Roger Federer [ˈʁɔdʒɐ ˈfeːdəʁɐ] (* 8. August 1981 in Basel; heimatberechtigt in Berneck) ist ein ehemaliger Schweizer Tennisspieler.
Er stand insgesamt 310 Wochen an der Spitze der Weltrangliste, die er mit 237 Wochen in Serie am längsten durchgehend anführte. Die Jahre 2004 bis 2007 und 2009 beendete Federer zudem als Weltranglistenerster. Er führte in der Statistik der gewonnenen Grand-Slam-Titel mit zuletzt 20 Titeln im Herreneinzel von 2009 bis 2022, dort liegt er hinter Novak Đoković (24) und Rafael Nadal (22). Federer gewann in seiner 25 Jahre langen Karriere 103 Einzel- und acht Doppeltitel.
Federer ist der erste Spieler, der dreimal drei Grand-Slam-Titel in einer Saison gewann (2004, 2006 und 2007). Er ist einer von acht Spielern, die im Laufe ihrer Karriere alle vier Grand-Slam-Turniere mindestens einmal gewonnen haben. Mit acht Einzeltiteln ist er der Rekordsieger der Wimbledon Championships. Er gewann sechsmal die Australian Open und fünfmal die US Open sowie einmal die French Open. Er siegte sechsmal bei den ATP Finals, gewann 28 Masters-Turniere und ist mit 24 Titeln Rekordsieger der ATP-Tour-500-Serie.
Federer wurde fünfmal (von 2005 bis 2008 sowie 2018) zum Weltsportler des Jahres gewählt, gemeinsam mit Đoković wurde er damit am häufigsten in dieser Kategorie ausgezeichnet.
Roger Federer, der Sohn eines Schweizers (Robert Federer) und einer Südafrikanerin (Lynette), wuchs zusammen mit seiner zwei Jahre älteren Schwester Diana in den Basler Vororten Riehen und Wasserhaus in Münchenstein auf. Mit der Herkunft seiner Mutter hängt laut Federer auch die englische Aussprache seines Vornamens zusammen, die damit nicht der in der Schweiz sonst üblichen französischen Aussprachsvariante [rɔˈʒeː] entspricht. Federer spricht neben Deutsch auch fliessend Englisch und Französisch und kann deshalb in Pressekonferenzen oder Interviews problemlos zwischen diesen Sprachen wechseln. Er besitzt neben dem Schweizer auch den südafrikanischen Pass.
Seine Ehefrau Mirka Federer-Vavrinec, eine ehemalige Schweizer Tennisspielerin, musste ihre Karriere 2002 wegen einer Fussverletzung beenden. Die beiden lernten sich am Rande der Olympischen Spiele 2000 in Sydney kennen. Am 11. April 2009 heirateten sie in Riehen bei Basel im engsten Familien- und Freundeskreis, am 23. Juli 2009 wurden sie Eltern von Zwillingstöchtern. Am 6. Mai 2014 wurden die Zwillingssöhne der beiden geboren. Vavrinec wird in mentaler Hinsicht beachtlicher Einfluss auf Federer zugeschrieben.
Federer liess sich aus medizinischen Gründen militärdienstuntauglich erklären, weil er Rückenbeschwerden hatte. Dies führte zu Diskussionen in der Schweizer Öffentlichkeit, da seit Jahren immer mehr Männer eines Jahrgangs für untauglich erklärt wurden. (2006 waren in der Schweiz gerade noch 65 % diensttauglich.)
Im Dezember 2003 gründete der Tennisprofi die Stiftung Roger Federer Foundation, die Hilfsprojekte für Kinder finanziell unterstützt, hauptsächlich im südlichen Afrika und in der Schweiz. Zweck der Stiftung ist die Förderung von Bildungsprojekten und des Jugendsports, insbesondere für Kinder aus finanziell benachteiligten Verhältnissen. Seit der Gründung wurden rund 68 Millionen Franken investiert, wodurch über 2 Millionen Kinder erreicht werden konnten.
Federer war zudem nach dem Erdbeben im Indischen Ozean 2004 in Tsunami-Hilfsprojekte involviert und spielte einige Benefiz-Turniere zur Unterstützung von Betroffenen. Im April 2006 wurde er als erster Schweizer zum internationalen UNICEF-Botschafter ernannt. Wegen dieses ehrenamtlichen Engagements wurde er 2006 von dem Verein Kinderlachen mit dem Kind-Award ausgezeichnet.
Federer lebt seit 2015 in Valbella, wohin er von Bäch gezogen ist. Einen weiteren Wohnsitz hat er in Dubai. Seine Unternehmensgruppe, die Tenro Holding AG, die er präsidiert, verlegte 2025 den Sitz von Bottmingen nach Wollerau. Die Tenro-Gruppe kümmert sich u. a. um Federers Markenrechte und Beteiligungen.
