An diesem Tag

Romano Guardini

Deutscher Philosoph und katholischer Theologe

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Romano Guardini, Taufname Romano Michele Antonio Maria Guardini (* 17. Februar 1885 in Verona; † 1. Oktober 1968 in München) war ein deutsch-italienischer römisch-katholischer Priester, Jugendseelsorger, Förderer der Quickborn-Jugend, Religionsphilosoph und Theologe.

Romano Guardini wurde am 17. Februar 1885 in Verona geboren. Seine Mutter Paola Maria, geborene Bernardinelli (1862–1957), stammte aus Welschtirol (heute Trentino), sein Vater Romano Tullo (1857–1919) war Geflügelgroßhändler. Das Ehepaar hatte neben dem ältesten Sohn Romano noch drei weitere Söhne: Aleardo, Mario und Ferdinando, genannt Gino. 1886 siedelte die Familie nach Mainz über, wo Romano zur Schule ging und 1903 am Humanistischen Gymnasium die Reifeprüfung ablegte. Seit der Schulzeit war er mit Karl Neundörfer bis zu dessen Tod 1926 eng befreundet. Nachdem er zwei Semester Chemie in Tübingen und drei Semester Nationalökonomie in München und Berlin studiert hatte, entschied er sich, katholischer Priester zu werden.

Gemeinsam mit Karl Neundörfer begann er schon damals eine eigene Gegensatzlehre zu entwickeln. Sein Theologiestudium absolvierte er in Freiburg im Breisgau und Tübingen. In Tübingen bildeten er und Neundörfer einen studentischen Zirkel, unter anderem mit Josef Weiger, Philipp Funk, Hermann Hefele und Joseph Eberle.

Am 28. Mai 1910 empfing Romano Guardini in Mainz durch Bischof Georg Heinrich Maria Kirstein die Priesterweihe. Er arbeitete dann kurze Zeit als Kaplan an St. Peter in Heppenheim (Bergstraße) und im Darmstädter Schwesternhaus. Um Religionsunterricht erteilen zu können, nahm er im Sommer 1911 die hessische Staatsangehörigkeit an. Weitere Kaplansstellen waren der Wormser Dom (1911) und St. Christoph in Mainz (1912). Im Herbst 1912 begann er in Freiburg im Breisgau bei Engelbert Krebs mit seiner Promotion im Fach Theologie. 1915 erhielt er den Doktorgrad für seine Arbeit Die Lehre des Heiligen Bonaventura von der Erlösung – ein Beitrag zur Geschichte und zum System der Erlösungslehre. Ab 1915 folgten Kaplanstellen in Mainz an St. Ignaz, St. Peter und St. Emmeran. Ab 1916 leistete er zwei Jahre Militärdienst als Krankenwärter.

Guardini arbeitete in der katholischen Jugendbewegung mit, ab 1916 im Mainzer „Juventus“, ab 1920 vor allem im „Quickborn“, deren geistliches Zentrum die Burg Rothenfels am Main war. Er wurde zum geistlichen Mentor der Quickborner und initiierte die katholische Zeitschrift Die Schildgenossen als Organ der katholischen Jugend-, Kultur- und Lebensbewegung.

1922 folgte seine Habilitation für Dogmatik an der Universität Bonn, erneut mit einer Arbeit über Bonaventura. Er verbrachte einen Teil seiner Bonner Zeit im Herz-Jesu-Kloster in Bonn-Pützchen, in dem er als Hausgeistlicher tätig war. 1923 wurde Guardini formal auf einen Lehrstuhl für katholische Weltanschauung an der Universität Breslau berufen, um unmittelbar danach dauerhaft beurlaubt zu werden und fortan als „ständiger Gast“ (so die offizielle Bezeichnung im Vorlesungsverzeichnis) katholische Weltanschauung an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin zu lehren.

Von 1927 bis 1933 war er Mitglied der Quickborn-Bundesleitung, von 1927 bis zur Konfiszierung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1939 Burgleiter.

Der preußische Kultusminister Carl Heinrich Becker gehörte zu seinen Freunden. In Berlin blieb er, bis sein Lehrstuhl für christliche Weltanschauung wegen Unvereinbarkeit mit der nationalsozialistischen Weltanschauung aufgehoben wurde. Guardini ließ sich pensionieren und wirkte die nächsten Jahre als Privatgelehrter. 1943 bis 1945 zog er sich nach Mooshausen zurück, wo sein Freund Josef Weiger Pfarrer war und sich schon seit 1917 ein Freundeskreis gebildet hatte.

1945 wurde Guardini an die Philosophische Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen berufen und lehrte dort wieder über Religionsphilosophie und christliche Weltanschauung. 1948 folgte er einem Ruf der Ludwig-Maximilians-Universität nach München, wo er bis zur Emeritierung 1964 erneut Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie lehrte. In der Universitätskirche St. Ludwig wirkte Guardini von 1949 bis 1962 als Universitätsprediger. Ab 1955 war Guardini ein Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Sachbuchreihe Rowohlts deutsche Enzyklopädie. Zudem gehörte Guardini dem Kuratorium des 1961 gegründeten Bundesverband Deutsch-Israelischer Studiengruppe (BDIS) an.

1962 beendete Guardini die Münchener Vorlesungstätigkeit aus gesundheitlichen Gründen. In seinen letzten Lebensjahren war der ohnehin von Schwermut geplagte Guardini häufig krank. Dadurch konnte er auch nicht, wie vorgesehen, als Theologe in der Liturgie-Kommission des Zweiten Vatikanischen Konzils mitarbeiten. Die gelegentlich geäußerte Behauptung, Papst Paul VI. habe Guardini zum Kardinal erheben wollen, dieser habe aber altersbedingt abgelehnt, hat Manfred Lochbrunner als unbelegt zurückgewiesen.

Am 1. Oktober 1968 starb Romano Guardini in München. Er wurde auf dem Priesterfriedhof des Oratoriums des hl. Philipp Neri in München (St. Laurentius) beigesetzt. 1997 wurden Guardinis Gebeine, im Angedenken an seine Lehrtätigkeit an der Münchner Universität und seine Predigttätigkeit, in die Seitenkapelle der Münchner Stadt- und Universitätskirche St. Ludwig umgebettet. Die Zeremonie wurde durch Weihbischof Ernst Tewes geleitet. Den Nachlass verwaltet die von Guardini selbst mitbegründete Katholische Akademie in Bayern.

Guardini gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der katholischen Weltanschauung des 20. Jahrhunderts, besonders in den Bereichen der Liturgie, der Religionsphilosophie, der Pädagogik, der Ökumene und der allgemeinen Geistesgeschichte. Seine christlich-existenziellen Auslegungen kirchlicher und weltlicher Philosophen und Dichter wie Rilke, Raabe und Dostojewski wurden und werden sowohl von Katholiken wie von Protestanten geschätzt.

Die Eindringlichkeit und anschauliche Differenziertheit seiner existenziellen Darstellungen des Denkens und Lebens eines Sokrates, Platon, Augustinus, Dante Alighieri, Pascal, Kierkegaard oder Friedrich Nietzsche waren und sind überzeugende Beispiele für seine Fähigkeit, den Zusammenhang zwischen Denken und Dasein zu erkennen und diesen philosophisch und theologisch analysierend dem Leser nahezubringen. Dieser lebendige Zusammenhang verbunden mit einer dem Menschen dienenden Philosophie und Theologie bestimmen auch seine eigenen Schriften.

Sein gesamtes Werk ruht auf einer eigenständigen Gegensatzlehre, in deren Rahmen er versuchte, die Dialektik Hegels durch eine unhegelianische Dialogik zu ersetzen. Er kommt dabei stärker von Georg Simmel und Heinrich Rickert als von Max Scheler her. Anknüpfungen an die Dialogphilosophie Martin Bubers sind nachweisbar, wenn Guardini auch immer wieder die Eigenständigkeit seiner Lehre betont.

Mit seiner ersten größeren Schrift Vom Geist der Liturgie (1918) hat er Maßstäbe für die Liturgische Bewegung und Liturgische Erneuerung gesetzt und damit die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wesentlich geprägt. Er stellt darin unter anderem den relativen Primat des Logos vor dem Ethos wieder her, und zwar einen Primat der Ordnung, nicht aber der Würde. Außerdem versuchte er, die Polarität zwischen Spiel und Ernst in der Liturgie wieder ins Bewusstsein zu heben. Anfangs sträubte er sich zwar noch, sich wie Johannes Pinsk an einem Volksaltar „beim Gebet und der Heiligen Handlung ins Gesicht sehen zu lassen“, hat „aber dann nachgegeben und bereut, es nicht früher getan zu haben“.

Ohne seine augustinische und platonische Seite zu verleugnen, betonte er immer wieder auch den thomistischen Gegenpol und versuchte in seiner Dissertation und in seiner Habilitationsschrift, Bonaventura, später aber auch John Henry Newman, als Denker der Spannungseinheit herauszustellen. Dies spiegelt sich auch in seinem Wahrheitsverständnis wider, das er selbst als „polyphon“ kennzeichnete.

Das Gleiche gilt für seine Vorliebe für das Mittelalter, die aber keinen restaurativen Charakter annahm. Sein 1950 veröffentlichtes Buch Das Ende der Neuzeit wurde von einigen Autoren zwar dahingehend interpretiert, doch Guardini setzte sich gegen diesen Vorwurf zur Wehr. Insgesamt gilt Guardini heute gleichermaßen als Konservativer mit Blick nach vorn und als Renovativer mit Blick zurück. Das schlug sich in seiner Architektur-Ästhetik nieder. Er war in Kontakt mit führenden Architekten der Moderne wie Rudolf Schwarz und Mies van der Rohe; von Schwarz ließ er seine Berliner Wohnung und die Kapelle auf der Burg Rothenfels entwerfen.

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