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Roman Arkadjewitsch Abramowitsch

Russischer Oligarch und Politiker

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Roman Arkadjewitsch Abramowitsch (russisch Роман Аркадьевич Абрамович, wiss. Transliteration Roman Arkad’evič Abramovič, englische Transkription Roman Arkadyevich Abramovich, Betonung: Román Arkádjewitsch Abramówitsch, hebräisch רומן ארקדיביץ' אברמוביץ'; * 24. Oktober 1966 in Saratow, Russische SFSR, Sowjetunion) ist ein Unternehmer und Investor mit russischer, israelischer und portugiesischer Staatsbürgerschaft. Er war von 2000 bis Juli 2008 Gouverneur der russischen Region Tschukotka. Er gehört zu der ersten Generation von Geschäftsleuten, die in Russland nach dem Fall der Sowjetunion zu beträchtlichem Vermögen gekommen sind (Oligarchen). Seit 2022 ist er im Westen mit Sanktionen belegt.

Abramowitsch ist jüdischer Herkunft. Seine Familie väterlicherseits stammte aus Belarus und war nach der Oktoberrevolution nach Tauragė in Litauen ausgewandert. Die litauische Schreibweise des Familiennamens ist Abramavičius. Nahim (hebräisch Nahman) Abramowitsch (1887–1942), der Großvater väterlicherseits, wurde in Eržvilkas im Bezirk Tauragė geboren. Nahims Frau, Romans Großmutter väterlicherseits, Tauba, geb. Berkover, stammte aus Jurbarkas. Nach der Annexion Litauens durch die Sowjetunion im Jahr 1940 deportierte das NKWD die Familie nach Sibirien. Nahim Abramowitsch starb im Gulag. Die Großeltern mütterlicherseits waren Wassili Michalenko und Faina Grutman. Abramowitschs Eltern lebten bei seiner Geburt in Syktywkar. Roman war 18 Monate alt, als seine Mutter Irina Michalenko an den Folgen einer heimlichen Abtreibung starb. Als er vier Jahre alt war, starb sein Vater Arkadi (hebräisch Aron) Abramowitsch (1937–1970) bei einem Bauunfall. Bis zu seinem achten Lebensjahr wuchs Abramowitsch bei einem Onkel väterlicherseits, Leib Abramowitsch, einem Ölingenieur in Uchta, auf und danach bei einem zweiten Onkel, Abraham, in Moskau. Am Moskauer Gubkin-Öl- und-Gas-Institut studierte Abramowitsch Ingenieurwissenschaft.

Nach der Öffnung der sowjetischen Wirtschaft im Zuge der Perestroika gründete Abramowitsch als 21-jähriger Student das Unternehmen Ujut (deutsch: „Gemütlichkeit“). Ujut stellte zunächst profane Dinge wie Gummienten und Fußbälle her. Abramowitschs Einstieg in das Ölgeschäft begann, als er nach dem Zerfall der Sowjetunion zwischen 1993 und 1996 das Moskauer Büro des Schweizer Rohölhändlers Runicom leitete.

Über Runicom wickelte Abramowitsch größere Ölgeschäfte mit Raffinerien ab, vor allem mit der größten russischen Raffinerie im sibirischen Omsk. 1992 war Abramowitsch erstmals Boris Beresowski begegnet. Dessen Kontakte zu Boris Jelzin machte er sich zunutze. Mit Beresowski konnte er sich nach dem Zerfall der Sowjetunion ein weitverzweigtes Firmenimperium aufbauen, indem er ehemals staatliche Betriebe aufkaufte. Sibneft kaufte er für etwa 250 Millionen US-Dollar. Zum Besitz der von ihm kontrollierten Holding Millhouse Capital gehörten schließlich 80 % von Russlands fünftgrößtem Ölkonzern Sibneft, 50 % des Aluminiumkonzerns RUSAL, 26 % der Fluggesellschaft Aeroflot und 37,5 % des Autoproduzenten Ruspromawto. Die Raffinerie im sibirischen Omsk wurde das Kernstück des Sibneft-Konzerns.

Abramowitsch hält Aktienanteile am zweitgrößten russischen Stahlkonzern Evraz.

Offenbar unter dem Eindruck des Verfahrens gegen Michail Chodorkowski verkaufte Abramowitsch nach und nach seine Anteile an russischen Unternehmen. Seine Aeroflot-Aktien verkaufte er im März 2003 an den russischen Staat. Die RUSAL-Anteile verkaufte Abramowitsch in zwei Schritten 2003 und 2004 an die Gruppe „Basowy Element“ von Oleg Deripaska.

Seine Mehrheit an Sibneft verkaufte er Ende 2005, mit sehr großem Gewinn, für 13 Milliarden US-Dollar an den halbstaatlichen Gaskonzern Gazprom.

Westliche Banken gewährten Darlehen über zwölf Milliarden US-Dollar, etwa die Hälfte davon kam russischen Medienberichten zufolge vom niederländischen Institut ABN Amro und der Dresdner Bank. Sibneft wurde später in Gazprom Neft umbenannt.

2003 kaufte Abramowitsch den Londoner Fußballverein FC Chelsea. Abramowitsch soll weltweit 70 Immobilien sowie mehrere Yachten und Flugzeuge besitzen.

Verhältnis zu Boris Jelzin und Wladimir Putin

Lange Zeit galt Abramowitsch als wichtigster Oligarch im Umfeld des damaligen Präsidenten Wladimir Putin. Er gilt als ein Wegbereiter für den Machtwechsel von Ex-Präsident Boris Jelzin zu Putin im Jahr 2000.

Im Dezember 2000 wurde Abramowitsch zum Gouverneur des Autonomen Kreises der Tschuktschen gewählt und im Oktober 2005 im Amt bestätigt.

Am 3. Juli 2008 akzeptierte der russische Präsident Dmitri Medwedew Abramowitschs mehrfach geäußertes Rücktrittsgesuch und entließ ihn als Gouverneur. Nachfolger wurde sein bisheriger Stellvertreter Roman Kopin.

Anfang 2008 bestellte Infrastruktura, ein Bauunternehmen Abramowitschs, die derzeit weltgrößte Tunnelvortriebsmaschine bei der Herrenknecht AG, um damit eine Nische auf dem russischen Infrastrukturmarkt zu erschließen. Das Gerät wurde vor allem beim Bau von Objekten für die Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Schwarzmeer-Badeort Sotschi eingesetzt. Infrastruktura erwartete nach eigenen Angaben Tunnelbauaufträge von einigen Milliarden US-Dollar pro Jahr.

2011 verklagte Boris Beresowski Abramowitsch auf 5,6 Milliarden US-Dollar. Er warf seinem früheren Geschäftspartner vor, ihn beim Verkauf des Unternehmens Sibneft betrogen und ihn um seine Anteile gebracht zu haben. Abramowitsch beteuerte allerdings, dass Beresowski keine Anteile am Unternehmen hatte.

Am 31. August 2012 wurde Beresowskis Klage von einem Londoner Gericht abgewiesen.

Nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine wurde Abramowitsch Abgesandter für Russland bei den Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland 2022. Die von Alexei Nawalny gegründete Stiftung für Korruptionsbekämpfung führt Abramowitsch als verwickelt in das System der russischen politischen Korruption. Abramowitschs Name steht auf der Liste der Korruptionäre und Kriegstreiber der Stiftung.

Abramowitsch profitierte finanziell von der Privatisierung einiger Unternehmen des Staates. Er kaufte günstig Unternehmen und veräußerte sie später mit Gewinn. Er profitierte auch von der Zerschlagung des Yukos-Konzerns.

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