An diesem Tag

Roland Freisler

Deutscher Jurist und Politiker (NSDAP), MdL, MdR, Präsident des Volksgerichtshofes und Teilnehmer der Wannseekonferenz 1942

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Karl Roland Freisler (* 30. Oktober 1893 in Celle; † 3. Februar 1945 in Berlin) war ein deutscher Jurist und Mitorganisator des Holocausts. Seine berufliche Karriere begann in der Weimarer Republik und gelangte im Verlauf der Diktatur des Nationalsozialismus zu ihrem Höhepunkt. Bald nach der Machtergreifung wurde er Staatssekretär, zuerst im preußischen, dann im Reichsjustizministerium und war führend an der Formung der nationalsozialistischen Justiz unter Ausschaltung rechtsstaatlicher Grundsätze beteiligt. Als einer der 15 Teilnehmer der Wannseekonferenz war er maßgeblich in die Organisation des Holocausts eingebunden.

Freisler gilt als bekanntester Strafrichter des nationalsozialistischen Deutschlands, sein Name wurde zum Synonym für eine Unrechtsjustiz schlechthin. Von August 1942 bis zu seinem Tod war er Präsident des Volksgerichtshofes, der höchsten juristischen Instanz des NS-Regimes für politische Strafsachen. Freisler war verantwortlich für etwa 2600 Todesurteile in den von ihm geführten Verhandlungen, darunter viele Schauprozesse mit im Voraus festgelegten Urteilen. Beispiele dafür sind die 1943 unter Freislers Vorsitz geführten Prozesse gegen die Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, in denen er neben anderen Christoph Probst, Hans Scholl und Sophie Scholl zum Tode verurteilte, sowie die Prozesse gegen die Widerstandskämpfer des Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944 wie Carl Goerdeler.

Seine Prozessführung war von Häme, Aggression und Befangenheit geprägt. Sie war darauf angelegt, die Angeklagten zu demütigen und weitgehend ihres Rechts auf Verteidigung zu berauben.

Freisler kam bei dem Luftangriff auf Berlin vom 3. Februar 1945 ums Leben.

Herkunft, Erster Weltkrieg und Kriegsgefangenschaft

Über das Privatleben Roland Freislers ist, im Unterschied zu fast allen anderen prominenten Personen der nationalsozialistischen Führungselite, nur wenig bekannt. Sein Vater war der aus Klantendorf in Mähren stammende Ingenieur und Oberlehrer Julius Freisler (1862–1937); seine Mutter, Charlotte Auguste Florentine Freisler, geb. Schwerdtfeger (1863–1932), stammte aus Celle.

Zum Jahresende 1893 zog die Familie mit dem zwei Monate alten Roland Freisler von Celle nach Hannover, 1895 dann nach Hameln, wo sein Bruder Oswald Freisler geboren wurde. Dieser war ebenfalls NS-Jurist, wurde aber nach der erfolgreichen Verteidigung dreier angeklagter Widerstandskämpfer im Berliner Katholikenprozess 1937 aus der Partei ausgeschlossen; er starb 1939 unter widersprüchlich überlieferten Umständen durch Suizid. Nach beruflich bedingten Aufenthalten in Duisburg und Karlsruhe zog Freislers Vater im Herbst 1897 mit seiner Familie nach Kassel. 1901 folgte die Übersiedlung nach Aachen, wo Julius Freisler eine Anstellung als Oberlehrer an der Königlichen Baugewerbeschule bekommen hatte. Roland Freisler wurde 1903 als Sextaner am Aachener Kaiser-Wilhelm-Gymnasium aufgenommen. Im selben Jahr kehrte die Familie endgültig nach Kassel zurück, wo Freisler bis zum Abitur im Frühjahr 1912 das Wilhelmsgymnasium besuchte. Anschließend begann er an der Universität Jena ein Studium der Rechtswissenschaft. Er war zeitweilig Mitglied der Studentenverbindung SBV! Alemannia Jena im Schwarzburgbund, wurde aber ausgeschlossen, nachdem er zusammen mit einem Alten Herrn versucht hatte, die Alemannia in eine Studentenverbindung des Wingolfs umzuwandeln.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrach er sein Studium, um sich als Kriegsfreiwilliger zu melden. Er nahm im Herbst 1914 an der Ersten Flandernschlacht teil, wo er verwundet und von seinem Regiment getrennt wurde. Später kam er als Offiziersaspirant mit dem Infanterie-Regiment Nr. 167 an die Ostfront. Dort geriet er im Herbst 1915 bei Kämpfen in Wolhynien als Fahnenjunker in russische Kriegsgefangenschaft. Den Rest des Krieges verbrachte er in einem Offizierslager in der Nähe von Moskau. Nach der Oktoberrevolution und dem Friedensvertrag von Brest-Litowsk erhielten die deutschen Kriegsgefangenenlager in Sowjetrussland die Selbstverwaltung. Freisler, der inzwischen den Bolschewiki beigetreten war, wurde zu einem der Lagerkommandanten ernannt. Als die Gefangenen 1918 in die Heimat entlassen wurden, blieb Freisler noch zwei Jahre länger in Sowjetrussland. In der Zeit des Russischen Bürgerkriegs war er Kommissar für Nahrungsmittelverteilung. Er soll fließend Russisch gesprochen haben und es wurde gemutmaßt, er sei in dieser Zeit überzeugter Anhänger des Bolschewismus gewesen.

Rückkehr nach Deutschland, Promotion und Niederlassung als Rechtsanwalt

Freisler kehrte 1920 nach Deutschland zurück, nachdem er in Russland offenbar wegen Korruptionsvorwürfen unter Druck geraten war. Er nahm sein Studium wieder auf und wurde 1921/22 an der Universität Jena mit einer Summa cum laude benoteten arbeitsrechtlichen Dissertation über das in der Weimarer Republik neue Betriebsräterecht promoviert. Im Oktober 1923 legte er in Berlin das juristische Staatsexamen ab. Er verbrachte danach einige Monate als Gerichtsassessor am Homberger Amtsgericht. 1924 eröffnete Freisler mit seinem Bruder Oswald eine Anwaltskanzlei in Kassel. Die Brüder teilten sich ihre Fälle dergestalt auf, dass Oswald das Zivilrecht und Roland das Strafrecht betreute und auch straffällig gewordene Nationalsozialisten verteidigte.

Am 24. März 1928 heiratete Freisler Marion Russegger. Sie bekamen zwei Söhne, Harald und Roland.

Nationalsozialistischer Agitator

Nachdem er nach seiner Rückkehr zunächst ähnlich wie Oswald linksliberale und sozialistische Ansichten vertreten hatte, vollzog Roland Freisler um 1923/1924 eine scharfe politische Wendung. Er ließ sich im Frühjahr 1924 als Reichstagskandidat für den Völkisch-sozialen Block aufstellen und trat zum 9. Juli 1925 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 9.679).

Für die NSDAP wurde Freisler Stadtverordneter in Kassel. Er war nach der Wahl zum Preußischen Landtag am 24. April 1932 Abgeordneter des 4. preußischen Landtags und nach der Machtergreifung auch Abgeordneter des 5. preußischen Landtags.

Im Jahr 1927 charakterisierte Karl Weinrich, der Gauleiter des damaligen NSDAP-Gaues Kurhessen, Freisler in einem Bericht an die Parteileitung in München wie folgt:

Er verwickelte sich im Verlauf der 1920er Jahre in dauernde gerichtliche Auseinandersetzungen mit örtlichen Politikern und Zeitungsredakteuren und lieferte sich als Stadtverordneter scharfe Rededuelle mit sozialdemokratischen Stadtverordneten. Zwischen 1924 und 1935 war er auch regelmäßig als Anwalt am Leipziger Ehrengerichtshof tätig, wo er in fast allen Prozessen Kollegen, Verfahrensbeteiligte oder Richter beleidigte und bedrohte. Ihm selbst wurde die Anwaltszulassung jedoch nie entzogen.

Freisler profilierte sich auch mit physischen und juristischen Aktionen gegen Theateraufführungen in Kassel. 1926 störte er gemeinsam mit anderen Nationalsozialisten eine Aufführung der Tragikomödie Seele über Bord von Ernst Glaeser. Dabei misshandelten die Störer einen Zuschauer. Freisler erstattete Strafanzeige gegen den Autor wegen Gotteslästerung (§ 166 StGB). Im Prozess stellte sich jedoch heraus, dass die monierten Sätze aus dem Bühnenmanuskript in der Kassler Aufführung gar nicht gesprochen worden waren. Auf Befragen, ob er diese Sätze wirklich gehört habe, antwortete Freisler ausweichend. Der Prozess endete mit einem Freispruch für Glaeser. In zwei Artikeln der Weltbühne kommentierten Kurt Tucholsky und Wolfgang Bardach diese Ereignisse und insbesondere Freislers Rolle. Ende 1927 erstattete Freisler Strafanzeige gegen das Kassler Kleine Theater und Bertolt Brecht, weil dort eine Neufassung von Brechts Baal gezeigt worden war. In seinem Schriftsatz deutete er das Drama als Glorifizierung der Homosexualität und erreichte tatsächlich, dass die Staatsanwaltschaft wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses und Verbreitung unzüchtiger Schriften (§§ 183 und 184 StGB) zu ermitteln begann, allerdings offenbar ohne Folgen.

Im Jahr 1931 war er zusammen mit Hans Frank Verteidiger im Verfahren gegen die Rädelsführer des Kurfürstendamm-Krawalls von 1931, SA-Führer Wolf-Heinrich von Helldorff und seinen Stabschef Karl Ernst. Die Verteidigung erreichte für beide ein mildes Urteil von sechs Monaten Haft, das überdies vorzeitig aufgehoben wurde.

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