des menschlichen Wesens. Das, was zu ergänzen war, umriss Schlegel mit dem Wort „Paradoxie“: Das vom normalen Denken abweichende Empfinden jenseits des rational Verstehbaren und Begreiflichen sollte hervorgehoben werden. Diese Erfassung aller Lebensbereiche war das Ziel der „Universalpoesie“. Aus dem begeisterten Versuch, die klassische Dichtung zu ergänzen, erwuchs jedoch rasch eine schroffe Gegenposition. Während die Jenaer Romantik weitgehend unpolitisch war, blieb angesichts der Ernüchterung wegen der ausbleibenden Wiederauferstehung der Reichsherrlichkeit nach dem Sieg Napoleons schließlich nur die Flucht in Volksgut und Idylle, in die Sehnsucht nach Auferstehung des staufischen Kaisertums (so vor allem die Heidelberger Romantik mit Achim von Arnim, Clemens Brentano und Joseph Görres), in die Sicherheit des religiösen Dogmas (Eichendorff, schließlich auch Brentano) oder in Exotik und Selbstironie (Ludwig Tieck, E. T. A. Hoffmann).

Die Vertreter des an der Antike orientierten Klassizismus, allen voran Johann Heinrich Voß, fühlten sich durch die Zeitschriften der Romantiker zum Teil stark angegriffen und polemisierten entsprechend heftig gegen die neue Strömung. Sie bezeichneten das Romantische als phantastisch oder auch als krankhaft – letzteres allerdings vor allem im Hinblick auf die französische Romantik. Generell müssen „Klassik“ und „Romantik“ auch als nachträgliche Zuordnungen verstanden werden; die Vertreter der Klassik haben sich nicht als „Klassiker“ gesehen, fühlten sich aber klassischen Idealen bzw. Idealisierungen verpflichtet, genauso sahen die „Romantiker“ in der „romantischen Poesie“ ein Ziel, sich selbst aber nicht unbedingt als dessen Verwirklicher. Sie streben einerseits nach dem Einfachen, Reinen, selbst Erlebten, vor allem in der Lyrik; andererseits offenbart sich in der Prosadichtung oft das chaotische Labyrinth der Seele, wobei für die Romantiker das Unbewusste gegen das rationale Bewusstsein eine besondere Bedeutung hat.

„Romantik“ im heutigen Sprachgebrauch

Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnen die Wörter Romantik und romantisch heute meist einen sentimentalen Zustand des Gefühlsreichtums, vielleicht auch der Sehnsucht. Typisch sind Wortverbindungen wie „romantische Stunden“ oder „romantisches Weinlokal“. Für eine „romantische Affäre“ hat sich das Wort Romanze eingebürgert, das ursprünglich die Literaturgattung Romanze bezeichnete. Auch in diesem Wort spiegelt sich der Werdegang der romantischen Idee von der historischen Epoche bis in die heutige Welt.

Grob unterscheiden kann man drei Phasen der Entwicklung der Romantik in Europa und eine Zeit der Nachblüte: zunächst die Vorromantik seit etwa 1740/50 bis zur Französischen Revolution, die zeitlich z. T. mit dem Zeitalter der Empfindsamkeit zusammenfällt und deren Stimmungen und den Ich-Kult weiter radikalisiert; die Frühromantik mit ihrem Genie- und Heldenkult, teils gegen die Aufklärung gerichteten, aber oft auch von paneuropäisch-transnationalen Ideen befeuert, die von der Französischen Revolution bis zum Beginn der Herrschaft Napoleons über Europa angesetzt werden kann, und die Phase der Hochromantik in der Zeit ab 1804. In diesem Jahr ließ Napoleon den potenziellen Thronfolger, den Duc d’Enghien entführen und hinrichten und sich zum Kaiser erheben, was zum Scheitern revolutionärer Hoffnungen führte und nationale, konservative und religiöse Strömungen stärkte. Nach den Befreiungskriegen und dem Wiener Kongress 1815 schließt sich eine Phase der Spätromantik bis etwa zur Julirevolution von 1830 oder 1835 an: Insbesondere nach den Karlsbader Beschlüssen 1819 flüchten die Romantiker vor dem Hintergrund ihrer eher individualistischen Grundeinstellung in Melancholie und in phantastische, unwirkliche oder biedermeierliche Welten, um sich eskapistisch aus dem gesellschaftlichen Leben weitgehend zurückzuziehen oder einer kleinstädtischen Idylle zuzuwenden. Ihre Themen sind vor allem Liebe und Natur. Die Romantik findet aber auch später immer wieder Epigonen, vor allem in den romanischen Ländern. In Lateinamerika setzt sie teilweise erst um 1830 ein.

Die Romantik kann auf zwei seinerzeit populäre literarische Richtungen zurückgeführt werden. Zunächst einmal sind ihre englischen Wurzeln zu berücksichtigen. Hier ist die Entdeckung der pittoresken Landschaften wichtig, wie sie Joseph Addison in seinem berühmten Spectator-Essay über „Imagination“ hervorgehoben hat. Die Nacht- und Grabesdichtung der Engländer ab 1740 gehört ebenso zu den Voraussetzungen der Romantik wie des Gothic Revival. Im Rahmen dieser Wiederentdeckung der Gotik und des Mittelalters stand zunächst die Gartenkunst im Mittelpunkt, später auch die Literatur. Horace Walpole ist hier eine zentrale Figur. Er begann 1747 mit dem Umbau seines Landsitzes Strawberry Hill an der Themse zu einem neogotischen Schloss-Kloster und schrieb 1764 den ersten Schauerroman The Castle of Otranto. Es handelt sich einerseits um die Schauerliteratur der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts – in England und Deutschland las man leidenschaftlich gerne Schauerromane.

Zum anderen muss die literarische Strömung des Sturm und Drang berücksichtigt werden, der Ende des 18. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum von vielen Literaten getragen wurde. Während Schauerromane eher der Trivialliteratur zugerechnet werden, befanden sich die Werke der Sturm-und-Drang-Bewegung, vertreten u. a. durch Johann Wolfgang Goethes Briefroman Die Leiden des jungen Werthers und Friedrich Schillers Drama Die Räuber, auf höherem literarischen Niveau. Die historisch rückwärts gewandte Schauerliteratur regte die Phantasie an, Motive waren oft Gespenster, Ritter, verwunschene und halbzerfallene Burgen. Neben Schlegel und Novalis gehörte auch der Dichter Ludwig Tieck zu den prägenden Persönlichkeiten der deutschen Frühromantik, deren Ursprünge in Jena gesehen werden.

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