Roman-Nikolai-Maximilian Feodorowitsch von Ungern-Sternberg, auch Robert Nikolaus Maximilian Freiherr von Ungern-Sternberg, (russisch Барон Роман-Николай-Максимилиан фон Унгерн-Штернберг; auch Roman Fjodorowitsch von Ungern-Sternberg/Роман Фёдорович фон Унгерн-Штернберг; * 29. Dezember 1885jul. / 10. Januar 1886greg. in Graz, Österreich-Ungarn; † 15. September 1921 in Nowonikolajewsk, Sowjetrussland) war ein Baron deutschbaltischer Herkunft in zaristischen Diensten. Von seinen Gegnern erhielt er während des russischen Bürgerkriegs Beinamen wie Roter Baron, Blutiger Baron, Weißer Baron oder Schwarzer Baron.
Als Kommandeur einer Teilgruppe der Weißen Armee im Fernen Osten Russlands besetzte er Anfang 1921 die Äußere Mongolei, woraufhin er vom Bogd Khan den Titel eines mongolischen Khan verliehen bekam. Nach etwa sechs Monaten wurden seine Truppen von der Roten Armee zerschlagen. Ungern-Sternberg selbst wurde gefangen genommen und nach kurzer Zeit hingerichtet.
Roman von Ungern-Sternberg wurde am 10. Januar 1886 in der Grazer Leechgasse als drittes Kind von Theodor Leonhard Rudolf von Ungern-Sternberg und Sophie Charlotte, aus dem hessischen Adelsgeschlecht von Wimpffen, geboren, und in der Heilandskirche lutherisch getauft. Er war jedoch der Erste, der das Säuglingsalter überlebte. Seine beiden älteren Schwestern waren kurz nach der Geburt gestorben. Die Ungern-Sternbergs sind eine deutschbaltische Familie, welche damals über Besitzungen im Baltikum verfügte. Seine Eltern ließen sich im Jahr 1890 scheiden und Roman blieb bei seiner Mutter. Sophie Charlotte heiratete 1894 einen anderen deutschbaltischen Adeligen, Oskar von Hoyningen-Huene, und zog gemeinsam mit ihrem Sohn auf dessen Gut in Jerwakand.
Bis zu seinem 15. Lebensjahr wurde Roman zu Hause auf Deutsch unterrichtet, bevor er auf das Nikolaus-Gymnasium in Reval geschickt wurde. Aufgrund schlechter Noten und Widerstands gegen die Lehrer wurden seine Eltern jedoch bereits nach kurzer Zeit gebeten, ihn von der Schule zu nehmen. Sein Stiefvater verschaffte ihm einen Platz an der Marineakademie in Sankt Petersburg, wo seine Leistungen sich im ersten Jahr besserten. Nachdem er aber das zweite Jahr wiederholen musste und weiterhin nicht die erwartete Disziplin zeigte, wurde er im Februar 1905 der Akademie verwiesen.
Vom Russisch-Japanischen Krieg bis zum Ersten Weltkrieg
Da er nun ohne Beschäftigung und Perspektive war, meldete er sich freiwillig zur russischen Armee, um als einfacher Soldat im Russisch-Japanischen Krieg zu kämpfen. An der Front nahm er nur an wenigen Kampfhandlungen teil und war bis Kriegsende zum Korporal aufgestiegen. Ungern-Sternberg sprach mit Respekt und Bewunderung von der japanischen Armee und ihrem Erfolg.
Zurück im Westen Russlands, wurde er kurzzeitig zum Pionierkorps versetzt, bevor er in die Pawlawsko-Militärakademie eintrat, wo er eine Kavallerieausbildung ableistete. Dort soll von Ungern-Sternberg, inzwischen russisch-orthodox geworden, auch erstmals mit dem Buddhismus und okkulten Praktiken in Berührung gekommen sein. Nachdem Ungern-Sternberg die Akademie im Mittelfeld seiner Klasse abgeschlossen hatte, bewarb er sich um einen Posten in einem Kosakenregiment und wurde dem 1. Argunregiment der Kosakenarmee Transbaikal in Daurien zugeteilt. Das Argunregiment, welches am gleichnamigen Fluss im Fernen Osten Russlands stationiert war, war Ungerns erste Wahl gewesen, da es gute Kontakte zu General Paul von Rennenkampff, einem seiner Verwandten, hatte und er sich von ihm Unterstützung erwartete. Aus nicht endgültig geklärten Gründen musste er das Argunregiment wieder verlassen. Es gilt als möglich, dass er sich in betrunkenem Zustand ein Duell mit einem anderen Offizier lieferte. Infolgedessen trat er in das 1. Amurregiment der Kosakenarmee Amur ein. Aufgrund allgemeiner Unzufriedenheit mit der Tatenlosigkeit im fernen Osten bat Ungern in einem Brief vom 4. Juli 1913 um seine Entlassung und Verlegung in die Reserve.