Kindheit und Jugend (1984–1998)
Im Unterschied zu anderen Grössen der Tennisgeschichte machte Roger Federer in jungen Jahren keine internationalen Schlagzeilen. Seine Eltern waren nicht die typischen Tenniseltern, vielmehr hatte er sich diesen Weg selbst ausgewählt. Wie auch in seiner späteren Profikarriere zeichnete er sich eher durch eine kontinuierliche Weiterentwicklung aus. Spektakuläre Erfolge stellten sich erst in der späten Jugend ein. So gab es keine grossangelegten Reportagen wie bei Tennistalenten wie Andre Agassi, Martina Hingis oder Steffi Graf. Der Schweizer begann im Alter von drei Jahren mit dem Tennisspielen und trat mit acht Jahren dem Tennisclub TC Old Boys bei. Dort wurde seine Entwicklung durch die Trainer Adolf Kacovský und Peter Carter massgeblich vorangetrieben.
Nach ersten nationalen Erfolgen entschied Federer mit zwölf Jahren, sich ganz auf den Tennissport zu konzentrieren und sein ebenfalls ausgeprägtes Talent im Fussball – er war Junior beim FC Concordia Basel – nicht weiter zu pflegen. 1995 wechselte er ins nationale Trainingscenter der Schweiz in Ecublens. Von nun an förderte der Schweizer Verband Federer, der in den Jahren 1995 bis 1997 sieben Schweizer Juniorenmeistertitel gewann. Seine Eltern hatten laut Federer volles Vertrauen in die Coaches in Ecublens gehabt und mischten sich nicht ein; sie besuchten ihn dort in zwei Jahren nicht mehr als drei Mal. 1995 erreichte er in Miami beim Orange Bowl, dem letzten grossen internationalen Juniorenturnier des Jahres, zwar nur den Achtelfinal. Dennoch betrachtete er sein Abschneiden als bis dahin grössten internationalen Erfolg. Ab 1997 nahm Federer vermehrt an internationalen Turnieren teil und gewann im Mai in Prato seinen ersten grösseren internationalen Juniorentitel.
In dieser Zeit fiel auch die Entscheidung, im Alter von 16 Jahren die Schule zugunsten der Tenniskarriere zu verlassen. Das Risiko ging Federer ein und schon 1998 folgte der Durchbruch auf der Juniorentour; im Januar erreichte er den Halbfinal der Australian Open, und in Wimbledon folgten Titelgewinne im Einzel und im Doppel. Diese Erfolge ermöglichten ihm erste Turnierteilnahmen auf der Profitour. Sein Debüt auf der ATP Tour gab er im Juli 1998 in Gstaad; im September erreichte er in Toulouse bereits seinen ersten Viertelfinal bei den Profis. Mit dem Gewinn des Orange Bowl im Dezember, seinem letzten Juniorenturnier, sicherte sich Federer zum Jahresende Platz 1 der Juniorenrangliste. Dies war für ihn nicht nur ein grosser Prestigeerfolg, sondern auch das Sprungbrett für den endgültigen Einstieg in die Profitour.
Beginn der Profikarriere (1999–2000)
Das Renommee als Junioren-Weltmeister half dem mittlerweile 17-Jährigen, auf der Profitour Fuss zu fassen. Er erhielt im Laufe seiner ersten Profisaison insgesamt acht Wildcards für Turniere der ATP Tour. Dadurch konnte er sein Ziel, am Ende der Saison unter den 200 besten Spielern der Welt geführt zu werden, bereits im Frühjahr übertreffen. Bei seinem Davis-Cup-Debüt gelang Federer ein Sieg im Einzel, womit er Anteil am Weiterkommen seines Landes in den Viertelfinal des Wettbewerbs hatte. Im Sommer nahm er in Roland Garros und Wimbledon erstmals bei den Profis teil, wobei er jeweils in der ersten Runde ausschied. Später im Jahr spielte er seine Stärke bei Hallenturnieren aus. Er erreichte in Wien seinen ersten Halbfinal auf der ATP Tour und schaffte damit den Sprung unter die besten 100 Spieler der Weltrangliste; die Saison beendete er auf Platz 64.
Für die Saison 2000 setzte sich Federer zum Ziel, sich unter den besten 50 Spielern der Welt zu etablieren. Weiterhin zeigte er sich als Hallenspezialist, auch wenn ihm erstmals Erfolge bei Freiluftturnieren gelangen. In Marseille erreichte er zu Beginn des Jahres seinen ersten Final auf der Profitour, den er gegen seinen älteren Landsmann Marc Rosset verlor. Nachdem der Sprung unter die Top 50 der Welt damit bereits vollzogen worden war, wurden das Saisonziel auf Platz 25 nach oben korrigiert. Im April erklärte Federer die Trennung vom Schweizer Verband und damit auch von seinem Coach Peter Carter. Er begründete den Schritt damit, dass er mittlerweile in der Lage sei, auf eigenen Füssen zu stehen, und sich deshalb für diesen Weg entschieden habe. Als neuen Trainer verpflichtete er den Schweden Peter Lundgren, der das Talent erkannte, aber noch Entwicklungspotenzial bei seinem 18-jährigen Schützling sah.