An diesem Tag

Robert Wagner (Gauleiter)

Badischer Reichsstatthalter und Gauleiter

Anúncio

Robert Wagner (* 13. Oktober 1895 als Robert Heinrich Backfisch in Lindach bei Eberbach am Neckar; † 14. August 1946 Hinrichtung im Fort Ney nördlich von Straßburg) war ein verurteilter Kriegsverbrecher, deutscher Politiker (NSDAP), MdR, Reichsstatthalter in Baden und Gauleiter.

Er nahm 1923 am Hitlerputsch teil und war danach maßgeblich am Aufbau der NSDAP in Baden beteiligt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er badischer Reichsstatthalter und Gauleiter, nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Frankreich 1940 außerdem auch Chef der Zivilverwaltung im besetzten Elsass. Er versuchte sich an der Reintegration des Elsass in das Deutsche Reich. Für die als Wagner-Bürckel-Aktion bekannte Massendeportation von Juden aus dem Elsass, aus Lothringen, Baden und der Pfalz war er mitverantwortlich. 1946 wurde er von einem französischen Militärgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet.

Wagner war das zweite von fünf Kindern des Landwirts Peter Backfisch und dessen Ehefrau Katharina, geborene Wagner. Er besuchte die Volksschule und trat 1910 in die Heidelberger Präparandenanstalt ein. Nach dreijährigem Kurs nahm er ein dreijähriges Studium am Heidelberger Lehrerseminar auf.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges brach Wagner seine Lehrerausbildung ab und meldete sich als Freiwilliger. Er blieb zeitlebens ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Wagner kämpfte u. a. im 2. Badischen Grenadier-Regiment „Kaiser Wilhelm I.“ Nr. 110 in Flandern, in der Schlacht um Verdun, der Schlacht an der Somme, der Lorettoschlacht und in der Champagne und erlebte somit einige der blutigsten Schlachten an der Westfront. 1916 hatte er den Dienstgrad Leutnant der Reserve erreicht und wurde im November 1917 mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet. Außerdem hatte man ihm das Verwundetenabzeichen in Schwarz sowie das Ritterkreuz II. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen mit Schwertern verliehen. Die Kapitulation empfand er als „Dolchstoß“ in den Rücken durch die wankende Heimatfront. Zumindest aus seiner späteren Sicht bestärkte ihn dieses Erlebnis in seinem Hass auf „Novemberverbrecher“, Linke und Deserteure.

Wagner wurde am 23. Dezember 1918 nach der Demobilisierung aus der Armee entlassen und schloss sich im Februar 1919 dem II. Badischen Freiwilligenbataillon an, mit dem er an der Niederschlagung revolutionärer Unruhen in Mannheim und Karlsruhe beteiligt war. Im August 1919 wurde er als Leutnant in der Vorläufigen Reichswehr erneut vereidigt und zunächst im Reichswehr-Schützen-Regiment 113 in Karlsruhe verwendet. Mit der Bildung der eigentlichen Reichswehr folgte seine Versetzung in das Infanterie-Regiment 14 nach Konstanz. Dort nahm er 1921 den Geburtsnamen seiner Mutter an. Die Gründe für die Namensänderung von Backfisch zu Wagner liegen wahrscheinlich in Hänseleien im Offizierskasino.

Im September 1923 wurde er auf die Infanterieschule München kommandiert, die damals wichtigste Offiziersausbildungsstätte Deutschlands. In München lernte Wagner Adolf Hitler und Erich Ludendorff kennen, die er alsbald verehrte. Eine persönliche Freundschaft verband ihn mit Ludendorffs Stiefsohn Heinz Pernet, der ihn im November 1923 zur Teilnahme am Hitlerputsch bewegte.

Am Hitlerputsch vom 9. November 1923 nahm Wagner als Anführer der Mannschaften der Infanterieschule teil, die sich als persönliche Sturmabteilung Ludendorffs verstanden. Wagner wurde nach dem Scheitern des Putschs verhaftet und mit anderen Verhafteten in Landsberg festgesetzt. Beim Prozess ab dem 26. Februar 1924 brachte ihm seine Beteiligung am Putsch am 1. April 1924 eine Verurteilung zu einem Jahr und drei Monaten Festungshaft ein, die er allerdings nicht absitzen musste, denn die nach Abzug der Untersuchungshaft von zwei Monaten und drei Wochen verbleibende restliche Freiheitsstrafe wurde auf vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Im Juli 1924 schloss sich ein weiteres Strafverfahren wegen einer von Wagner während des Putsch-Prozesses ausgesprochenen Beleidigung gegenüber Otto von Lossow an.