Nachdem ihm dies gestattet worden war, trat er zu Pferd eine Reise durch die Mongolei an, welche ihn unter anderem nach Urga führte. Nachdem er vergebens versucht hatte, in die dortige Schutztruppe des russischen Konsulats aufgenommen zu werden, gelang es ihm, im Konsulat von Kobdo als außerordentlicher Hauptmann akzeptiert zu werden. Da er nicht viele Pflichten hatte, nutzte er seine Zeit unter anderem, um die mongolische Sprache zu erlernen. Anfang 1914 verließ er die Mongolei jedoch und kehrte nach Reval zurück. Dort lebte er erwerbslos bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Am 19. Juli 1914 wurde Ungern reaktiviert und einem Regiment aus Nertschinsk zugeteilt, welches am russischen Einmarsch in Ostpreußen beteiligt war. Nachdem die Fronten großteils zum Stillstand gekommen waren, machte Ungern sich als Anführer von Erkundungsmissionen bis unmittelbar vor oder sogar hinter die feindlichen Linien einen Namen. Für eine solche Aktion wurde er am 22. September 1914 zum Ritter IV. Klasse des Georgsordens ernannt. Bis zum Oktober 1916 kämpfte Ungern in Polen und Galizien und wurde währenddessen fünfmal verwundet. Trotz seiner Tapferkeit wurde er in dieser Zeit kaum befördert, was hauptsächlich mit seiner Disziplinlosigkeit zusammenhing. Nach einem Zwischenfall am 22. Oktober, bei dem er in betrunkenem Zustand einen Adjutanten des russischen Gouverneurs von Czernowitz beleidigte oder auch schlug, wurde er zu zwei Monaten Arrest verurteilt.
Nach seiner Entlassung im Januar 1917 wurde Ungern kurzzeitig in die Reserve versetzt und nach Wladiwostok geschickt, diente jedoch bereits kurz darauf an der Kaukasusfront. Hier traf er erneut auf Grigori Michailowitsch Semjonow, mit dem er sich bereits an der Front in Polen angefreundet hatte und mit dem er nach der Oktoberrevolution ein großes Gebiet im Fernen Osten Russlands unter seine Kontrolle bringen würde. Im Kaukasus versuchte Ungern, ein Regiment aus einheimischen, den Türken feindlich gegenüber stehenden Assyrern aufzubauen, was aufgrund mangelnder Freiwilligenzahlen scheiterte.
Im März 1917 begleitete Ungern Semjonow in den Osten, wo dieser mit offizieller Erlaubnis unter den einheimischen Burjaten Freiwillige für den Krieg im Westen rekrutieren wollte. Im Anschluss hieran verliert sich seine Spur bis zum November desselben Jahres.
Zwischen Transbaikalien und der Mandschurei
Im Anschluss an die Oktoberrevolution schlug Ungern sich in Richtung Osten, in den Ort Daurien nahe der Grenze zur chinesischen Mandschurei, durch, wo Semjonow Stellung bezogen hatte. Von dort aus überquerte er auf Semjonows Befehl mit einigen Soldaten und einem Zug die Grenze und entwaffnete die etwa 1.500 Mann starke russische Garnison von Manjur, welche sich gegen ihre Offiziere gestellt hatte. Anschließend wurden sie, wie es in dieser frühen Phase des Russischen Bürgerkrieges noch üblich war, per Zug nach Westen geschickt. Manjur diente fortan als Basis für die beiden, wo sie ihre bisher nur einige hundert Mann starke Freiwilligentruppe verstärkten, welche fortan von ihnen Spezielle Mandschurische Division genannt wurde.
Ab dem 1. Januar 1918 stießen sie von ihrem Stützpunkt aus erneut vor und besetzten größere russische Gebiete entlang der russisch-chinesischen Grenze, welche sie aufgrund ihrer geringen Mannstärke oft jedoch nur kurz halten konnten. Ungern verlegte sich daher nach kurzer Zeit darauf, mit einer Truppe mongolischer Barguten die restlichen russischen Truppen in der Mandschurei zu entwaffnen. Da die Chinesen die Barguten als Aufständische betrachteten und Ungerns Machtzuwachs fürchteten, nahmen sie ihn und seine Truppen bei einem fingierten Festessen gefangen. Semjonow konnte sie jedoch freipressen, indem er einen Panzerzug in chinesisches Territorium entsandte.
Von März bis Juli 1918 versuchte die Spezielle Mandschurische Division erneut, russisches Gebiet zu besetzen, musste sich nach einer schweren Niederlage am 13. Juli jedoch tief in die Mandschurei zurückziehen. Ab August versuchten Ungern und Semjonow es erneut. Dieses Mal wurden sie durch japanisches Gerät sowie durch die Anwesenheit japanischer Truppen und die Gefechte zwischen den Bolschewiki und den Tschechoslowakischen Legionen unterstützt. Dadurch gelang es ihnen, ganz Transbaikalien zu besetzen, und Semjonow erklärte sich in Tschita zum Ataman der Region. Ungern erhielt das Kommando über den Ort Daurien und wurde von Semjonow darüber hinaus zum Generalmajor ernannt.