Roderick Doyle (* 8. Mai 1958 in Dublin, Irland) ist ein irischer Schriftsteller und Drehbuchautor.
Doyle wuchs in Kilbarrack, County Dublin, auf. Seine Eltern Rory und Ita Doyle, ein Schriftsetzer und Ausbilder im Druckereigewerbe und eine ehemalige Krankenhaussekretärin, waren für irische Verhältnisse liberal und aufgeschlossen. Roddy Doyle wuchs mit protestantischen und jüdischen Freunden in einer „gemischten“ Gemeinde auf. Rory Doyle lehrte seinen Sohn schon in frühen Jahren die Liebe zur Literatur. Roddy Doyle arbeitete – trotz des großen Erfolgs als Schriftsteller – bis Ende der 1990er Jahre als Lehrer für Englisch und Erdkunde, bevor er den Beruf zugunsten seiner Kunst aufgab. Roddy Doyle lebt mit seiner Frau Belinda und seinen drei Söhnen in Dublin.
Für die Artikel-Serie My Writing Day der britischen Tageszeitung The Guardian beschrieb er 2017 anlässlich der Veröffentlichung seines Romans Smile einen typischen Arbeitstag.
Beschreibung des schriftstellerischen Werks (frühe Werke)
Humor als Ausweg aus der Krise
Nachdem Doyle 1993 für das Werk Paddy Clarke, Ha, Ha, Ha den Booker Prize bekommen hatte, konnte er sich mit seinen fünf ersten Romanen als der wichtigste irische Vertreter des zeitgenössischen Comic Writing etablieren. Trotz der scheinbar heiteren Szenen, der bizarren Geschichten und der urkomischen Begebenheiten der Protagonisten sind Doyles Figuren dennoch innerlich vereinsamt, abgrundtief traurig und verzweifelt auf der Suche nach Lösungen ihrer Probleme und Konflikte. Das Lachen und der Humor – dargestellt durch das literarische Stilmittel des Comic Relief – sind oftmals der einzige Weg, das Leben, wenn es droht, im Chaos zu versinken, dennoch mit Würde zu bestehen. Das von Hoffnungslosigkeit bestimmte Dasein der Protagonisten ist nur mit Humor einigermaßen erträglich. Ihr Humor sorgt dafür, dass keine der Romanfiguren in Depression verfällt. Der Humor ist für die Figuren überlebenswichtig, um nicht unterzugehen. Für Doyle ist die Verarbeitung traumatischer Ereignisse in humorvoller Literatur ein wichtiger Bewältigungsweg, der in der Belletristik wie auch der Kinder- und Jugendliteratur erfolgreich sein kann. Ein wichtiges Beispiel des Comic Relief von Doyles Figuren ist die Schlussszene im Roman The Snapper. Sharon Rabbitte liegt im Krankenhaus und hält das Kind, das sie nach betrunkenem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit dem Vater ihrer Freundin zur Welt gebracht hat, zum ersten Mal im Arm. Von ihrer Bettnachbarin besorgt gefragt, ob sie geweint hätte – und Sharon hat eigentlich sehr viele Gründe, eben genau das zu tun –, erwidert Sharon nur, sie hätte gelacht.
It was the woman in the bed beside Sharon.
Yeah, said Sharon. – Thanks; I’m grand.
She lifted her hand – it weighed a ton – and wiped her eyes.
Ah, said the woman. – Were yeh cryin’?
No, said Sharon. – I was laughin’.
(Roddy Doyle: ‘The Snapper’. In: The Barrytown Trilogy. London 1993, S. 340.)
Dann ist der Roman beendet und hinterlässt eine betroffene Leserschaft, die tiefes Mitgefühl mit Sharon hat und für sie hofft, dass sie eines Tages doch noch Gerechtigkeit und Glück erfahren wird.
Zustandsbeschreibung der irischen Arbeiterklasse
Roddy Doyles frühe Romane sind tief in der irischen Arbeiterklasse verankert. Die Hauptthemen der ersten Werke und die Schwerpunkte seiner schriftstellerischen Kritik sind
das Versagen der irischen Männer und ihre Suche nach einer neuen Rolle in einer sich verändernden konservativ-katholischen Gesellschaft,
der Versuch, auch in Irland die Gegenwart und den Zeitgeist des späten 20. Jahrhunderts zu erreichen, und
das Aufbrechen verkrusteter sozialer Strukturen und die Folgen dieses Aufbrechens für die irische Gesellschaft.