Seit dieser Zeit hatte Wagner beste Beziehungen zu Adolf Hitler und Joseph Goebbels. Hitler ließ ihn auch später frei gewähren und unterstützte ihn gemäß seinem allgemeinen Herrschaftsprinzip konkurrierender Machtzentren in Auseinandersetzungen mit den zentralen Regierungsinstanzen. Für seine „Verdienste“ im Jahre 1923 erhielt Wagner als „Alter Kämpfer“ 1934 das höchste Ehrenzeichen der NSDAP, den sogenannten Blutorden mit der Verleihungsnummer 83.

Wagner gelang es auch nach seiner Entlassung aus der Reichswehr im Mai 1924 nicht mehr, in der bürgerlichen Arbeitswelt Fuß zu fassen. Er trat der NSDAP vermutlich im Juli 1925 bei (Mitgliedsnummer 11.540), gründete den Gau Baden der Partei und betätigte sich intensiv als Organisator und Parteiredner.

Den zeitweilig als Ersatzorganisation für die verbotene SA geschaffenen, nach Albert Leo Schlageter benannten Schlageterbund, in dem er auch die Reste der verbotenen NSDAP gesammelt hatte, führte er wieder in die SA über. Er sorgte dafür, dass Baden mit dem am 5. November 1927 erstmals erschienenen Führer eine eigene Gauzeitung erhielt, die sich in der Folgezeit zu dem zentralen NS-Propagandaorgan in Baden entwickeln sollte. Zum Schriftleiter ernannte er Franz Moraller.

1928 wurde Wagner Gauleiter der Nationalsozialistischen Gesellschaft für deutsche Kultur.

1931 ernannte Wagner den Lahrer Kaufmann, autodidaktischen Maschinenbauingenieur und Erfinder des Wankelmotors Felix Wankel zum Gauleiter der Hitlerjugend Baden.

Die NSDAP erzielte ab 1927 auch in Baden verstärkt, bei den jeweiligen Reichstagswahlen sogar im Vergleich zu den übrigen Ländern überdurchschnittliche Erfolge. 1929 erhielt sie bei den Landtagswahlen 7 % der Stimmen, was es Wagner ermöglichte, in den Landtag als dessen Mitglied einzuziehen.

An parlamentarischen Debatten beteiligte Wagner sich höchst selten. Es kam ihm und seiner Partei im Wesentlichen darauf an, das parlamentarische System lächerlich zu machen und zu behindern. Am 18. Dezember 1930 legte er im Landtag durchaus klar und prophetisch dar, die Weimarer Verfassung und die Badische Verfassung seien nur Weg zum Ziel. „Der Tag wird kommen, wo das Machwerk von Weimar mit Ihrem so genannten Staate in sich zusammenbricht.“ Am 2. Juni 1932 erklärte Wagner in öffentlicher Sitzung des Badischen Landtags, es gelte den „wertezerstörenden“ Parlamentarismus abzubauen: „Wir Nationalsozialisten legen keinen Wert darauf, Parlamentarier zu sein.“ Wichtig waren ihm dagegen die mit seiner Stellung als Parlamentarier verbundenen Vorteile, nämlich Diäten und die Freifahrten mit der Reichsbahn.

Seine parlamentarische Immunität schützte ihn außerdem mehrfach vor der juristischen Verfolgung von Gewalttaten, in die er mit anderen Nationalsozialisten verwickelt war. Am 14. Januar 1930 befasste sich der Badische Landtag mit einem Antrag der badischen Staatsanwaltschaft zur Einleitung und Durchführung eines Strafverfahrens gegen Wagner „wegen Körperverletzung, Beleidigung, Ruhestörung und groben Unfugs“. Wagner hatte am 19. Dezember 1929 gemeinsam mit dem Führer-Schriftleiter Moraller sowie zwei weiteren Nationalsozialisten eine Schlägerei mit Vertretern einer internationalen Eisenbahnbeamtenvertretung angezettelt.

1932 wurde Wagner in die Reichsleitung der NSDAP berufen. Dort wurde er im Dezember 1932 Stellvertreter von Robert Ley und Leiter des Hauptpersonalamts der NSDAP im Stab von Rudolf Heß.

Am 9. März 1933 kehrte Wagner mit den von Reichsinnenminister Wilhelm Frick am Vortag verliehenen Befugnissen der obersten Landesbehörde nach Baden zurück. Innerhalb weniger Tage war die „Machtergreifung“ im Land abgeschlossen: Wagner bildete am 11. März eine kommissarische Regierung und übernahm das Amt des Staatspräsidenten. Am 5. Mai 1933 wurde er zum Reichsstatthalter von Baden und gleichzeitig zu einem der Gauleiter der NSDAP im Deutschen Reich ernannt und verkündete – dies als Zeichen in Richtung SA – das Ende der Revolution.

Ausschaltung politischer Gegner

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken