An diesem Tag

Romain Rolland

Französischer Schriftsteller (1866-1944)

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Romain Rolland (* 29. Januar 1866 in Clamecy, Département Nièvre; † 30. Dezember 1944 in Vézelay, Burgund) war ein französischer Schriftsteller, Musikkritiker und Pazifist. Er wurde 1915 als dritter Franzose mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Rolland war Sohn eines Notars und erhielt eine bürgerliche Erziehung und Bildung. Im Alter von elf Jahren begann er zu schreiben. Daneben begeisterte er sich unter Anleitung seiner sehr musikalischen Mutter früh für Musik. 1880 verkaufte der Vater seine Kanzlei, und die Familie zog nach Paris, um dem Jungen bessere Möglichkeiten zu verschaffen, sich in Vorbereitungsklassen auf die Zulassungsprüfung (concours) zur École normale supérieure (ENS), der französischen Eliteschule für die Lehramtsfächer an Gymnasien (Lycées), vorzubereiten. Rolland, der bis dahin das katholische Gymnasium seines Heimatstädtchens besucht hatte, wechselte nun an das Lycée Saint-Louis und 1882 an das Traditionsgymnasium Louis-le-Grand, wo er sich unter anderen mit Paul Claudel befreundete. 1886 wurde er in die ENS aufgenommen und studierte dort bis 1889 Literatur und Geschichte.

Nach Ablegung des Schlussexamens (licence) und erfolgreich absolvierter Einstellungsprüfung (agrégation) für das Amt eines Gymnasialprofessors für Geschichte ließ er sich sofort beurlauben und ging für zwei Jahre (1889–1891) als Stipendiat an die École française de Rome, um dort Material für eine musikhistorische Doktorarbeit (thèse) über die Geschichte der Oper vor Lully und Scarlatti zu sammeln. In Rom verkehrte er, der schon länger Wagner-Verehrer war, im Salon der Wagner-Freundin Malwida von Meysenbug, die ihn zu einem Besuch in Bayreuth mitnahm. Seine wichtigste Nebenbeschäftigung in den römischen Jahren war die Kunstgeschichte, doch schrieb er auch weiterhin, zum Beispiel Überlegungen zu einem „roman musical“ (1890) und erste Dramen (1890/91), die aber ungedruckt blieben.

Zurück in Paris nahm er 1892 eine Teilzeitstelle am Traditionsgymnasium Lycée Henri IV an und heiratete. Nachdem er 1895 seine Thèse abgeschlossen und die dazugehörige Prüfung (soutenance) absolviert hatte, ließ er sich als Dozent für Kunstgeschichte an die ENS abordnen und später (1904) als Dozent für Musikgeschichte an die Sorbonne versetzen. Seine kinderlos gebliebene Ehe wurde 1901 geschieden.

In allen diesen Jahren vor dem Ersten Weltkrieg unternahm Rolland viele, teils längere Bildungsreisen durch West- und Mitteleuropa, verbrachte oft mehrmonatige Arbeitsurlaube in der Schweiz und schrieb erzählende Texte, Essays, musik- und kunsthistorische Schriften sowie Biografien, zum Beispiel Beethovens (1903), Michelangelos, Händels oder Tolstois (gedruckt jeweils 1903, 1906, 1910, 1911). Ebenfalls in dieser Zeit entstand das Fragment einer Biografie von Georges Bizet, welche er auf Anregung von dessen Sohn Jacques Bizet begonnen hatte.

Die zahlreichen Dramen, die er ebenfalls verfasste, blieben weiterhin lange Zeit unpubliziert bzw. ungespielt. Die ersten angenommenen und aufgeführten Stücke waren 1898 Aërt und Les Loups. Letzteres war das erste aus einem über 40 Jahre hinweg fortgesetzten und schließlich achtteiligen Dramenzyklus, der als eine Art Epos der französischen Revolution betrachtet werden kann. Die weiteren Stücke (mit Aufführungsdaten) sind: Danton (1899), Le Triomphe de la raison (1899), Le Quatorze-Juillet (1902), Le Jeu de l’amour et de la mort (1924), Pâques fleuries (1926), Les Léonides (1928), Robespierre (1939).

1903 begann Rolland das Werk, das ihn bekannt machen sollte: den 10-bändigen „roman-fleuve“ Jean-Christophe (gedruckt 1904–1912). Titelheld ist der (fiktive) deutsche Komponist Johann-Christoph Krafft, der als junger Mann nach Frankreich gelangt, sich dort mit Hilfe eines französischen Freundes assimiliert und so in seiner Musik quasi die ihm angeborene „deutsche Energie“ mit „französischen Geist“ verbinden und veredeln kann. Der Jean-Christophe war ein großer Erfolg und brachte ihm 1915 den Nobelpreis. Nach 1918 wurde er auch von den nicht wenigen frankophilen Deutschen geschätzt, die der Vorstellung einer zwangsweisen deutsch-französischen Erbfeindschaft überdrüssig waren und auf Verständigung zwischen beiden Völkern setzten. Der Stoff diente 1978 als Vorlage für die gleichnamige Fernsehserie des französischen Regisseurs François Villiers.

Im Oktober 1910 wurde Rolland in Paris von einem Auto angefahren und erlitt Verletzungen, die ihn für mehrere Monate dienstunfähig machten. Der Unfall war nicht unbeteiligt an seinem Entschluss, seine Professur aufzugeben und freier Schriftsteller zu werden (1912).

1913/14 verfasste er Colas Breugnon, einen kürzeren historischen Roman in Form eines (fiktiven) Tagebuchs aus den Jahren 1616/17 (gedruckt erst 1919).

Der Erste Weltkrieg überraschte Rolland in der Schweiz. Bestürzt sah er in ihm den Untergang Europas. Er entschloss sich, in der Schweiz zu bleiben, wo er in Villeneuve lebte und unzensiert publizieren konnte. Hier lernte er Henry van de Velde kennen.

Er engagierte sich vom Oktober 1914 bis Juli 1915 als Freiwilliger bei der Internationalen Zentralstelle für Kriegsgefangene des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) in Genf. Er arbeitete in der Unterabteilung zivile Internierte, die sich um die Zusammenführung von Zivilgefangenen mit ihren Familien, der Suche nach Vermissten und der Weiterleitung von Briefen an die Angehörigen kümmerte. Daneben veröffentlichte er im Journal de Genève die kriegskritische Artikelserie Au-dessus de la mêlée (dt. Über den Schlachten), in der er die kriegsführenden Parteien scharf dafür kritisierte, dass sie um jeden Preis einen Sieg anstrebten und einen Verhandlungsfrieden ausschlossen. Über den Kriegsparteien stehend, versuchte Rolland, sowohl nach Frankreich hineinzuwirken (wo man ihn wegen angeblich unpatriotischer Haltung als einen „inneren Feind“ betrachtete) als auch nach Deutschland (wo man ihn kaum hörte). Nachdem seine Artikelserie im Jahre 1915 als Buch erschienen war, fand sie in der zweiten Kriegshälfte größere Verbreitung. Sie wurde nun rasch in mehrere europäische Sprachen übersetzt – allerdings nicht ins Deutsche – und hatte neben dem Roman Jean-Christophe großen Anteil daran, dass Rolland 1916 für eine nachträgliche Vergabe des Literaturnobelpreises von 1915 ausersehen wurde – „als Anerkennung für den hohen Idealismus seines dichterischen Werkes und für die Wärme und Wahrhaftigkeit, mit der er die Menschen in ihrer Verschiedenartigkeit dargestellt hat“. Die Hälfte des Preisgeldes stiftete er der Internationalen Zentralstelle für Kriegsgefangene des IKRK.

Wegen seiner Kritik an der Kriegspolitik beider Lager, denen er mit zunehmender Dauer des Krieges vorwarf, sich selbst im Falle eines Sieges zu zerstören, wurde Rolland zu einer Symbolfigur der transnationalen Antikriegs- und der internationalen Arbeiterbewegung während des Ersten Weltkrieges. Als Lenin im April 1917 aus dem Schweizer Exil nach Russland abreiste, beauftragte er den Sozialisten Henri Guilbeaux, Rolland ins revolutionäre Russland einzuladen. Unter Berufung auf seine Unabhängigkeit als „intellektueller Wächter“ über den Parteien lehnte Rolland das Angebot ab.

Stefan Zweig traf Romain Rolland während des Ersten Weltkrieges in der Schweiz und war von dessen Person und Arbeit überwältigt.

Rolland als engagierter Intellektueller

Nach dem Krieg initiierte er 1919 mit Henri Barbusse die Gruppe Clarté, eine Friedensbewegung linker Intellektueller, und die gleichnamige Zeitschrift. 1923 war er Mitgründer der Zeitschrift Europe, die sich insbesondere für eine Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland einsetzte. Auch der Roman Clérambault, histoire d’une conscience libre pendant la guerre von 1920 ist Ausdruck seines transnationalen Pazifismus.

Seit der Machtergreifung der Bolschewiki in der russischen Oktoberrevolution 1917 sympathisierte Rolland mit dem Kommunismus und entsprechend mit der 1920 gegründeten kommunistischen Partei Frankreichs. Er wurde so zu einem der nicht wenigen prokommunistischen Intellektuellen, welche die Parti communiste français (PCF) als „Weggenossen“ schätzte. So reiste er trotz angegriffener Gesundheit 1935 auf Einladung von Maxim Gorki nach Moskau, wo er von Josef Stalin als Repräsentant der französischen Intellektuellen empfangen wurde. Rolland verglich anschließend Stalin mit Augustus, dem ersten Kaiser des Römischen Reiches. In Moskau setzte sich Rolland für die Freilassung des inhaftierten Schriftstellers Victor Serge ein. Seit 1932 war er Ehrenmitglied der Akademie der Wissenschaften der UdSSR.

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