Romain David Jérémy Grosjean-Brandt (* 17. April 1986 in Genf) ist ein Automobilrennfahrer französisch-schweizerischer Herkunft. 2009 nahm er an sieben Formel-1-Rennen teil und von 2012 bis 2020 war er Formel-1-Stammfahrer. Nach einem schweren Unfall beim Großen Preis von Bahrain 2020 verließ er die Rennserie und startet seit 2021 in der IndyCar Series. Von 2008 bis 2011 fuhr er in der GP2-Serie, in der er 2011 den Meistertitel gewann. Außerdem ist er zweimaliger Meister der GP2-Asia-Serie (2008 und 2011) sowie einmaliger Meister der Formel-3-Euroserie (2007) und der Auto GP (2010).
Anfänge im Motorsport (2000–2007)
Grosjean begann seine Motorsportkarriere 2000 im Kartsport, in dem er bis 2002 aktiv war. Unter anderem gewann er 2001 die französische ICA-Kartmeisterschaft. 2003 wechselte er in den Formelsport und gewann gleich in seinem Debütjahr die Schweizer Formel Renault 1600 sowie die Formel Lista junior. 2004 wechselte Grosjean zu SG Formula und trat in der französischen Formel Renault, in der er mit einem Sieg den siebten Gesamtrang belegte, und im Formel Renault 2.0 Eurocup, in dem er 15. wurde, an. 2005 blieb Grosjean bei SG Formula in beiden Rennserien. Während er im Formel Renault 2.0 Eurocup den zwölften Platz in der Gesamtwertung erzielte, sicherte er sich mit 10 Siegen aus 16 Rennen dominant den Meistertitel der französischen Formel Renault. Das Renault-Formel-1-Team nahm ihn daraufhin in sein Förderprogramm auf.
2006 erhielt er ein Cockpit in der Formel-3-Euroserie beim französischen Rennstall Signature-Plus. Mit einem dritten Platz in Oschersleben stand er einmal auf dem Podium. Am Saisonende wurde er hinter seinen Teamkollegen Guillaume Moreau und Charlie Kimball, die die Plätze zehn und elf belegten, 13. Außerdem nahm er als Gaststarter an zwei Rennen der britischen Formel-3-Meisterschaft teil und kam bei beiden Rennen als Erster ins Ziel. 2007 wechselte Grosjean zum Rennstall ASM Formule 3, der sich in den Vorjahren bereits mit Jamie Green, Lewis Hamilton und Paul di Resta den jeweiligen Meistertitel gesichert hatten. Mit sechs Siegen und elf Punkten Vorsprung auf seinen schärfsten Verfolger Sébastien Buemi gewann Grosjean als erster Franzose den Meistertitel dieser Serie.
Ende 2007 bestätigte Renault Grosjean als offiziellen Testfahrer für die Formel-1-Weltmeisterschaft 2008. Außerdem wurde er von ART Grand Prix, für deren Formel-3-Team ASM er ein Jahr zuvor die Formel-3-Euroserie gewonnen hatte, für die GP2-Serie 2008 verpflichtet. Zunächst startete er für ART Grand Prix in der ersten Saison der GP2-Asia-Serie. Als Teamkollege von Stephen Jelley gewann er vier Rennen und wurde mit 24 Punkten Vorsprung auf seinen ehemaligen Formel-3-Rivalen Buemi Gesamtsieger.
In der Hauptserie der GP2 stand Grosjean insgesamt sechsmal auf dem Podium und gewann das Sprintrennen in Istanbul und das Hauptrennen in Spa-Francorchamps. Da es seinem Teamkollegen Luca Filippi, der bereits über GP2-Erfahrung verfügte, nicht gelang, mit ihm mitzuhalten, war Grosjean schlussendlich mitverantwortlich für die Ablösung Filippis durch Sakon Yamamoto, der genauso wenig in der Lage war, mit Grosjean zu konkurrieren. Grosjean holte 62 Punkte und wurde mit nur zwei Punkten Rückstand auf den Vizemeister Bruno Senna Vierter in der Gesamtwertung.
Auch 2009 ging Grosjean zunächst in der GP2-Serie an den Start, wechselte aber als Teamkollege von Witali Petrow zu Barwa Addax. Nachdem Grosjean gut in die Saison gestartet war und die Meisterschaft anführte, fiel er nach einigen Rennen, in denen er ohne Punkte blieb, hinter Nico Hülkenberg zurück und belegte nach sechs Rennwochenenden den zweiten Platz der Meisterschaft. Am Saisonende belegte er, obwohl er die letzten vier Rennwochenenden nicht mehr dabei war, erneut den vierten Gesamtrang.
Bereits im Juli 2009 wurde über Grosjeans Aufstieg in die Formel 1 spekuliert, nachdem es Gerüchte über eine Trennung des Renault-Teams von ihrem Fahrer Nelson Piquet jr. gegeben hatte. Ende Juli wurde Piquet tatsächlich entlassen und am 18. August Grosjean, der zuvor schon als Renault-Testfahrer fungierte, als neuer Fahrer verpflichtet. Er debütierte am 23. August beim Großen Preis von Europa in Valencia als Teamkollege des zweifachen Weltmeisters Fernando Alonso. Grosjean startete bei den letzten sieben Saisonrennen, kam dort aber nie in die Top-10. Mit einem 13. Platz beim Großen Preis von Brasilien als bestes Ergebnis blieb er ohne Punkte, während Alonso in diesem Zeitraum 13 Weltmeisterschaftspunkte sammelte und als Dritter einmal auf dem Podest stand. Für die Formel-1-Weltmeisterschaft 2010 wurde Grosjean durch seinen ehemaligen GP2-Teamkollegen Petrow ersetzt und erhielt kein Cockpit in der Formel 1.
Auto GP, FIA-GT1-Weltmeisterschaft, GP2-Serie (2010–2011)
2010 wechselte Grosjean in die neugegründete FIA-GT1-Weltmeisterschaft. In der Saison 2010 ging er mit einem Ford GT1 an den Start. Für den Schweizer Rennstall Matech Competition trat er in dieser Meisterschaft unter Schweizer Flagge zu den ersten fünf Veranstaltungen an. Zusammen mit Thomas Mutsch gewann er zwei Rennen. Am Saisonende belegte er den elften Platz in der Fahrerwertung. Außerdem gab er sein Debüt beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans.
In den Formelsport kehrte Grosjean zunächst über die Auto GP zurück. Grosjean trat für das französische DAMS-Team an und gewann gleich sein erstes Rennen in dieser Meisterschaft. Obwohl er an den ersten zwei Rennwochenenden der Saison 2010 nicht teilgenommen hatte, gewann er mit insgesamt vier Siegen bereits ein Rennen vor Saisonende den Meistertitel. Beim GP2-Rennwochenende in Hockenheim gab Grosjean überraschend sein Comeback in dieser Rennserie. Das DAMS-Team entschied sich den erfahrenen Piloten an einem Rennwochenende einzusetzen um festzustellen, warum das Duo Jérôme D’Ambrosio und Ho-Pin Tung bisher so wenig zeigte. Ohne Testfahrten absolviert zu haben, zeigte Grosjean auf eindrucksvolle Weise, dass die schwachen Leistungen des DAMS-Teams nicht am Rennwagen lagen und präsentierte in beiden Rennen mit Überholmanövern und schnellen Rundenzeiten das Potential des Teams. An drei weiteren Rennwochenenden kam er, diesmal als Ersatz für den verletzten Tung, erneut für DAMS in der GP2-Serie zum Einsatz und erzielte zwei dritte Plätze. Am Saisonende belegte er den 14. Gesamtrang. Außerdem absolvierte Grosjean für den Reifenhersteller Pirelli Testfahrten mit den neuen Formel-1-Reifen.
2011 blieb Grosjean bei DAMS in der GP2-Serie. Zunächst trat er in der GP2-Asia-Serie-Saison 2011 an. Er erzielte bei beiden Läufen die Pole-Position und entschied ein Rennen in Imola für sich. Am Ende der Saison, die vier Rennen umfasste, gewann Grosjean zum zweiten Mal den Meistertitel der GP2-Asia-Serie mit 24 zu 18 Punkten vor seinem Landsmann Jules Bianchi. In die GP2-Serie 2011 startete Grosjean mit einem Sieg in Istanbul. Nach einem fehlerhaften Qualifying zum dritten Rennwochenende in Monte Carlo musste er vom letzten Startplatz ins Hauptrennen gehen. Grosjean zeigte eine eindrucksvolle Leistung und verbesserte sich durch Überholmanöver und Boxenstrategie auf den vierten Platz. In Valencia, Silverstone, Nürburg und Mogyoród folgten weitere Siege. Drei Rennen vor Saisonende sicherte er sich in Spa-Francorchamps den Meistertitel der GP2-Serie. Grosjean stand insgesamt zehnmal auf dem Podium. Darüber hinaus war er erneut Testfahrer beim Formel-1-Team Renault.
2012 kehrte Grosjean als Stammpilot in die Formel 1 zurück. Er erhielt einen Vertrag beim Lotus F1 Team, für dessen Vorgängerteam, das Renault-Werksteam, er 2009 debütierte. Er wurde bei Lotus Teamkollege des ehemaligen Weltmeisters Kimi Räikkönen und ersetzte Witali Petrow, seinen ehemaligen GP2-Teamkollegen. Beim Saisonauftakt in Australien qualifizierte Grosjean das Auto auf den dritten Platz. Sein Rennen war nach einer Kollision bereits nach einer Runde beendet. Auch beim zweiten Rennen schied er schon nach wenigen Runden aus. Beim dritten Rennen, dem Großen Preis von China erzielte Grosjean mit einem sechsten Platz seine ersten Formel-1-Punkte. Ein Rennen später in Bahrain folgte mit einem dritten Platz seine erste Podest-Platzierung in der Formel 1. In Kanada gelang es ihm, dieses Resultat mit einem zweiten Platz zu übertreffen. Ein Rennen später, beim Großen Preis von Europa, lag Grosjean über weite Strecken auf dem zweiten Platz, er schied jedoch in der zweiten Rennhälfte mit technischen Problemen aus. Beim Großen Preis von Ungarn gelang ihm mit einem dritten Platz eine weitere Podest-Platzierung. Im Rennen lag er zunächst vor seinem Teamkollegen Räikkönen, der ihn jedoch nach seinem letzten Boxenstopp überholte. Ein Rennen später, beim Großen Preis von Belgien verursachte Grosjean eine Startkollision. Obwohl Hamilton neben ihm war, zog er nach dieser Seite und kollidierte mit ihm. Nachfolgend wurden weitere Autos getroffen. Es schieden vier Fahrer bei der Kollision aus. Kein Fahrer zog sich ernsthafte Verletzungen zu. Aufgrund dieser Startkollision sperrten die Rennkommissare Grosjean für ein Rennen und verhängten eine Geldstrafe von 50.000 Euro. Es war Grosjeans siebter Zwischenfall im zwölften Rennen. Beim Großen Preis von Japan war Grosjean in seine achte Startkollision dieser Saison verwickelt, für die er mit einer 10-Sekunden-Stop-And-Go-Strafe belegt wurde. Danach kam es zu vermehrter Kritik im Formel-1-Umfeld. Am Saisonende belegte er den achten Gesamtrang mit 96 Punkten.